• Dramatischer Abstieg ab Mirador Isora

    March 2 in Spain ⋅ ☀️ 17 °C

    Isora ist ein Ort, der traditionell von Landwirtschaft und Viehzucht geprägt ist. Noch heute ziehen Viehhirten – oft in die typischen Decken gehüllt – mit ihren Schafherden über die fruchtbaren Ebenen von Nisdafe, die bis Ende des 19. Jahrhunderts gemeinschaftlich genutzt wurden.

    Der Aussichtspunkt von Isora liegt am oberen Rand eines steilen Hangs, stolze 800 Meter über dem Meeresspiegel. Das Tal, das sich unter uns ausbreitet, erinnert an das Tal von El Golfo. Es ist zwar mit einem Umfang von 8 km nicht ganz so ausgedehnt, wirkt dafür aber umso beeindruckender, da es fast senkrecht zum Meer abfällt und der Untergrund extrem zerklüftet ist.
    Der Pfad, der nach Las Playas hinunterführt, hat eine bewegte Geschichte: Früher nutzten ihn ganze Familien, um mitsamt Tieren und Hausrat für einige Zeit an die Küste zu ziehen. Die Hirten mussten dabei oft „Heldentaten“ vollbringen, um verirrte Ziegen aus den steilen Felsen zu retten. Mehr als einer von ihnen bezahlte diesen Mut mit dem Leben – die vielen Gedenkkreuze am Wegesrand sind stumme Zeugen dieser Tragödien. Doch Isora ist nicht nur für Viehzucht bekannt; die hiesigen Früchte, allen voran Birnen, Pflaumen und Herzpfirsiche, gelten als die besten der Insel. Weit unter uns, im Tal von Las Playas, glänzt bereits der Parador Nacional, unser Hotel für die letzte Nacht auf der Insel.

    Die Abstiegsroute gilt als anspruchsvoll bis „extrem schwer“. Absolute Trittsicherheit, Orientierungssinn und volle Konzentration sind hier überlebenswichtig. Für Joe ist es eine besondere Herausforderung, da er nicht ganz schwindelfrei ist. Bei fast völliger Windstille und sengender Hitze wird jeder Schritt zur schweißtreibenden Millimeterarbeit. Wir legen immer wieder Trinkpausen ein, um Kräfte für das nächste Steilstück zu sammeln. Als wir schließlich das Meer erreichen, sind wir unendlich erleichtert – nach nur 2,3 Kilometern haben wir bereits 800 Höhenmeter in den Knochen.
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