• Besteigung des Südgipfels des Aragats 3.879 m

    September 17 in Armenia ⋅ ☀️ 30 °C

    Heute geht’s zum Hochgebirgswandern (jedenfalls für unsere Verhältnisse), doch davor liegt eine längere Anfahrt, zunächst rund eine Stunde zum Treffpunkt an unserem nächsten Hotel mit unserem Wanderführer.

    Das ist eine Stunde, die Joe schwer zusetzt, denn unser Auto beginnt auf einmal immer wieder zu ruckeln, wenn er Gas gibt. Dadurch wird es im morgendlichen Berufsverkehr Jerewans unberechenbar. Ich schreibe schon gleich mal unserem Fahrzeug-Vermieter und schicke ihm Videos vom Fahrzeug. Dann sind wir im Funkloch. Ich weiß, dass wir auf circa 1.000 Höhenmetern gestartet sind und sich unser Treffpunkt auf 1.780 m befindet. Ich weiß aber auch, dass wir noch hoch zum Kari-See (Kari Lich) auf rund 3.200 Meter Höhe müssen.

    Doch wundersamerweise legen sich die Probleme mit zunehmenden Höhenmetern. Unser Vermieter vermutet inzwischen, dass wir schlechtes Benzin getankt haben könnten. Schauen wir mal, wenn wir an der nächsten Tankstelle sind. Das Treffen mit unserem Wanderführer hat gut geklappt, und wir sind inzwischen am Ausgangspunkt unserer Wanderung angekommen. Ein bisschen trostlos sieht es hier oben schon aus, mit all den farblosen Gebäuden.

    „Im Winter kann man mit der Schneeraupe hier hoch und dann die Straße mit den Skiern runterfahren“, erzählt unser Wanderführer Vahe, der hier aufgewachsen ist und den Berg sehr liebt. Wir besuchen kurz seinen Freund, der das ganze Jahr hier oben wohnt und sich im Winter teilweise Schneetunnel rund ums Haus baut. Er hat gerade seine Schneeraupe kurz aus der Garage geholt, in der Hoffnung, dass der ein oder andere Tourist damit durch die Berge fahren möchte. Genau hier beginnen die Wanderrouten zu den Gipfeln.

    Der höchste Berg Armeniens hat vier Hauptgipfel um eine riesige Vulkancaldera. Wir suchen uns den leichtesten und beliebtesten aus, den Südgipfel mit 3.879 m. Wir brauchen für die 10 km hin und zurück und rund 680–700 Höhenmeter ziemlich genau fünf Stunden, wobei uns unser Wanderführer Vahe abseits der Hauptroute hinaufführt. Der Aufstieg ist zu Beginn technisch unschwierig, er führt über Pfade und unberührte Wiesen. Doch die letzten Höhenmeter steigen wir quer über Geröllfelder mit rauem Lavagestein. Das ist für uns beide sehr herausfordernd, zumal die Luft hier oben etwas dünn geworden ist. Zum Glück haben wir in Baku Wanderstöcke gekauft, die sind heute unentbehrlich.

    Oben angekommen, sind wir natürlich mega stolz und glücklich. Zurück geht’s über eine der Hauptrouten, und uns wurde einmal mehr klar, dass wir eher die Genusswanderer sind, als die Hochgebirgsbergsteiger. Ich bewege mich auf jeden Fall lieber unterhalb der Baumgrenze, und das beruhigt Joe ungemein. Alleine für diese Aussage, meint er, habe sich die Quälerei gelohnt.

    Trotzdem war dieser Ausflug ein Erlebnis, das ich auf gar keinen Fall missen möchte, und Joe geht’s genauso.
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