• Stürmische Fährüberfahrt

    March 3 in Spain ⋅ 🌬 17 °C

    Um 12:30 Uhr holt uns das Taxi am Hotel ab und bringt uns zum Fährhafen, wo unser Schiff bereits angelegt hat. Schon auf dem Weg dorthin überholen wir zwei Radreisende auf vollgepackten E-Bikes, die kurz darauf mit uns am Check-in warten. Die beiden kommen aus Lübeck, wirken schlank und drahtig und sind bereits seit mehreren Wochen auf den Kanaren unterwegs. Ihr Auto haben sie in Cádiz auf dem Festland zurückgelassen und sind nur mit ihren eigenen Rädern und schweren Packtaschen losgezogen. Sie übernachten meist auf Campingplätzen oder in einfachen Unterkünften und haben nun fast alle Inseln bereist – nur La Palma fehlt ihnen noch.

    Die beiden sind Ende 60 und haben uns tief beeindruckt. Er ist beinamputiert und fährt mit einer Prothese, die zu allem Übel auf Teneriffa kaputtging und ersetzt werden musste. Zehn Tage lang saßen sie fest und mussten auf das Ersatzteil warten, doch nun kann er wieder kräftig in die Pedale treten. Das Paar strahlt eine Bescheidenheit und Lebensfreude aus, die ansteckend wirkt. Sie haben schon viel von der Welt gesehen; zuletzt waren sie in Vietnam mit dem Rad unterwegs, von Saigon bis nach Hanoi – damals übrigens noch ganz ohne „E-Unterstützung“. Ihr absolutes Lieblingsziel seien jedoch die Philippinen gewesen; sie schwärmen so sehr davon, dass sie uns eine Reise dorthin wärmstens ans Herz legen.

    Dann beginnt das Boarding. Ein kurzer Vorzeig des Personalausweises genügt und wir sind an Bord. Die Fähre legt überpünktlich ab, doch kaum haben wir das schützende Hafenbecken verlassen, beginnt das Schiff kräftig zu schwanken. Einen vergleichbaren Seegang haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Erst als wir in den Windschatten von La Gomera gelangen, beruhigen sich die Wellen – dafür peitscht uns nun strömender Regen entgegen. Joe checkt die regionale Wetter-App, die für die nächsten drei Tage Dauerregen vorhersagt. Wir hoffen inständig, dass sie sich irrt und das Wetter – wie so oft auf unseren Reisen – am Ende doch besser wird als angekündigt.
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