• Das Nepal von Frankreich…?

    June 2, 2025 in France ⋅ ☁️ 23 °C

    Ich zitiere: „Saorge ist nicht die geschäftige Metropole, in der man an jeder Straßenecke ein Abenteuer erlebt. Sie ist älter als die Römer und wurde auf einer Höhe von 319 bis 2680 m an eine Klippe gebaut. Es gibt 400 Einwohner, ein paar Sehenswürdigkeiten und eine Bar. Die endlosen Ausblicke, die Geschichte, die kleinen Terrassen, die engen Gassen und die steilen Berghänge sind der Grund, warum Sie hierher reisen. Dies sind auch die Gründe, warum viele Menschen diesen Ort mit Tibet oder Nepal vergleichen“.

    Das klang spannend - und wir liefen hin. Dass dazwischen 16 km teils steilste Abstieg durch die raue Bergwelt der Seealpen lagen, haben wir erst mal wegignoriert. Aber was kann einem mit einem Frühstück aus leckerem Baguette 🥖, duftenden Croissants und der nicht aufzuhalten Motivation von zwei alten weißen Männern schon passieren?

    Ein letzter Blick auf den monströsen Bahnhof in St. Dalmas de Tende und wir tauchen in einen alpinen Eichenhain hinein und sind immer wieder fasziniert von den Ausblicken in die schroffen und teils dramatischen Seealpen. Stille umgibt uns, Vogelgezwitscher und das rauschen der vielen, eiskalten Bäche, während wir uns Meter um Meter in die Höhe schrauben. – tatsächlich eine Idylle.

    Und diese spiegelt sich wieder in den kleinen Dörfchen, die sich wie Adlernester in die Berge schmiegen – so klein, dass sie nicht mit Autos befahren werden können und voll mit poetischen und ungewollten (?) Installationen von Blumen, verrosteten Tischen und Stühlen und dem ein oder anderen uralten Dorfbrunnen – natürlich unweit einer romantisch–morbiden, kleinen Kirche.

    Immer wieder stelle ich mir vor, wie es wäre, Jahrzehnte in einem dieser Dörfer zu leben. Schwer vorstellbar. Und doch ist die Ruhe hier verführerisch; man kann den Rhythmus des Lebens spüren als etwas, was hier einfach stattfindet und nicht kontrolliert wird von Uhren, Schaltern, digitalen Geräten.

    Beine werden schwer, Füße brennen. Das Ziel im Tal – die verschlafene Stadt Fontan – ist bereits sichtbar, erscheint jedoch in weiter Ferne und unsere müden Gehirne kalkulieren, wie viele brennende Schritte es noch braucht, um zu einem kühlen Erfrischungsgetränk zu gelangen.

    Doch jede Wanderung hat ein Ende und wir lassen uns erschöpft auf die Wartebank des Minibuses fallen, der uns nach Saorge bringen wird – diesem wunderschönen, verwunschenen, halb verlassenen Ort, der manchen verführt, dies hier als Nepal von Frankreich zu bezeichnen.

    Die Stadt umschließt uns charmant, verführt uns irrlichternd in ihre engen Gassen und wir schaffen es tatsächlich, mitten in diesem verschlafenen Habitat einen Kaffee zu ergattern. Was für eine Wohltat! Die Eiskugeln und das kalte Bier lasse ich unerwähnt.

    Es kann so einfach sein: abends kocht Lukas, unser Gastgeber, ein köstliches Dreigänge-Menü und wir sind einfach nur: zufrieden!😃
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