Die Anreise
August 20 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C
Da die Zugverbindungen von Montabaur nach Frankfurt für einen Abflug um unchristliche fünf Uhr morgens schlichtweg atemberaubend sind – also theoretisch existieren, praktisch aber eher ein Glücksspiel der Kategorie „Russisches Roulette“ sind –, haben wir einstimmig beschlossen: Wir reisen einfach einen Tag früher an. Wir gönnen uns ein Hotel direkt am Flughafen.
„Übernachten“ ist in diesem Zusammenhang natürlich ein fantastisch dehnbarer Begriff. Wenn der Wecker um halb drei morgens schrillt, ist das kein Aufstehen, das ist eine Störung der Totenruhe. Aber gut, man redet sich das ja gern schön: Man ist dann schon mal da. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit. Einem völlig trügerischen Gefühl, aber immerhin.
Nun stehe ich also am Bahnhof Montabaur. Das Auto ist geparkt, das Gepäck rollt meckernd über den Bahnsteig, und ich warte auf den Zug. In meinem Kopf läuft das Stoßgebet eines jeden deutschen Reisenden: Bitte, liebe Deutsche Bahn, lass mich heute einfach nur von A nach B kommen, ohne dass ich auf freier Strecke die Fauna Hessens kennenlernen muss.
Ich blicke auf die digitale Anzeige. Noch stehen keine Minuten der Verzögerung da. Ein kleiner, naiver Funke Hoffnung keimt in mir auf. Hach ja. Man wird ja wohl noch träumen dürfen...Read more
Die Anreise 1.5
August 20 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C
Als hätte ich das Schicksal persönlich herausgefordert, ertönte sie wieder: die Durchsage. 30 Minuten Verspätung. Gut, tief durchatmen. Wir haben es ja nicht eilig, dachte ich noch naiv. Genau für diesen DB-Wahnsinn bucht man schließlich ein Hotel am Flughafen. Solche Zeitpuffer muss man heutzutage ja nicht nur einkalkulieren, die gehören zum deutschen Kulturgut.
Doch die Deutsche Bahn wäre nicht die Deutsche Bahn, wenn sie nicht noch eine Schippe Dramatik drauflegen könnte. Exakt 20 Minuten später die nächste Durchsage, diesmal im Tonfall einer Beileidsbekundung: Zug fällt komplett aus. Wegen zu später Bereitstellung.
Ich stutze. Zu späte Bereitstellung? Ich dachte ernsthaft, der Zug rollt schon munter durch die Republik! Aber nein, er wurde offenbar nicht mal pünktlich geweckt. Nur wer unterwegs ist, kann sich verspäten – wieder was fürs Leben gelernt.
Da steht man nun. Koffer, Rucksack, die Laune kurz vor dem Nullpunkt und weit und breit kein Infoschalter. Montabaur ist schön, aber als unfreiwilliger Wohnort für die Nacht eher semiattraktiv.
Und dann geschieht das kleine Wunder von Gleis 2. Eine gestrandete Bahnmitarbeiterin, die hier seit drei Stunden festsitzt, nimmt das Heft des Handels in die Hand. Sie beschwert sich an den richtigen Stellen mit einer Vehemenz, vor der selbst die Konzernspitze erfürchtig erzittert sein muss. Die Rettung naht! Der nachfolgende Zug nach Zürich wird einen außerordentlichen Halt einlegen, um das verlassene Volk von Montabaur einzusammeln.
Dass dieser Schweizer Retter in der Not nun auch schon wieder mit 20 Minuten Verspätung angekündigt wird? Geschenkt. Ich bete jetzt einfach nur ganz leise, dass er zumindest wirklich unterwegs ist...Read more
Anreise final
Aug 20–21 in Germany ⋅ ☁️ 23 °C
Und dann geschieht es tatsächlich: Der Schweizer Express rollt ein. Er fährt nicht durch, er bremst, er bleibt stehen! Ein kollektives Aufatmen geht durch die Wartenden. Wir hechten hinein, ergattern zwei der letzten freien Sitzplätze und – man mag es kaum glauben – exakt 35 Minuten später spuckt uns der Zug am Frankfurter Flughafen aus.
In diesem Moment fällt eine Zentnerlast von meinen Schultern. Mein Gott, bin ich heilfroh, dass wir erst morgen fliegen! Ein Abflug im Morgengrauen mit dieser Bahnanbindung? Das wäre kein Start in den Urlaub gewesen, das wäre ein Herzinfarkt mit Ansage geworden.
Um das Schicksal und die öffentlichen Verkehrsmittel für heute nicht weiter herauszufordern, sprinten wir direkt zum Taxistand. Rein ins erste Taxi, einmal kurz ums Rollfeld herumgekurvt, und schon stehen wir vor dem Hotel.
Der Check-in verläuft erstaunlich schmerzfrei. Die Rezeptionistin, eine strahlende Frohnatur, schaut mich begeistert an und flötet ganz stolz: „Wussten Sie schon? Wir haben einen wunderbaren, kostenlosen Shuttle-Service direkt zum Terminal! Ab fünf Uhr morgens!“
Ich lächele milde zurück. Ab fünf Uhr morgens. Großartig. Unser Flieger hebt genau dann ab, aber der gute Wille zählt.
Das Zimmer ist zum Glück riesig, blitzsauber und das Bett so unfassbar bequem, dass man am liebsten für die nächsten drei Wochen darin versinken würde. Aber vor dem Schlafen müssen die strapazierten Nerven beruhigt werden.
Wir machen es uns also draußen im Biergarten der Hotelbar „Ju 52“ gemütlich. Bedient werden wir von einem echten Original – ein Typ Kategorie „Flugzeug-Rocker“, der perfekt in dieses Ambiente passt. Bei kühlen Getränken, Burgern, Pizza und Fingerfood lassen wir den DB-Wahnsinn des Tages langsam absacken.
Jetzt versuchen wir, in den verbleibenden Stunden bis zum Wecker-Terror um halb drei wenigstens so zu tun, als würden wir schlafen.
Gute Nacht. Morgen fliegen wir. HoffentlichRead more
Na Hallo Mallorca
August 21 in Spain ⋅ ⛅ 27 °C
Um Punkt halb drei schrillt der Wecker. Ein Geräusch, das meilenweit entfernt von jeglicher Nächstenliebe ist. Ich schlage die Augen auf und fühle mich sanft von den Toten auferstanden. Aber gut, ein paar Stunden Schlaf konnte ich immerhin ergaunern.
Augen aufgeschlagen, Uber gerufen, und Fahrer Hasam kutschiert uns pünktlich zum gigantischen Terminal 1.
Was folgt, ist moderne Technik im Schnelldurchlauf: Die Gepäckabgabe erinnert mittlerweile frappierend an die SB-Kasse bei Rewe. Ticket scannen, Aufkleber am Koffer befestigen und ab aufs Band. Wichtigster Insidertipp: Unbedingt die richtige Airline auswählen, sonst fliegt der Koffer nach Honolulu und ich stehe auf Mallorca nur mit den Kleidern am Leib da.
Bei der Sicherheitskontrolle das nächste Wunder: Kein panisches Ex-und-Hopp-Trinken der Wasserflasche mehr, keine durchsichtigen Plastikbeutel für die Handcreme. Alles bleibt einfach im Rucksack. Ein Traum!
Nach pünktlichem Abflug setzen wir exakt zwei Stunden später bei samtigen 27 Grad auf mallorquinischem Boden auf. Um Punkt sieben Uhr morgens! Selbst das Gepäckband schnurrt uns die Koffer direkt entgegen, und draußen wartet bereits der Schauinsland-Bus. Kein Suchen, kein Fluchen, keine Verspätung.
Ich sinke in den Bussitz und grinse. Gestern stand ich noch verzweifelt im hessischen Nirgendwo, heute rolle ich entspannt durch die Finca-Landschaft Mallorcas. Die Deutsche Bahn möge sich bitte eine Scheibe davon abschneiden.Read more
Schönes Peguera und humorvolle Begrüßung
August 21 in Spain ⋅ ☀️ 31 °C
Nachdem der Bus gefühlt jeden einzelnen Mitreisenden in den entlegensten Winkeln der Insel abgeladen hat, erreichen schließlich auch wir unser Ziel. Peguera! Ich muss gestehen: Ich war in dieser Ecke Mallorcas noch nie. Aber was soll ich sagen? Schön ist’s hier!
Unser Hotel entpuppt sich als Volltreffer. Ein kleines, süßes Boutique-Hotel mit dem rustikalen Charme einer Finca. Die oberste Priorität lautete schließlich, bloß kein gesichtsloser Betonkasten mit tausend Betten! Ziel mit Bravour erreicht.
Der Eigentümer – dessen Name mir in der morgendlichen Schlaftrunkenheit natürlich prompt entfallen ist – hat allerdings Nerven aus Stahl. Als wir vor ihm stehen, verzieht er keine Miene, tippt dramatisch langsam auf seiner Tastatur herum und erklärt uns völlig ernst, dass er unsere Buchung leider nicht finden könne. Mir rutscht das Herz nicht nur in die Hose, es nimmt die Rolltreppe direkt in die Socken! Nach dem gestrigen Bahn-Drama brauche ich eigentlich alles, nur keine spontane Obdachlosigkeit auf Mallorca.
Als er mein bleiches Gesicht sieht, löst er das Rätsel lachend auf. Na danke für den Herzinfarkt am Morgen! Dafür entschädigt er uns mit geballtem Inselwissen, exzellenten Tipps und der besten Nachricht des Tages: Statt erst um 15 Uhr dürfen wir unser Zimmer schon um 12 beziehen.
Wir nutzen die geschenkte Zeit für einen kleinen Snack am Strand und eine erste kühle Erfrischung im Mittelmeer. Danach wird das Zimmer gekapert, das Gepäck verstreut und ab geht’s zur zweiten Runde ins Wasser. Diesmal zum richtigen Schwimmen. Eine Taucherbrille muss ich mir dringend noch besorgen, aber auch ohne war es einfach nur salzig schön.
Ich liege im Sand, die Sonne wärmt die Knochen und ich denke mir: Hach ja... Ende gut, alles gut.Read more
Trüffel, Oktopus und Gasflaschen Cola
August 21 in Spain ⋅ ☀️ 30 °C
Der Tag neigt sich dem Ende zu, der Magen knurrt charmant, und es wird Zeit, sich in Schale zu werfen. Ich schlüpfe also in mein absolutes Statement-Outfit – mein Mallorca-FEELING-Set inklusive stylischem Anglerhut. Wer mich so sieht, weiß sofort: Hier wandelt der pure Urlaub auf zwei Beinen.
Zum Abendessen verschlägt es uns ins Restaurant „La Campana“. Ein absoluter Glücksgriff, denn der Laden liegt praktisch Wand an Wand mit unserem kleinen Hotel. Die Wege sind kurz, und das ist auch gut so – denn wer ahnt schon, in welchem Zustand man nach dem Essen den Heimweg antritt?
Wir sichern uns einen Platz auf der wunderschönen, grün eingewachsenen Terrasse. Entspannte Musik plätschert durch die warme Abendluft, der Service strahlt eine herzliche Ruhe aus und die Speisekarte liest sich wie ein Liebesbrief an den Gaumen.
Was folgt, ist kulinarische Ekstase: Auf der einen Seite des Tisches duftet feinstes Trüffel-Pasta-Glück mit echten, dicken Trüffelscheiben. Auf meiner Seite thront gegrillter Oktopus auf einem Kartoffelpüreebett, das so perfekt gewürzt ist, dass man sich am liebsten hineinlegen möchte. Dazu gibt es das absolute Highlight für die Seele: ein riesiges Glas, krachend volm Eiswürfel und eine eiskalte Coca-Cola aus der echten Glasflasche. Es gibt Dinge im Leben, die sind einfach unbezahlbar.
Gesättigt, überglücklich und um mindestens zwei Kilo Urlaubsfreude schwerer treten wir den beschwerlichen Fünf-Meter-Heimweg an. Rollen trifft es vermutlich eher.Read more
Ein Hobbit auf Wanderschaft
August 22 in Spain ⋅ ⛅ 31 °C
Da unser Mietwagen erst ab morgen auf dem Plan steht, heißt es heute: Beine in die Hand nehmen und marschieren! An den mäßig begeisterten Blicken meiner Reisebegleitung kann ich jedoch schon jetzt ablesen, dass hier sehnlichst das Eintreffen der vierrädrigen Motorisierung herbeigesehnt wird. Aber gut – als geborenes Mitglied des bodenständigen Fußvolks schlupfe ich nach einem äußerst stabilen Frühstück im Hostal unverdrossen die meine Sandalen. Erste Etappe: knapp vier Kilometer nach Camp de Mar.
Die Naturromantik lässt allerdings kurz auf sich warten. Statt verträumter Wanderpfade durch schattige Kiefernwälder finden wir trotz wilder Spekulationen und eifriger Google-Maps-Recherche... genau nichts. Der einzige Pfad, der halbwegs nach Abenteuer aussah, endete abrupt am Ortsausgang von Peguera. Also: Ab auf den Bürgersteig!
Immerhin beschert uns der Kreisverkehr kurz vor dem Ortseingang ein optisches Highlight: Hier eröffnet sich quasi das Tor zum gewaltigen Tramuntana-Gebirge. Ein majestätischer Anblick, der enorm Lust darauf macht, diese Serpentinen in den nächsten Tagen mit dem Auto zu erobern.
Camp de Mar selbst wurde uns ja fälschlicherweise als romantisches „Fischerörtchen“ angepriesen. Vor Ort entpuppt es sich allerdings blitzschnell als durchgestylte Hochburg für das gehobene Golf-Publikum. Nun ja – gut für die Fische, die haben hier definitiv ihre Ruhe.
Spektakulär ist allerdings das Restaurant, das mitten im Meer auf einer kleinen Felseninsel liegt und nur über einen hölzernen Steg erreichbar ist. Wir waren zwar nicht essen, aber der Anblick ist schlichtweg atemberaubend!
Nachdem ich mich am Strand mit einer nagelneuen Taucherbrille ausgerüstet habe, verfalle ich in die Rolle der Überzeugungstäterin. Mit sanftem Druck und Engelszungen überrede ich meine Begleitung für die nächsten drei Kilometer weiter zur Cala Blanca.
Ein bisschen Schwund ist schließlich immer!Read more
Über die Berge zur Cala Blanca
August 22 in Spain ⋅ ⛅ 31 °C
Von Camp de Mar aus geht es erst einmal stramm bergauf. Wir passieren eine ganze Reihe exklusiver Luxusvillen, die sich aktuell noch in ihrer Verpuppungsphase befinden. Die Hochglanzfotos an den Baustellenzäunen versprechen allerdings Paläste der Extraklasse. Der typische mallorquinische Charme bleibt zwar etwas auf der Strecke, aber wer hier später einzieht, darf sich ungeniert wie der König von Mallorca fühlen.
Was lange bergauf geht, muss Überraschung - naturgemäß auch irgendwann wieder bergab führen, wenn man in eine Bucht möchte. In Serpentinen schlängeln wir uns nach unten. Doch die eigentliche Mutprobe wartet ganz am Ende. Ein höchst gefährlicher Geröll-Abhang versperrt den Weg ins Paradies.
Mit wackligen Knien, aber ohne nennenswerte Blessuren meistern wir die Kraxelei. Die Belohnung? Wir ergattern einen der heiß begehrten und extrem rar gesäten flachen Felsen, die hier als behelfsmäßige Liegewiese dienen.
Und dann liegt sie vor uns, die Cala Blanca. Das Wasser ist so glasklar, dass es fast schon kitschig wirkt. Ich zögere keine Sekunde, schnalle mir meine neue Taucherbrille auf und tauche ab. Eine völlig neue Welt! Ich entdecke Seeigel, neugierige Fischschwärme und sogar eine Seeanemone, die sanft in der Strömung wiegt. Bei einem besonders kühnen Tauchgang entdecke ich eine wunderschöne Muschel. Da sie allerdings noch von einem kleinen Bewohner besetzt ist, lasse ich sie natürlich im kühlen Nass. Man ist schließlich Gast auf der Insel und setzt niemanden einfach so vor die Tür. Außerdem können die Bewohner beißen, fragt mich - ich weiß es genau!
Nach unzähligen Tauchgängen und ausgiebigem Rumfläzen treten wir bei strammen 34 Grad Sonnenschein den Rückweg an.
Als hochverdiente Belohnung für diesen Fußmarsch gönnen wir uns die absolute Kalorienbombe. Ein Soft-Ice-Coffee-Milchshake für die Begleitung und eine Waffel für mich, die so vollgepackt mit allerhand Süßem ist, dass man sie fast schon unter das Waffengesetz stellen müsste.
Hach ja. Ein perfekter Tag für einen Hobbit auf Reisen.
Das Abendessen steht noch aus, schauen wir doch mal, mit welcher kulinarischen Überraschung wir uns den Abend versüßen.Read more
Abendessen auf Sparflamme
August 22 in Spain ⋅ ☀️ 28 °C
Nach einer wohlverdienten Erholungspause und einer eisernen Dusche schlüpfen wir in eine frische Garnitur Urlaubskleidung. Fein rausgeputzt zieht uns der Magen Richtung Promenade. Nach der gestrigen Gourmet-Verschwendung im La Campana steht heute allerdings das Motto „bodenständig und bescheiden“ auf dem Programm.
Mein Smartphone informiert mich stolz darüber, dass wir am heutigen Tag sagenhafte 18 Kilometer abgerissen haben. Mein Körper wusste das allerdings schon vorher.
Überraschenderweise hält sich der Riesenhunger trotz der absoluten Höchstleistung in Grenzen – 34 Grad und Fußmarsch verlangen eben ihren Tribut.
Auf dem Rückweg sticht uns schließlich der „Fuchsbau“ ins Auge. Ein echtes Gastro-Urgestein aus Mönchengladbach hat es wohl irgendwann nicht mehr im Rheinland ausgehalten und ist auf die Sonneninsel ausgewandert. Seine Spezialität? Alles rund ums Huhn! Für uns gibt es einen knackigen Salat und zwei feine kleine Tapas – genau die richtige Dosis für den geplagten Wandermagen.
Die Promenade zeigt sich am Abend von ihrer buntesten Seite: Ein geschäftiges Treiben aus Urlaubsseelen, Einheimischen und Straßenkünstlern, die ihre Showeinlagen zum Besten geben. Ich beobachte das Spektakel mit einem seligen Lächeln, bevor mir unaufhaltsam die Augen auf halbmast sinken.
Alt werde ich heute definitiv nicht mehr. Mein Bett ruft – und morgen wartet schließlich das Auto!Read more
Sardinenbüchse, Fettgebäck und der Fiat
August 23 in Spain ⋅ ☀️ 28 °C
Nach dem Frühstück im Hostal schwebte Pedro an unseren Tisch. Pedro – eine Type wie aus einem spanischen Film, dauergrinsend, Mietvertrag in der Hand und voller spanischer Lebensfreude, die einen morgens um acht fast ein bisschen aggregiert. Papierkram erledigt, da sagt er trocken: „Der Fiat steht zweimal rechts, einmal links ums Eck.“
So stand ich nun da. Schlüssel in der Hand, der Blick ins Leere. Eine Wegbeschreibung wie aus einem Kinder-Wimmelbuch. Suche den roten Zwerg, biege ab beim krummen Baum und wenn du eine Katze siehst, bist du zu weit. Aber ich habe die erste Tages-Challenge gemeistert: Auto gefunden, Koffer reingequetscht (ein Fiat 500 ist ja eher eine etwas größere Handtasche auf Rädern) und auf nach Alcúdia. Ist ja Markttag, da muss der Mensch hin.
Die Fahrt? Ein Traum. Kaum war Peguera im Rückspiegel verschwunden, brauchten wir nicht mal mehr ein Navi. Im Radio dröhnte das Inselradio, diesen wunderbaren Mix aus Deutschem Schlager und spanischen Werbespots für Gartenmöbel lieben wir doch einfach.
In Alcúdia angekommen zeigt sich die Insel von ihrer pragmatischen Seite: Was nicht Niet und Nagelfest ist, wird kurzerhand zum Parkplatz erklärt. Ab ins Feld mit der Karre und rein ins Getümmel! Ich sage mal so: Neben all dem Plastik-Ramsch und Fächer-Verkäufern gab es zum Glück noch die echten Einheimischen. Männer mit schneeweißen Schnauzbart, die Schafskäse, Wurst und Salz verkaufen, als wäre es flüssiges Gold.
Mein persönlicher Geheimtipp für die Seele: Wer ganz gewitzt ist, verkrümelt sich während des Marktes in die Altstadt. Die Gassen sind dann wie leer gefegt. Ruhe. Sanfter Wind. Uralte Steine. So eine Schönheit kann man gar nicht beschreiben, das müssen die Bilder im Kopf erledigen. Eine kleine Erleuchtung im Alltagstrubel.
Aber bevor wir uns vom Markt gestohlen haben, habe ich mir natürlich erst mal das Allerwichtigste besorgt. Kulinarische Seelennahrung, sozusagen: frittierte Donuts! Da standen zwei mallorquinische Urgesteine an ihrem Stand. Zwei Damen, die den Teig noch mit stoischer Gelassenheit und jahrzehntelanger Erfahrung von Hand formen, die Teigringe gekonnt in die heiße Schale voller frittierendem Fett werfen und sie dann mit einem einfachen Holzstäbchen im blubbernden Öl drehen und wenden, bis sie perfekt und golden gar sind. Ein Traum! Da wird selbst das stärkste Gewissen schwach – aber man ist ja schließlich auf Erholungsreise fürs Gemüt.
Danach: Die große Orientierungslosigkeit. Ich wollte ja liebend gern in eine dieser romantischen, versteckten Traumbuchten. Aber gut, das Schicksal – oder vielmehr die Begleitung – hatte andere Pläne. „Zu weit weg, Jeni!“ Und nach dem gestrigen Fußmarsch waren die Beine auch eher auf der Seite von: Bloß keinen Schritt zu viel!
Also der Kompromiss: Platja de Muro.
Um Gottes Willen. Sardinenbüchsenfeeling deluxe! Ein Meer aus blassen Rücken, Sonnenschirmen und Kindergeschrei. Gar nicht meins, wirklich nicht. Aber ich habe mich gefügt, mich auf mein Handtuch gefaltet und dachte mir: Mensch, mecker nicht. Du hast Sand unter den Füßen, das Meer schimmert azurblau und der liebe Gott hat es am Ende doch gut mit dir gemeint. Außerdem ging es gestern ja 18 km nach meiner Nase.Read more
Von Einigkeit und Muscheln
August 23 in Spain ⋅ ☀️ 28 °C
Zurück in Peguera haben wir erst mal eine klitzekleine Pause im Hotel eingelegt. Und nach der mittlerweile fest gewordenen, hochheiligen Urlaubsroutine – dem ausgiebigen Abwaschen von Sand, Lichtschutzfaktor 50 und der leichten Salzkruste des Tages – ging es auf Essensjagd.
Hier zumindest waren wir uns wieder sehr schnell und vor allem sehr einig. Keine langen Debatten, kein Feilschen um Buchten oder Kilometer! Im hippen El Patio haben wir einen Tisch in der allerersten Reihe ergattert. Der Service? Wie gewohnt absolut umwerfend, aufmerksam und bester Laune.
Da saßen wir nun, direkt an der Flaniermeile, leicht erhaben auf unserem Bänkchen, und blickten mit einem leisen Grinsen im Gesicht hinab auf das vorbeiziehende Fußvolk. Ein bisschen wie die Prominenz beim Wiener Opernball, nur eben in Sandalen.
Auf der einen Seite des Tisches wurde ein ausgesprochen schmackhafter Burger geordert. Ich dagegen brauchte nach dem Sardinen-Trauma vom Nachmittag offenbar die volle Meeresdröhnung und gönnte mir kurzerhand einen ganzen Eimer frischer Miesmuscheln. Herrlich! Muschel für Muschel schlürfen, den Blick über die Promenade schweifen lassen und das Leben genießen. Und weil wir die Zügel heute mal so richtig locker ließen, durfte es zum krönenden Abschluss noch ein eisgekühlter Mojito sein.
Ich nahm einen Schluck, spürte die frische Minze, sah der Abendsonne beim Untergehen zu und dachte mir im Stillen: Mensch, von der Ölsardine im Sand zur Muschelkönigin auf der Meile – das schaffst auch nur du an einem einzigen Tag.Read more
Der frühe Vogel
August 24 in Spain ⋅ ☁️ 25 °C
Es ist kurz vor sechs Uhr morgens. Der Rest der Welt schläft noch tief und fest, aber ich sitze bereits an der Strandpromenade und erwarte den spektakulären Sonnenaufgang.
Laut Onkel Google sollte der Himmel glasklar sein. Nun ja – Spoiler: Google hat gelogen. Es ist bewölkt.
Das macht aber überhaupt nichts. Ich genieße meine exklusive Me-Time und beobachte voller Faszination das behutsame Erwachen von Peguera. Die Strandreinigung zieht ihre akkuraten Bahnen, der Müll des Vortags wird lautlos beseitigt, und die ersten unentwegten Frührentner treffen sich am Ufer zu ihrer morgendlichen Gymnastikrunde. Ansonsten herrscht eine tiefenentspannte, herrliche Stille.
Sobald die Dämmerung weit genug fortgeschritten ist, dass ich die Hand vor Augen erkennen kann, klettere ich an den Felsen entlang. Abseits des Trubels mache ich es mir gemütlich: Buch aufgeschlagen – aktuell versinke ich im dritten Band von „Das Reich der Sieben Höfe“ – und abwechselnd geschmökert und aufs Meer geblickt. Der Tag entfaltet sich ganz langsam vor meinen Augen.
Später am Tag soll es zwar gewittern, aber das lässt uns heute völlig kalt. Die Wetterfeen können veranstalten, was sie wollen, denn wir sind vorbereitet: Für uns geht es nach Porto Cristo zur Tour durch die berühmten Tropfsteinhöhlen – trockener geht’s kaum! Und der krönende Abschluss steht auch schon fest: Ein Tisch im „Quince“, meinem absoluten Lieblingslokal auf der ganzen Insel, ist bereits reserviert.
Ich bleibe jetzt noch ein Weilchen hier sitzen, atme die kühle Morgenluft ein und genieße diese kostbare Ruhe, bevor es zurück ins Hostal geht, um die Reisebegleitung sanft aus den Federn zu schütteln.Read more
Bremsbockiger Flitzer und Urzeitgestein
August 24 in Spain ⋅ ☁️ 30 °C
Kurz vor elf Uhr schnappen wir uns den Fiat 500 und düsen los Richtung Porto Cristo. Bereits nach den ersten Kilometern dämmert mir allerdings eine unumstößliche Tatsache. Dieses Auto hätte in Deutschland nicht mal den Parkplatz der TÜV-Prüfstelle ohne Plaketten-Verweigerung verlassen dürfen.
Ach, Pedro! Sag mal, mein Lieber, was hast du denn da mit den Bremsen angestellt? Dass wir nicht ungebremst in das Heck unseres rot lackierten Vordermanns geknallt sind, verdanken wir ausschließlich einer Fügung des Schicksals, meiner spitzenmäßigen Reaktionszeit und der freien rechten Spur. Als der Vordermann voll in die Eisen steigt, verdoppelt sich bei unserem Flitzer nämlich erst mal entspannt der Bremsweg. Mit beherztem Lenkmanöver komme ich erst auf Höhe seiner Beifahrertür zum Stehen. Meine Güte! Das Adrenalin ersetzt ab sofort das Morgen Redbull.
Trotz zwei gigantischer Staus – man hatte das Gefühl, ganz Mallorca veranstaltet spontan eine Insel-Volkszählung – kommen wir überaus pünktlich an den Tropfsteinhöhlen an.
Der Abstieg beginnt in einem urzeitlich wirkenden Krater, bei dem man sich glatt nach Mexiko versetzt fühlt. Von dort aus geht es ab in die wunderbare Kühle der Unterwelt. Nach einem kurzen Vortrag über die Entdeckung und Entstehung der Höhle – die historischen Einzelheiten erspare ich euch an dieser Stelle – schlendern wir auf eigene Faust durch die Gänge. Absolut beeindruckend! Stalagmiten und Stalaktiten, wohin das Auge reicht. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht wissen: einfach nur staunen.
Nach anderthalb Stunden spuckt uns die Höhle wieder aus. Draußen empfängt uns Porto Cristo mit einem wolkenbruchartigen Regenguss. Macht aber gar nichts. Wir machen es uns in einer der felsigen Einbuchtungen gemütlich und schauen dem prasselnden Regen zu, wie er auf das Meer klatscht. Hat extrem was Beruhigendes – und die Insel freut sich schließlich auch über jeden Tropfen.
Zum krönenden Abschluss geht es in mein absolutes Herzenslokal: das Quince. Und was soll ich sagen? Das Essen war mal wieder schlichtweg atemberaubend. Da fehlen einem die Worte – da sprechen die Bilder einfach für sich.Read more
Boulevard und Schlummertrunk
August 24 in Spain ⋅ ☁️ 28 °C
Die Rückfahrt verläuft glücklicherweise völlig ohne Zwischenfälle – wahrscheinlich auch deshalb, weil ich Pedros bremsbockigen Flitzer pünktlich um 19 Uhr wieder auf seinen Parkplatz manövriere und frohgemut den Schlüssel abgebe. Wieder eine Challenge gemeistert!
Mit absolut randvollem Bauch ziehen wir uns erst mal aufs Zimmer zurück. Nach der mittlerweile heiliggesprochenen, allabendlichen Duschzeremonie geht es frisch herausgeputzt zum Flanieren auf den Boulevard.
Der Heimweg führt uns an der Promenade entlang – und was soll ich sagen? Wenn mich der Sonnenaufgang am frühen Morgen noch mit dicken Wolken versetzt hat, entschädigt uns der Abend mit einem spektakulären, feurigen Sonnenuntergang über dem Meer. Von wegen „Der frühe Vogel fängt den Wurm“! Manchmal muss man eben einfach bis zum Abend warten, um das echte Spektakel zu sehen.
Da der Magen nach dem Festmahl im Quince selbst nach dem ausgiebigen Spaziergang noch erfolgreich jegliche Nahrungsaufnahme verweigert, lassen wir den Tag stilvoll ausklingen: Ein kühler Cocktail als Schlummertrunk, die Meeresbrise im Gesicht und das Wissen, dass auch ein Tag voller Gewitter und Staus wunderschön enden kann.
Gute Nacht, Peguera.Read more
Für einen Cent nach Palma
August 25 in Spain ⋅ ☀️ 32 °C
Heute steigen wir auf die öffentlichen Verkehrsmittel um. Ziel des Tages: die Inselhauptstadt Palma!
Die Hinfahrt im Bus steht allerdings unter dem klaren Motto „Mehr ist mehr!“. Schon nach wenigen Haltestellen herrscht wieder das feinste Sardinenbüchsen-Feeling. Der Bus ist so vollgepackt, dass man gar nicht anders kann, als seinen Sitznachbarn spontan ins Herz zu schließen.
Der absolute Knaller kommt aber beim Bezahlen: Das Ticket kostet sage und schreibe genau einen Cent. Ja, ihr haben richtig gehört! Ein einziger Cent wird abgebucht. Keine Ahnung, welche magische Tarifreform da im Hintergrund gegriffen hat, aber für den Preis fahre ich zur Not auch stehend auf einem Bein bis ans Ende der Welt. Verrückt!
In Palma angekommen lassen wir uns einfach durch die historischen Gassen treiben. Kein Stress, kein starrer Sightseeing-Marathon – wir schwimmen einfach entspannt im bunten Menschenstrom mit. Hier mal ein neugieriger Blick in eine kleine Boutique geworfen, da ein schattiges Plätzchen genossen.
Zwei absolute Highlights nehmen wir dann aber doch mit: Die imposante Kathedrale La Seu ist aus der Nähe betrachtet einfach unwahrscheinlich schön und lässt einen kurz ehrfürchtig innehalten. Und ein Stück weiter treffen wir auf den Olivera de Cort – den ältesten Olivenbaum von Palma. Der knorrige Methusalem steht da wie aus einer anderen Zeit und wacht stoisch über das bunte Treiben um ihn herum.
Kulinarisch treu nach dem Motto „I just came for the food“ wird zwischendurch natürlich der ein oder andere kleine Snack verhaftet.
Am Nachmittag geht es schließlich wieder zurück in unser beschauliches Peguera. Der ganze Tag stand unter dem herrlichen Credo: Immer schön mit der Ruhe.Read more
Der Meereszorn und die Opfergabe
August 25 in Spain ⋅ ☀️ 31 °C
Zurück im Hostal hält uns nichts mehr. Ab in die Badeklamotten und schnell runter an den Strand!
Wir haben tatsächlich das phänomenale Glück, noch zwei freie Liegen zu ergattern. Mein ursprünglicher Plan war eigentlich glasklar. Ich wollte elegant auf einem Stand-Up-Paddle-Board über die sanften Wogen des Mittelmeers gleiten. Ein Blick auf den Wellengang macht diesen Traum allerdings ruckzuck zunichte.
Also gut, zweiter Plan. Gemütlich auf der Liege im Buch schmökern und zwischendurch eine Erfrischung im Meer suchen. So weit die Theorie. Die Praxis sieht leider völlig anders aus. Bei meinem Versuch, bravourös gegen die Brandung anzukämpfen, kenne ich keine Gnade – aber das Meer eben auch nicht.
Zweimal hintereinander werde ich von den Wellen regelrecht aus den Flossen gehauen und gnadenlos untergespült. Als ich keuchend und mit halbem Liter Salzwasser im Magen wieder auftauche, ziehe ich demütig den Hut. Ich zolle der Naturgewalt meinen vollsten Respekt – und hinterlasse dem Ozean als unfreiwilliges Opfergabe meine geliebte Sonnenbrille.
Bitte sehr, liebe Unterwasserwelt, gern geschehen! Ich schlage den Rückzug an und schwinge mich mit verbliebenem Stolz zurück auf meine Liege.
Am Abend haben wir im „Señor Tapas“ reserviert. Hier lassen wir es uns bei köstlichen kleinen Schlemmer-Schätzchen noch einmal so richtig gut gehen. Statt des klassischen Bar-Cocktails auf dem belebten Boulevard entscheiden wir uns danach für eine stilvolle Variante: Getränk To-Go gesichert und ab an die Promenade.
Wir sitzen im warmen Abendschein, lauschen dem Rauschen der Wellen und genießen einfach nur das Meer. Ein bisschen Schwermut schwingt mit – denn morgen geht es ja leider schon wieder zurück in die Heimat.
Hach ja, Mallorca... Du warst fantastisch!Read more
Poseidons Frieden und der Nachbar
August 26 in Spain ⋅ ☁️ 24 °C
Heute Morgen fiebere ich meinem zweiten Anlauf in Sachen exklusiver Me-Time und Sonnenaufgang entgegen. Doch Mallorca hat ein feines Händchen für Humor: Statt strahlender Morgensonne tröpfelt es erst einmal munter von oben herab.
Nun gut! Ich lasse mich davon natürlich nicht aus der Ruhe bringen. Die Liegen am Strand sind noch völlig verwaist, und ein malerischer Palmenschirm hält die drei Regentropfen brav von mir fern. Ich mache es mir gemütlich, lese ein paar Kapitel bei sanftem Meeresrauschen und beschließe dann ganz mutig: Ich wage mich noch ein allerletztes Mal ins Wasser.
Allerdings nicht ohne vorher ein strammes Stoßgebet gen Himmel – und speziell an Meeresgott Poseidon – zu schicken: „Lieber Poseidon, du hast gestern meine gute Sonnenbrille bekommen. Wir sind quitt. Bitte verschone mich heute!“
Und was soll ich sagen? Er hat ein Einsehen! Die Wellen sind heute wunderbar klein und zahm, das Wasser hat samtige 29 Grad, und ich gleite völlig ungestört durch das seichte Nass. Kein Unterspülen, keine Wellen-Demütigung, keine Brillen-Verluste. Einfach nur Entspannung pur.
Als ich schließlich seelenruhig ins Hostal zurückkehre und auf den Balkon trete, werde ich wie jeden Morgen bereits erwartet. Habe ich euch eigentlich schon meinen hübschen Nachbarn vorgestellt? Jeden einzelnen Tag wachte hier ein imposanter deutscher Schäferhund über das Geschehen. Von seinem erhabenen Posten aus hat der Gute einfach alles im Blick – den Pool, die Straße und natürlich meine tägliche Wiederkehr. Ein wahrer Traum von einem Wachmann!
Mit so einem treuen Sicherheitsdienst im Nacken kann beim Kofferpacken wirklich überhaupt nichts mehr schiefgehen.Read more
Endstation Heimatcouch
August 26 in Spain ⋅ ☁️ 28 °C
Nach dem Frühstück heißt es Abschied nehmen vom Zimmer. Unser reizender Gastgeber nimmt uns punkt zehn Uhr die Koffer ab, verstaut sie sicher und scheucht uns mit Nachdruck noch einmal raus auf den Boulevard. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen! Nur mit dem am Leib, was wir tragen, flanieren wir mit herrlicher Leichtigkeit durch Peguera.
Wir machen es uns auf der anderen Seite der Bucht gemütlich. Ich lese die allerletzten Seiten meines Buches zu Ende, während wir aufs Meer schauen: Schiffe beobachten, Leute gucken. Ein bunter Mix aus frisch eingetroffenen, krebsroten Neulingen und tiefenentspannten Langzeit-Urlaubern zieht an uns vorbei.
Zum feierlichen Abschluss schlendern wir noch einmal runter zur Promenade für das ultimative Abschiedsmenü: Ein eiskalter Schokochino, saftige Melone mit edlem Serrano-Schinken und ein erfrischender Ipanema für mich.
Pünktlich wie ein Maikäfer rollt um 15:35 Uhr der Schauinsland-Bus an. Nach einer kleinen Einsammel-Runde über die Insel spuckt er uns am Flughafen Palma aus.
Gut, die Gepäckaufgabe hier hat wenig mit der futuristischen SB-Kasse aus Frankfurt zu tun – die Schlange ist lang und das Prozedere klassisch zäh. Aber hey, was soll’s? Die Koffer verschwinden im Bauch des Flughafens, der Security-Check flutscht durch, und nach einer kurzen Stunde Wartezeit sitzen wir im Flieger. Der Flug? Ein absoluter Traum. Keine Turbulenzen, kein Drama.
In Frankfurt gelandet realisieren wir: Wir sind so unfassbar gut in der Zeit, dass wir theoretisch den Zug um 22:30 Uhr nach Montabaur erwischen könnten – statt unseres erst um 23:30 Uhr gebuchten Tickets. Wir erinnern uns schmerzhaft an das Bahn-Chaos der Anreise und schalten augenblicklich in den Wettkampf-Modus: Sprint zur Gepäckausgabe!
Die Koffer rollen überraschend schnell aufs Band, und wir wetzen los. Die Wege am Frankfurter Flughafen sind ja bekanntlich länger als so mancher Marathon. Völlig außer Atem kommen wir am Bahnsteig an – und siehe da: Der Zorn auf die Bahn schlägt in pure Dankbarkeit um! Der 22:30-Uhr-Zug hat exakt zehn Minuten Verspätung. Unser Rettungsanker!
Wir hechten hinein. Eine Fahrkartenkontrolle gibt es glücklicherweise nicht – wir hätten sonst wohl heftig diskutieren müssen, warum wir eine Stunde zu früh im falschen Zug sitzen. Aber wisst ihr was? Ich denke mir nur: Liebe Deutsche Bahn, ich hole mir hier einfach nur das an Lebenszeit zurück, was ihr mir bei der Hinfahrt raubmörderisch gestohlen habt!
In Montabaur angekommen wartet das nächste Wunder: Statt der regulären 30 Euro für sechs Tage Parken verlangt der Kassenautomat völlig grundlos nur mickrige 15 Euro. Die Insel-Götter meinen es heute echt gut mit uns!
Jetzt sitze ich auf meiner eigenen Couch, ziehe mir noch eine Kleinigkeit zu Essen rein und beschmuse ausgiebig meine Katze.
Zuhause ist es ja dann doch irgendwie am schönsten!Read more



































































































































































































































