• Der Balkan fordert Kilometer....

    May 15, 2025 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ☁️ 18 °C

    Selbst der schönste Platz muss verlassen werden, auch wenn ich in diesem Falle die pseudo-sanitären Anlagen nicht vermissen werde...😝 Das Haus am See und die Strandkackkühe werden ohne uns auskommen müssen. Wir quälen eine Menge Feinstaub durch den alternden Dieselpartikelfilter und erklimmen die abenteuerlich steile Straße entlang der Westseite des wundervollen Skutarisees, aka Lake Shkodar. Gefühlt ist das eine einspurige Straße. Wenn einem dann ein Mercedes Sprinter (hoch, lang) mit einem 3-Meter-Anhänger entgegenkommt, wird es unentspannt. Zumal der Kollege sich natürlich nicht im Stande sieht, mit seinem Monstergerät zurückzusetzen. Gut, dass Jutta rechts - und damit über dem Abgrund - sitzt. 😁

    Der See ist veritabel ein biotopisches Juwel. Unbedingte Empfehlung, sollte es einen in diese Gegend verschlagen! Nach dem entnervenden Grenzübertritt von Albanien nach Montenegro (Hitze, Stau, bettelnde Damen aus Südosteuropa, hupende bayerische Weißwarenfahrer) erwartet uns jetzt der prototypisch extrem freundliche (ja, das war der Ironie-Modus) Grenzer von Montenegro nach Bosnien. Und die kontrollieren ja alle sowohl die Aus- als auch die Einreise. Ich fühle mich in meine Kindheit versetzt, in der auch die Fahrt nach Holland von solchen Spirenzchen gekrönt wurde. Wahrscheinlich verkleben die ganzen Abgase, die schön in Höhe der Fensterchens mit den Zöllnergrabschehändchen in dessen Kabine wehen, auch dessen Freundlichkeitssynapsen.

    Am See übrigens verengten sich meine Pupillen bei der routinemäßigen, visuellen Reifendruckkontrolle vor der Abfahrt: rechts schwächelt der Pneu. Vorne UND hinten. Was für Aussichten: Gefühlt am A+sch der Welt; Kompressor aus Gewichtsgründen zuhause gelassen. Super. Dann entsinnen sich meine schwächlich glimmenden Langzeitgedächtnisareale des Reifendichtmittels, das ich vor Jahren mal in die Technikschublade des ollen VW´s gepackt hatte. Kontrolle des Drucks beim Tankwart des Vertrauens ergibt in beiden Reifen ein Bar zuwenig. Mh. Flugs das Dichtmittel implantiert und Druck korrigiert: das wars. Wie gut, wenn man Reifendichtmittel in der Technikschublade hat: ich fahre nicht mehr ohne!

    Allerdings verbreitet Bosnien eine Menge Freude - was sowohl die Landschaft als auch den Straßenzustand betrifft. Aber das Beste kam noch: das Weingut / der Hof von Kazimir, einem mega-sympathischen, jungen Australier, der einer hier immer noch ansässigen Familie entstammt und vor wenigen Jahren beschloss, das noch in Familienbesitz befindliche Weingut zu neuem Leben zu reanimieren. Mit Bio-Wein, frischem Know How und einer Menge ansteckendem Enthusiasmus. Eine Weinprobe neben den Reben ist in der Abendsonne ein einziger Genuss. Der Alkohol weitet die Gefäße und den Blick in die ebenfalls wunderbar weite, an die Toskana oder Südfrankreich erinnernde Landschaft. Das.hat.Potenzial! Man kann ihm und seiner britischen Freundin nur viel Glück beim Aufbau dieses feinen Projektes wünschen. Tun wir und verbringen eine ruhige Nacht vor dem Weinkeller. Bis uns der Muezzin um 04:30 aus dem Schlaf reißt: die Sonne geht auf. Und dann muss der Muezzin ran. Es ist beeindruckend, wie einig in den vielen Dörfen und Städtchen Moscheen und Kirchen nebeneinander stehen. Geht doch!

    Auch in Mostar, wo wir mittags unser Auto beim betreuten Parken abgeben. Um dann den vollen Touristenschock erleben zu müssen: Ja, Mostar hat EINE historische Brücke, die alle kennen. Quasi die Rialto-Brücke des Balkans. Aber Mostar hat auch gefühlte ACHTHUNDERT Verkaufstände, die irgendwelchen in China produzierten Shice verkaufen. Du ahnst es: die Brücke in Glas, die Brücke in Textil, die Brücke als Lampe, Armband, Skulptur, Briefbeschwerer. Vielleicht noch ein Armband mit deinem Namen dazu? G-r-u-s-e-l-i-g. Da wird mir erst klar, welch einen Premiumjob die Stadtvorderen von Matera gemacht haben, in dem sie sowas verhinderten. Aber zum Glück spricht dich im Gegensatz zu anderen Ländern mit dieser Art des Touristenkommerzes hier wenigstens keiner ständig an, um dich von den Vorteilen seiner Brückenreliquien zu überzeugen.

    Pause in einer Mini-Kaffeerösterei, die eine wohltuende Oase in der Touri-Kirmes ist. Planungspause. Wo wollen wir hin? Juttas nächster Workshop droht und wir müssen spätestens Samstag in Nord-Kroatein sein. Also ab auf die Autobahn, die eine oder andere Grenze passiert und abends dann noch einen kleinen Sundowner-Cocktail: passt. Wir sind in Zadar. Juuute N8!🥂
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