• Schlossruine oder Burg Stegeborg🏰

    17. januar, Sverige ⋅ ☁️ 1 °C

    Samstag, 9 Uhr, 1 Grad und einfach nur grau und nebelig…

    Heute Morgen werden wir wieder mal vom Geschnatter unzähliger Enten geweckt.🦆🦆🦆🦆🦆🦆

    Nach dem Frühstück folgt der obligatorische Spaziergang.
    Viel gibt’s ausserhalb der Burgmauern eh nicht zu entdecken.
    Der Jachthafen liegt still und ordentlich eingemottet da,
    keine Boote die wild entschlossen von der Ostsee in den Göta-Kanal durchstarten wollen.
    Absolute Flaute. Maritim, aber meditativ.
    Das Restaurant: geschlossen.
    Offenbar kulinarische Winterruhe.
    Nur die Fähre zeigt Lebenszeichen und pendelt nach Bedarf hin und her. Nach Bedarf heisst hier vermutlich:
    „Wenn jemand wirklich, wirklich rübermöchte.“🤭

    Aber…meine Motivation gerade ist ganz klar meteorologischer Ausnahmezustand.
    Es zeigt sich kurzfristig die Sonne. Mit blauem Himmel.
    Das ist kein Wetter…das ist ein Ereignis!
    Und dieses muss man dokumentieren. Am besten sofort. Fotografisch. Aus jedem Winkel. Für alle Fälle. 🥰

    Etwas später wandeln mein Schatz und ich durch die…na ja…wie soll man sagen…?
    In manchen Berichten heisst das alte Gemäuer Schlossruine Stegeborg, in anderen Burganlage Stegeborg, also machen wir es pragmatisch und nordisch-effizient: Burg!

    Diese Burg ist selbstverständlich von einem hohen Zaun umgeben und
    der Zugang erfolgt nur mit Eintrittskarte und durch eine Drehtür, die einem sehr deutlich signalisiert:
    „Bis hierher und nicht weiter…es sei denn, du hast bezahlt.“
    Drinnen: Jahrhunderte alte Mauern.
    Draussen: moderne Zugangskontrolle.
    Vögte hätten das geliebt.🫣
    Ritter hätten’s wahrscheinlich sehr verwirrend gefunden.🤭

    Schon die Wikinger hatten scheinbar keine Lust auf Durchgangsverkehr und so blockierten sie die Meerenge von der Ostsee herkommend Richtung Landesinnere kurzerhand mit Baumstämmen. Frühmittelalterliche Version von: „Durchfahrt verboten“.

    Um 1200 begann alles mit einem bescheidenen 10 Meter hohen quadratischen Turm, der im Laufe der Jahrhunderte kräftig erweitert und angebaut wurde samt Ringmauer, Innenhof, Schlosskapelle und einem imposanten Rundturm von 25,5 Metern Höhe der noch heute weit herum zu sehen ist.

    Im 13. Jahrhundert war die Stegeborg eine der wichtigsten Festungen Schwedens, strategisch platziert an der engsten Stelle des etwa 18 Kilometer langen Slätbaken.

    Weil das mittelalterliche Schweden politisch ungefähr so stabil war wie ein Kartenhaus im Sturm, wechselte die Stegeborg in den ersten 300 Jahren ständig den Besitzer.
    Belagerungen, Intrigen, blutige Auseinandersetzungen…die Burg blieb standhaft.
    Es gaben sich unzählige Könige, Königinnen und andere Hochadelige die Klinke in die Hand.

    Im 15. Jahrhundert soll besonders Ivar Axelsson Tott ein fleissiger Bauherr gewesen sein. Er rüstete die Burg zur Hightech-Wehranlage seiner Zeit auf.

    Im 16. Jahrhundert übernahm Gustav Wasa die Anlage und brachte endlich etwas Ruhe in die bewegte Geschichte.
    Er liess renovieren; die Burg wurde weiss getüncht und mit grossen Fenstern versehen…mehr Licht, weniger Mittelalter.
    Sein Sohn Johann wurde hier geboren und baute später als König ein schickes Renaissanceschloss: Schloss Kalmar.
    Tochter Anna hatte offenbar einen grünen Daumen und legte ausserhalb der Burgmauern am Ufer der Ostsee einen Kräutergarten an, vermutlich als wirksames Mittel gegen höfischen Stress. 🌿

    Doch grosse Burgen haben einen grossen Nachteil: Sie sind teuer…sehr teuer.
    Im 17. Jahrhundert ging dann das Geld aus, die Reparaturen blieben liegen, und ab 1689 residierte hier die Verwaltung für die Schärenregion von Östergötland.

    Ab dem 18. Jahrhundert wurde Stegeborg dann zur Steinquelle:
    1732 riss man grosse Teile der Anlage ab und verbaute sie in der schnell wachsenden Stadt Norrköping.
    Was zu stabil war, blieb einfach stehen…was sich im Nachhinein als durchaus positiv herausstellte.

    Wir schlendern an Resten der Ringmauer entlang, spazieren durch die Parkanlage mit ehrwürdigen alten Obstbäumen und vorbei am Kräutergarten. Durch einen mächtigen Mauereinbruch erreichen wir den grossen Innenhof.

    Mit viel…sehr viel Beton wurde die Ruine so stabilisiert, dass man sie heute gefahrlos begehen kann.

    Mit ein wenig Fantasie erkennt man Wohnhaus, Getreideraum, Stallungen und die Kirche.
    Mit noch mehr Fantasie sieht man geschäftiges mittelalterliches Treiben.
    Mit keiner Fantasie sieht man nur Steine. Viele Steine.😅

    Im beeindruckenden Rundturm steigen wir über neu errichtete Holztreppen bis etwa zur Mitte hinauf und finden uns unvermittelt in einem inoffiziellen Taubenschlag wieder, von wo wir einen schönen Ausblick haben.
    Die Tauben wirken sehr heimisch. Wir eher wie Besucher auf Zeit.🕊️🕊️🕊️

    Stegeborg war früher eine bedeutende Festung, die durch mächtige Mauern und Türme beeindruckte und auch heute noch die Geschichte der Anlage prägt.
    Und genau das macht es so reizvoll; in beinahe tausendjähriger Geschichte herumzuwandeln,
    zwischen Rittern, Königen, Hofdamen, Beton und Tauben.🥰
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