Rückweg vom Wasserfall
March 8 in Spain ⋅ 🌬 17 °C
Die vielen Schluchten auf La Gomera sind nicht einfach nur geografische Gebilde; sie bildeten die Lebensgrundlage für die Ernährung und das Überleben der Inselbewohner. In der Schlucht von Arure lässt sich diese tiefe Symbiose zwischen den Menschen und ihrer natürlichen Umwelt auch heute noch besonders anschaulich erleben. Traditionell waren die Schluchten die Hauptquelle der Wasserressourcen: Das Wasser speiste komplexe Bewässerungssysteme, über die selbst entfernt liegende Terrassenfelder versorgt wurden. Entlang der Bachufer wurden wasserliebende Nutzpflanzen wie Yamswurzeln und Brunnenkresse angebaut, die für die traditionelle Ernährung auf La Gomera unverzichtbar waren.
In früherer Zeit waren die Schluchten zudem das Zentrum zahlreicher häuslicher Aktivitäten. An den Bachläufen wuschen die Frauen die Wäsche der Familien, wodurch diese Orte zu wichtigen Treffpunkten der Gemeinschaft wurden. Die Ufervegetation lieferte essenzielle Rohstoffe: Schilfrohr diente als Baumaterial, etwa zur Dachdeckung, während Binsen für die Korbflechterei und eine Vielzahl anderer handwerklicher Zwecke genutzt wurden.
Auch kulturell übernahmen die Schluchten eine bedeutende Rolle: Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie zu Zeugen der Geschichte und mündlich überlieferter Ereignisse. Jede Ecke, jede Biegung des Bachbettes trug einen Namen, mit dem fast immer eine Legende verknüpft ist. Diese Ortsnamen und die Gespräche mit den ältesten Bewohnern bringen uns die vielschichtige Geschichte dieses Gebietes nahe: Erzählungen von Überschwemmungen, Liebesgeschichten oder Legenden von Erscheinungen bilden zusammen eine Art „sentimentale Geografie“. Sie verwandelt die Schlucht in ein offenes Buch des kollektiven Gedächtnisses von El Guro und Casa de la Seda.
Dokumente aus dem 18. Jahrhundert belegen zudem, dass die Seidenraupenzucht damals ein wichtiger Wirtschaftszweig auf La Gomera war. Die Bedeutung dieser Tätigkeit spiegelt sich noch heute in den Ortsnamen wider: Der Ortsteil Casa de la Seda (Seidenhaus) verdankt seinen Namen dieser Tradition. Noch heute finden sich in der Schlucht vereinzelte Maulbeerbäume – sie sind die stillen Zeugen dieser einst blühenden Vergangenheit.Read more























