• Pidurangala-Rock & der Bus nach Kandy

    March 2, 2025 in Sri Lanka ⋅ ☁️ 24 °C

    Es ist Tag 6 unserer Reise und wir haben schon viel gesehen und erlebt. Auch heute wird ein Highlight folgen, da war ich mir schon gestern Abend sicher. Dass es neben dem Aufstieg auf den Pidurangala-Rock auch noch die Busfahrt zu unserer nächsten Station sein würde, damit hatte ich allerdings nicht gerechnet...

    Aber eins nach dem anderen:
    Erstmal erlebten wir ein Déja-vu, denn um 4 Uhr klingelte der Wecker. Diesmal waren es keine Feierwütigen, der Regen oder Hunde, die uns den Schlaf geraubt hatten. Nein, es waren unsere neuen direkten Nachbarn, die bis um 1 in der Nacht ihre Sachen packten, Türen knallten und zusammen sangen... Hostels sind dann wohl doch nicht so unser Ding 🤷🏼‍♀️🤦🏼‍♀️ Aaaaaalso wir wieder verdruckt aufgestanden und nach vorne in den Gemeinschaftsbereich geschleppt - wenigstens sollte es trocken bleiben (seit Tagen der erste Tag mit Sonne🤩), deshalb waren wir trotz des wenigen Schlafs voller freudiger Erwartung.
    Nach kurzer Fahrt im stickigen Jeep waren wir am Eingang angekommen und schon liefen wir los, ein paar Treppen an einer kleinen Gedänkstätte vorbei. Danach ging es dann zwar weiterhin über Stufen, nur waren die sehr unterschiedlich hoch, durch den vielen Regen die letzten Tage rutschig und in der Dunkelheit schlecht zu sehen. Das Herausfordernste für mich war es aber einfach, um kurz nach 5 in der Nacht von 0 auf 100 sonen Berg hochzustiefeln. Es brauchte nur wenige Minuten und alle waren am schnaufen und keuchen. Die Stufen waren anstrengend, doch danach gings erst richtig ans Eingemachte - über Stock und Fels ging es immer weiter nach oben. Zwischenzeitlich musste man sich an einem Seil am Felsen hochziehen und am Ende nochmal ordentlich durch einen Engpass klettern bis wir schlussendlich oben waren auf dem heiligen Pidurangala-Rock. Es wehte ein angenehmer Wind. Wir liefen ein ganzes Stück auf dem Felsen nach hinten, um einen schönen Blick auf die aufgehende Sonne zu haben. Hier blieben wir eine Weile, bis der ganze Dschungel um uns rum in einem diesigen Licht erschien. Auf der anderen Seite wurde nun mehr und mehr auch der Lion's Rock sichtbar, auf den wir vorgestern Abend gestiegen waren. Dieses berühmte Bild vom Felsen der im Unesco-Welkulturerbe steht, selber sehen zu können, war schon ein richtig cooles Gefühl. Unten erwachte der Dschungel immer mehr zum Leben, man hörte die vielen Vögel und auch die Pfauen, die hier so reichlich vertreten sind, ließen wieder ihre typischen Miau-Rufe ertönen. Wir sahen zu bis der Lion's Rock vollständig im Licht lag und machten (wie alle anderen die so früh den Aufstieg gewagt hatten) Bilder von der Landschaft und von uns und dem Felsen. Vor dem Abstieg gab's dann noch ein Gruppenfoto mit der ganzen Hostel-Gruppe und jeder durfte mal die Flagge von Sri Lanka halten. Der Abstieg war fast noch beschwerlicher wie der Aufstieg. Zum einen wollten auf einen Schlag ALLE wieder runter, zum anderen kamen gleichzeitig auch immernoch Leute von unten hoch. Dass manche dann auch noch mit Flip-flops und Sandalen unterwegs waren auf den rutschigen Felsen, machte die Sache nicht unbedingt besser... Letztendlich schaffte es unsere Gruppe bis auf ein paar blaue Flecken unversehrt wieder nach unten 👌🏼
    Zurück am Hostel kam die Müdigkeit. Wir gingen erstmal aufs Zimmer und machten einen Nap. Anschließend packten wir unsere Sachen zusammen und gaben das Zimmer frei. Wir bestellten Frühstück und planten die nächsten Schritte unserer Reise weiter. Noch schnell der Check-out und dann mussten wir nurnoch warten bis der Drop-off zum Bus nach Kandy startete. Bis dahin waren noch fast 2h Zeit und die zooooogen sich wie Kaugummi. Um wirklich was zu machen fehlte uns die Energie, um zu schlafen der Platz (alle Liegeplätze in der Chillout-Zone waren belegt).
    Endlich war es 13 Uhr und wir wurden mit dem Jeep an die Bushaltestelle gekarrt. Kurze Zeit später kam auch schon der richtige Bus. Schon von Weitem wurde wild gehupt - eine Mischung aus "Hee, wollt ihr mit?" und "Macht hinne Leut, wir haben nicht ewig Zeit!". Der Bus stand noch nicht mal richtig, da sprang auch schon ein Mann aus der offenen Türe. Er rannte nach hinten, öffnete eine Luke und fing an uns unsere Rucksäcke abzunehmen und in das Loch zu bugsieren. Wir waren froh, dass alles reinpasste und schlüpfen schnell in den Bus. Die meisten Sitzplätze waren schon besetzt, wir fanden aber noch einzelne freie und waren froh, dass es geklappt hatte. Als wir gezahlt und uns gerade angefangen hatten an die Situation zu gewöhnen stieg ein junger Mann ein. Um den Hals hing ihm ein großer Lautsprecher und ein Mikrofon hatte er auch parat. Die Aufschrift auf seinem T-Shirt "Never Give Up" ließ großes Vermuten. Die Musik im Bus stoppte und aus unserer dunklen Vermutung wurde Gewissheit - er würde singen! Mit einem kurzen Knacken wurde die Box angeschmissen, orientalische Beats erfüllten den Bus und er bereitete sich sichtlich nervös auf seinen Auftritt vor. Die ersten zaghaften Töne fanden den Weg durchs Mikrofon und wir wussten nicht ob uns unangenehmer war was da geboten wurde oder wie die Mitfahrenden den armen Kerl anstarrten.
    Der Bus hielt gefühlt an jeder Ecke und es stiegen jedes Mal deutlich mehr Leute ein als aus. Alle quetschten sich an unserem Nachwuchs-Superstar vorbei, der ließ sich davon aber keinesfalls beirren und sang ohne Emotionen zu zeigen weiter. Nach ein paar Stationen hatte er seinen Auftritt beendet. Er wurde von den Fahrgästen mit kleinem Geld für seine Darbietung entlohnt, sein Abgang wurde weiterhin durch drönende Musik aus seinem Lautsprecher begleitet.
    Der Gang war nun gespickt mit Menschen. Da die Sitze in diesen Bussen eher für sehr zarte Menschen (die sind hier alle so winzig!) gemacht sind, hing meine rechte Poseite etwas über. Bei der turbulenten Fahrweise und den kurvigen Straßen hatte ich also ständig damit zu kämpfen, nicht in den Gang und damit gegen die Menschen die sich da dicht an dicht drängten zu kippen. Gleichzeitig wollten ständig Leute von vorne nach hinten oder von hinten nach vorne, dazwischen der Geldeintreiber, der sich noch zusätzlich durch die Reihen quetschte - kurz gesagt ich hatte ständig einen Hintern oder Taschen im Gesicht, von hinten gab's den ein oder anderen Ellenbogen am Kopf und ich lag mehr oder weniger ständig auf Lulu, die es am Fenster wenigstens etwas entspannter hatte. Im Vergleich zu Sara hatte ich aber zumindest keine Genitalien auf der Schulter und es hatte auch niemand versucht sich auf meinen Schoß zu setzen, also wer will sich denn hier eigentlich beschweren..!? 😅🤷🏼‍♀️
    Die Musik im Bus variirte nun von traditionellen Remixes zu allgemein Bekanntem, stoppte jedoch alle paar Minuten, weil der Fahrer telefonierte. Dann, wie sollte es anders sein, fing es zu regnen an und die Fenster wurden teilweise geschlossen, sodass die Luft noch dünner wurde um uns rum. Was soll ich sagen, es war ein Träumchen der Extraklasse😅👌🏼
    Völlig fertig kamen wir in Kandy an und waren einfach nur froh, dass es auch unsere Rucksäcke in dem ganzen Chaos bis hier hin geschafft hatten. Unsere kleine Reisegruppe zerstreute sich in die verschiedenen Richtungen. Unser Empfang funktionierte nicht so richtig und da wir einfach nur ankommen wollten nahmen wir das Angebot eines Tuktuk-Fahrers an, uns zum Hotel zu fahren. Auf der 3minütigen Fahrt zauberte er uns trotz der vergangenen Strapazen ein Lächeln ins Gesicht und ob es nun an unserer Müdigkeit lag oder nicht, noch auf der Hälfte der Fahrt hatte er uns für den nächsten Tag eine Kandy-City-Tour mit seiner Wenigkeit als Tourguide aufgeschwätzt😅😅🙈 Naja für heute war uns alles egal, wir werden sehen was das morgen gibt. Wir checkten ein und liefen für ein schnelles Essen noch in die Stadt, mehr war nicht mehr drin. Gute Nacht!
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