• Kloster Sewanawank am Sewansee

    September 15 in Armenia ⋅ ☀️ 18 °C

    Vom Seeufer aus steigen wir hoch zum Kloster Sewanawank (Sevanavank), es gehört zu den berühmtesten und landschaftlich eindrucksvollsten Klöstern Armeniens – vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Lage hoch über dem Sewansee auf rund 1.900 Metern.

    Die heute sichtbaren beiden Kirchen stammen aus dem Jahr 874. Gestiftet wurden sie von Fürstin Mariam, der Tochter des mächtigen Bagratiden Ashot I. Armenien stand damals noch unter starkem arabischem Einfluss, und die Bagratiden arbeiteten an der politischen und kulturellen Wiedererstarkung des armenischen Königreichs.

    Die beiden erhaltenen Kirchen heißen: Surb Arakelots – Kirche der Heiligen Apostel und Surb Astvatsatsin – Kirche der Heiligen Mutter Gottes.

    Das eigentlich Faszinierende: Das Kloster war einmal eine Insel. Während der Sowjetzeit wurde der Sewansee massiv zur Bewässerung und Energiegewinnung abgesenkt. Der Wasserspiegel fiel um etwa 20 Meter – aus der Insel wurde eine Halbinsel. Deshalb wirkt die heutige Lage des Klosters etwas merkwürdig: Man steht auf einem Bergsporn und blickt auf einen riesigen See, obwohl das Kloster ursprünglich tatsächlich vom Wasser umgeben war. Die Abgeschiedenheit, die man heute noch spürt, war früher wesentlich stärker.

    Ein ungewöhnlich strenges Kloster. Es wurde berichtet, dass Mönche aus Etschmiadsin, die sich etwas zuschulden kommen lassen hatten, hierher geschickt wurden. Der französische Kaukasusreisende Jean-Marie Chopin berichtete 1830 von einem ausgesprochen strengen Leben: kein Fleisch, kein Wein und keine Frauen.

    Gleichzeitig war Sewanawank ein bedeutendes geistliches und kulturelles Zentrum. Noch im 19. Jahrhundert wurden dort Manuskripte von Hand kopiert.

    Rund um die Kirchen stehen zahlreiche Chatschkare, die typisch armenischen Kreuzsteine. Sie sind keine bloßen Grabsteine, sondern religiöse Kunstwerke: Das Kreuz steht im Zentrum, umgeben von feinsten geometrischen und pflanzlichen Ornamenten.

    Besonders interessant sind die Reste des ehemaligen Gawit, einer Vorhalle vor der Kirche. Dort befinden sich zahlreiche Chatschkare. Teile der ursprünglichen Holzkonstruktion und geschnitzte Kapitelle befinden sich heute im Historischen Museum in Jerewan.
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