• Helsinki - ein erster Eindruck

    May 14 in Finland ⋅ ☁️ 7 °C

    Dafür, dass Helsinki und ich Freunde werden, standen die Zeichen eher schlecht. Gestern noch scheiterte ich im Dauerregen kläglich daran, mir einen günstigen Parkplatz für drei Tage zu besorgen. Ich hatte bis zum Schluss die Wahl zwischen Gebühren, die in die Nähe der Hotelkosten kamen, oder einer Begrenzung auf einen Tag. Ich entschied mich für einen Kompromiss. Dann begleitete meine Nacht bis zwei Uhr heiteres Partylärmen. Und in der Früh war ich einfach grantig, weil ich zu früh aufgewacht war.
    Aber bald war alles schon etwas besser: Ich saß in einem mondänen Café bei meinem obligatorischen Cappuccino mit Muffin und dachte über meine ersten Eindrücke nach.
    Was Helsinki von den anderen Großstädte meiner Reise unterscheidet, ist, dass es keine Altstadt mehr gibt. Dafür gibt es viel aus der Zeit, in der Finnland zum Zarenreiches kam (vorher waren sie ein Teil von Schweden). Der Reichtum der Industrialisierung und das Nationalbewusstsein, das sich ausrechnet unter der russischen Herrschaft entwickelte, ist allgegenwärtig. So erinnert Helsinki deutlich mehr an St. Petersburg als an Danzig. In Tallinn war das noch anders.
    Was es gar nicht mehr gibt, ist die ostentative Solidarisierung mit der Ukraine. War es in Estland schon weniger als in Litauen und Lettland, so gibt es jetzt gar kein Gelb-Blau im öffentlichen Raum, außer in einem schwedischen Kontext. Dieser ist sowieso allgegenwärtig, weil viele Texte nicht nur finnisch, sondern auch schwedisch sind, weil Schwedisch die zweite Amtssprache ist.
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