• Europäische Persönlichkeiten in Thailand

    April 13 in Thailand ⋅ ☀️ 36 °C

    Persönlichkeiten mit europäischen Wurzeln werden in Thailand oft als sogenannte "Luk Khrüng" bezeichnet (wörtlich Halb-Kinder, mit einem thailändischen und einem ausländischen Elternteil), die heutzutage besonders in der Unterhaltungsbranche sehr präsent sind.
    Bei Betrachtung der ferneren Vergangenheit stechen vor allem und ad hoc drei Biographien heraus.

    KONSTANTIN PHAULKON
    An erster Stelle fällt einem da KONSTANTIN PHAULKON ein, der eigentlich Konstantin Gerakis (Falke), Κωνσταντίνος Γεράκης, hieß. Dieser wohl 1647 in Kefalonia/Griechenland gebürtige Abenteurer verließ schon früh das Elternhaus, um auf einem englischen Schiff anzuheuern und kam 1675 schließlich nach Ayutthaya, der damaligen Hauptstadt Siams. Hier konnte er sein Sprachtalent nutzen; innerhalb weniger Monate hatte er sich die Thailändische Sprache soweit angeeignet, dass er als Übersetzer in die Dienste des Königs Narai treten konnte.

    Wegen seiner guten Kontakte zur Englischen Ostindischen Handelskompanie und zu anderen Wirtschaftsunternehmen in Südostasien stieg er schnell zum Berater des Königs auf. Er veranlaßte die Annäherung an Frankreich, um ein Gegengewicht gegen England und Holland zu schaffen, aber auch um seine Geschäfte an der Ostindischen Kompanie vorbei nicht publik werden zu lassen. 1682 wurde so die Ostindienkompanie Frankreichs (Compagnie des Indes Orientales) in Ayutthaya installiert.

    Im Mai 1682, im Alter von 34 Jahren, heiratete Phaulkon die 16-jährige Maria Guyomar de Pinha (französisiert Marie Guimar; auch Madame Constance genannt), katholische Tochter eines Portugiesen und einer Japanerin. Das Paar hatte einen Sohn, George, der nach dem Fall Ayutthayas 1758 nach Birma verschleppt wurde.

    Im Juli 1683 übernahm Phaulkon faktisch die Position des Phra Khlang (Schatz- und Handelsminister), auch wenn ein (von ihm abhängiger) siamesischer Adeliger pro forma diesen Titel trug. Damit war er auch für Außenpolitik zuständig. Bald darauf übernahm er auch die Führung des Mahatthai-Ministeriums, das an der Spitze der gesamten Zivilverwaltung stand. 1685 schickte Phaulkon eine siamesische Gesandtschaft unter Führung von Kosa Pan nach Paris, um Frankreich für eine „Verteidigung“ Siams gegen England zu gewinnen. Zwei Jahre später kamen 700 Soldaten und französische Architekten, die ein Fort an der Hafeneinfahrt des Maenam Chao Phraya (Chao-Phraya-Fluss), im heutigen Thonburi, errichteten. Thonburi liegt rechtsseitig am Strom dem heutigen Bangkok gegenüber.

    England machte seinen ganzen Einfluss geltend, um seine Interessen durchzusetzen. Englische Kriegsschiffe belagerten die Stadt Mergui, eine Hafenstadt an der Küste des heutigen Myanmar. Schließlich erklärte Siam der Englischen Ostindischen Kompanie den Krieg (nicht jedoch England selbst). Die Forts von Mergui versenkten eine englische Fregatte.

    Der siamesische Adel war über die gesamte Entwicklung alles andere als glücklich, liefen doch die Geschäfte des Landes hauptsächlich über den immer mächtiger werdenden Phaulkon und seine Mittelsmänner. Sie beschlossen Gegenmaßnahmen. In dieser Zeit kam ihnen die schwere Erkrankung des Königs Narai sehr recht. Sie setzten den König in Lop Buri in der Mitte Siams fest. Der Führer der Opposition, Phra Phetracha, ließ den Thronerben, Phra Pui, umbringen, wenig später auch die beiden noch lebenden Brüder des Königs. Der Weg war für Phra Petracha frei, den Königsthron einzunehmen.

    Phaulkon wurde gefangengesetzt, gefoltert und schließlich am 5. Juni 1688 samt seinen Günstlingen hingerichtet.
    Die gesamte Geschichte diente dem Auto Axel AYLWEN als Vorlage für seine überaus lesenswerte in den 1980er Jahren erschienene Trilogie „The Falcon of Siam“, „The Falcon Takes Wing“ und „The Falcon’s Last Flight“, die mittlerweile leider als Taschenbücher nur noch antiquarisch erhältlich sind. Band 1 und 2 erschienen in deutscher Übersetzung bei Knaur unter dem Titel „Der Falke von Siam“ und „Der Aufstieg des Falken“ und können auf der Plattfom eurobuch.de blitzschnell gefunden werden.

    PETER FEIT
    auch als Phra Chenduriyang bekannt, wurde am 13. Juli 1883 in Bangkok geboren. Sein Vater Jacob – ein Musiker – stammte aus Trier und war von dort zunächst in die Vereinigten Staaten ausgewandert, wo er im Bürgerkrieg auf Seiten der Nordstaaten kämpfte. Er bereiste später Asien. In Siam (wie Thailand damals noch hieß) ließ er sich während der Regierungszeit König Ramas V. (Chulalongkorn) nieder und wurde Trompetenlehrer am Königshof. Peters Mutter war eine Mon (Volk im südöstlichen Myanmar) namens Tongyoo.

    Peter Feit besuchte das bis heute bestehende Assumption-Kolleg in Bangkok und lernte Klavier und Streichinstrumente. 1917 wurde er vom Amt für königliche Unterhaltung eingestellt und gründete das erste westliche Orchester in Siam. König Rama VI. (Vajiravudh) machte ihn zum stellvertretenden Leiter, später zum Leiter des „Königlichen Westlichen Streichorchesters“ und verlieh ihm den feudalen Ehrennamen Phra Chenduriyang (übersetzt etwa: „bewandert mit Musikinstrumenten“) unter dem er forthin bekannt war. Er war einer der Hauptverantwortlichen für die Verbreitung westlicher Musik in Siam in dieser Zeit und unterrichtete zahlreiche junge Siamesen an westlichen Instrumenten. Andererseits sammelte und notierte er aber auch thailändische Volksmusik, die bis dahin nur mündlich überliefert worden war.

    Überliefert ist eine Konzertreise u. a. nach Japan, sowie ein Studienaufenthalt in Europa in den 1930er Jahren, auf der er auch nach seinen deutschen Vorfahren forschte.
    Nach dem Staatsstreich in Siam 1932 (der „Siamesischen Revolution“) beauftragten die neuen Machthaber, die sich „Volkspartei“ (Khana Ratsadon) nannten, den bisherigen Königlichen Berater für Musik, eine neue Hymne für die nun konstitutionelle Nation zu komponieren. Zuvor diente im absolutistischen Siam die Königshymne Phleng Sanrasoen Phra Barami zugleich als Nationalhymne.

    Angeblich fiel dem Komponisten ihm die von Brahms’ 1. Sinfonie inspirierte Melodie für die neue Hymne während einer Straßenbahnfahrt ein. Sie ist im thailändischen Alltag bis heute zweimal täglich zu hören. 1939 nahm er, während der Thaiisierungskampagne der Regierung, den thailändischem Namen Piti Wathayakon (auch Vādyakara geschrieben) an. Zwischen 1940 und 1950 war er Professor an der Silpakorn-Kunsthochschule in Bangkok. Zu seinen Schülern gehörte auch der spätere König Bhumibol Adulyadej (Rama IX.).
    Peter Feit starb am 25. Dezember 1968 im Alter von 85 Jahren in Bangkok. Er hinterließ sechs Kinder und 20 Enkel.

    CORRADO FEROCI
    wuchs als Sohn des Händlerpaares Arturo und Santina Feroci in Florenz auf. Dort studierte er von 1908 bis 1915 an der Accademia di Belle Arti (Akademie der Schönen Künste) und schloss mit einem Diplom in Malerei und Bildhauerei ab. Zudem bestand er ein Examen zum Kunstlehrer (professore) mit Auszeichnung. Anschließend unterrichtete er an der Akademie Bildhauerei und wurde als Schöpfer von Kriegsdenkmälern bekannt.

    König Vajiravudh (Rama VI.) suchte nach einem europäischen Künstler, der die Bildhauerei in Siam im westlichen Stil modernisieren sollte. Deshalb schlug die italienische Regierung Feroci vor. In der Folge lud ihn das königliche Amt für bildende Künste 1923 zunächst mit einem Drei-Jahres-Vertrag nach Siam ein. Hier sollte er als Bildhauer arbeiten und zugleich thailändische Künstler und Kunsthandwerker ausbilden. Feroci zog mit seiner Frau Fanny Viviana und seiner Tochter Isabella nach Siam; sein Sohn Romano wurde 1927 in Bangkok geboren. Nach Ablauf der drei Jahre stellte ihn das Amt für bildende Künste 1926 unbefristet als Dozenten für Bildhauerei ein.

    Seinen ersten Auftrag einer monumentalen Statue übernahm Feroci noch zu Zeiten der absoluten Monarchie: 1929 modellierte er ein überlebensgroßes Abbild des Gründers der Chakri-Dynastie, König Rama I., das er im Jahr darauf in Italien gießen ließ und das 1932 an der Phra-Phutthayotfa-Brücke in Bangkok aufgestellt wurde.

    Im selben Jahr übernahm während der unblutigen Revolution die Khana Ratsadon („Volkspartei“) die Macht und beendete die absolute Monarchie. Die neue Regierung beschloss 1933 die Gründung einer Kunsthochschule, bei der Feroci eine maßgebliche Rolle spielte. Das Regime der Khana Ratsadon maß Denkmalen und Statuen als Symbolen des Staats und der nationalen Kultur große Bedeutung bei. So übernahm Feroci eine Reihe bedeutender Staatsaufträge, die die nationalistische Ideologie des Regimes repräsentierten: die Statue der Heldin Thao Suranari in Nakhon Ratchasima (1933), die Reliefs am Demokratiedenkmal (1938), das Standbild des Königs Vajiravudh am Eingang zum Lumphini-Park (1941), die Wächterfiguren am Siegesdenkmal (1942).

    Ferocis heroische, starke, entschlossene Figuren orientierten sich zum Teil am Stil des italienischen Faschismus. Die Kunsthochschule wurde 1943 zur Silpakorn-Universität erhoben und Feroci erster Dekan der Fakultät für Bildhauerei und Malerei. In dieser Position war er die Hauptstütze und treibende Kraft für das Kunststudium in Thailand. Feroci brachte nicht nur westliche Kunsttraditionen und Formensprache nach Thailand, sondern wurde auch zum Experten für thailändische Kunst.

    Während des Zweiten Weltkriegs stand Thailand auf Seiten der Achsenmächte und war ab Dezember 1941 unter faktischer japanischer Besatzung. Als Italien nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 die Seiten wechselte, internierte die japanische Besatzungsmacht in Thailand lebende Italiener. Die thailändische Regierung setzte sich jedoch für Feroci ein und erwirkte dessen Freilassung. Um ihn vor weiteren Verfolgungen zu bewahren, verlieh man ihm die thailändische Staatsbürgerschaft, und er nahm den thailändischen Namen Silpa Bhirasri an (von Sanskrit silpa „Kunst“, bhīra „heldenhaft, Krieger“ und śrī „strahlend, Glanz, Schönheit, Wohlstand“).

    Foroci kehrte 1947 und 1949 jeweils vorübergehend nach Italien zurück. In dieser Zeit trennte er sich von seiner Frau Fanny, die in Italien blieb und heiratete 1959 die Thailänderin Malini. Er starb 1962 in Bangkok.

    Ihm wurde postum für seine Leistungen und Verdienste für die thailändische Kunst das Großkreuz des Ordens der Krone von Thailand verliehen. Sein Geburtstag am 5. September begeht die Silpakorn-Universität jährlich als Silpa-Bhirasri-Tag, und anläßlich seines 100. Geburtstages gab die thailändische Post 1992 eine Briefmarke zu seinen Ehren heraus.

    Quelle: Wikipedia
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