• Heiligabend in Bangkok

    28 dicembre 2025, Tailandia ⋅ ⛅ 32 °C

    Tja, da waren wir also auch dieses Jahr wiederum an Weihnachten in fremdem Land in Bangkok. Wir befinden uns ja hier inmitten des Buddhismus in einer absoluten Diasporasituation. Dazu kommt, daß es in unserer Wohnlage relativ weit im Norden der Hauptstadt keine leichter zu erreichende katholische Kirche gibt. Um sogar einen deutschsprachigen Gottesdienst besuchen zu können, ist – abhängig von der jeweiligen Verkehrssituation auf den Straßen – jeweils eine Autofahrt von rund einer Stunde einzuplanen.

    So wollten wir zumindest am Heiligen Abend die deutsche ökumenische Andacht wahrnehmen. Diese findet traditionell in der über 100 Jahre alten Sueb Sampanthanawong-Kirche statt, die ganz aus Holz gebaut und schon in die Jahre gekommen ist. Besonders hier in den Tropen setzt die Witterung den Gebäuden erheblich stärker zu, als bei uns in den gemäßigten Breiten. Die Kirche ist durch einen etwas seitlich stehenden niedrigen Campanile geprägt. Wir waren sicherheitshalber sehr früh aufgebrochen und kamen dadurch fast eine Stunde vor Beginn der Andacht an.

    Pater Andreas Bordowski, der die deutschen Katholiken hier in Südostasien betreut und in Bangkok stationiert ist, war im Kircheninnern bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt, hatte uns jedoch erspäht und kam für einen kurzen Schwatz heraus. Er war vor seinem Einsatz hier im niedersächsischen Vechta am dortigen St. Thomas Kolleg, einem von den Dominikanern geleiteten Gymnasium, im Schuldienst tätig gewesen. Im kommenden Juni wird seine vierjährige Abordnung aber bereits wieder enden. Dann führt ihn sein weiterer Weg wahrscheinlich in den Dominikaner-Konvent in Düsseldorf.

    Für seine Nachfolge hier in Bangkok ist kirchlicherseits ebenfalls schon gesorgt. Dafür steht Pater Stephen Arockiam aus Indien bereit, der u. a. in Münster Theologie studierte und momentan noch in München tätig ist. Pater Stephen gehört der Schönstatter Bewegung an, die sich nahe Koblenz Anfang des letzten Jahrhunderts aus der Ordensgemeinschaft der Pallottiner entwickelt hat.

    Wir erkundigten uns auch besorgt nach dem evangelischen Seelsorger der deutschen Protestanten vor Ort, Pfarrer Carsten Koerber. Wir hatten von dessen schwerer Erkrankung gehört und erfuhren von Pater Andreas, daß er sich nach Chemo- und Strahlentherapie inzwischen auf dem Wege der Rekonvalenszenz befindet, was wir erfreut und erleichtert hörten.

    Inzwischen füllte sich das Kirchenschiffchen zunehmend mit weiteren Besuchern, darunter vielen Familien mit ihren Kindern. Die Andacht wurde durch Pater Andreas und die Vikarin Fenn Rauch bestritten. Die verteilten Liedzettel halfen sicherlich manchem bei Textschwächen weiter, wenngleich die durch die Begleitinstrumente (Geige und Klavier) vorgegebene Tonlage für Männerstimmen oftmals zu Falsettentgleisungen Anlaß gab. Es war auch ein „Krippenspiel“ vorbereitet worden, jedoch vollzog sich dieses lediglich durch allgemein agierenden Einsatz der verwendeten anlaßhalber mehr oder minder passend gewandeten Jüngsten und ohne jegliche Textbeiträge, während der Pater das Geschehen erzählend kommentierte. Jedenfalls waren alle Beteiligten bemüht.

    Beim persönlich von beiden Geistlichen gespendeten ökumenischen Segen wurden dann auch wieder die traditionellen Aufkleber mit dem Haussegen für das kommende Jahr verteilt. Ein Besuch durch Sternsinger, wie in unseren heimischen Gefilden praktiziert, ist hier unrealistisch weil schlicht nicht zu bewerkstelligen.

    Im Anschluß an die Andacht machten wir uns in der inzwischen weit fortgeschrittenen abendlichen Dämmerung zu Fuß auf den Weg zur nächstgelegenen Hochbahnstation Surasak. Als Fußgänger spielt man in Bangkok ohnehin nur die zweite, nein eigentlich die dritte Geige. Alles ist am und für das Auto ausgelegt, und wer dieses Primat nicht ralisiert, setzt leicht sein Leben aufs Spiel.

    Dementsprechend schlecht und uneben und fallweise schmal oder auch gar nicht vorhanden sind Bürgersteige und man muß höllisch auf seinen Schritt achtgeben. Oft versperren einem dann zusätzlich irgendwelche Gitter, oder Masten oder andere Dinge den Weg. Dieser gelinde Hürdenlauf war für mich hüftgelenkigen Rekonvaleszenten mit einer Krücke als physische und moralische Stütze schon einmal eine ziemliche Herausforderung, konnte jedoch letztendlich problemlos bewältigt werden.

    Im wohlvertrauten MBK-Center wußten wir aus der Vergangenheit um ein gutes Restaurant für solche Zwecke und so ließen wir uns anläßlich der bevorstehenden Weihnachtstage eine Pekingente munden. Hierfür wird der gegarten Ente die knusprig gebratene Haut in dünnen Scheiben abgeschnitten und diese vorab zusammen mit frischen Lauchzwiebel-, Möhren-, Gurken- und Paprikasticks serviert. Dazu reicht man dünne Teigfladen, in die man jeweils ein Stück Entenkruste mit Gemüsebeilage einrollt, nachdem das Ganze mit süßer Sojasoße beträufelt wurde. Nach diesem Gang wird das ausgelöste Entenfleisch in einer vorab ausgewählten Zubereitungsart serviert, z. B. mit Knoblauch gegrillt, gehackt oder mit schwarzem Pfeffer.

    Für diese opulente Mahlzeit muß man in Deutschland in ausgewählten Restaurants eine Menge Geld berappen. Hierzulande kostet das umgerechnet 26 Euro, was für thailändische Verhältnisse zwar teuer, für uns jedoch geradezu lächerlich günstig ist.

    Zum Abschluß des Heiligen Abends saßen wir noch einige Zeit in unserer weihnachtlich geschmückten Wohnung zusammen. Für den ersten Feiertag hatte Ulrike von der deutschen Bäckerei „Zimt“ u. a. einen kleinen Christstollen bestellt. So etwas kostet hier, da die wichtigsten Zutaten meist von fern importiert werden müssen, entsprechend. Im nächsten Jahr werden wir uns den Stollen wahrscheinlich selber aus der Heimat mitbringen.
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