• Thailands Bevölkerung - dies und das

    April 13 in Thailand ⋅ ☀️ 36 °C

    Jeder Reiseführer schreibt , wenn er über Thailand berichtet, über die sehenswerte Natur, die Berge und Inseln sowie über die Tempel und sonstigen Bauwerke und über das absolut leckere Essen. Jedoch wird desto weniger vom Thaivolk berichtet: Warum ist Thailand aufgrund seiner Bevölkerung und ihrem Naturell so besonders?
    Nachfolgend wollen wir uns mit manchen bemerkenswerten Eigenheiten und auch Schrullen der Thais beschäftigen.

    WARUM JEDERMANN IN THAILAND EINEN SPITZNAMEN TRÄGT

    Hierzulande ist es gar nicht selten, daß sich jemand als „Bier“, „Pfannkuchen“ oder gar „BMW“ vorstellt. Das ist absolut nichts Ungewöhnliches. Spitznamen (schüü lenn) sind die vorherrschende Identität, die die Menschen im Alltag verwenden – zu Hause, in der Schule und sogar am Arbeitsplatz.

    Offizielle Namen, wie sie in Ausweisen oder im Paß auftauchen, existieren zwar, diese sind oft lang, haben meist mehr als drei bis vier Silben, sind bedeutungsvoll und stammen aus dem Pali und Sanskrit. Im alltäglichen Gebrauch werden sie jedoch selten verwendet. Selbst enge Freunde kennen oft nicht die vollständigen Namen des anderen.

    Hinter dieser Gewohnheit verbirgt sich eine lange Geschichte, geprägt von alten Traditionen, spirituellen Überzeugungen und dem Einfluss der Globalisierung auf die Art und Weise, wie Thailänder Namen vergeben und verwenden.

    Es gibt es zunächst einmal den alten Aberglauben, daß böse Geister neugeborene Babys stehlen oder Besitz von ihnen ergreifen wollen. Ein möglichst abwegiger und skurriler Spitzname wird genutzt, um die Geister zu verwirren und das Kind für die Geister unattraktiv zu machen.

    Was die Wahl des Spitznamens angeht, sind den Eltern keine Grenzen gesetzt. Häufige Beispiele sind:
    Abkürzungen des offiziellen Namens: Sert für Prasert, Kan für Kanchana
    Wetter bei der Geburt: Fon (Regen) für Babys, die bei Regen geboren wurden, Dao (Stern) für den Sternenhimmel, Naam (Wasser), Sai (Sand), Fah (Himmel)
    Merkmale des Babys: Lek (Klein), Fai (Leberfleck), Yai (Groß), Uan (Dick),
    Farben: Som (Orange), Daeng (Rot)
    Auch der Geburtsmonat kann als Spitzname dienen, zum Beispiel Meena für März (Meena Komm).

    Mittlerweile sind aber auch englische Namen angesagt; Beispiele sind hierfür Automarken (Benz, Ford), Vornamen (Pete, Jack) oder ganz einfach Wörter, die den Eltern gefallen. So heißt beispielsweise die Maklerin, die für die Verwaltung unserer Wohnung in Bangkok zuständig zeichnet, „Party“.

    Ulrike und auch ich haben ebenso unsere thailändischen Spitznamen verpaßt bekommen: Ulrike – oii (Zuckerrohr), Christian – yoong (der Lange)
    Offizielle Thai Vornamen sind zum Beispiel Somchai (männlich) oder Subaporn (weiblich). „Porn“ mag dabei für europäische Ohren zunächst anrüchig klingen, bedeutet jedoch „Segen“ und ist ein sehr angesehener Name.

    Auch Familiennamen existieren, werden aber im alltäglichen Umgang miteinander kaum benutzt. Tut man es dennoch, so geschieht es in formeller Art und schafft sofort Distanz zum Gegenüber. Nachnamen wurden erst 1913 per Gesetz vom damaligen König Rama VI. (Vajiravudh) eingeführt. Sein Ziel war es, dass jede Familie einen eindeutigen Nachnamen führt, was besonders für die Verwaltung und die Armee wichtig war. Zudem sollte die Bindung der zahlreichen chinesischstämmigen Einwanderer an den Staat gefördert werden, die bis dahin ihre traditionellen Clan-Namen nutzten.

    Der König selbst bestimmte den zukünftigen Familiennamen für jede wichtige Familie in seiner unmittelbaren Umgebung. Alle anderen Familien im Land konnten ihren eigenen Nachnamen frei wählen. Es wurde streng darauf geachtet, daß dabei keine Wiederholungen auftraten. Das gilt bis heute. Wenn man mit dem bestehenden Nachnamen nicht mehr zufrieden ist, kann dieser geändert werden, sofern dieser Name nicht anderswo im Land bereits vorkommt. Findet man Personen mit demselben Nachnamen, handelt es sich stets um (entfernte) Verwandte. Familiennamen sind wegen dieser ganzen Bestimmungen meist sehr lang und setzen sich aus positiv belegten Begriffen zusammen.

    GEISTER UND ABERGLAUBE

    Thailänder, besonders auf dem Land, sind sehr abergläubisch. Sie glauben an eine Vielzahl von Geistern (pii), alle mit variierenden Kräften und Eigenschaften. Wenn das auch für Nicht-Thais ziemlich bizarr scheinen mag, wird es von den Einheimischen überaus ernst genommen. Vor diesen Geistern fürchtet man sich!

    Die Geister aus Folklore und Erzählungen sind omnipräsent in Film und Fernsehen, was die allgemeine Furcht vor ihnen noch schürt. Es kann sogar vorkommen, dass sich Männer als Frauen verkleiden, um einen sogenannten Pop-Geist hereinzulegen. Auch nächtliche Lichter werden gefürchtet, weil sie mit einem fliegenden Kopf des Krasue-Geists verwechselt werden könnten. Folgende Haupt-Geister kann man hierbei unterscheiden:

    Krasue-Geist:
    Krasue sind weibliche Geister, die tagsüber ein normales Leben führen. Bei Nacht löst sich jedoch ihr Kopf jedoch vom Körper und fliegt rastlos auf der Suche nach neugeborenen Babys oder schwangeren Frauen umher, um diese zu verschlingen. Es wird vermutet, dass Krasue die Geister von Frauen sind, die vor langer Zeit verbrannt wurden.

    Pop-Geist:
    Ein gefährlicher weiblicher Geist, der von seinen Opfern Besitz ergreift und ihre Organe konsumiert. Bis zum heutigen Tage wird dieser Geist im Nordosten Thailands für ungrklärte Todesfälle unter den Dorfbewohnern verantwortlich gemacht. Der einzige Weg, um ihn loszuwerden, ist ein Exorzismus in Form von Tänzen und Gebeten!

    Krahang-Geist:
    Krahang stellt das Gegenstück von Krasue dar. Er ist bei Tag ein normaler männlicher Dorfbewohner. Bei Nacht wird aus ihm jedoch ein umherfliegender Unhold, der Frauen attackiert. Interessanterweise benutzt der Geist runde Reiskörbe, um zu fliegen.

    Pret-Geist:
    Pret sind baumhohe, dünne Geister mit einem unstillbaren Hunger. Ihr Maul ist winzig wie ein Nadelöhr, weshalb sie nie satt werden. Im Volksglauben heißt es, daß undankbare und geldgierige Menschen als Pret-Geist wiedergeboren werden. Ungehorsamen Kindern wird gerne erzählt, daß das winzige Maul der Pret-Geister daher komme, daß sie einst als Kinder ihren Eltern widersprachen.
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