• Anbaden und das Kleine-Welt-Phänomen

    November 1, 2024 in Portugal ⋅ ☁️ 18 °C

    Am 1. November ging es weiter von Figuera da Foz Richtung Lissabon. Unser letztes Zwischenziel vor der Hauptstadt Portugals war der kleine Ort Sao Martinho da Porto, ein gepflegter Touristenort welcher direkt an einer kleinen Bucht liegt. Hier gibt es, wie das in solchen Orten halt so ist, viele Bars, Geschäfte und Restaurants. Zum Urlaub machen genau das richtige, zumal man einen großen Strand direkt vor der Tür hat.

    Corinna hat dann vom Boot aus gleich das erste Bad dieser Reise im Atlantik genommen. Sie war dann auch die Einzige, denn wer geht schon bei 16 Grad baden?

    Zu berichten gibt es nicht viel, denn wenn man in diesem Ort nicht grade Urlaub machen möchte, ist er jetzt nichts besonderes.

    Ein Stück weiter Nördlich liegt übrigens der Ort Nazarè, welcher für die größten Wellen der Welt bekannt ist, da hier der Grund des Atlantiks von 5.000 Metern Tiefe auf 80-40 Meter ansteigt. Da wir an diesem Tage mangels Wind die ganze Zeit Motoren mussten, war die Erwartungshaltung, was die Wellen anging, eher gering. Und so war es dann auch. Das, was der Atlantik an Wellen zu bieten hatte, hätte ich mit einem halb aufgeblasenen Sub und einem Holzlöffel abreiten können.

    Neben dem Besichtigen von Küstenorten beschäftige und auch noch ein weiteres Thema, nämlich die Teile-Beschaffung. Neben dem Autopiloten warten wir nämlich noch auf ein sehr großes Segel, einem sogenannten Gennaker. Dieses 160 Quadratmeter große Leichtwindsegel brauchen wir für die Atlantiküberquerung, sollte der Wind einmal nicht so kräftig wehen. Auch werden bei dieser Überfahrt vorwiegend Vorwindkurse gefahren werden müssen und dafür ist ein solches Segel perfekt. Das macht dann nämlich nicht so viel „Rums“. Ihr erinnert euch…

    Das Problem mit dem Segel ist, dass der Verkäufer ein, um es zuvorkommend zu formulieren, „Sackhüpfer“ ist. Verspricht viel, leistet wenig. Eigentlich sollte das Segel schon vor unserer Abfahrt geliefert worden sein. Seit wir unterwegs sind, bekommen wir immer wieder irgendwelche Ausreden, warum das alles nicht geklappt hat. Somit blieb nichts anderes übrig, als das Glück selbst in die Hand zu nehmen. Dazu war allerdings die Hilfe von mehreren Personen in der Heimat nötig. Phillippe machte ein Termin mit dem Sackhüpfer, um das inzwischen bei diesem liegende Segel in Empfang zu nehmen. Armin musste von Eckernförde nach Heiligenhafen fahren, um den Bergeschlauch für das Segel abzuholen, welches der Typ auch nicht auf die Reihe bekommen hat. Diesen hat er dann nach Neumünster gefahren, wo das Gennaker bereits bereit lag. Beides musste dann verpackt und verschickt werden. Marvin und Lars haben sich um die Versandlogistik gekümmert. Ihr müsst wissen, dass dieses Team sehr geübt darin ist, etwas irgendwo in der Welt zu organisieren um es dann zügig an einen Beliebigen Ort auf der Welt zu liefern.

    Dieser Beliebige Ort ist in unserem Falle Lissabon. Dumm war nur, dass wir dort absolut niemanden kennen. Hier kommt jetzt das „Kleine-Welt-Phänomen“ ins Spiel, welches besagt, dass jeder Mensch auf der Welt über maximal sechs Ecken erreichbar ist. In unserem Falle waren es sogar nur zwei Ecken. Ich funkte meine Cousine Gesa an und fragte, ob sie eine Kontaktperson in Lissabon kennt. Diese fragte dann eine Freundin, welche aus Portugal kommt. Die Freundin wiederum hat eine Verwandte in Lissabon und die heißt Joana. Und Joana ist so freundlich und erlaubt uns, dass Segel und den Autopiloten an ihre Adresse zu senden, damit wir alles dort abholen können. Klappt also mit dem „Kleine-Welt-Phänomen“.

    Das Segel war dann auch bereits nach 24 Stunden in Lissabon. Nur Joana nicht. Dafür kann sie aber nichts, denn wir hatten ihr die Ankunft der Ware für den vierten oder fünften November avisiert. Aber wenn die Jungs was machen, dann geht es halt schnell.

    Nun liegt das Segel am Flughafen von Lissabon, wo ich am 4. November um 19 Uhr am Terminal 1 ein Date mit Joana habe. Natürlich ist es kein richtiges Date, denn wir wollen ja nur zusammen das Segel abholen. Schade eigentlich, denn Betty hat mir ein Bild geschickt, damit ich sie erkenne. Ich sage nur: Oh la la, misch kocht Blut…*

    Vorher müssen wir aber erstmal Lissabon erreichen. Das sollte kein Problem sein, den von unserem aktuellen Liegenplatz in Sao Martin do Porto sind es nur knapp 70 Seemeilen in die Landeshauptstadt.

    * Natürlich „Date“ ich nicht, denn ich habe ja schon die tollste Frau der Welt gefunden.
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