• Einfach kann jeder….oder:

    February 15, 2025 in Australia ⋅ 🌬 23 °C

    Track: Check!✅, Reifen: Weg!🛞 - landschaftlich ist der Holland Track der Hammer – reifentechnisch eher der Killer.

    Ich habe schon seit Wochen manifestiert, dass ich in Australien perfekte Reifen und nie eine Panne haben werde. Das Karma war mir nicht hold und wahrscheinlich hat sich der liebe Gott oder jemand anders, der für die terrestrische Regie zuständig ist, sich die Dramaturgie so ausgedacht: man wiegt den Silberrückentourist in trügerischer Sicherheit, um den Spannungsbogen dann nach einiger Latenz so richtig zu entladen:

    Zunächst Anfahrt zum Holland Track, noch ein feines Luca – Granola genossen und dann auf den Track: Luftdruck gesenkt, Funkgerät auf die richtige Frequenz (in der irrigen Annahme, dass wir irgendwelche Menschen um uns herum haben würden) eingestellt und dann geht der wilde Ritt über diesen historischen Track los.

    Ich hatte es in einem Footprint schon erwähnt: John Holland baute diesen Track, um Goldtransporte zu erleichtern. Wenn man heute durch diesen Busch fährt und sich vorstellt, dass die Kollegen damals mit Eseln von Wasserloch zu Wasserloch und nur mit Kompass ausgerüstet diesen Track geschaffen haben – nein, das kann ich mir tatsächlich nicht vorstellen…

    Fünf Stunden später: der eigentliche Plan war, im Busch zu übernachten. Wir fahren jedoch durch unendliche Weiten von völlig verbrannter, dystopischer Buschkulisse und der Geruch von Verbrennung ist so stark, dass wir hier ganz sicher nicht übernachten wollen.

    Also geht es im Dunkeln weiter. Jeder Blödmann weiß, dass man unter diesen Bedingungen besser nicht durch tiefe Löcher und über spitze Steine fährt… Es gibt aber halt auch eben Blödmänner (ich saß am Steuer)….

    Im Stockfinstern (ja, wir sind natürlich zu spät losgefahren…) durch den tiefsten Busch – immer noch auf dem Holland Track. Dann dieses Geräusch. Und dann dieses Gesicht meine Tochter, die aussteigt und sagt: „schlechte Nachrichten…“

    Aber getreu des Lebensmottos „es könnte schlimmer sein“ habe ich mich damit getröstet, was die Alternative zum zerfetzten Reifen gewesen wäre. Motorschaden. Busch – Kobold, Buschfeuer, in Australien noch unentdeckte Raubtiere, you name it.

    Zunächst steht also „Read the fucking Manual“ auf dem Plan, um die Aufnahmepunkte für den Wagenheber zu suchen und dann mal flugs reingetaucht in die rote Pampe. Was habe ich terrestrischen Regie gedankt, dass das Auto erstens flach stand und zweitens nicht in einer dieser verdammt engen, palisadenartigen Begrenzungen des Tracks, wo ich keine Chance gehabt hätte, meinen süßen Arsch weit genug nach hinten zu strecken, um den Reifen von der Achse zu wuchten. Gestoppte Zeit: 45 Minuten inklusive Read the fucking Manual. Not bad.

    Da wir schon fast vom Track runter waren, sind wir dann tatsächlich bis zum Wave Rock gefahren, wo ich vor einigen Wochen schon einmal war – auch hier bei 20° mehr. Campingplatz natürlich schon geschlossen. Schneller Emergency Snack und dann ab ins Dachzelt auf dem Parkplatz des Visitor Center. Duschen wird ja im Allgemeinen überschätzt.

    Natürlich geistert auch hier wieder irgendein Typ rum, der auch auf dem Parkplatz übernachtet und minutenlang à la Walking Dead vor dem Klohaus steht. Entspanntes Schlafen wäre auch mal schön…

    Nichtsdestotrotz war das Eintauchen in den Busch fantastisch. Offensichtlich ist das letzte Fahrzeug vor uns vor zwei Tagen gefahren – dies konnten wir an der Goodie Box sehen, die irgendwo auf dem Track aufgestellt ist und in der Track–Fahrer-Kolleg:innen nützliche Dinge wie Bierdosen, Klopapier oder Abschleppschäkel hinterlassen.

    Das Gefühl, mitten in diesen Busch eingetaucht und völlig alleine zu sein, ist besonders. Die Währung dafür ist stundenlanges gerüttelt und geschüttelt werden und die Bewältigung von Hindernissen, die Rose bravourös gemeistert hat, die einem aber teilweise schon den Schweiß auf die dehydriert Stirn treiben konnten. Ich möchte nicht wissen, wie das während der Wet Season ist, wenn die jetzt ausgetrockneten, teils sicher 1,50 m tiefen Löcher mit Wasser gefüllt sind und man dadurch muss.

    Oder das Buschfeuer kommt. Wie auch immer: ein durchaus aufregender Tag geht friedlich zu Ende, der völlig zerfetzte Reifen hängt wie eine Trophäe hinten auf Rose und wir freuen uns auf die Fahrt zum Strand am nächsten Tag… 🌊🐚🏖️
    Read more