• Uta Vogel
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Kaukasus-Rundreise

Drei Wochen lang möchten wir drei uns bisher gänzlich unbekannt Länder im Kaukasus bereisen. Aserbaidschan 🇦🇿, Armenien 🇦🇲 und Georgien 🇬🇪 . Ein Abenteuer zwischen Orient und Okzident. Read more
  • Trip start
    September 2, 2026

    Flug nach Baku

    September 1 in Azerbaijan ⋅ ⛅ 22 °C

    Wir möchten uns auf eine etwas exotische Reise in eine uns bisher unbekannte Region begeben, bei der wir sicherlich auch einmal unsere Komfortzone verlassen werden müssen. Wir sind sehr gespannt, was uns die drei Länder am Kaukasus, an der Grenze zwischen Europa und Asien, zu bieten haben, und freuen uns schon sehr darauf.

    Wir nehmen gegen Mittag den Zug ab Baden-Baden und sind mehr als rechtzeitig in Frankfurt am Fernbahnhof. Ich bin ein wenig orientierungslos und habe mich an der Anzeige verguckt, sodass wir einige unnötige Kilometer zwischen Terminal A und B zurücklegen, bis wir endlich am Gate ankommen. Der Flug verläuft ganz ruhig, und wir bekommen sogar einen kleinen Snack und zweimal Getränke, womit wir eigentlich gar nicht gerechnet hatten. Umso schöner, wenn man positiv überrascht wird.

    Am beeindruckenden Flughafen in Baku werden wir schon mit einem Namensschild erwartet und ganz herzlich von unserem Fahrer begrüßt, der uns durch die ruhige Nacht in die Stadt zu unserem Hotel bringt. Im Hotel möchten wir noch etwas trinken, doch der Nachtportier meint, es wäre doch viel günstiger, wenn wir im gegenüberliegenden Supermarkt einkaufen würden. Ich glaube, wir sehen doch etwas unterbemittelt aus. Aber wir folgen seinem Tipp und trinken den Willkommenstrunk auf unserem Zimmer, das sich nach unserer Rückkehr erst einmal nicht öffnen lässt. Es ist 1:00 Uhr in der Nacht, doch der Hausmeister ist in zwei Minuten zur Stelle und schließt uns die Tür auf. Das nenne ich mal Service.
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  • Willkommen in Aserbaidschan

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ☁️ 21 °C

    Aserbaidschan ist ein faszinierendes Land zwischen Europa und Asien, am Kaspischen Meer gelegen und geprägt von einer Mischung aus persischer, türkischer, russischer und sowjetischer Geschichte.

    🇦🇿 1. Lage und Größe

    Aserbaidschan liegt im Südlichen Kaukasus zwischen Russland, Georgien, Armenien und Iran. Im Osten grenzt es an das Kaspische Meer. Das Land ist mit rund 86.600 km² etwas größer als Österreich.

    Ein geografischer Sonderfall ist die Exklave Nachitschewan, die vom übrigen Aserbaidschan durch Armenien getrennt ist.

    🏛️ 2. Baku – Hauptstadt und Zentrum

    Baku ist mit Abstand die wichtigste Stadt des Landes. Die Stadt wirkt wie eine Mischung aus Orient, ehemaliger Sowjetunion und moderner Golfmetropole.

    Besonders sehenswert sind:

    * die mittelalterliche Altstadt İçərişəhər
    * der Jungfrauenturm
    * der Palast der Schirwanschahs
    * die Flame Towers
    * die futuristische Heydar-Aliyev-Center-Architektur
    * die Uferpromenade am Kaspischen Meer

    Baku ist außerdem ungewöhnlich reich geworden durch Erdöl und Erdgas.

    🛢️ 3. Das Land des Erdöls

    Aserbaidschan gehört zu den historischen Zentren der Erdölförderung. Bereits im 19. Jahrhundert wurde rund um Baku intensiv Öl gefördert.

    Die Ölindustrie hat das Land bis heute stark geprägt. Aserbaidschan ist außerdem ein wichtiger Lieferant von Erdgas für Europa.

    🕌 4. Muslimisch, aber vergleichsweise säkular

    Die große Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch, überwiegend schiitisch. Trotzdem ist Aserbaidschan ein ausgesprochen säkularer Staat.

    Das merkt man im Alltag: Alkohol ist problemlos erhältlich, Frauen tragen überwiegend westliche Kleidung, und religiöse Vorschriften bestimmen das öffentliche Leben deutlich weniger als beispielsweise im Iran.

    Historisch interessant ist auch, dass Aserbaidschan 1918 die erste säkulare demokratische Republik in der muslimischen Welt gründete – allerdings bestand sie nur bis 1920.

    🔥 5. Das Land des Feuers

    Der Name Aserbaidschan wird häufig mit dem persischen Begriff für „Land des Feuers“ in Verbindung gebracht. Ursache sind die natürlichen Erdgasvorkommen, die an manchen Stellen seit Jahrhunderten brennende Flammen hervorriefen.

    Besonders bekannt ist Yanar Dağ, der „brennende Berg“ bei Baku.

    🏺 6. Eine sehr alte Kultur

    Aserbaidschan besitzt eine bemerkenswerte archäologische Geschichte. Im Gobustan-Nationalpark finden sich tausende Jahre alte Felszeichnungen, die Menschen, Tiere, Jagdszenen und Rituale darstellen.

    Auch der Ateshgah-Feuertempel bei Baku erzählt von der religiösen Geschichte der Region und ihren Feuerkulten.

    🍵 7. Tee gehört zum Alltag

    Aserbaidschaner trinken ausgesprochen viel schwarzen Tee – meist aus kleinen Gläsern, den sogenannten armudu, die wie eine Birne geformt sind.

    Gastfreundschaft hat einen hohen Stellenwert. Wer privat eingeladen wird, bekommt normalerweise reichlich zu essen und zu trinken angeboten. Ein mehrfaches Ablehnen kann durchaus als unhöflich empfunden werden.

    🍇 8. Wein und Küche

    Aserbaidschan hat eine lange Weintradition, die bis in die Antike zurückreicht. Besonders interessant sind Regionen wie Şamaxı, Qəbələ und Şəki.

    Die Küche ist eine Mischung aus kaukasischen, persischen und türkischen Einflüssen. Typisch sind etwa:

    * Plov – Reisgerichte mit unterschiedlichen Beilagen
    * Dolma
    * Kebab
    * Qutab – dünne gefüllte Teigfladen
    * verschiedene Auberginen-, Kräuter- und Gemüsegerichte

    ⛰️ 9. Unglaubliche Landschaftsvielfalt

    Was viele unterschätzen: Aserbaidschan ist landschaftlich sehr abwechslungsreich.

    Vom Kaspischen Meer geht es über trockene Halbwüsten bis in den Großen Kaukasus mit hohen Bergen. Das Land besitzt außerdem eine ungewöhnlich große Zahl verschiedener Klimazonen.

    Besonders schön sind die Regionen um Quba, Qusar, Şəki, Qəbələ und Lahıc.

    ⚠️ 10. Der politische Hintergrund

    Hier sollte man etwas genauer hinschauen. Aserbaidschan wird seit 2003 von Ilham Əliyev regiert, nachdem sein Vater Heydar Əliyev Präsident gewesen war. Das politische System ist stark präsidentiell; internationale Menschenrechtsorganisationen kritisieren Einschränkungen von Opposition, Medien und Zivilgesellschaft.

    Ein zentraler Konflikt der jüngeren Geschichte ist Bergkarabach. Der jahrzehntelange Konflikt mit Armenien führte zu mehreren Kriegen. Aserbaidschan erlangte 2023 die vollständige Kontrolle über das Gebiet. Seitdem ist das Verhältnis zu Armenien weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Außenpolitik.

    🇦🇿 11. Was Aserbaidschaner über ihr Land denken

    Ein wichtiger Punkt für Gespräche: Karabach ist ein sehr emotionales Thema. Für viele Aserbaidschaner gehört das Gebiet eindeutig zu ihrem Heimatland. Wenn du mit Menschen darüber sprichst, solltest du deshalb vorsichtig und offen formulieren.

    Gleichzeitig sind viele Menschen ausgesprochen stolz auf ihre nationale Identität, ihre Unabhängigkeit und die Entwicklung Bakus.

    💰 12. Währung und Alltag

    Die Währung ist der Aserbaidschanische Manat (AZN). Baku ist deutlich moderner und teilweise teurer als viele andere Regionen des Landes. Außerhalb der Hauptstadt kann das Preisniveau erheblich niedriger sein.

    Die Landessprache ist Aserbaidschanisch, eine Turksprache, die dem Türkischen relativ ähnlich ist. Russisch ist aufgrund der sowjetischen Vergangenheit ebenfalls noch weit verbreitet; Englisch wird vor allem von jüngeren Menschen und im Tourismus gesprochen.
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  • Das moderne Baku

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ⛅ 25 °C

    Heute Morgen werden wir um 10:00 Uhr im Hotel abgeholt und gehen zusammen mit unserer sympathischen Reiseleiterin Shura auf Erkundungstour durch Baku. Zunächst fahren wir mit dem Bus hoch auf den Aussichtspunkt, der uns einen Blick auf das Kaspische Meer ermöglicht. Leider ist die Aussicht heute etwas eingetrübt.

    Wir steigen bei den Flame Towers aus. Die drei riesigen Glaswolkenkratzer sind Flammen nachempfunden und prägen Bakus Skyline. Genial ist die Beleuchtung bei Nacht – entweder in lodernden Flammen oder in den Landesfarben.

    Gleich nebenan durchschreiten wir die Martyrs’ Lane, einen der bedeutendsten Gedenkorte Bakus. Die auf einer Anhöhe über der Stadt und mit Blick auf das Kaspische Meer gelegene Gedenkstätte erinnert vor allem an die Menschen, die während des sogenannten „Schwarzen Januars“ am 20. Januar 1990 ums Leben kamen. In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar rückten sowjetische Truppen mit Panzern und schwerem Gerät in Baku ein, um die wachsende Unabhängigkeitsbewegung niederzuschlagen. Nach Angaben der aserbaidschanischen Regierung wurden dabei 147 Zivilisten getötet und Hunderte verletzt.

    Für die Aserbaidschaner ist dieser Ort deshalb nicht nur ein Friedhof, sondern ein Symbol für Trauer, nationale Würde und den Kampf um die Unabhängigkeit. Die Opfer des Schwarzen Januars wurden hier beigesetzt; später kamen auch Gefallene des Ersten Bergkarabach-Krieges hinzu. Ein besonders eindrucksvolles Element ist die Ewige Flamme, die an die Toten erinnert. Jedes Jahr am 20. Januar, dem Nationalen Trauertag, kommen Tausende Menschen hierher, um Blumen niederzulegen und der Verstorbenen zu gedenken.

    Von hier oben bietet sich uns ein herrlicher Blick über die Küste und auf die größte Flagge des Landes neben der Eurovision-Song-Contest-Halle, dem Baku Crystal Park, der innerhalb eines Jahres nach dem Sieg Aserbaidschans für die Austragung des Eurovision Song Contest 2012 gebaut wurde. Wenn wir nach links schauen, eröffnet sich uns der Blick auf die neue „Weiße Stadt“. Die Stadt von Baku war früher ganz schwarz gefärbt aufgrund der vielen Ölfelder. Das soll sich ändern, daher entsteht ein komplett neuer Stadtteil, der die „Weiße Stadt“ genannt wird.

    Das Baku Eye ist dem London Eye nachempfunden. Das moderne Glasgebäude rechts ist äußerlich fertiggestellt, aber innen noch nicht ausgebaut. Baku zeigt sich uns sehr modern und blitzsauber (auf illegale Müllentsorgung stehen sehr hohe Strafen).
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  • Spaziergang durch die Altstadt von Baku

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ⛅ 26 °C

    Ein Rundgang durch die Icheri Sheher, die historische, von einer mächtigen Stadtmauer umgebene Altstadt Bakus, lohnt sich auf jeden Fall. Sie gehört seit 2000 zum UNESCO-Welterbe und wirkt mit ihren engen Gassen, sandfarbenen Häusern, kleinen Innenhöfen und historischen Bauwerken wie eine eigene Stadt innerhalb des modernen Baku.

    Wir kommen vorbei am Jungfrauenturm (Qız Qalası), dem Wahrzeichen der Altstadt. Von dort führt der Weg durch verwinkelte Gassen zum Palast der Schirwanschahs, einem der wichtigsten mittelalterlichen Bauwerke Aserbaidschans. Unterwegs entdeckt man Moscheen, Karawansereien, historische Wohnhäuser und kleine Geschäfte. Besonders schön ist es, sich einfach treiben zu lassen und auch einmal abseits der Hauptwege in die schmalen Gassen abzubiegen.

    Die Altstadt erinnert zugleich an die große Bedeutung Bakus als Handelsplatz an den historischen Handelsrouten zwischen Orient und Okzident. Händler und Reisende aus Persien, dem Kaukasus, Zentralasien und anderen Regionen machten hier Station. Davon zeugen die alten Karawansereien, in denen Händler einst ihre Waren lagerten und übernachteten. Heute befinden sich dort teilweise Restaurants, Cafés und kleine Geschäfte.
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  • Mittagessen bei „Schwiegermutter“

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ⛅ 27 °C

    Unsere nette Reiseleiterin Shura lädt uns in ihr Lieblingsrestaurant ein, das übersetzt „Bei Schwiegermutter“ heißt. Sie bestellt so schnell, dass wir praktisch gar nichts verstehen. Es gibt ein typisches Mus aus Auberginen und einen ganz leckeren Tomatensalat, dazu unterschiedlich gefülltes Fladenbrot und ein frisch gebackenes Stück Brot. Sieht gar nicht nach viel aus, macht aber total satt.

    Dazu gibt’s für mich Saft aus einer speziellen Frucht, die im Süden wächst und bei uns eher nicht bekannt ist, und zum Dessert schwarzen, starken, ungesüßten Tee mit hausgemachten Milch-Zucker-Bonbons. Beides lässt man gemeinsam im Mund langsam zergehen. Tee wird – egal, ob schwarz oder grün – hier übrigens den ganzen Tag von allen getrunken.
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  • Yanardag, der „Brennenden Berg“

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 27 °C

    Am Nachmittag sind wir mit Shura und einem Fahrzeug mit Fahrer unterwegs, und die erste Station ist Yanardag, der „Brennende Berg“, ein Symbol für das „Land des Feuers“. Er liegt im Dorf Mammadli auf der Abşeron-Halbinsel, rund 27 Kilometer vom Zentrum Bakus entfernt. An einem Hang brennt hier eine Flammenwand, die durch natürlich aus dem Untergrund austretendes Erdgas gespeist wird. Das Gas gelangt über Risse und Spalten im Gestein an die Oberfläche und entzündet sich dort. Dadurch kann das Feuer auch bei Wind und Regen weiterbrennen.

    Solche Feuer waren bereits seit der Antike in dieser Region bekannt. Die Abşeron-Halbinsel war reich an Erdöl und Erdgas, und an zahlreichen Stellen traten natürliche Flammen aus dem Boden aus. Für die Menschen früherer Zeiten musste ein Feuer, das scheinbar von selbst aus der Erde kam und nicht erlosch, etwas Übernatürliches gewesen sein. Deshalb wurden solche Feuerstellen mit dem Zoroastrismus und der Feuerverehrung in Verbindung gebracht. Yanardag gilt ebenso wie der nahe gelegene Feuertempel Atashgah als Zeugnis dieser besonderen Kulturgeschichte.

    Auch historische Reisende berichteten von den brennenden Landschaften rund um Baku. Der venezianische Reisende Marco Polo beschrieb im 13. Jahrhundert die außergewöhnlichen Feuer in der Region. Allerdings sollte man die häufig zu lesende Aussage, Yanardag brenne „seit Tausenden von Jahren ununterbrochen“, etwas vorsichtig betrachten: Die offiziellen Darstellungen sprechen von einem seit der Antike bekannten natürlichen Feuer, während sich die genaue ununterbrochene Dauer naturgemäß nicht exakt nachweisen lässt.

    Yanardag ist Teil des staatlichen historischen, kulturellen und natürlichen Reservats Yanardag, das eine Fläche von rund 64,55 Hektar umfasst. Dazu gehören unter anderem eine Höhle, alte Gräberfelder, Schwefelquellen, das aktive Schlammvulkan-Gebiet Girmaki, das Girmaki-Tal und weitere Natur- und Kulturdenkmäler.

    Inzwischen kostet der Spaß 15 AZN Eintritt, umgerechnet also rund 7,50 € pro Person. Das ist schon ein sehr teurer Spaß, und hätten wir den Eintritt nicht inkludiert, hätten wir ihn uns wahrscheinlich erspart. Einheimische zahlen übrigens nur 2 AZN. Das ist auch richtig so, denn sie verdienen im Schnitt 1000 AZN, und eine kleine 75 m² große Wohnung in Baku kostet inzwischen schon 750 AZN.
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  • Im Atashgah-Feuertempel des Zoroastrismus

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 27 °C

    Der Atashgah-Feuertempel gehört zu den ungewöhnlichsten historischen Sehenswürdigkeiten rund um Baku. Er liegt in Suraxanı auf der Abşeron-Halbinsel, etwa 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, in einer Landschaft, die durch Erdöl- und Erdgasvorkommen geprägt ist. Gerade diese natürlichen Gasquellen sind der Grund für die jahrhundertelang brennenden Flammen, die der Region den Beinamen „Land des Feuers“ eingebracht haben.

    Der Name Atashgah kommt aus dem Persischen und bedeutet sinngemäß „Ort des Feuers“. Schon in der Antike war die Gegend ein Zentrum des Zoroastrismus, jener alten persischen Religion, in der das Feuer eine besondere religiöse Bedeutung besitzt. Vermutlich gab es hier bereits wesentlich früher Feuerheiligtümer. Die heute erhaltene Anlage stammt allerdings überwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie entstand zu einer Zeit, als vor allem Händler und Pilger aus Indien nach Baku kamen. Der Tempel wurde insbesondere von Hindus und Sikhs, aber auch im Zusammenhang mit zoroastrischen Traditionen genutzt.

    Architektonisch erinnert die Anlage an eine kleine Karawanserei: Ein fünfeckiger Mauerring umschließt einen Innenhof, an dessen Seiten sich insgesamt 24 Räume und Zellen befinden. Dort konnten Pilger und religiöse Asketen übernachten. Im Zentrum steht der eigentliche Feuertempel mit seinem charakteristischen, von vier Säulen getragenen Aufbau. In der Anlage finden sich zudem zahlreiche Inschriften in indischen Sprachen sowie auf Persisch, die von den Pilgern und ihrer religiösen Tradition zeugen.

    Das eigentlich Faszinierende ist jedoch die Verbindung von Religion und Geologie. Unter der Erde der Abşeron-Halbinsel befinden sich große Erdgasvorkommen. Durch natürliche Risse konnte Gas an die Oberfläche gelangen und sich entzünden. Für die Menschen früherer Zeiten musste ein Feuer, das scheinbar ohne Brennstoff aus der Erde kam und nicht erlosch, etwas Übernatürliches sein. So wurde aus einem geologischen Phänomen ein heiliger Ort. Heute weiß man, dass Methangas die Flammen speiste. Die natürlichen Flammen am Tempel erloschen im 20. Jahrhundert infolge der intensiven Öl- und Gasförderung; das Feuer, das man heute im Tempel sieht, wird daher künstlich mit Gas gespeist.

    Mit dem Aufstieg der modernen Erdölindustrie in Baku verlor der Tempel seine religiöse Bedeutung. 1883 wurde er als aktiver Kultort aufgegeben. Seit 1975 ist Atashgah ein Museum; 2007 wurde die Anlage zum staatlichen historischen und architektonischen Reservat erklärt. Seit 1998 steht sie außerdem auf der UNESCO-Tentativliste für mögliche Welterbestätten, ist also bislang nicht als UNESCO-Welterbe eingeschrieben.

    Besonders lohnend ist der Besuch, nachdem man Atashgah mit dem etwa 30 Kilometer entfernten Yanardag, dem „Brennenden Berg“, kombiniert.
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  • Nochmals Eindrücke des modernen Baku

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 27 °C

    Baku ist durch Öl- und Gasvorkommen zu Reichtum gekommen und hat dadurch auch eine ganz moderne Seite: Hochhäuser, vielfältige Formen und schicke Fahrzeuge. Besonders beeindruckt hat mich das berühmte Heydar-Aliyev-Zentrum in Baku, entworfen von Zaha Hadid.

    Die Architektur ist ein Musterbeispiel des Neo-Futurismus: Das Gebäude besteht fast ausschließlich aus fließenden, geschwungenen Linien und verzichtet bewusst auf rechte Winkel und eine klassische Fassadengliederung. Die weiße Außenhaut scheint sich wie eine Welle aus dem Boden zu erheben, über das Gebäude zu fließen und wieder in den Platz überzugehen.

    Auch im Inneren setzt sich dieses Prinzip fort: Wände, Decken, Treppen und Böden gehen ineinander über, sodass der Eindruck einer einzigen, kontinuierlich fließenden Landschaft entsteht. Die große weiße Oberfläche lässt das Gebäude besonders stark mit Licht und Schatten spielen.
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  • Abendessen und Abendspaziergang Baku

    September 2 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 24 °C

    Joe hat für 19 Uhr für uns einen Tisch im Moon Panoramic Restaurant in der Altstadt reserviert, und so machen wir uns nach einer kurzen Ruhepause auf einen Abendspaziergang in die Altstadt. Die Stadt ist heute Abend deutlich belebter, es sind viele Menschen auf der Straße und überall erklingt Musik in den Unterführungen und auf den Straßen. Shura hat uns erzählt, dass Aserbaidschaner sehr gerne ausgelassen feiern, wann immer sich die Möglichkeit bietet.

    Abends sieht die Stadt noch schöner, noch reizvoller aus, alles ist herrlich illuminiert, ein lauer Wind weht durch die Gassen. Dazu muss man Folgendes wissen: Baku liegt an der Westküste des Kaspischen Meeres, auf der Abşeron-Halbinsel im Osten Aserbaidschans. Geografisch ist die Stadt damit eine Schnittstelle zwischen Europa und Asien. Das Kaspische Meer ist allerdings kein Meer im eigentlichen ozeanografischen Sinn, sondern der größte abflusslose See der Erde. Es ist rund 1.200 Kilometer lang, bis zu etwa 320 Kilometer breit und liegt mit seiner Wasseroberfläche ungefähr 28 Meter unter dem Meeresspiegel.

    Eine Besonderheit ist seine enorme Größe: Das Kaspische Meer ist mit etwa 371.000 Quadratkilometern größer als Deutschland. Es wird von fünf Staaten umschlossen: Russland im Norden, Kasachstan im Nordosten, Turkmenistan im Osten, Iran im Süden und Aserbaidschan im Westen. Trotz seiner Bezeichnung als „Meer“ besitzt es keine natürliche Verbindung zu den Weltmeeren. Seine wichtigsten Zuflüsse kommen aus dem Norden, vor allem die Wolga (die Russland aktuell übrigens blockiert), während das Wasser ausschließlich durch Verdunstung verloren geht. Mein Vater hat berichtet, dass vor 40 Jahren hier vor Baku auf dem Meer eine dicke Ölschicht lag. Heute ist zum Glück nichts mehr davon zu sehen. Das Wasser ist zwar sauber, aber das Baden in der Stadt wegen der reichen Ölvorkommen vor der Küste verboten.

    Baku selbst liegt an einer ungewöhnlichen Landschaft: Die Abşeron-Halbinsel ragt weit in das Kaspische Meer hinein und ist ausgesprochen trocken und windig. Der berühmte Xəzri, ein kalter Nordwind, und der Gilavar, ein wärmerer Südwind, prägen das Klima der Stadt. Baku gilt deshalb auch als eine der windreichsten Hauptstädte der Welt – der Name Baku wird häufig als „Stadt der Winde“ bezeichnet.

    Besonders interessant ist auch die geologische Geschichte der Region. Hier befinden sich gewaltige Erdöl- und Erdgasvorkommen. Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich Baku zu einem der bedeutendsten Erdölzentren der Welt. Die Bewohner mussten nur ein paar Meter graben, und schon kam das Erdöl von alleine an die Oberfläche. Und die natürlichen Erdgas- und Ölaustritte erklären auch die jahrhundertealte Tradition der „ewigen Feuer“, die in Aserbaidschan eine wichtige kulturelle Rolle spielen.

    Doch nun zurück zu unserem Stadtspaziergang. Wir essen auf Shuras Empfehlung ein typisches aserbaidschanisches Pfannengericht mit Hähnchen. In den Restaurants wird überall selbstgemachte, für unsere Verhältnisse recht süße Limonade, oft mit kandierten oder eingelegten Früchten, oder Tee angeboten. Wir haben Glück und dürfen auch im Restaurant mit herrlicher Aussicht über die ganze Altstadt und die Küste Livemusik erleben.

    Danach wollen wir noch zu Decathlon, das bis 22:00 Uhr geöffnet hat, und Wandstiefel für unsere Wanderungen besorgen. So geht es einmal quer durch das neue, moderne Stadtviertel bis zu einem Einkaufszentrum am Bahnhof und nach erfolgreichem Einkauf die ganze Strecke wieder zurück. Kurz vor Mitternacht fallen wir müde und sehr zufrieden in unsere Betten.
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  • Qobustan-Nationalpark

    September 3 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 28 °C

    Am Morgen gestaltet sich die Mietwagenübernahme etwas kompliziert. Der Fahrer steckt angeblich im Verkehrschaos von Baku fest und ist erst mit einer dreiviertelstündigen Verspätung bei uns am Hotel, bis dann der Papierkram erledigt ist. Es ist 11:00 Uhr, bis wir loskommen. Eine rund einstündige Fahrt in den Süden zum Qobustan-Nationalpark liegt vor uns. Er soll zu den interessantesten Ausflügen von Baku gehören. Um dorthin zu gelangen, kämpfen wir uns zunächst durch das Verkehrschaos von Baku, denn wegen des Ende des Monats stattfindenden Grand Prix sind viele Straßen gesperrt. Wir fahren durch eine karge, halbwüstenartige, wenig besiedelte und von Strom- und Gasleitungen geprägte Landschaft am Kaspischen Meer entlang.

    Qobustan ist ein einzigartiges „Archiv der Menschheit“ aus Stein: Die Felsbilder dokumentieren menschliches Leben über viele Jahrtausende hinweg. 2007 wurde die „Gobustan Rock Art Cultural Landscape“ in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

    Man besucht hier nicht einfach ein Museum, sondern wandelt durch eine Landschaft, in der Menschen bereits vor vielen Tausend Jahren gelebt haben. Auf den Felsen finden sich mehr als 6.000 Felszeichnungen, die Jagd, Tiere, Boote, Tänze, Kämpfe, Rituale und den Alltag der damaligen Menschen zeigen. Die UNESCO sieht darin ein außergewöhnliches Zeugnis einer längst vergangenen Lebensweise.

    Die Darstellungen reichen vom Jungpaläolithikum über das Mesolithikum und spätere Epochen bis ins Mittelalter. Die Angaben zur frühesten Datierung schwanken je nach Quelle und Methode; offiziell wird von einer Entwicklung über Zehntausende von Jahren gesprochen. Das macht Qobustan zu einer Art steinernem Geschichtsbuch der Menschheit. Das Reservat selbst wurde bereits 1966 eingerichtet. Die UNESCO-geschützte Kernzone umfasst 537 Hektar; das größere staatliche Reservat ist wesentlich größer.

    Wir starten unsere Erkundungstour mit einem Besuch des modernen Qobustan-Museums. Dort bekommt man die nötigen Erklärungen für das, was man anschließend draußen sieht: die verschiedenen Epochen, Lebensweisen, Werkzeuge, Tiere und die Bedeutung der Felszeichnungen. Das Museum wurde 2011 eröffnet und erhielt 2013 eine Auszeichnung beim European Museum of the Year Award.

    Das Beeindruckendste ist jedoch der Rundgang durch die Felsen von Böyükdaş (Boyukdash). Hier findet man besonders eindrucksvolle Gravuren: Menschen bei der Jagd, Tiere, Tänzer, Boote und verschiedene symbolische Darstellungen. Achtet besonders auf die Gruppenszenen, denn sie vermitteln sehr unmittelbar, wie Menschen gemeinsam jagten, tanzten oder Rituale vollzogen.

    Sehr spannend sind die Darstellungen von Booten mit mehreren Ruderern. Sie erinnern daran, dass die Landschaft am Kaspischen Meer in früheren Zeiten deutlich feuchter und klimatisch günstiger war als heute. Die UNESCO betont ausdrücklich, dass die Felsbilder auch Informationen über die damalige Umwelt und Lebensweise liefern.

    Die Felszeichnungen sind schon sehr verwaschen, aber immer gibt es daneben eine Erklärungstafel, sodass sie meist gut zu finden sind.

    Den Gaval Dash sollte man auf keinen Fall auslassen. Es handelt sich um einen großen, flachen Klangstein. Schlägt man mit einem kleineren Stein dagegen, entsteht mit etwas Fantasie ein erstaunlich heller, fast metallisch-trommelnder Klang. Er gilt als ein sehr frühes Musikinstrument.

    Besonders kurios ist eine lateinische Inschrift aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. auf dem Böyükdaş. Sie wird der Legio XII Fulminata zugeschrieben und stammt aus der Zeit des römischen Kaisers Domitian. Sie gilt als die östlichste bekannte römische Inschrift. Plötzlich trifft man inmitten prähistorischer Felszeichnungen auf die Spur römischer Soldaten – ein wunderbarer Kontrast.

    Die karge Landschaft mit den großen, verwitterten Felsblöcken, dem trockenen Grasland und dem Blick über die Umgebung ist ein wesentlicher Bestandteil des Erlebnisses. Die UNESCO schützt ausdrücklich nicht nur einzelne Zeichnungen, sondern die Kulturlandschaft, in der diese Zeugnisse entstanden sind.
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  • Im Norden: Hotel Macara Village Resort

    September 3 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 23 °C

    Heute sind wir nach einer langen Fahrt in den Norden in das ländliche Leben von Aserbaidschan eingetaucht. Die Menschen versuchen, sich ein bisschen was dazuzuverdienen, oft mit Obst- und Gemüseständen. Pferde, Kühe, Hühner, Enten und Gänse sind oft am Straßenrand anzutreffen. Wir kommen an unserem Hotel, dem Macara Village Resort, oberhalb eines kleinen Stausees an. Rund um das Resort ist ein kleiner Vergnügungspark für Familien entstanden. Wir schlendern zunächst ein bisschen durch das Resort und entdecken drumherum ganz viele Picknick-Restaurants, in denen man zum mitgebrachten Picknick auch nur Getränke oder Speisen dazu bestellen kann.

    Hier gibt es auch ganz süße Ferienhäuschen in netten Anlagen. Als ich dieses Foto schieße, spricht mich ein Aserbaidschaner an, der gerade Haselnüsse erntet, und schenkt mir eine Handvoll. Vielen lieben Dank!

    Ein Stückchen weiter finden wir ein süßes Restaurant mit Tischen unter Bäumen. Hier essen wir schließlich ganz romantisch zu Abend. Wir lassen den Tag an der Hotelbar ausklingen. Für Joe gibt’s ein Bier und für mich Quittenkompott in der praktischen 1-Liter-Flasche. Das sind eigentlich eingelegte Früchte im eigenen Saft.
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  • Das ländliche Aserbaidschan

    September 4 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 23 °C

    Was für ein Unterschied zum glamourösen und aufgehübschten Baku. Kaum sind wir ins Auto gestiegen, wird schon auf der Straße rechts und links geschlachtet. Vielleicht, weil Freitag ist und das Wochenende vor der Tür steht? Das ist schon ein bisschen befremdlich mitten auf dem Trottoir. Ein Stückchen weiter kommen wir an einer verlassenen Moschee vorbei, aber auch an Pferdefuhrwerken, vielen älteren Fahrzeugen wie Ladas und kleinen LKWs, die aus der russischen Zeit stammen, und an Haustieren, die einfach auf der Straße unterwegs sind. Wir durchfahren ein langes Waldstück mit einladenden Picknickplätzen rechts und links, die allesamt bewirtschaftet werden, und nähern uns allmählich den Bergen des Kaukasus.Read more

  • Abenteuerliche Fahrt durch den Kaukasus

    September 4 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 20 °C

    Heute wird’s ernst, wir fahren ins höchstgelegene Dorf Aserbaidschans auf rund 2.300 m Höhe, in den abgelegenen Bergen des Kaukasus. Die Fahrt dorthin führt uns durch grandiose Landschaften, durch schmale Schluchten und Canyons und entlang von breiten Flussbetten. Immer wieder sieht man Spuren davon, dass Teile der Straßen einfach abgebrochen oder durch Erdrutsch zugeschüttet waren. Sie wurden aber alle zumindest provisorisch repariert.

    Wir müssen immer wieder anhalten, durchatmen, fotografieren und viele Videos drehen. Aber weder Fotos noch Videos werden dem Empfinden gerecht, das man hat, wenn man durch diese grandiose und beeindruckende Landschaft auf abenteuerlichen Wegen fährt.
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  • Khinaliq - das höchstgelegene Dorf Aserbaidschans

    September 4 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 17 °C

    Endlich erreichen wir am Ende der asphaltierten Straße Khinaliq. Von hier geht es nur noch zu Fuß oder mit Pferden weiter. Es gilt als das höchstgelegene, dauerhaft bewohnte Dorf Aserbaidschans. Seit 2023 gehören Khinaliq und der historische Wanderweg „Köç Yolu“ zum UNESCO-Welterbe.

    Die Menschen – ein Volk für sich

    Die Menschen, die hier seit Jahrhunderten leben, nennen sich selbst Kettish (Kətiş). Sie bilden eine eigene ethnische Gruppe und sprechen Khinalug, eine Sprache, die mit dem Aserbaidschanischen und den meisten anderen Kaukasussprachen nicht verständlich ist.

    Die Herkunft der Khinalug wird häufig mit den alten Völkern des kaukasischen Albanien in Verbindung gebracht. Das ist allerdings eine historische Hypothese und keine lückenlos nachgewiesene Abstammung. Archäologisch ist die Besiedlung der Gegend dagegen sehr alt: Ausgrabungen belegen eine menschliche Besiedlung bereits in der Frühen Bronzezeit, also im späten 4. Jahrtausend v. Chr.

    Interessant ist, dass die Menschen trotz der extremen Abgeschiedenheit keineswegs völlig isoliert waren. Über Jahrhunderte verbanden sie die Berge mit anderen Regionen durch Saumpfade und saisonale Wanderwege. Das traditionelle Leben der Khinalug ist halbnomadisch. Und genau das macht den Ort so besonders.

    Im Sommer ziehen die Menschen mit ihren Schafen und anderem Vieh auf die hohen Sommerweiden. Im Winter geht es hinunter in wesentlich mildere Regionen auf die Winterweiden.

    Dazwischen liegt der etwa 200 Kilometer lange Köç Yolu – der „Migrationsweg“. Er ist kein historischer Wanderweg im touristischen Sinne, sondern eine bis heute teilweise genutzte Lebensader der Bevölkerung. Die UNESCO bezeichnet diese vertikale Transhumanz als ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie sich eine Gesellschaft über Jahrtausende an eine extreme Berglandschaft angepasst hat.

    Die wichtigste traditionelle und bis heute bedeutende wirtschaftliche Grundlage ist die Viehzucht. Insbesondere die Schafhaltung spielt eine große Rolle. Wir sehen immer wieder große Herden auf den Weiden, mit oder ohne Schäfer.

    Das Vieh liefert:

    • Fleisch
    • Milch und Milchprodukte
    • Wolle
    • Leder und weitere tierische Produkte
    • und sogar Dung als Brennmaterial.

    Letzteres klingt zunächst ungewöhnlich, ist in dieser kargen Hochgebirgsregion aber ausgesprochen wichtig: Getrockneter Tiermist wird traditionell zu Brennmaterial verarbeitet und sitzt sauber aufgestapelt vor jedem Haus.

    Auch die Landwirtschaft dient hauptsächlich der Viehzucht. Auf den wenigen möglichen Terrassen wird vor allem Futter für die Tiere angebaut, von Hand gemäht und dann zu Türmen aufgesetzt. Die Menschen haben dafür über Jahrhunderte Terrassen und einfache Bewässerungssysteme entwickelt.

    Und heute? Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Der Tourismus gewinnt zunehmend an Bedeutung. Seit der Verbesserung der Straße und vor allem seit der UNESCO-Anerkennung kommen deutlich mehr Besucher.

    Einige, wenige Familien bieten Übernachtungen an, bewirten Gäste mit Tee und hausgemachten Produkten oder arbeiten als lokale Führer. Trotzdem ist Khinaliq kein künstlich für Touristen geschaffenes Museumsdorf. Die Menschen leben dort tatsächlich und führen – zumindest teilweise – ihre traditionelle Lebensweise weiter. So freuen wir uns ganz besonders auf den Besuch bei einer Gastfamilie.
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  • Mittagessen bei Rustan und seiner Familie

    September 4 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 17 °C

    Unsere Reiseagentur hat uns ein Mittagessen bei Rustan und seiner Familie organisiert. Wir speisen ganz einfach an einem Tisch im Schlafzimmer der Eltern. Im Wohnzimmer sitzt eine amerikanische Reisegruppe mit einem aserbaidschanischen Reiseführer. Zunächst gibt es selbstgemachten Schafskäse sowie hausgemachte Marmelade, Tomaten und Gurken, anschließend eine Gemüsesuppe und als Hauptgang Reis und Hähnchen.

    Rustan selbst spricht leider kein Englisch. Durch den Reiseführer nebenan erfahren wir jedoch einiges über ihn und seine Familie. Er ist 51 Jahre alt und hat bereits zehn Enkelkinder – sehr beachtlich. Die ganze Familie wohnt auf engem Raum zusammen. Sie hält zusammen und bewirtet Gäste aus aller Welt.
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  • Unsere Kaukasus Wanderung

    September 4 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 17 °C

    Von hier aus wollen wir auch ein Stück wandern, um die Landschaft intensiver zu erleben, als wenn man sie mit dem Auto durchfährt. Wir schlendern durch das kleine Bergdorf hinein in die Abgeschiedenheit der Bergwelt. Eigentlich war geplant, dass wir rund 12 km wandern und uns dann von Rustan am Zielort abholen und zu unserem Auto bringen lassen. Doch der Wind frischt auf, es ist schon fast stürmisch, und so entschließen wir uns dazu, umzudrehen und dadurch auch etwas Zeit zu sparen. Eine gute Entscheidung, wie sich am Ende herausstellen wird, denn wir brauchen noch knapp zwei Stunden für den Rückweg und wollen noch einkehren.Read more

  • Rückfahrt von Khinaliq

    September 4 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 15 °C

    Auf dem Rückweg nehmen wir eine andere Route und kämpfen uns noch einmal über sehr steile Straßen auf knapp 2.700 m hoch. Joe ist ganz mulmig zumute, und wenn ich mir im Nachhinein meine Videos anschaue, kann ich auch besser verstehen, warum.

    Für uns beide war es dennoch ein grandioses Erlebnis, durch die Abgeschiedenheit dieser grandiosen Bergwelt zu fahren, auch wenn die Steigungen uns oft Schweißperlen auf die Stirn getrieben haben und man manchmal auf der Kuppe nicht erkennen konnte, wie es auf der anderen Seite weitergeht.
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  • Spätes Mittagessen im „Rancho“

    September 4 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 26 °C

    Dieses Lokal liegt etwas abseits unserer Route, doch ein Aserbaidschaner hatte uns das gestern ans Herz gelegt. Es sei so schön, was die Inhaber da bieten, und tatsächlich bewegt man sich auf einem mehrere Hektar großen Gelände mit kleinen Seen und Flussläufen. Es gibt Pferde und sonstige Aktionen für Kinder, und überall sind Picknickhäuschen und Tische und Bänke verstreut, direkt am Wasser oder lauschig unter Bäumen, und alles gehört zum Restaurant. Überall wird man bedient und bekommt Speisen und Getränke serviert.

    Wir essen einen gemischten Salat und gefülltes Fladenbrot mit Joghurt vorweg, gefolgt von einer sehr leckeren, frisch gegrillten Forelle, zu der zwei hausgemachte Saucen serviert werden. So haben wir Forelle auch noch nie gegessen.
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  • Besonderes Erlebnis beim Tanken

    September 4 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 27 °C

    Am Abend wollen wir noch tanken und steuern dazu eine Tankstelle an. In Aserbaidschan kostet der Liter Diesel umgerechnet 0,50 € und Benzin 0,55 €. Die Preise ändern sich nicht und sind landesweit einheitlich.

    Wir fahren also mit einem chinesischen, hybridangetriebenen Mietwagen, dessen Displaysprache ebenfalls Chinesisch ist, und versuchen, den Tankdeckel zu öffnen. Der Deckel für die Elektroladung lässt sich problemlos öffnen – aber der für den Tank? Keine Chance. Inzwischen sind wir von vier Mitarbeitern der Tankstelle umringt, und keiner weiß weiter. Wir rufen unseren Autovermieter an, und es braucht tatsächlich drei Anrufe, bis auch er weiß, wie sich der Tankdeckel öffnen lässt. Am Ende stellt sich heraus: Man muss auf dem zentralen Display nach unten wischen, um einen Button zu finden, mit dem sich der Tankdeckel öffnen lässt.

    Wir versuchen anschließend mithilfe von KI, die Sprache des Displays auf Englisch umzustellen. ChatGPT erklärt uns, dass diese Wagen eigentlich nur für den chinesischen Markt produziert werden und eine Änderung der Sprache offenbar nicht vorgesehen ist. So werden wir gelegentlich von einer freundlichen chinesischen Stimme auf irgendetwas hingewiesen, das vielleicht wichtig gewesen sein könnte.

    Bis wir mit dem Tanken fertig sind, haben wir außerdem noch unseren Spaß mit dem Fahrer dieses kleinen blauen Busses. Ich schätze, dass mindestens 20 Personen eng zusammengepfercht darin sitzen. Er lädt mich ein, ebenfalls Platz zu nehmen, aber ich lehne dankend ab.
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  • Beşbarmaq – der „Fünf-Finger-Berg“

    September 5 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 28 °C

    Ein kleiner Fotostopp auf unserem sehr langen Fahrtag: Etwa 90 bis 95 Kilometer nördlich von Baku erhebt sich direkt an der Straße nach Quba der markante, allerdings nur 382 Meter hohe Berg Beşbarmaq. Seine Felszacken erinnern an fünf Finger.

    Beşbarmaq ist zugleich ein heiliger Wallfahrtsort. Menschen kommen hierher, um zu beten und sich etwas zu wünschen. Der Ort ist von Legenden um den Propheten Chıdır beziehungsweise Khidr umgeben. Von oben hat man einen großartigen Blick über die Landschaft bis hin zum Kaspischen Meer.
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  • Mittagspause im Istanbul Restaurant

    September 5 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 29 °C

    Wunderschöner Stopp auf unserem heutigen, langen Fahrtag: Eher zufällig entdecken wir dieses Restaurant entlang der Hauptverbindungsstraße. Als wir eintreten, umfängt uns eine wunderbare Ruhe.

    Alles ist schön dekoriert, und man kann auch gemütlich im Garten sitzen. Wir bekommen sogar eine Speisekarte auf Englisch, werden schnell und zuvorkommend bedient und essen ganz wunderbar. Wir bestellen nur eine Kleinigkeit für umgerechnet 10 € und sind rundum glücklich. Vielen lieben Dank für diese schöne, erholsame Pause!
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  • Autonomes Fahren mit unserem Chinesen

    September 5 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 29 °C

    Joe hat endlich den Tempomat entdeckt. Und wenn der eingeschaltet ist, fährt unser Mietwagen tatsächlich fast autonom – selbst mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn und hinein in Kurven. Bis das Fahrzeug dann plötzlich und ohne jede Vorwarnung „aussteigt“ und auf die Nebenspur lenkt. Da wird einem doch kurz etwas anders!

    Schnelles Fahren ist hier übrigens ohnehin nicht möglich. Auf Schnellstraßen darf man nicht schneller als 90 km/h fahren, und das wird nahezu lückenlos kontrolliert. Gefühlt alle zehn Minuten steht irgendwo Polizei und winkt Raser und andere Verkehrsteilnehmer heraus.

    Heute werden auch wir einmal angehalten. Da wird man natürlich schon ein bisschen nervös. Doch nachdem die Polizistin einen Blick auf uns geworfen hat, winkt sie uns einfach weiter. Glück gehabt!
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  • Yeddi Gümbəz („Sieben Kuppeln“)

    September 5 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 28 °C

    Die Yeddi Gümbəz sind zunächst einmal sehr schwer zu finden, es braucht drei Anläufe bis wir einen Weg finden, der uns dorthin führt. Es handelt sich um einen kleinen, aber historisch sehr interessanten Teil eines sehr großen Friedhofs mit Mausoleen südlich der Juma Moschee von Shamakhi. Die Anlage stammt überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und diente als Grablege der Familie von Mustafa Khan, dem letzten Khan von Schamachi.

    Der Name „Sieben Kuppeln“ stammt von den ursprünglich sieben Mausoleen. Durch Erdbeben und den Zahn der Zeit sind allerdings mehrere stark beschädigt; heute stehen nur noch drei vollständig erhaltene Mausoleen mit ihren Kuppeln.

    Besonders schön sind die achteckigen, aus hellem Stein errichteten Grabmäler. Bei dem ältesten erhaltenen Mausoleum gibt eine Inschrift das Jahr 1810 an und nennt den Baumeister Ustad Taghi. Die Architektur gehört zur traditionellen Schirwan-Abscheron-Schule.

    In den Mausoleen befinden sich mehrere Gräber mit großen Grabsteinen und von dem leicht erhöhten Gelände haben wir schon einen schönen Blick über unseren nächsten Stopp und Schamachi.
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  • Die Juma-Moschee von Şamaxı

    September 5 in Azerbaijan ⋅ ☀️ 28 °C

    Auch die Anfahrt zur Juma-Moschee von Şamaxı (Schamachi) gestaltet sich etwas schwierig, aber mein Joe gibt nicht auf. Schließlich finden wir den Weg.

    Am Eingang muss ich als Frau meine Knie mit einem Tuch bedecken – ich bin vorbereitet und habe vorsichtshalber eines eingepackt. Außerdem muss ich meinen Kopf bedecken. Dafür habe ich meinen Hoodie dabei. So darf ich schließlich das Gotteshaus betreten.

    Die Juma-Moschee gilt als eine der ältesten Moscheen Aserbaidschans und sogar des gesamten Kaukasus. Nach heutiger aserbaidschanischer Darstellung wurde die erste Moschee an dieser Stelle bereits im Jahr 743 n. Chr. errichtet. Seitdem hat sie eine ausgesprochen wechselvolle Geschichte hinter sich. Mehrfach wurde sie durch Erdbeben zerstört oder schwer beschädigt, insbesondere durch die verheerenden Beben von 1859 und 1902. Nach dem Erdbeben von 1859 war Schamachi so stark zerstört, dass die russische Verwaltung das Verwaltungszentrum der Region schließlich nach Baku verlegte.

    Die heutige Moschee ist deshalb kein unverändert erhaltenes Bauwerk aus dem 8. Jahrhundert. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut und zuletzt ab 2010 grundlegend restauriert und rekonstruiert. 2013 wurde sie wiedereröffnet. Nach offiziellen Angaben versuchte man dabei, historische Mauern und Bauteile soweit wie möglich zu erhalten und gleichzeitig die Anlage technisch zu stabilisieren – ein wichtiger Aspekt, denn Schamachi liegt in einer stark erdbebengefährdeten Region.

    Schon von Weitem prägen die beiden rund 36,4 Meter hohen Minarette das Erscheinungsbild der Moschee. Die heutige Anlage erstreckt sich über fast einen Hektar.

    Besonders interessant finde ich den Umgang mit der historischen Bausubstanz: Bei der Restaurierung wurden alte Mauern und Steine mit neuen Bauteilen verbunden. Gerade dieser sichtbare Gegensatz zwischen jahrhundertealter Substanz und moderner Rekonstruktion macht die Moschee für uns besonders interessant.

    Im Inneren erwartet uns ein großzügiger Gebetsraum mit Säulen und zahlreichen dekorativen Elementen. Besonders gefallen uns die Mihrab, die nach Mekka ausgerichtete Gebetsnische, und die arabischen Koraninschriften.

    Bei archäologischen Untersuchungen wurden hier übrigens auch Überreste einer Medrese, Zellen und Grabsteine entdeckt. Teile dieser historischen Strukturen sind bis heute erhalten.
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