• Es führt kein Weg dran vorbei: Albanien

    May 11, 2025 in Montenegro ⋅ ☁️ 22 °C

    Eine letzte Nacht im wunderbaren Matera. Ein letzter so gefühlt untouristischer Cappuccino im Café an der Straße gegenüber vom Appartment. Doch die Nachtfähre ist gebucht und Bari nicht weit - avanti! Mit ChatGPT mal kurz den weiteren Reiseplan besprochen und ab nach: Gravina. James Bond holt uns schon wieder ein, aber deswegen fuhren wir nicht hin: hier wurde die dramaturgisch in Matera verortete Szene gedreht, bei der sich Herr Bond mal eben spontan über eine historische Brücke abseilt und einige Stockwerke tiefer unsanft Kontakt mit einem Pfeilerchen aufnimmt.

    Der reiseführende Kollege von ChatGPT meinte, dass - gesetzt dem Falle, man hätte nur Zeit für einen Ort zwischen Matera und Bari - man Gravina nicht auslassen dürfe. Man kann über AI sagen, was man will, aber: Recht hat´se... Super-Tipp! Wir bestaunen aus der sicheren Perspektive des zentralen Café die fein gemachten Italiener:innen allen Alters, die nach der Messe aus der historischen Kirche am zentralen Platz in Gravina strömen. Um sich dem einen oder anderen Aperol oder Campari Spritz hinzugeben und viele, viele Worte auszutauschen. Und alleine das akustische Erleben dieser Sprache ist Musik in meinen Ohren. I love it. Und wünschte, ich könnte es auch sprechen. Ein Projekt für später...

    Wir müssen noch mit verkleideten Gravinesinnen ein Tänzchen überstehen, regionalen Wein und Gebäck probieren (denn es ist Muttertag...) und über mittalterliches Holperpflaster zum Bulli gelangen - mit Google Maps das kleinste Problemchen.

    Und Google führt uns dann auch mitten in ein Olivenhain-Anbaugebiet von immensem Ausmaß - wo wir inmitten herrlich duftender Olivenbäume kleine Erfrischungen zu uns nehmen, bevor wir Bari in Angriff nehmen.

    Und das mit dem Angriff war ernstgemeint: hier gilt es, die Ehre des Individualtouristen gegen den Kreuzfahrer zu verteidigen! Die engen Gassen von Bari ´s Altstadt werden geflutet von kopfhörertragenden Kreuzfahrtschifflern, die hinter Führerinnen herdackeln und und - watscheln. Nein, hier hat uns ChatGPT aus guten Gründen nicht hingeführt. Wir uns selber aber schon, weil wir dachten, wir wären schlau. Und würden ein nettes Lokal zur Prä-Fähren-Atzung finden. Touri-Fallen allenthalben, wir tappen rein und essen überteuerte Pasta und trinken warmen Weißwein und stellen wieder mal fest, dass der Geschmack von Google-Rezensenten nicht unbedingt der unsrige ist. Basta.

    Fähre geentert, Kabine okkupiert und 10 Stunde später empfängt uns die albanische Küste. Sonne: gut. Straßen: katastrophal. Die Hauptstadt: chaotisch. Wir flüchten. Tirana muss man nicht mögen. Und die Slums in der Peripherie der großen Städte auch nicht. Ebensowenig wie all´ der Müll, der dieses Land ziert. Gruselig. Wir flüchten nach Montenegro, wo wir über eine grandiose Schmalstraße am westlichen Ufer des Sees von Shkodra einen Platz zum Übernachten finden, der nicht weniger grandios ist: direkt am See. Alleine. Was für ein Genuss! Und die beste aller Platzfinderinnen verdient hierfür einen Orden, basta!
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