Der Zentralfriedhof von Palma
November 3, 2025 in Spain ⋅ ⛅ 17 °C
Heute - so kurz nach Allerheiligen - machen wir einen Morgenspaziergang über den Zentralfriedhof von Palma, den ich vor kurzem im vorbeifahren entdeckt habe. Er ist mehr als nur ein Bestattungsort: er ist ein offenes Geschichtsmuseum, ein Park voller Bildhauerkunst und ein Spiegel der sozialen Veränderungen Mallorcas seit dem frühen 19. Jahrhundert. Offiziell wurde der Friedhof Anfang des 19. Jahrhunderts eingeweiht; die städtischen Aufzeichnungen und zahlreiche lokale Darstellungen nennen den 24. März 1821 als Eröffnungsdatum, während die ältesten nachweisbaren Bestattungen aus den 1820er Jahren (erste belegte Gräber 1826) stammen. Seit seiner Gründung hat der Friedhof mehrmals Erweiterungen und Umgestaltungen erfahren, wobei sich die Anlage zunehmend den städtebaulichen und künstlerischen Strömungen anpasste — vom eher pragmatischen Begräbnisfeld des 19. Jahrhunderts hin zu einer parkartigen, von Skulpturen geprägten Anlage mit deutlich modernistischen Einflüssen. 
Die Anlage gliedert sich in verschiedene Sektoren und „Gartenquartiere“ — ältere Bereiche mit eng aneinandergereihten Grabreihen und neuere Abschnitte mit Mausoleen und Familiengräbern. In historischen Berichten ist der ursprüngliche Kern oft als „Son Trilló“ bezeichnet; im Lauf der Jahrzehnte kamen mehrere Erweiterungen hinzu, insbesondere um die Wende zum 20. Jahrhundert und in weiteren Bauphasen, die dem Friedhof sein heutiges Gesicht gaben. Spaziergänge über das Gelände lassen sich daher als Spaziergang durch die stadtgeschichtliche Entwicklung Palmas lesen: hier grabmalartige Familienmonumente des 19. Jahrhunderts, dort nüchterne Gedenkplatten des frühen 20. Jahrhunderts und überall kunstvoll gearbeitete Statuen, Engel und Ornamentik, die von einheimischen und spanischen Bildhauern stammen und an Allerheiligen niedergelegte Blumengebinde.
Besucher beschreiben den Friedhof als „Freilichtmuseum der Bestattungskunst“. Die Vielfalt der Grabsteine, die Bildhauerei und die Architektur der Mausoleen machen ihn zu einem Ort, an dem Handwerk, Trauermotivik und städtische Identität zusammentreffen. Hier ruhen übrigens auch überregional bekannte Persönlichkeiten — Literaten, Musiker, Künstler, aktive Bürger und historisch bedeutsame Figuren.
Uns beeindruckter „Ficus del Cementiri“, ein außergewöhnlicher Feigenbaum inmitten des Zentralfriedhofs, umgeben von Gräbern und Gärten. Er wurde vermutlich um 1809 gepflanzt und ist damit über 200 Jahre alt. Sein mächtiger Stamm hat einen Durchmesser von mehr als 3,5 Metern und steht auf einem Wurzelwerk, das durch Stützwurzeln gesichert wird. Der Baum verzweigt sich in sieben große Äste, aus denen Luftwurzeln wachsen, die den Boden erreichen und neue Stämme bilden. Er ist etwa 12 Meter hoch, die Krone misst rund 20 Meter im Durchmesser.
Bei einem schweren Sturm im Jahr 2007 verlor der Ficus einen Teil seiner Krone; die verbliebenen Äste mussten gestützt werden. Das beeindruckende Naturdenkmal steht heute unter Schutz und wird als einer der „Arbres Singulars de les Illes Balears“ (besonderen Bäume der Balearen) geführt.Read more




















