• Das Leben ist schön, wenn man satt ist.

    July 19, 2022 in Indonesia ⋅ ⛅ 25 °C

    Heute kann ich endlich wieder vernünftig essen! Die Nacht war schrecklich und voller Qualen; ich habe sie quasi auf der Toilette verbracht. Mein Körper kommt einfach nicht mit den Säften zurecht, aber dies hat nun sowieso sein Ende. Ich stehe früh auf, um an der Meditation und am Yoga teilzunehmen, merke aber schnell, dass ich zu schwach bin. Ich habe wirklich so gar keine Kraft mehr und kann nicht einmal einfache Aufwärmübungen im Stehen machen, muss mich setzen und meine Arme kann ich auch nicht oben halten. Ich hatte es zwar ohnehin entschieden das Fasten auf die 3 Tage zu beschränken, aber auch Ilu empfiehlt mir, es dabei zu belassen. Im Fastenplan steht, dass man sich nach den 3 Tagen unglaublich gut fühlen würde, diesen Effekt vermisse ich derzeit. Ich habe zwar ein wenig an Umfang hier und da verloren, aber mit Sicherheit auch Muskulatur, deshalb vermutlich die Schwäche. Egal! Ich gehe nach der halbherzig mitgemachten Stunde Meditation auf mein Zimmer (Yoga erscheint mir grad unmöglich) und dusche lieber, bevor ich mich mit der lieben Carol zum Frühstück im Restaurant am Meer treffe. Wir sind die einzigen Gäste und können uns auch hier über einen exzellenten Service exklusiv für uns freuen. Ich bestelle in größter Vorfreude einen frischen Wassermelonensaft, Tee, Omelett mit Gemüse, kleinen Würstchen, einer Scheibe Brot und einen Obstteller. Ich kann bzw mag mich kaum unterhalten, weil ich so sehr ins außerordentlich leckere Essen vertieft bin! Jetzt fühle ich mich endlich unglaublich gut, weil ich wieder unglaublich gut esse. Danach bin ich zutiefst zufrieden und angenehm satt. Mein Körper entspannt sich wieder und mein Magen ist leise und glücklich. Weil der Gastwirt so glücklich ist, dass wir zu ihm gekommen sind, erhalten wir auch noch eine kleine gebackene Banane umsonst serviert mmmmmh. Die geht auch noch rein.
    Einige Zeit später stößt Johannes, Carols Freund, noch dazu und wir haben eine äußerst interessante und inspirierende Unterhaltung über Doshas, Beziehungen zu sich selbst und anderen und Lebenszielen. Ich finde es sehr bewundernswert wie die beiden miteinander sprechen, wie sie sich vertiefen und wie klug sie sind. Sie könnten alterstechnisch meine Eltern sein, von daher greifen sie natürlich auch auf einen größeren Erfahrungsschatz zurück, aber sie gehören zu den Leuten, die ihre Überlegenheit nicht raushängen lassen, sondern mir mit viel Wohlwollen, Güte und auch ehrlichem Interesse auf Augenhöhe begegnen. Ich nehme Wertvolles aus diesem Gespräch im Herzen mit und bin dankbar für diesen wunderbaren Morgen.
    Der Weg zurück zum Resort bringt mich außer Atem, scheinbar hat auch meine Kondition etwas gelitten. Ich nehme mir vor, diese und auch meine Muskeln wieder aufzubauen und in Zukunft erstmal keine tagelangen Fastenkuren zu machen, sondern lieber alltäglich bewusster zu essen.
    Heute stehen zwei Wellnessbehandlungen an. Die erste am Vormittag ist wieder eine Massage mit gefüllten, heißen Bündeln. Dieses Mal sind sie jedoch nicht mit Kräutern und Gewürzen, sondern mit gekochtem Reis und Milch gefüllt. Es duftet deshalb lecker nach Milchreis. Das bringt mich zum Schmunzeln, wenn ich an gestern denke. Nun kann ich aber den Duft zufrieden genießen. Danach geht es in Milchreis mariniert in den Saunakasten. Heute halte ich die 30 Minuten nicht bis zum Schluss durch, weil der Kreislauf doch noch zu angeschlagen ist, aber ich spüre dennoch wie allmählich meine Kräfte zurückkehren. Da ich zur Mittagszeit noch keinen Hunger verspüre, lasse ich das Mittagessen ausfallen und gönne mir lieber eine Pause nach der Sauna und vor der nächsten Behandlung um 15 Uhr. Ich lese und gleite dann in ein entspanntes Nickerchen. Die Behandlung um 15 Uhr heißt Abhyangam Fruit. Dabei werde ich erst wieder gründlich massiert und im Anschluss wieder mariniert, dieses Mal in frischem Fruchtpüree. Das soll feuchtigkeitsspendend und verjüngend wirken. Danach gehe ich zum 5. Mal heute duschen und verbringe die Zeit bis zum Abendessen lesend und in Ruhe. Das Abendessen ist ein Fest. Zunächst einmal habe ich bis dahin definitiv wieder Hunger und ich habe beschlossen, so viel zu essen, bis ich zufrieden bin. Ich habe im Vorhinein ehrlich versucht, mich an die kleinen Portionen zu gewöhnen und lasse es nun sein, sonst bekomme ich nachts wieder Hunger. Ich bestelle mir deshalb eine doppelte Portion Suppe als Vorspeise und zwei verschiedene Hauptgerichte. Dafür lasse ich das Dessert weg. Die zwei Hauptgerichte werden gemeinsam auf einem Teller für mich angerichtet und schmecken köstlich! Das eine Gericht ist marinierter Tofu im Bananenblatt, dazu Spinat und Reis; das andere ist Fisch mit Gemüse und Kartoffeln. Vor allem der Fisch schmeckt vorzüglich und ich genieße jeden einzelnen Bissen. Zusammen ergeben die Gerichte die Portion, die ich brauche, um wirklich satt und zufrieden zu sein. Und schaut euch doch bitte mal den Teller an! Sieht das aus wie eine doppelte Portion? In meiner Welt nicht.
    Es tummeln sich mittlerweile einige neue Gesichter im Resort, die nach und nach auch zum Abendessen eintrudeln. Die Stimmung ist heiter und angenehm. Mich zieht es nach einiger Zeit aber wieder in die Ruhe meiner Räume und ich verabschiede mich für heute, um mich wieder vor dem Einschlafen dem spannenden und romantischen Fantsyroman zu widmen. Auch hier gute Nacht und bis morgen💕
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