Wer nicht bleibt, der nicht schreibt....
February 12, 2025 in Australia ⋅ 🌬 29 °C
... und bleiben tun wir nicht, weswegen ich auch jetzt erst schreiben kann. Und die Kombination aus Nicht-WLAN/Netzabdeckung und Nicht-Bleiben beendet zwei schöne Nächte und einen Premium-Tag mit türkisblauem Wasser an Traumstrand.
Exmouth steht auf dem Kompass. Nördliches Ende des Ningaloo-Riffs, Militärstützpunkt und Fliegenmetropole des Kontinents. Also: innerer Autopilot auf "Ein" und stumpf Kilometer gekillt. Ich habe aufgehört, die zu zählen. Dem Australier käme das Gebiet zwischen Bonn und Oberhausen wahrscheinlich vor wie die dystopische Kakophonie eines Ameisenhaufens, der außer Kontrolle ist. Hier gibt es nichts zu kontrollieren. Der Busch ist das Gesetz. Und erstreckt sich in Ausmaßen, die ich immer wieder schlicht unfassbar finde. Und irgendwie auch beruhigend.
Damit es nicht zu ruhig wird, gibt es richtig leckeren Kaffee in Exmouth, bevor wir an gefühlt 300 Militärantennen und - abhöranlagen vorbeifahren und versuchen, ein Schiffswrack zu sichten. Das machen hier alle Influencer, die ihre erlebnisfunkelnden Insta-Bildchen hochladen. Die waren aber nicht zur Fliegensaison hier. Wir schon. Mal abgesehen davon, dass wir nichts influencen. Ich versuche, mit halb zugekniffenen Augen und Händen über Mund und Nase ein Wrack zu erkennen. Oder was davon übrig ist. Nicht viel, um ehrlich zu sein.
Dafür entschädigt eine Abfolge von Traumbuchten im Nationalpark und wir dürfen sogar in einer Campen. Oder dieses zu versuchen. Campen geht noch, Schlafen eher nicht. Richtig amtliche Sturmböen rupfen an dem Zelthäubchen von Rose und ich denke wieder: Dachzelt ist irgendwie cool, oft aber auch nicht. Luca gibt zerrupft auf und schläft im Auto. Ich versche, meine Gräten von den umherschlagenden Zeltwänden fernzuhalten. Irgendwann erbarmt sich a bissi Schlaf. Auch wenn 50 Meter weiter eine tiefergelegte japanischer Mittelklassezwiebel nebst Zelt aufgeschlagen ist, in der ein psychisch Gestörter mit seiner Boombox das Meeresrauschen - leider erfolgreich - übertönt. Schöne neue digitale Welt im Naturschutzgebiet. Tiefe Technobässe sind genaus das, wofür man 14.000 Km um den Globus fliegt, um ungestörte Natur zu erleben. Das ich das in einem akuten Anfall von Flugscham schreibe, versteht sich.
Vorher aber wurde der Sternenhimmel bestaunt und der ist hier episch. Beeindruckend. Berührend. Mir macht das Gänsehaut.💫🔭Read more











TravelerAls Grünenwähler und Ethnologe muss ich anmerken, dass die Natur nur so lange ungestört ist, bis neugierige Touris in öltropfenden tonnenschweren Blechkisten ankommen. Und sich beschweren, dass diese Idee leider nicht exklusiv ist. Aber als rücksichtsvoller, liebevoller und reflektierter Mensch gibt es dennoch eine 3 Minus für dich.🤣👍
Thomas WimmersDer Tourismus zerstört, was er sucht…. Wie immer – wir schauen beide Seiten an. Aber Danke, dass ich nicht nachsitzen muss…😁
TravelerNur ein Aufsatz ...