• Die Festung Königstein

    October 10, 2025 in Germany ⋅ ☁️ 11 °C

    Der Himmel heute ist mit grauem Filz überzogen und ein feiner, unermüdlicher Regen hüllt alles ein. Schon die Fahrt mit dem historischen Bus durch die herbstliche Landschaft der Sächsische Schweiz hatte etwas Melancholisches: Nebelschwaden hängen zwischen den Felsen, das Laub leuchtet trotz Nässe in satten Gelb- und Rottönen, und die Elbe zieht ruhig und dunkel durch das Tal. Als wir schließlich vor der mächtigen Festung Königstein stehen, wirkte sie beinahe geheimnisvoll – wie eine mittelalterliche Insel über, bzw. in den Wolken.

    Wie schön, dass wir das Plateau mit dem Außenaufzug erklimmen können. Oben angekommen öffnete sich die gewaltige Anlage wie eine eigene kleine Stadt: Kasernen, Bastionen, Höfe, Brunnen – alles wirkt sehr eindrucksvoll. Wir haben das Gefühl, mehr Raum und Zeit für Entdeckungen zu haben, als es an einem sonnigen Sommertag möglich gewesen wäre.

    Wir beginnen unseren Rundgang am berühmten tiefen Brunnen. Der Gedanke, dass hier über Jahrhunderte hinweg Wasser aus fast 150 Metern Tiefe geholt wurde, beeindruckt uns sehr. In den Gewölben richt es nach feuchtem Stein, und die Tropfen von der Decke verstärkten die ohnehin schon mystische Atmosphäre.

    Besonders schön war der Blick von den Bastionen hinunter ins Elbtal, auch wenn man heute keine Fernsicht hat. Stattdessen waberten Nebelfetzen zwischen den Felsen, tauchten Landschaftsteile plötzlich auf und verschluckten sie wieder. Es wirkte beinahe wie ein lebendes Gemälde. Wir stellen uns vor, wie Soldaten hier oben Wache standen, bei Wind und Wetter, und wie viele Geschichten diese Mauern erlebt haben mussten – Kriege, Gefangenschaften, königliche Besuche und stille Alltage.

    Zwischendurch suchen wir immer wieder Schutz in den Ausstellungen und Gebäuden. Dort kann man sich aufwärmen und dabei spannendes entdecken: alte Uniformen, Modelle, historische Räume, Fotos, Gemälde , Kriegs- und Alltagsgegenstände.

    Rückblickend war es gerade das regnerische Wetter, das diesen Tag so besonders gemacht hat. Statt Postkartenidylle erlebten wir eine Stimmung voller Tiefe, Ruhe und Geschichte – einen Ort, der nicht nur schön, sondern auch eindrucksvoll und beinahe ehrfürchtig wirkte. Es war einer dieser Reisetage, die sich leise ins Gedächtnis schreiben und dort lange bleiben.
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