• Erster Teil unserer Stadtführung

    September 16 in Armenia ⋅ ☀️ 25 °C

    Unser Tourguide kommt mit etwas Verspätung an, weil es unterwegs einen Unfall gab und sein Taxi dadurch länger gebraucht hat. Aber egal, wir starten zunächst entlang der Prachtstraße von Jerewan.

    Jerewan zählt zu den ältesten durchgehend bewohnten Städten der Welt und blickt auf eine fast drei Jahrtausende alte Geschichte zurück. Ihre Gründung geht auf das Jahr 782 v. Chr. zurück, als König Argishti I. des urartäischen Reiches die Festung Erebuni auf einem Hügel im heutigen Stadtgebiet errichten ließ, um das Ararattal militärisch und wirtschaftlich zu sichern. Der Name Erebuni gilt zugleich als direkter etymologischer Vorläufer des heutigen Namens Jerewan.

    In den folgenden Jahrhunderten geriet die Siedlung aufgrund ihrer strategischen Lage im Südkaukasus immer wieder in die Einflusssphäre rivalisierender Großmächte. Nach dem Niedergang Urartus stand die Region unter achämenidischer Herrschaft, gefolgt von der Eingliederung in das antike armenische Königreich der Artaxiden und Arsakiden. Mit der Christianisierung Armeniens im frühen 4. Jahrhundert n. Chr. entstanden in und um Jerewan die ersten bedeutenden Kirchen und christlichen Zentren.

    Das Mittelalter und die frühe Neuzeit waren von verheerenden Konflikten und ständigen Herrschaftswechseln geprägt. Ab dem 7. Jahrhundert folgten arabische Eroberungen, später die Invasionen der Seldschuken und Mongolen. Vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert wurde die Region zum Hauptschauplatz der Kriege zwischen dem Osmanischen Reich und dem persischen Safawidenreich. Jerewan wechselte dabei mehr als ein Dutzend Mal den Besitzer und wurde zu einer stark befestigten persischen Garnisonsstadt mit der markanten Erivan-Festung als Zentrum.

    Ein entscheidender Wendepunkt ereignete sich im Russisch-Persischen Krieg, als russische Truppen unter General Paskewitsch die Stadt im Oktober 1827 einnahmen. Mit dem Vertrag von Turkmantschai von 1828 fiel Jerewan an das Russische Kaiserreich, woraufhin viele Armenier aus Persien und dem Osmanischen Reich in die Stadt zurückkehrten. Zu diesem Zeitpunkt war Jerewan jedoch kaum mehr als eine staubige Provinzstadt mit Lehmbauten und rund 12.000 Einwohnern.

    Nach dem Zusammenbruch des Russischen Reiches, den Wirren des Ersten Weltkriegs und dem Völkermord an den Armeniern wurde Jerewan 1918 zur Hauptstadt der kurzlebigen Ersten Republik Armenien erklärt. 1920 folgte die Sowjetisierung. Die Sowjetära veränderte das Gesicht der Stadt radikal: Nach den Plänen des Architekten Alexander Tamanjan wurde Jerewan in den 1920er- und 1930er-Jahren als moderne Metropole mit kreisförmigen Boulevards, monumentalen Plätzen und Bauten aus charakteristischem rosa Tuffstein völlig neu konzipiert, was ihr den Beinamen „Rosa Stadt“ einbrachte. Die Industrialisierung ließ die Bevölkerung rasch auf über eine Million Menschen anwachsen.

    Mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 wurde Jerewan zur Hauptstadt der unabhängigen Republik Armenien. Die Stadt meisterte die schweren wirtschaftlichen Krisen der 1990er-Jahre und wandelte sich im 21. Jahrhundert zu einem lebendigen kulturellen, wirtschaftlichen und technologischen Zentrum des Landes, in dem antike Wurzeln und moderne Urbanität aufeinandertreffen.
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