• Erfahrungen der anderen Art 1

    6. januar, Thailand ⋅ ⛅ 31 °C

    So mancher wird sich über unsere längere Sendepause gewundert haben; denn unsere letzte Meldung datiert immerhin vom Heiligen Abend vergangenen Jahres.

    Nun, in der Zwischenzeit ist aber auch eine Menge passiert. Es begann schon einmal damit, daß sich Ulrikes ehemalige Sekretärin Silke K. aus der Deutschen Rentenversicherung Bund (ex BfA) beginnend im letzten November ein Kurzzeit-Sabbatical genommen hatte.

    Zunächst war sie mit Freundinnen als Newcomerin zum Entdecken nach Südostasien gekommen und hatte von Bangkok aus Kambodscha und Vietnam bereist. Dort war sie dann von den unerwarteten Überschwemmungen betroffen worden, die eine Reihe von für diese Jahreszeit untypischen Taifunen ausgelöst hatten.

    Diese waren von den Philippinen kommend im November/Dezember Richtung Nordwest gezogen und hatten auf die Küste treffend zunächst Süd- und Mittelvietnam überquert und waren dann weiter über Laos gewandert, wobei sie auch den Norden Thailands noch mit reichlich Regenwasser tränkten. Silke war daraufhin vorzeitig und unplanmäßig wieder nach Bangkok zurückgekehrt und war hier dann mit ihrem inzwischen ebenfalls nach Thailand gereisten Ehemann zusammengetroffen.

    Wir kamen mit den beiden für ein gemeinsames Dinner in der Stadt zusammen, bevor sie dann Anfang 2026 wieder in die Heimat zurückkehrten. Sylvester verbrachten wir beide wie bereits im Vorjahr wiederum ganz ruhig daheim in Bang Khen in unserer Wohnung.

    Ab dem 3. Januar entwickelte ich ohne besonderes Vorkommnis diffuse Unterbauchbeschwerden, die zu Unwohlsein, einem Gefühl des Aufgeblähtseins und allgemeiner Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit führten. Das für die Behebung solcher Beschwerden bislang immer recht wirkungsvolle Mittel „Flying Rabbit“ aus der Thaiapotheke erwies sich diesmal als wirkungslos.

    Bei diesem „Fliegenden Kaninchen“ handelt es sich um eine weiße wässerige Suspension mit den Hauptwirkstoffen Salol (Methysalicylat), Menthol und Anisöl, das in aller Deutlichkeit gesagt wie Laternenpfahl ganz unten schmeckt. Aber es soll ja schließlich nicht schmecken, sondern wirken.....

    Ulrike wurde dann am Dreikönigstag energisch und überzeugte mich, ein Krankenhaus aufzusuchen. Anders als bei uns in Deutschland gibt es hier kein entwickeltes System niedergelassener Ärzte mit Praxisbetrieb, sondern man begibt sich bei allen behandlungsbedürftigen Beschwerden immer gleich ins Krankenhaus. Mit unseren bisherigen Malaisen waren wir in dem uns nahe gelegenen privaten Paolo-Hospital ganz gut aufgehoben.

    Diesmal schien es sich bei mir jedoch um etwas gravierenderes Internistisches zu handeln. Etwas Internetrecherche führte zwangsläufig auf das hierfür mit guten Referenzen ausgestattete Internationale Bumrungrad-Hospital. Dieses große Privatkrankenhaus befindet sich am innenstadtnahen Beginn der Sukhumvit Road, die ostwärts aus der Stadt hinausführt, zwischen den Nebenstraßen Soi 1 und 3.

    Bumrungrad (das erste U wird hierbei als A ausgesprochen) bedeutet übersetzt „sich um die Bevölkerung kümmern“ oder auch „das Volk ernähren“. Es ist das größte Privatkrankenhaus in Südostasien, gegründet 1980 und hat einen Durchsatz von 1,1 Millionen Patienten pro Jahr. Das Krankenhaus mit 580 stationären Betten und 85 für die Intensivpflege beschäftigt über 1.200 Ärzte in 47 Fachabteilungen. Neben der stationären Versorgung verzeichnet man in Spitzenzeiten bis zu 5.500 ambulante Patienten täglich. Das Krankenhaus ist ein nationaler Hotspot für Medizintouristen aus vieler Herren Länder. Das Bumrungrad-Krankenhaus belegt im 2025er Newsweek-Ranking der 100 besten Krankenhäuser weltweit just den 100. Rang und damit die Spitzenposition für Südostasien. Auf Rang 1 befindet sich die Mayo Clinic in Rochester/USA, die Charité liegt auf Rang 7, das Uniklinikum Heidelberg auf Platz 14, Das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Uni München auf dem 23. Rang und die Uniklinik Eppendorf in Hamburg auf Platz Nr. 35 (https://rankings.newsweek.com/worlds-best-hospi…).

    An den jeweiligen Empfangstresen der einzelnen Abteilungen verfügt man über Anleitungsblätter für Fremde in Englisch, Chinesisch, Vietnamesisch, Kambodschanisch, Koreanisch, Mongolisch, Hindi, Arabisch und sogar Somali und Äthiopisch. Unseren gemachten Beobachtungen zufolge rekrutiert sich der überwiegende Anteil auswärtiger Patienten allerdings aus dem arabischsprachigen Raum des Mittleren und Nahen Ostens. Das, was diese Klientel im Allgemeinen im Wahn überheblicher Superiorität gegenüber den einheimischen Menschen hier verhaltensmäßig an den Tag legt, ist unbeschreiblich. Es kann einen nur noch das Speien ankommen. Diese Herablassung und Großspurigkeit, die man alltäglich beobachten kann, ist unbeschreiblich und erfüllt einen mit stiller Wut. Und darüber hinaus nährt das natürlich bei einem selbst die genuin ohnehin vorhandene Verachtung gegen derartige arabische Kreaturen. Pfui Deibel!

    Wir waren mit unterschiedlichen Vermutungen über die Ursache der bei mir aufgetretenen Beschwerden ins Bumrungrad gekommen. Ulrike vermutete, daß diese unter Umständen auf die längerfristige Anwendung massiverer Analgetika im Zuge meiner Hüftgelenkskomplikationen im vergangenen zweiten Halbjahr 2025 zurückzuführen wären. Ich hatte damals – nachdem das erste Kurzschaft-Implantat des rechten Hüftgelenks bereits nach einem Monat aus dem Oberschenkelknochen wieder herausgebrochen war, ein Langschaft-Implantat eingebaut erhalten. Die ganze Geschichte führte zu einem insgesamt viermonatigen Aufenthalt in beteiligten Krankenhäusern und der Rehaklinik.

    Ich hingegen vermeinte, einer der festgestellten Steine aus meiner Gallenblase habe sich eventuell auf Wanderschaft begeben und Komplikationen verursacht. Jedenfalls waren wir alsbald in der richtigen Fachabteilung angelangt und nach einer ersten Untersuchung durch eine kleine freundliche Internistin, Dr. Poungpen, ging es dann erst einmal zum Blutabnehmen und Röntgen. Behufs des zweiten hieß es, sich aller Oberkleidung zu entledigen und stattdessen einen Kittelüberwurf anzuziehen.

    Nachdem diese Untersuchungen erfolgt waren, konfrontierte uns Dr. Poungpen mit der vorläufigen Diagnose: intestinal obstruction, zu Deutsch Ileus bzw. Darmverschluß. Peng, das saß! Gut, daß ich präventiv daheim bereits meine Siebensachen präpariert hatte und mit dem Nötigsten versehen angereist war; denn nun hieß es: stationärer Aufenthalt und laufende Überwachung. Ein Ileus per se ist stets eine lebensbedrohliche Angelegenheit. Ich installierte mich also etwas in dem mir zugewiesenen Einzelzimmer. Dieses war sehr geräumig und verfügte neben Bett, Nachttisch und ausreichendem Schrankraum über eine bequeme Couch direkt unter dem großen Fenster, einen Eßtisch mit vier Stühlen, eine kleine Küchenzeile mit Mikrowelle und Wasserkocher, ein Abwaschbecken und einen geräumigen Kühlschrank. Vorn im Eingangsbereich befand sich ein modern ausgestattetes Bad mit angrenzender separater ebenerdiger Dusche.

    Alsbald erhielt ich dann auch eine Magensonde über die Nase, über die eine kontinuierliche Absaugung von Verdauungssekret und Darmgasen erfolgte, um den doch recht angeschwollenen und aufgeblähten Leib zu entlasten. Über einen Zugang über die Armvene erfolgte eine kontinuierliche Flüssigkeits-Volumenzufuhr und die Applikation einer abwechselnden Antibiose-Kombination von Cephalosporinen und Metronidazol. Letzteres ist ein Chemotherapeutikum aus der Gruppe der Nitroimidazole, das vor allem gegen Anaerobier (Bakterien, die in sauerstofffreiem Milieu leben) zum Einsatz kommt.

    Ein Schild in meinem Blickbereich unterrichtete die Pflegenden über eine absolut einzuhaltende Abstinenz, was Essen und Trinken betraf. Bald wurde ich jedoch bereits wieder aus meinem Zimmer abgeholt und unter Kontrastmittel ein Computertomogramm des Bauchraumes gefahren.

    Sodann wurde ich in die Nachtruhe entlassen, wofür ich mir ausnahmsweise die Hilfe eines Schlafmittels erbat, denn das Fremdgefühl des Schlauches die Kehle hinab im Verein mit der gesamten Aufregung des Tages hätten sonst ein halbwegs erfolgreiches Durchschlafen verhindert.
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