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  • Day86

    Stuck in Guatemala

    June 8 in Guatemala ⋅ 🌧 24 °C

    4:00 Uhr: Der Wecker klingelt
    4:25 Uhr: das vom Reisebüro organisierte Taxi kommt am Hotel an
    4:28 Uhr: Auschecken im Hotel
    4:30 Uhr: Abfahrt zum Flughafen
    4:41 Uhr: Ankunft am Avianca-Schalter (Fast Lane)
    4:45 Uhr: Nicaragua hat sich noch nicht zu unserem Einreisestatus geäußert
    4:50 Uhr: eine freundliche Mitarbeiterin versichert uns: Heute fliegen wir nicht!
    5:25 Uhr: Wir sind auf die selben Flüge am nächsten Tag umgebucht. Wir haben inzwischen die persönliche E-Mail Adresse der Mitarbeiterin. Sie hat unsere Passdaten
    5:45 Uhr: Kaffee!
    5:55 Uhr: Immer noch kein Bus an diesem blöden Flughafen. Wir versuchen Uber!
    6:15 Uhr: Via Booking.com eine weitere Nacht im Best Western gebucht (61.50 USD)
    6:35 Uhr: Wartezeit von 20 Minuten, aber unser Uber-Fahrer ist da!
    6:45 Uhr: Wieder im Hotel angekommen. Kosten: 25,43 Q (plus Tip)
    6:50 Uhr: Unser bereits aufgegebenes Zimmer steht zu den gebuchten Konditionen nicht zur Verfügung. Nur gegen Aufpreis. Zu müde um zu diskutieren, ob die Zimmerreinigung für den neuen Gast nicht sehr viel teurer sei. Vielleicht auch nur nicht vorbereitet auf die Rückfrage: welche Zimmerreinigung. Genug ausgegeben, wir nehmen ein neues Zimmer. Aber Dank Miss I die kluge Forderung zumindest bis 12 Uhr nochmal in unser altes Zimmer zurückzukehren.
    6:58 Uhr wieder im Zimmer. Tun wir so, als wäre das alles nie passiert!

    Nach ausgiebiger Erholung von den Strapazen des Nichtfliegens erstmal unser Frühstück nachgeholt und dann direkt in einen weiteren Ableger des Cafes vom Vortag und den Rest des Tages mehr oder minder abgehangen und mit Blog, Kaffeetrinken und Süßspeisen verbracht. Zwischenzeitlich die Rückmeldung von Damaris Jiminez, dass wir für morgen früh definitiv ready to fly seien! Zumindest das hat dann heute noch geklappt. Dank des kundenfreundlichen Verhaltens der Avianca (und der glücklichen Fügung, dass ich mich bei der Buchung der ursprünglichen Flüge bereits entschieden hatte nicht die billigste Buchungsklasse zu nehmen) hielt sich der finanzielle Schaden absolut in Grenzen. Aber der Stress und die Aussicht zwei Tage hintereinander um 4:30 mit all unserem Gepäck an den Flughafen zu fahren reichte dann auch. Das Verständnis der Avianca rührte übrigens auch daher, dass wir bei weitem nicht die Einzigen waren, die unter den knappen Fristen für die Einreise nach Nicaragua litten. Gescheitert war das Ganze nämlich daran, dass wir das geforderte negative PCR Testergebnis nicht früh genug bekamen um die 36 Stunden Bearbeitungsfrist für den grünen Haken einzuhalten. Wahrscheinlich ist es auch keine große Überraschung, dass das Erfordernis eines Corona-Tests von Nicaragua nur wenige Tage nach unserer Odyssee ersatzlos gestrichen wurde. Wie bereits zuvor in Canada einfach nur schlechtes Timing. Aber mit dem notwendigen Abstand und da am Ende doch wieder alles irgendwie geklappt hat eine weitere Anekdote. Respekt und Dank an dieser Stelle aber auch an FF, der die Strapazen mehr oder minder klaglos über sich ergehen hat lassen!

    Abends in eine nahegelegene Spelunke, die allerdings aus Tripadviser relativ gute Bewertungen hatte und dort nach dem Kaffee-Kuchen-Nachmittag viel zu viel zu Abend gegessen (unter anderem eine Fischsuppe, die tatsächlich sehr beeindruckend aussah allerdings nicht die von unseren Honkees verlangte Frische aufwies).

    Abends um 11, da es natürlich genau an solch einem Tag sein muss, noch ein Telefontermin mit Deutschland. Um 12 dann aber mit den Worten von Jack Bauer „This is the probably longest day in my life“ endlich ins Bett.
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  • Day85

    Testen und Bangen…..

    June 7 in Guatemala ⋅ 🌧 20 °C

    Tag der Entscheidung? Wird man sehen, wir waren jedenfalls bereit, zumal der äußerst entspannte aber zwischenzeitlich auch aufgetaute und freundliche Hostalbetreiber uns für 6:30 das Frühstück organisiert hatte und so ging es pünktlich um 7 wieder mit dem Fahrer der uns bereits nach Monterrico gebracht hatte los in Richtung Hauptstadt.

    Schräges Gefühl mal wieder in eine richtige Stadt mit Hochhäusern, breiten Alleen und Menschen zu kommen, zumal die Fahrt dann auch gleich in die Tiefgarage einer großen Einkaufsmall ging. Allerdings nicht zum Shoppen, noch nicht mal auf die Ebene einer mondänen Klinik kamen wir, stattdessen in U4 auf einen Parkplatz an dem schon drei Menschen in blauem Schutzanzug mit Maske sassen, die sich ihre Arbeitsplatzbeschreibung vermutlich auch nicht ganz so genau durchgelesen hatten. Die Formalien zur Registrierung des Tests zogen sich fast eine halbe Stunde hin. Der Test hingegen war dann eher Streicheleinheit, nichts von dem Straßenabstrich in Koh Phangan, an dem Miss I das Teststäbchen schier ins Kleinhirn gerammt wurde. Hier also eher Schonprogramm beziehungsweise das Gefühl, dass das gewünschte Testergebnis in dem Preis schon inkludiert war. Das tumbe Gefühl des „What If“ begleitete uns dann die nächsten Stunden dennoch, zumal wir von Reisebüro und Fluggesellschaft gedrängt wurden unbedingt und so schnell als möglich unsere Testergebnisse durchzugeben, da unsere Registrierung zur Einreise nach Nicaragua ansonsten nicht bearbeitet werden könnte. Eigentlich sei es dafür eh schon zu spät, dies habe 36 Stunden vor Abflug zu geschehen…..
    Aber erstmal einchecken. Nach langer Zeit und der Hütte in Monterrico endlich mal wieder ein Best Western Plus Hotel! Kurze Erholung, dann doch Hummeln im Hintern und das Gefühl laufen zu müssen, also der Empfehlung des Lonely Planet gefolgt die knapp vier Kilometer zu der in ein Museum umgebauten Stadtvilla Mima, die dem Reiseführer zufolge eine der Sehenswürdigkeiten schlechthin in Guatemala City war. Ware halt nur leider zu. Verschlossenes Tür, nichts zu machen, auch wenn „das Internet“ sagte, dies sei nicht möglich, schließlich stand da „geöffnet“. Aber der Weg ist das Ziel und unterwegs hatten wir gegen den schnellen Hunger zunächst einen Happen in einem überdachten Food-Court gegessen und um die Ecke noch ein Cafe entdeckt, das nicht nur guten Kaffee sondern zur Freude von FF auch Nutella-Hörnchen im Angebot hatte. Insofern alles gut. Zumindest nachdem ich mich bereit erklärt hatte uns für die Rückfahrt eine Taxifahrt zu spendieren. Die unverhandelt verlangten 35 Q (4,30 Euro) schienen auch angemessen, so dass das Verlangen von 100 bzw. 60 Q für die deutlich kürzere Fahrt zum Flughafen uns dagegen dreist erschien und wir dieses Angebot rüde ablehnten. Flughafen deshalb, da wir zwischenzeitlich unsere Ergebnisse (alles negativ und damit gut) erhalten und an das Reisebüro mit der Bitte um Finalisierung unserer Einreiseformalitäten nach Nicaragua weitergeleitet hatten. Der reinen Sicherheit halber und um uns am nächsten Morgen etwas Stress zu ersparen hatten wir überlegt schon mal vorab am Flughafen einzuchecken (Gepäck blieb im Hotel, dass konnten wir am nächsten Morgen dann noch in Ruhe abgeben). Und da der Flughafen laut Google Maps lediglich 2.5 Kilometer vom Hotel entfernt war, sprach auch nichts gegen einen weiteren Spaziergang. Die Strecke war zwar nicht so angenehm wie mein Fußmarsch in San Diego zum Flughafen, doch im Feierabendverkehr hätten wir mit einem Taxi vermutlich länger gebraucht als zu Fuß. Nur das Ergebnis unseres Check-Inns war nicht befriedigend. Zunächst die Auskunft, dies ginge nur online, Check-Inn vor Ort kostet extra. Kurze Diskussion und das befriedigende Gefühl, dass unsere Lufthansa Frequent Traveller Karte uns zumindest in Guatemala einen Platz in der Fast Lane gewährte und wir plötzlich auch für die analoge Form des Reisens auch keinen Aufpreis mehr zahlen mussten. Nur unser Einreisestatus sei leider leider noch nicht geklärt, da müssten wir nochmal nachfragen, ansonsten sieht man sich dann morgen früh um halb fünf wieder……

    Nach dieser Erfahrung stand uns dann auch nicht mehr der Sinn danach in die Dunkelheit hinein in die Stadt zurückzulaufen. Da sich aber weder ein Busverbindung auftreiben lies noch ein Taxifahrer bereit war mit uns in Verhandlungen über einen Fahrpreis zu treten, machten wir uns dann doch erstmal auf. Kurz hinter dem Taxiplatz liess sich dann zum Glück doch noch ein Kutscher überzeugen, dass es wirtschaftlich sinnvoller sei unser Angebot von 50 Q zu akzeptieren, als ohne Fracht und damit für umme zurück zu fahren. Der Verkehr hatte inzwischen auch abgeflaut, so dass wir schnell wieder am Hotel und bereit für`s Abendessen waren. Hier waren wir uns einig, dass ob des anstrengenden Tages und der Aufregung um den Test eine Belohnung angemessen sei und so ging es auf Gong Bao Ji Ding und andere Leckereien zum Nobel-Chinesen gegenüber.

    Und ab ins Bett für eine kurze Nacht.
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  • Day82

    Fahrt nach Monterrico

    June 4 in Guatemala ⋅ ⛅ 29 °C

    Nachdem der Besuch beim Zahnarzt so reibungslos verlaufen und auch unsere Wäsche pünktlich und duftend um 9 Uhr bereit stand, gab es für mich nicht viel zu tun als unseren freundlichen Fahrer zu begrüßen und den Wagen vollzuladen, der wie gewohnt zehn Minuten vor der geplanten Abfahrt auf dem Hotelparkplatz wartete.

    Die Fahrt nach Monterrico an die Pazifikküste führte uns zunächst erstmal wieder einige Serpentinen hoch bis sich Miss I meldete und um eine ruhigere Fahrt bat. Anders als ich nahm der Fahrer dann auch Rücksicht und so schlängelten wir uns gemütlich durch zunächst die Berge hoch und wieder hinunter bis wir im Regen in dem Küstenort Monterrico ankamen. Als Surfer-Spot Nicaraguas beschrieben, war es zunächst mal nur ein eher schmutziges und heruntergekommenes Kaff mit einem sehr lokalen Angebot an Speisen und Waren. Auch unser Hotel war sehr einfach, die grob verputzten Wände schon vom Blut einiger Moskitos gefärbt und insgesamt mal wieder auf der Charmeskala eher Backpacker-Hostel. Bier und Sprudelwasser gab es zur Selbstbedienung mit Anschreiben und Bestellungen im Restaurant benötigten eine Stunde Vorlauf. Dafür waren es aber auch nur 5 Meter bis zum gut 10 Meter langen Pool und knappe 30 Meter bis zum Strand. Die vermeintlich kurze Strecke über den schwarzen Lavastrand hatte es allerdings in sich. Zumindest wenn man versuchte diese barfüßig zu sprinten, dann zumindest bestand durchaus die Gefahr sich die Hornhaut von den Sohlen zu brennen. War man erstmal in dem wellenüberspülten Bereich, war der feine Sand dann allerdings sehr angenehm. Nur über die verschiedenen als Treibgut an Land gespülten Meeresbewohner inklusive Kofferfischen und großen Krabben musste man einen Bogen machen. Dafür waren die Wellen allerdings fantastisch.

    Die Zeit vor Ort verbrachten wir im Wesentlichen mit Lesen, Schwimmübungen und gelegentlichen kurzen Spaziergängen in den Ort (nicht wirklich sehenswert und lediglich für die Suche nach dem einzigen Geldautomaten notwendig) oder in das unmittelbar neben uns gelegene Luxusresort um etwas Abwechslung in den Speiseplan zu bekommen. Der Rest war Faullenzen at its best, wobei über uns der anstehende Flug nach Managua wie ein Damoklesschwert schwebte, war doch für die Einreise nach Nicaragua (als einzigem Land in Centralamerika) ein bis 72 Stunden vor Abreise erfolgter negativer PCR Test notwendig, was uns beziehungsweise das Reisebüro vor logistische Herausforderungen stellte, da die nächstgelegene Teststation erst in Guatemala City lag. Laut Planung sollten wir Montagmorgens sehr zeitig aus Monterrico aufbrechen um direkt den Test zu machen und unseren Flug am Dienstagmorgen um 6:30 Uhr antreten zu können. Auch nach den Thailand-Erfahrungen waren wir hinsichtlich des Tests recht entspannt, lediglich der Zeitplan erschien schon ambitioniert. Den Gedanken einen Tag früher abzureisen und den Test entsprechend vorzuziehen schrieben wir dennoch wieder ab, da nicht klar war, ob wir Sonntags getestet werden konnten. Wir schon alles gut gehen…… Und ansonsten: füge Dich den Dingen die Du nicht ändern kannst und bei allem anderen hilft ein Sprung in den Pool!
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  • Day80

    Markt in Chichicastenango

    June 2 in Guatemala ⋅ 🌧 18 °C

    Von dem Markt in Chichicastenango hatten wir im Vorfeld schon fiel gehört, es dauerte aber dennoch eine Weile, bis wir den Ort halbwegs flüssig aussprechen konnten. Letztlich sprechen die Bilder hier auch eine deutlich klarere Sprache. Bot der zweimal die Woche stattfindende Markt doch alles, was das Herz des stets auf der Suche nach eindrücklichen „typischen“ Motiven pirschenden Westlers begehrte. Feilgebotene exotische oder zumindest „süße“ Tiere, von der Härte des „einfachen“ Lebens verwitterte Menschen in bunter Kleider und Speisen in allen Farben und Formen. Daneben dann aber auch der wandernde Rattengiftverkäufer, selbst hier nicht zu vermeidende Herbal Life Verteter und und und. Nach dem inzwischen dritten Kaffee und einem Maracujasaft bin ich des Schreibens etwas müde. Aussen scheint die Sonne und der Gym ruft, wobei ich mir nicht sicher bin, denn folgt man zumindest des Regeln des gleichnamigen Films so verlangt der Name Fight Club Gym gegebenfalls eine andere Marketingstrategie. Daher der Tag in Kurzfassung:

    Anreise ca. 1.5 Stunden. Bei der Fahrt über die Serpentinen die Sorge, ob es trocken bleibt, da zumindest in Aussicht steht, dass bei Regen die Hälfte der Marketender schließt. Aber Glück gehabt, der Tag bringt teils dramatische Wolken aber es bleibt mehr oder minder durchgängig trocken. Kurzer Pinkelstop in einem Restaurant im 1. Stock über der Hauptstrasse mit schönem Blick auf das Gewusel und den Stand mit den gefrorenen Schokobananen. (Preis 2 Q, was ca. ungefähr 1/20 dessen entspricht, die wir für exakt die gleiche Banane in Disneyland / Anaheim gezahlt hatten….).
    Vergebliches Feilschen um einen blinkendes Perlen-Gecko. Schade, dass die Händler, die standhaft bei ihrem Preis bleiben am Ende meist nicht belohnt werden, während der/diejenige, die nach fünfsekündigen Verhandlungen im Preis einbricht wie gegenwärtig der Bitcoin exakt die Geiz ist Geil Region unseres Kleinhirns trifft, die uns zwingt zuzuschlagen und nicht nur einen sondern besser gleich zwei von den Plastik-Pfeffer&Salz-Streuern zu kaufen. FF hat sich immerhin mit seinem Geld eine Holzschlange gekauft die nach meinem Stand immer noch existiert aber schon deutlich an Begeisterung eingebüßt hat.

    Besuch einer der wenigen (oder der einzigen) katholischen Kirche im Land, die in ihren heiligen Hallen auch einen kleinen Raum für die Maya-Heiligen zur Verehrung einräumt. Ökumene wie sie sein soll.

    Obst- und Gemüsemarkthalle, überdacht, aus der Perspektive von oben vorrangig in Tomaten und Paprika-Rot. Dazwischen aber auch alles andere was das Vegetarier-Herz begehrt.

    Rückfahrt mit Mango vom Markt und abends Würstchen vom Grill für FF und mich. Dabei die Oberstadt und den Gym entdeckt und mit FF neue Tanzschritte geübt, die der dann auch gleich vor jeder Diskotür sehnsüchtig in der Hoffnung hinein ins Laserlicht treten zu dürfen feilbot.
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  • Day79

    Weiberfastnacht mit Kräuterfrau

    June 1 in Guatemala ⋅ 🌧 17 °C

    Unser Start am Lago Atitlan war ja zunächst etwas bescheiden verlaufen. Bei Regen auch kein Wunder. Warum also dem nichts entgegen setzen und bei triest-grauem aber noch stabilem Wetter zu einer Seekreuzfahrt aufbrechen. Laut unserem Führer gibt es zwei verschiedene Winde am See, ich habe mir die Richtungen nicht gemerkt, aber einer führte zu ruhiger und der andere, na ratet, welchen Wind wir erwischt haben. Die ca. 25 Minuten Fahrt nach San Juan LA Laguna fühlte sich vermutlich ähnlich an wie der Fahrt mit der ein Hesse erst kürzlich den Geschwindigkeitsrekord auf einem Bobbycar auf sagenhafte 130,7 KM/H hochgeschraubt hat. Nicht schön und die Tour war schon dadurch gelungen, dass wir endlich wieder auf Festland waren.

    Dann einen steilen Hügel hinauf und an einer Kindergruppe, die in Trachten einen Tanz für die diversen Gruppen die ähnlich wie wir die Überfahrt an diesem Tag gewagt hatten. Kinder in Kostümen sorgen ja gemeinhin immer für Begeisterung. Hätten wir gewusst, dass es ein Regentanz war. Jedenfalls ging es von der Hauptstrasse aus erstmal auf ein unspektakuläres Grundstück mit zwei Häusern im gefühlten Rohbau (kein Verputz, alles sehr einfach) und einem auf den ersten Blick wild wuchernden Kräutergarten. Die Dame des Hauses begrüßte uns aber sehr freundlich mit strahlendem Gesichtsausdruck, der nicht vorrangig von einer mittels wundersamer Kräutermischung gepflegten Zähnen sondern eher durch zwei in ihre Schneidezähne eingelassenen Goldsternen glänzte. Dann setzte sie sich mit uns hin und erzählte von ihrem Leben als Kräuterfrau, zertifizierte Hebamme und Mitarbeiterin der Kooperative, die verschiedene Kräutermischungen, Pasten und Seifen herstellte. Dabei durften wir ca. 40 verschiedene Kräuter und Blätter reiben, riechen und raten.

    Nach dieser ersten Station ging es zu einer weiteren Kooperative, in der 25 Frauen aus der Gemeinde sich zusammengetan hatten um ausschließlich mit Naturprodukten zu spinnen, färben und zu weben. Den Herstellungsprozess vom Säubern der Baumwolle zu sehen und sich vorzustellen, wieviel Zeit und Mühe in einem kleinen Stück Stoff steckt, war enorm beeindruckend. Und selbst wenn die auf industrieller Basis gefertigten Stoffe auf der Kao San Road von Panajachel vielleicht noch etwas stärker strahlten, konnte ich Miss I und FF nicht lange widersprechen als es darum ging sich zwei Erinnerungsstücke mit nach Hause zu nehmen.

    Und dann begann der Regen. Wir standen noch auf dem Steg und warteten auf unseren Kapitän, der uns nach Santiago Atitlan bringen sollte. Es blieb gerade noch genug Zeit sich in einem anderen Böötchen in Sicherheit zu bringen. Die nur kurze Fahrt „genossen“ wir dann auch lieber mit heruntergelassenen Plastikjalousien und wurden dennoch recht nass.

    Da kam die Mittagspause in Santiago gerade recht und wir kehrten kurz in einem lokalen Restaurant zu der inzwischen schon üblichen Fischsuppe und Limonade ein. Wobei der Kelch in welchem FF sein tägliches Süßgetränkkredenzt wurde diesmal eher die Ausmaße eines Germanischen Füllhorns hatten. Ein Humpen Sirup. Aber so sind die Regeln

    Gestärkt ging es mit dem TukTuk zu einem auf den ersten Blick ganz normalen Hausgang in dessen Flur allerdings schon eine bunte Mischung Menschen stand. Es handelte sich um den Sitz eines Schamanen, der immer für ein Jahr bestimmt wird dem Ortsheiligen Maximon Heimstätte zu gewähren und die Zeremonie der Opfergaben zu organisieren. In dem kleinen verräucherten Zimmer in dem sich in der Mitte die kleine Figur des Maximon, ausstaffiert Zigaretten und brennenden Kerzen. Der interessierte Betrachter der beigefügten Fotos wird erkennen, dass er zudem mit dutzenden abgeschnittenen Krawatten behängt war, was den Rückschluß erlaubt, dass es sich in Wirklichkeit um einen um 1796 nach Kölner handelt, der die Einheimischen nicht zum rheinischem Katholizismus missionierte sondern bei der Gelegenheit dann auch gleich den Karneval inklusive Weiberfastnachtsbrauchtum einführte. Daher war es auch nur folgerichtig, dass zu den Opfergaben neben schnödem Mamon (Katholizismus) vor allem Zigaretten und Schnaps gehörten. Unser Reiseführer war ob dieser Historienauslegung zunächst sprachlos, sagte aber zu dies in seine zukünftigen Ausführungen zumindest als eine Möglichkeit mit aufzunehmen.

    Nach dem Brimborium rund um Maximon, bei dem sich ob der krassen Trennung zwischen den touristischen Gaffern und den auf diese Weise zum Objekt degradierten „Darstellern“ die Frage stellte, ob man (ich) überhaupt Teil einer solchen Situation sein möchte oder ob es nicht besser sei solche Geschichten aus größerer Distanz meinetwegen auch in Büchern oder Dokumentationen zu erleben. Schlußendlich siegt aber dann doch die Neugier und der Drang an etwas spirituell Besonderem teilzuhaben. Wobei der Eindruck bleibt hier nur Eindringling zu sein. Dem Streben nach Ablass mag da die entgegengekehrte Auslegung zu Gute kommen, wonach eher wir mit unserem ungelenken Verhalten von den Einheimischen beobachtet und damit unsererseits zu Objekten gerne auch der Belustigung werden. Kann ich mit leben und versuche dennoch die Situation entweder mit einem Lächeln aufzulösen oder ganz herkömmlich hinterfotzig die Kamera eher heimlich einzusetzen. Jedenfalls ging es nach Maximon zu einer Kirche, die während der Unruhen in denen die indigene Bevölkerung sich gegen die Entrechtung durch die guatemaltekische Regierung auflehnte ein Zufluchtsort für viele Familien war. Der seinerzeitige Pfarrer der Gemeinde wurde vom Militär in einer Nacht und Nebelaktion hingerichtet. Sein Herz befindet sich noch heute unter einem Altar am Eingang der Kirche und wird von vielen Einheimischen verehrt, da er sich auch mit Schulgründungen und anderen sozialen Taten eingesetzt hatte.

    Etwas leichtere Kost war dann der Spaziergang über den Markt zurück zum Boot. Dabei kamen wir an der Darstellung einer überdimensionalen 25-Centavos-Münze vorbei. Der Hintergrund bestand darin, dass ein junges Mädchen aus dem Ort (und die Nachbarin unseres Führers) in den 70er Jahren einen Wettbewerb gewonnen hatte und als Preis mit ihrem Konterfei auf der Münze verewigt wurde. Mehr hat sie dann auch nicht dafür bekommen. Die Moral von der Geschichte wäre damit, dass es besser ist fremdes Geld zu besitzen als sich darauf wiederzufinden. Doch zumindest kurzzeitig nahm es dann doch noch ein gutes Ende, da sich der Sohn Ende der 2010er Jahre beschwerte und der Staat der inzwischen alten Dame zumindest eine kleine Leibrente gewährte. Besser spät als nie!

    Zurück zum Hotel ging es wieder quer über den See, der sich aber nach dem Regen beruhigt hatte und so verlief die Fahrt an den drei Vulkanen Atitlan, Toliman und San Pedro, die allerdings weiterhin in Wolken gehüllt waren, vorbei glatt und ohne Hüpfburg-Feeling.

    Zuhause noch ein Kaffee im Cafe Chinajul und abends auf einer Nudelsuppe zum Japaner, der mit Ausnahme der zunächst halb roh servierten Dumplings eine recht gute Ramensuppe und ein Terriyaki-Lachsfilet im Angebot hatte. Zumindest so gut, dass Miss I sich am nächsten Tag mit FF nochmals dorthin aufmachte um in Ruhe und ungeteilt eine weitere Nudelsuppe zu essen, während ich mich im Schweisse meines Angesichts dem Blog-Post widmetet und Leben oder zumindest Gebiss beim Genuss eines Hähnchens riskierte. Aber das ist eine andere Geschichte.
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  • Day78

    Arrive at Panajachel Lago Atitlan

    May 31 in Guatemala ⋅ 🌧 18 °C

    Hotel Dos Mundos, Panajachel Lago Atitlan

    Morgens noch eine letzte frühe Runde ins Antigua Gym, dann Abfahrt in Richtung Lago Atitlan. Diese Fahrt dauerte nur knapp drei Stunden und verlief stressfrei. Lediglich das Wetter meinte uns beweisen zu müssen, dass nun aber wirklich Regenzeit ist und so war der Empfang eher trüb.

    Hotel allerdings sehr nett, fünf Minuten fußläufig vom Seeufer entfernt und die Zimmer rund um einen kleinen Garten mit (leider viel zu kaltem) Pool gelegen. Das Städtchen Panajachel hatte allerdings bei weitem nicht den kollonialen Charme von Antigua. Es mag dem Regen geschuldet sein, aber der erste Eindruck war eher die alte Kao San Road in Bangkok, also schmale Straße in der sich TukTuks durch den Regen vorbei an wilden Hunden drängen und gelegentlich müde Touristen vor einem Kaffee, Restaurant oder dem Souvenir/T-Shirt-Verkäufer abladen, die ihre jeweilige Ware aber mit dem gleichen aus langer Erfahrung geprägten Enthusiasmus feilbieten, wie ein pickliger 18jähriger auf Tinder swipt.
    Dazu die Unsitte die Bürgersteige zu Fliesen, dabei allerdings sämtliche Din-Normen zur vorgeschriebenen Rieb- und Rutschfestigkeit ausser Acht zu lassen. Es dauerte zwar bis Nicaragua, bis ich mich das erste Mal volle Kanne auf den regenglänzenden Boden fegte, aber davor gab es einige knappe Sorgen (bei denen sich zum Glück nur mein Muskelgedächtnis an den noch keine 7 Monate alten Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel erinnerte).

    Aber geben wir der Stadt ruhig eine weitere Chance bei schönem Wetter und da finden sich in den Seitenstraßen durchaus auch nette kleine Kaffees die zwar einen hip-übersäuerten Single Origin Espresso verkaufen sich aber abends bei der zufälligen Begegnung auf der Straße auch noch an einen erinnern und einem mit Handschlag einen schönen Abend wünschen.

    Oder die Oberstadt, die uns in unserer kleinen feinen Hotelblase die ersten zwei Tage verborgen blieb, wo sich aber die Clubs und Remmi-Demmi-Läden befinden, nach welchen das ebenso zahlreich anreisende Hosteljungvolk verlangt. Genau dort auch mein Gym, der sehr preiswert war, allerdings bei den Geräten auch teilweise schon etwas aus der Zeit gefallen. So bedurfte es der größten Muskelanstrengung die Handyhalterung auf dem Fitnessrad so wegzubiegen, dass mein IPad darauf halt findet. Das hielt aber eine lokale Influenzerin nicht davon ab just zu meiner Besuchszeit begleitet von zwei Kameraleuten ein hochprofessionelles Instagram-Video zu drehen. Ich bin mir sicher, dass es sich bei der relativen Enge und den vielen Spiegeln nicht vermeiden liess, dass sich auch Euer Berichterstatter in der einen oder anderen Kamereinstellung ins Bild läuft. Wundert Euch also nicht, wenn ich wie auch dieser Blog in naher Zukunft trenden und zählt euch zur Reiseblog-Boheme, denn Ihr wart schon dabei, als das alles noch REAL war ;-)

    Gleich neben dem Gym war noch die Circus Bar. Ein gleichfalls aus Zeit und Raum gefallenes Restaurant, das seine Deko vermutlich aus der Auflösung des ehemaligen Roncalli-Grand-Cafe in Aachen übernommen hat. Diverse Zirkus-Poster und -Nippes. Dazu eine Bühne auf der nicht nur Live-Musik sondern zu späterer Stunde auch Akrobatik-Einlagen aufgeführt wurden. Die Pizza war auch nicht schlecht, Grund genug auch für die lokalen Besucher.

    Wobei der Genuss jeglicher Speise oberhalb des Agregatzustandes butterweich an diesem, letzten Abend auf des Messers Schneide stand, denn nachmittags hatte sich beim Genuss eines Hähnchensalats ohne Vorwarnung eine Krone verabschiedet. Glücklicherweise rechtzeitig festgestellt, so dass der orale Rettungsversuch erfolgreich war und alternative Suchwege nicht notwendig werden lies. Der wirklich tolle Service unserer lokalen Reiseagentur und Lily Martinez im Besonderen bestand darin, dass ich als Kunde auch ohne Krone noch wie ein König behandelt wurde. Die nur kurze Frage, ob sie mir empfehlen würde damit in Guatemala zum Zahnarzt zu gehen oder ob ich noch die paar Tage bis Nicaragua warten sollte (wie gesagt, ich hatte keine Schmerzen) führte unvermittelt zu der Auskunft, dass sie mir bereits einen Zahnarzt aus der Hauptstadt herausgesucht habe, der an diesem Wochenende in Panajachel Dienst tue. Mein Termin auf 8:30 am nächsten Morgen sei bereits bestätigt.

    So zu meinem Glück gezwungen stand ich also an unserem Abreisetag deutlich früher als geplant (oder mir in meinen kühnsten Träumen für eine letzte Gym Einheit vorgenommen hatte) auf und stand pünktlich um 8:15 vor dem Dentallabor. Nach kurzer Besichtigung des Schadenbildes und einer Röntgenaufnahme hatte ich mein Krönchen schnell wieder gerichtet und war um 8:38 fertig und lediglich um 250 Q (entspricht 30 Euro) ärmer. Also rechtzeitig um unsere 12 Kilogramm frisch gewaschene Wäsche (Kosten eine halbe Kronenzementierung) abzuholen und mich zur Familie zu gesellen, die sich gerade anschickte ihr Frühstück zu beenden.

    Also alles in allem doch einige gute Erinnerungen an Panajachel, obwohl sich die allgemein beschriebene Magie des Atitlan-Sees zumindest hier nicht erschließen wollte. Aber dafür hatten wir ja auch noch zwei Ausflüge vor Ort vor uns.

    Kleinere Gassen
    Trubel in der Oberstadt,
    Gym mit Influenzerin
    Zirkus-Restaurant
    Zahnkrone
    Zahnarzt 200 Q
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  • Day77

    Der Tanz auf dem Vulkan

    May 30 in Nicaragua ⋅ ☁️ 29 °C

    Hotel San Jorge, Antigua

    Kurzer Hinweis: diesen Eintrag schreibe ich am 21.6. mit einem Geschichten-Rückstau von drei Wochen aus dem Indio del Sur Cafe in San Juan del Sur an der Pazifikküste in Nicaragua mit einem starken Cafe Americano vor mir und der schon um 10:34 durch das T-Shirt brennenden Sonne im Rücken. Anders als in den USA ist es hier nicht der Reisestress sondern eher das Gegenteil, eine mit sinkendem Stresslevel einhergehende Grundmüdigkeit, die bereits kurz nach dem Aufstehen beginnt, was mit auch daran liegen mag, dass unser Hotel Victoriano zwar eindrucksvoll an der Strandpromenade liegt, der Kaffee am Morgen aber nicht dem selbsterkorenen ****-Standard entspricht. Dies nur zur Einordnung und Transparenz. Immerhin gibt es auch in Nicaragua ausreichend Vulkane (ausweislich der Tourismuswerbung „Land der tausend Vulkane“, wir haben allerdings mal nachgezählt und kommen auf eine Zahl zwischen 19 (Wikipedia) und 27 (Oscar, Tourguide), den Rest werden dann die Gerichte im Rahmen unserer Schadenersatzklage klären…).

    Doch zurück nach Guatemala und Antigua. Eigentlich war der Ausflug gleich für den ersten Tag nach unserer Ankunft geplant, nachdem sich die Anreise bis in die Nacht gezogen hatte, waren wir allerdings sehr froh um die Flexibilität unserer lokalen Reiseagentur und nahmen die angebotene Verlegung auf den heutigen Tag sehr gerne an. Zumal uns wegen des instabilen Wetters empfohlen würde eher früher am Morgen aufzubrechen.

    Nancy unsere Reiseführerin und Darwin der Fahrer standen dann auch pünktlich um 8:30 mit dem frisch geputzen Land Rover vor der Tür des Hotels. Die Fahrt ging in Richtung Volcano Pacaya. Mit 2.552 Metern ist das der deutlich kleinste neben dem Volcano Agua (3.766), Volcano Fuego (3.763) und Acatenango (3.976). Der Pacaya war erst im März 2021 zum letzten Mal mit starken Explosionen, einer kilometerhohen Aschesäule und fließendem Lava das nahe an das nächste Dorf heran kam. Verletzte oder gar Tote gab es wohl nicht, aber dass wir uns hier, ja nur für Euch und Eure gottverdammte Gier nach Sensationen, einmal wieder in Gefahr für Leib und Leben begaben, zeigt vor allem der Umstand, dass der Vulkan Fuego (ja der, an dem wir gerade noch vorbeigefahren sind) erst 2018 mit einem heftigen Ausbruch an einem Sonntagnachmittag mehrere 100 Menschen tötete und das Dorf San Miguel Los Lotes fast komplett zerstörte. So sieht es nämlich aus! Allerdings wirkte das Ganze im Vorbeifahren eher friedlich, das verlassene Dorf liegt am Wegesrand, etwas grüner und verwilderter als gewöhnlich, doch vermutlich wäre uns das ohne den Hinweis von Nancy nicht weiter aufgefallen.

    Heute kann man alle drei Vulkane besteigen, allerdings ist der Pacaya familienfreundlich, da unser Geländewagen relativ weit hoch fahren kann (und wir hatten nicht die Komfortvariante gebucht, wie die lokale Familie, die uns auf der Wanderung auf halber Strecke fröhlich winkend mit dem Wagen überholte). Insgeheim war ich etwas enttäuscht als ich mitbekam, dass uns lediglich ein Marsch von kanpp 1.5 Kilometern bevorstand, den Nancy aus mir zu Beginn nicht nachvollziehbaren Gründen auf einer Härteskala mit 5-6 einstufte. Nun ja, schnell noch ein Pinkelstop an der „Talstation“ und vorbei an den freundlichen Begleitern die uns ihre mähr oder minder abgerockten Pferde zur Erleichterung anboten. Manche davon waren allerdings so klapperig, dass ich persönlich ein schlechtes Gewissen gehabt hätte dessen Rückgrat eine weitere Prüfung aufzuerlegen. Ausserdem gibt es ja eine Familienehre zu verteidigen.

    Das Wetter war trocken im Sinne von kein Regen, allerdings mit hoher Luftfeuchtigkeit, so dass uns auf halbem Weg dann doch warm wurde und ich Nancy`s Fähigkeiten bei der Beurteilung von Wanderrouten gar nicht weiter in Frage stellen mochte. Am Ziel angekommen waren wir dann auch alle einerseits nassgeschwitzt, andererseits mitten in den Wolken und schnell ausgekühlt. Daher verschwitzt in die Jacken und auf in Richtung Lavafeld. Mondartige Landschaft mit scharfkantigem schwarz-rötlichbraunem Geröll, einzelne Bereich aber auch bunt schimmernd oder schwefelig dampfend. Kurzes Maschmallow-Intermezzo zur Freude von FF und Miss I. Die Pizza, die einige Meter weiter von geschäftstüchtigen Händlern frisch aufgewärmt wurde verkniffen wir uns und dann noch schnell zum Verkaufsstand, an dem uns zwei sehr nette junge Männer über die Herstellung des von ihnen feilgebotenen Schmucks mit Lavaintarsien informierten. Das ganze teils auf Japanisch und in eine Diskussion über die Spuren des Bauhauses in Zentral- und Südamerika mündend. Ein angenehmer Schwatz also, der neben dem immer hoch zu schätzenden Austausch mit anderen Kulturen den weiteren Vorteil hatte, dass sich während wir dann doch für FF ein Armband kauften der Wind ein kurzes Wolkenfenster freilegte und uns zur Belohnung für unsere Mühen einen freien Blick auf den Vulkankraterrand und die Lavafelder gewährte. Und schon war es wieder vorbei und der Abstieg begann. Völlig unspektakulär. Ebenso wie der Lunch an einer Tankstellenraststätte auf dem Weg, mit der wahrscheinlich global austauschbaren Tirade auf die lokalen Politiker, die Steuerlast und das Leben im Allgemeinen. Wobei das Gefälle zwischen Stadt und Land vermutlich sehr viel weiter von der Gleichheit der Lebensverhältnisse entfernt ist, als wir es selbst in Deutschland zwischen Berlin-Mitte und Finsterau empfinden.

    Am frühen Nachmittag wieder zurück in Antigua, die inzwischen schon traditionelle Kaffeepause im Basil&Coffee. Abends ein eher traditionelles Mahl im ehrwürdigen Restaurant des Hotel Posada de Don Rodrigo inklusive einem lokalen Hühnereintopf namens „Pepian de Pollo“.
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  • Day76

    Bate Bate Chocolate….

    May 29 in Guatemala ⋅ 🌧 17 °C

    Der Mensch reist ja um sich zu bilden und entsprechend hatten wir uns für den heutigen Sonntag zu einem Workshop in Sachen Kakao in dem Lokal angemeldet wo wir tags zuvor bereits das Schokoladeneis getestet und für phänomenal befunden hatten.

    In weiser Voraussicht ging Papa aber zunächst in den ortsansässigen Gym. Der entsprechend Antigua Gym betitelte Laden war letztlich ein mit einem schönen und stabilen Zelt überdachter Innenhof um den herum verschiedene kleinere Räume mit Umkleide, Gerätestationen etc. zur Straße hin gelegen waren. Das Zentrum des Sehens und Gesehen werden bildete allerdings der Innenhof. Der, auch dank der geöffneten Fenster und Türen an den Seiten gut belüftet und temperaturtechnisch auch erträglich blieb. Knapp zwei Stunden später und glücklich ausgepumpt ging es zum Marktplatz und ins ChocoMuseo wo wir von einer überschwenglich freundlichen jungen Dame in die Kunst der Schokoladenfertigung eingewiesen wurden. Neben drei mehr oder minder wohlschmeckenden Getränken auf Kakaobasis (Kakaopaste und Kakaoschalen) durften wir auch unsere eigenen Schokoladenkreationen anfertigen, was bei FF in einer Orgie aus Zuckerstreuseln, Gummibärchen, Zimt, Haselnuss- und Mandelsplittern und so weiter, das alles komprimiert in eine Praline gepackt führte. Die als Ausgangsbasis bereitsgestellte 70% Kakaoflüssigkeit war sicherlich hochwertig, aber das Ergebnis war leider nur zeitlich befristet geniessbar und wurde ohne Kühlung nach wenigen Tagen klumpig und bröckelig. Wahrscheinlich hatten wir bei der Zubereitung schlicht die magische Zauberformel Bate Bate Chocolate (Mix, Mix, Mix die Schokolade) nicht mit ausreichender Inbrunst gesungen, an der Lautstärke kann es wenigstens nicht gelegen haben. Aber was soll`s, ich war im Gym und ich sagen nur: Gummibärchen, Zuckerstreusel, Zimt………

    Nachmittags dann noch einen Spaziergang auf den Cerro de La Cruz. Der Hausberg von Antigua liegt nur ein kleines Stück ausserhalb des Stadtzentrums. Zusammen mit einem fleissigen Träger, der mit einem Tablet voll verschiedener Sahnetörtchen die Stufen hinaufmarschierte um den dort bereits Angekommenen die gerade verbrannten Kalorien in Form von Schwarzwälder-Kirsch feil zu bieten.
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  • Day75

    Antigua

    May 28 in Guatemala ⋅ ⛅ 19 °C

    und am nächsten Morgen…..haben wir uns in Antigua verliebt! Ein wunderschönes koloniales Städtchen, das durch die Lage am pazifischen Feuergürtel in der Geschichte immer mal wieder zurückgeworfen wurde besticht durch seine durchgängig ein bis maximal zweigeschossigen Kollonialbauten im Ortszentrum. Lediglich die Kirchen sind höher gebaut, die scheinen dann doch einen besonderen Schutzstatus geniessen. Die Stadt mit ihren nur knapp 40.000 Einwohnern, wobei das so nicht wahrnehmbar ist, da der Übergang zu den umliegenden Dörfer fast nahtlos erfolgt, geniesst seit 1979 bereits den Status als Weltkulturerbe, was vermutlich die eine oder andere Bausünde verhindert hat. So besteht der leicht morbide Charme mit den Kopfsteinpflasterstrassen, die schachbrettartig angelegt sind und den immer mal wieder auftauchenden Baulücken mit halbverfallenen Ruinen, die dann aber auch wieder als Kulisse für die Darstellung des Kreuzweges Jesu dienen. Dazwischen der Marktplatz als Zentrum an dem sich die „schöneren“ Verwaltungsgebäude liegen, mit Kreuzgängen und tatsächlich keinen Luxusgeschäften. Schön ist hier tatsächlich auch das was nicht vorhanden ist oder wenn, dann doch dann zumindest hinter einer historischen Fassade versteckt und auch vom Interieur her gut integriert. Beispielhaft sei hier nur der Starbucks genannt, der von aussen nur durch ein dezentes Schild beworben ist und sich auch innen gänzlich anders darstellt als die aus dem Katalog entnommenen Vorstellungen von Gemütlichkeit in Europa. Naja, Kaffee haben wir hier dann doch nicht getrunken, schließlich gab es genug kleine Bars und Nischen-Cafes.

    Auch unser Hotel entpuppte sich nach dem triesten und verregneten Einstieg am Vorabend als kleiner Glücksgriff. Gesichert durch ein von außen kaum auffäliiges Törchen hindurch und schon stand man im Vorgarten und der überdachten aber ansonsten offenen Rezeption. Die Zimmer lagen entlang eines schön angegelegten Gärtchens mit Lauben und Sitzecken und am Ende ging es eine Treppe hoch (wie gesagt maximal zweigeschossig) auf ein Patio mit Blick über den Garten und auf die umliegenden Vulkane.

    Beim Frühstück die klare Feststellung, dass wir doch eher Stadtmenschen als Naturmenschen sind. Gebt uns ein schönes Cafe oder Gässchen zum herumirren (ja, ich habe mich trotz der Schachbrettmuster und der durchgezählten Strassen, auch hier verlaufen) und wir sind glücklich. Gib uns eine romantische Hütte im Dschungel und zumindest eine von uns kann Nachts nicht schlafen und jagt die tierischen Mitbewohner.

    Jedenfalls ein deutlich versöhnlicherer Start in den Tag wobei vielleicht auch nur die Freude überwog, dass wir die nächsten vier Tage in keinen Minibus steigen sollten…..

    Nach dem Spätstück ein erster Erkundungsspaziergang. Der Markt war schnell gefunden. An diesem Samstag wuselig mit Frauen und Kindern in Tracht die hier vom bunt bemalten Strohhut über gewebte Täschchen und Plastiknippes so ziemlich alles feil boten. Dies aber unaufdringlich und freundlich, so dass man sich nicht bedrängt oder vertrieben fühlte. Und dann immer wieder die großen truckartigen Busse, kitschig-bunt vom jeweiligen Fahrer oder Betreiber individualisiert und an jeder Kreuzung haltend um Menschen zu- beziehungsweise abzuladen. Insbesondere Nachts durch die Neonillumination ein sehenswertes Bild.

    Später gerade noch rechtzeitig zur zweiten Hälfte des Championsleague Finales Liverpool : Real Madrid in die schöne Bar El Viejo Cafe. Der Sieg Reals wurde von bejubelt oder hingenommen, der Trickot-Dichte nach eher ersteres, wobei bis zum Abend vielleicht auch der eine oder andere opportunistische Kleiderwechsel vorgenommen wurde. Im Steakhaus Ni-Fu Ni-Fa (mir hat sich bis jetzt nicht erschlossen, wofür das steht) waren zumindest zwei Tische mehr oder minder komplett in weiss eingekleidet.
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  • Day74

    That is Travelling in Central America!

    May 27 in Guatemala ⋅ ☁️ 19 °C

    Unsere Programm für den heutigen Tag enthielt eigentlich nur einen Punkt:

    At 10:00 AM collective transfer from Rio Dulce to the Colonial City of Antigua, Guatemala (about 6 hours)

    Nur das hierin ein kleiner aber entscheidender Fehler versteckt war. Oder richtiger gesagt: eine Aussage die Anlass zu kulturell bedingten Fehleinschätzungen gab. Vermutlich bedarf es keines gesonderten Spoiler-Alerts um vorwegzunehmen, dass es sich hierbei um die bereits ansatzweise verwässerte Zeitangabe „about 6 hours“ ging.

    Aber eins nach dem anderen. Bereits am Vorabend hatten wir beim Abendessen noch Lily von Martsam Travel und das freundliche Personal im Hotel gebeten zu klären, wo wir morgens sein müssen, um pünktlich am Abfahrtsort für unsere Überlandfahrt zu sein. Alles kein Problem, keine 10 Minuten mit dem Boot entfernt. Also entspannt gefrühstückt, noch einen kurzen Schwatz mit der Mutter des 1.5 jährigen Jungen gehalten, die wir zumindest morgens manchmal kurz gesehen hatten, die aber augenscheinlich auf ihrem eigenen Boot lebten. Wer uns bis dato darum benied, dass wir diese Tour hier machen: alles ist relativ, ja das gilt für Zeitangaben bei zentralamerikanischen Überlandfahrten aber nunmal auch für die Frage, ab wann eine Reise eigentlich lang und aussergewöhnlich ist. Diese argentinischUS-amerikanische Familie hatte die Corona-Pandemie in Feuerland auf einem Boot ausgehalten, da die Grenzen dicht waren. Ensprechend war der Kleine auch in Chile zur Welt gekommen. Eigentlich wollten sie damals schon zur Antarktis fahren, wo die Eltern sich auch kennengelernt hatten, stattdessen also Feuerland, wo es gar nicht so muggelig angenehm ist, wie man es sich unter Chile gemeinhin vorstellt, jedenfalls definierte die Dame ihren Aufenthalt in Guatemala als willkommene Flucht in die Wärme, wobei sie zwei Wochen später wieder zurückflogen um dann endlich ihre Reise fortzusetzen, die letztlich ohne Endpunkt geplant ist, also home schooling und Leben auf dem Boot.

    Solche Geschichten zeigen mir eine Welt, die ich ansonsten nur aus gemeinhin schlecht geschriebenen Büchern oder nur bedingt lustigen, aber auf jeden Fall super spannenden und mit tollen Bildern vollgepackten öffentlichen Diashows am Rheinauhafen in Köln kannte. Auch wenn sich meine eigene Historie mit über 20 Umzügen und keinem Ort (Wohnung) an dem ich jemals länger als fünf Jahre gelebt habe eher unstet anfühlt, so könnte ich mir eine solches Leben nicht vorstellen. Zumindest die letzten 20 Jahre gab es eigentlich immer den Wunsch die Füße in den Boden zu rammen und endlich Wurzeln zu schlagen. Letztlich kam zwar dann doch immer etwas was man gemeinhin das Leben nennt dazwischen, aber ein dauerhaftes Leben auf dem Boot oder aus dem Koffer, wie auch immer wollte ich mir selbst und noch viel weniger FF zumuten. Zwar hoffe ich ihn durch meine Geschichte(n) mit dem Weg-Gen infiziert zu haben, andererseits wünsche ich mir für ihn auch so Dinge wie einen gewachsenen Freundeskreis und das Gefühl von Heimat. Aber am Ende liegt es an ihm und sicherlich wird er seinen und den damit für ihn einzig richtigen Weg finden!

    Aber wo waren wir? Abschied vom Hotel Tortugal, hier waren es nur vier Nächte und nicht ausreichend Zeit um eine persönliche Bindung zu den Kakerlaken und Moskitos in unserem Zimmer aufzubauen, aber eine schöne Zeit hatten wir dennoch. Nun aber unsentimental tschüß und ab ins Boot. Neben dem als Treffpunkt arrangierten Cafe lag glücklicherweise noch ein Supermarkt in dem ich einiges an Fressalien für die Reise einkaufen konnte. Dann stand auchschon der Minibus da, der anfangs noch nicht voll war, nachdem wir aber zwanzig Minuten über den geplanten Abfahrtszeitpunkt hinaus noch auf eine Gruppe Mädels gewartet hatten, die dann auch noch recht rüde ihr Gepäck in den Bus stopften (ja was können wir den dafür, dass der Kofferraum schon heillos überfüllt war….?) ging es dann doch endlich los. Und zwanzig Minuten, was soll`s. Die holen wir schon wieder raus.

    …………….

    Und so fuhren wir dann! Und fuhren. Erst bei Sonnenschein über`s Land. Wegen eines Unfalls dann auch mal eineinhalb Stunden fest im Stau (mit ebenfalls gestauter schwüler Luft im Bus), endlich weiter und nach einem kurzen Pinkelstop dann langsam in die Dunkelheit und in den Regen hinein.

    Ich will es nicht künstlich in die Länge treiben und an dieser Stelle nur der Erfindung des Podcasts, Candy Chrush und des Hörbuchs danken! Denn ohne diese Errungenschaft der Moderne wäre diese Fahrt sicherlich nicht gut ausgegangen. So kamen wir aber gegen 9 Uhr abends, also 11 Stunden nach geplanter Abfahrt endlich und im strömenden Regen in Antigua, der ehemaligen Kolonialhauptstadt an. Müde und matt und nicht wirklich in der Lage den Charme unseres Hotels wie der Stadt zu geniessen.

    Da das Wochenende vor der Tür stand und nach unserer zumindest kurzzeitig verzweifelten Suche nach Bargeld in Flores ging ich nur noch mal kurz vor die Tür um an einem nahegelegenen Geldautomaten ausreichend Liquidität für die nächsten Tage zu organisieren. Darüber hinaus ging leider nichts mehr, selbst ein Bier oder eine Cola Zero war nicht mehr aufzutreiben. War dann aber auch egal, morgen ist auch noch ein Tag!!

    PS: keine Ahnung, warum mein Google Maps in den Spracheinstellungen auf Ungarisch(?) eingestellt ist. Zumindest auf die Schnelle habe ich es nicht umgestellt bekommen, aber auch das wird noch. Da bin ich ganz zuversichtlich: Érezd jól magad!!
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