• Bengt Lindströms grosses Zeichen „Y“

    11. januar, Sverige ⋅ ☁️ -11 °C

    Sonntag, 9 Uhr, -17 Grad, ein weiterer strahlend schöner Tag…

    Wer schon einmal an Sundsvall vorbeigerauscht ist, kennt es: das knallbunte „Y“, das plötzlich neben der Strasse auftaucht als hätte jemand die Farbpalette zu nah an der E4 geöffnet. Seit 1995 steht das Monument in der Gemeinde Timrå, direkt an der Europastrasse 4 auf einem Parkplatz auf der Insel Skeppsholmen. Zufall? Kaum. Übersehen kann man es jedenfalls nicht.🎨 „Y“

    Das „Y“ ist eine kolossale 30 Meter hohe Skulptur in leuchtenden Farben. Drinnen? Ein Kiosk…denn…grosse Kunst braucht offenbar auch Kaffee. Entworfen wurde das Ganze vom schwedischen Künstler „Bengt Lindström“.

    Ursprünglich hatte Lindström andere Pläne: 1982 entwarf er das „Y“ als Kunstwerk für die E14 am Ortseingang von Östersund. Gedacht war es als symbolisches Tor zur Bergwelt, eine Figur mit ausgestreckten Armen, ein Willkommensgruss in samischen Farben. Doch finanzielle Unsicherheiten und öffentlicher Gegenwind stoppten das Projekt. Also zog das „Y“ um und schrumpfte dabei von geplanten 40 auf heutige 30 Meter.
    Kunst kennt eben auch Diäten.🫣

    Fakten zum „Y“
    • Material: 80 mm Spritzbeton
    • Höhe: 30,5 m
    • Gewicht: 700 Tonnen
    • Farbe: 3.000 kg (ja, nur die Farbe!)
    • Oberfläche: 800 m²

    Bengt Lindström wurde 1925 geboren, studierte u. a. in Chicago und Paris und starb schwer krank 2008 in Sundsvall.
    International bekannt wurde er durch grossformatige, farbenprächtige Gemälde mit oft grotesken Figuren.
    Unglaublich produktiv war er auch. Noch heute sind Lithografien von ihm zu erschwinglichen Preisen zu finden, gute Nachrichten für Kunstfans ohne Oligarchenbudget.🤭

    Samen und einheimische Holzfäller erzählten ihm Sagen und Legenden des hohen Nordens. Diese Geschichten prägten den starken Einfluss samischer Kultur auf sein Werk. Lindströms Stil: einzigartig, spontan, farbenfroh. Man erkennt ein Werk von ihm schon von Weitem…meist, bevor man es verstanden hat.🧐
    Seine Kunst ist u. a. im Sundsvall Museum und im Nationalmuseum Stockholm zu sehen. Neben Gemälden und Skulpturen gestaltete er auch die Luken des Wasserkraftwerks Akkat bei Jokkmokk (gemeinsam mit Lars Pirak) sowie ein monumentales Gemälde an der Zisterne des Fernheizwerks in Örebro. Allesamt riesige Hingucker und wahrscheinlich schon vielen Schwedenreisenden positiv und bunt ins Auge gefallen.🎨

    Sein Leben war ebenso ereignisreich wie seine Kunst. So heisst es, Lindström habe sich für mindestens fünf Vasaloppet-Rennen angemeldet, es aber nie pünktlich zum Start geschafft. 😅
    Kunst braucht eben Zeit. Oder zumindest einen sehr langen Anlauf. 🫣😉

    Übrigens: In Schweden wurde das „Y“ zum Bezirksbuchstaben von Västernorrland.
    Die Einwohner nennt man scherzhaft manchmal „Klyktattare“…sinngemäss etwa „Besserwisser“ oder „Klugscheisser“.
    Man nimmt’s scheinbar mit Humor. 🫣🤭
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