• 2026-03-21

    March 21 in Uzbekistan ⋅ ☁️ 7 °C

    2026-03-21

    Der Urlaub nähert sich seinem Ende. Leider. Ich habe viel gesehen, viele Informationen prasselten auf mich ein. Ich habe wahrscheinlich tausende von (Panorama) Fotos gemacht. Stundenlang Megabytes belichtet und doch … habe ich das Land wirklich gesehen? Ich glaube nicht. Man ist in so einer Reise in einer Bubble. Die spricht Deutsch. Denkt Deutsch. Kontakt zu der Bevölkerung? Nahezu Fehlanzeige. Die Kontakte beschränken sich auf das bedient werden oder sind zu Verkäufern. Ganz selten kommt es in der Freizeit, von der man fast keine hat, zu kurzen, echten Kontakten. Wie gestern zu dem kleinen Jungen welcher mir plötzlich die Hand hirnstreckte und ich sie ihm schüttelte. Dazu braucht man keine Worte. Körpersprache ist international. Doch Worte braucht man doch, wenn man wirklich Sachen ausdrücken will. Und da beginnt ein Problem. Auch wenn ich vor dieser Reise versucht habe Russisch zu lernen und mir auch während der Reise wieder genug einfiel um einiges zu verstehen, so musste ich doch feststellen, dass 35 Jahre (Unabhängigkeittag Usbekistans von der Sowjetunion: 31. August 1991) nach dem Zerfall der Sowjetunion die russische Sprache bei weitem nicht mehr so stark verbreitet ist wie ich das annahm. Zwar wird die Sprache noch hier und da, besonders unter Reiseleitern, gesprochen und einige Leute verstehen sie auch, aber von einem flächendeckenden Durchdringung kann nicht die Rede sein. Und das obwohl sie nach wie vor intensiv gelehrt wird. So sagte es mir zumindest Shavkat (So wird er geschrieben. Habe seit gestern seine Visitenkarte), unser Reiseleiter. Die Usbekische Sprache (von der ich keine Ahnung habe. Nur Danke: “Rachmat” kann man sich als ehemaliger Schachspieler gut merken.) dominiert und auch Englisch geht ganz gut. Wenn ich aber nach meiner Nationalität gefragt werde und mit “ Я немец” (Ich bin Deutscher) antworte, erwartete mich regelmäßig ein fragendes Gesicht. “German” soll wohl helfen. Doch das erfuhr ich erst heute.
    Auch die Frage nach der Fahne für meinen Kollegen (heute, an Newroz (Persisches Neujahrs und Frühlingsfest), habe ich tatsächlich auf dem Markt welche gesehen), die ich mir (da ich an mir selbst zweifelte) vom Handy übersetzen ließ, stieß regelmäßig auf Unverständnis. Also entweder ist meine russische Aussprache so schlecht wie die Aussprache der meisten Inder in Englisch (da versteht man oft kein Wort :-) ) oder hier ist die Sprache wirklich auf den absteigenden Ast. Ich persönlich finde das Schade. Auch wenn Russland, spätestens seit dem Beginn der Krieges gegen die Ukraine, nicht gerade mehr die größte Fanbase hat, so ist daran ja nun die Sprache völlig unschuldig und das russische, einfache Volk erst recht. Die Russen sind, so wie ich sie kenne, ein recht nettes Volk. Genaueres gibt es, wenn der Krieg vorbei ist, die Beziehungen sich normalisiert haben und ich hoffentlich mal hinreisen kann.
    Die russische Sprache deckte, als Zweitsprache, einen riesigen Raum der Welt ab und wir sollten sie als Weltsprache erhalten. Die unterschiedlichen Sprachen der Welt sind ohnehin wahrscheinlich einer der Hauptgründe für die Spannungen und Kriege. Denn, sind wir ehrlich, welches Volk will schon Krieg? Nur weil wir uns nicht verstehen können haben die Herrschenden die Chance uns gegeneinander aufzuhetzen.

    So. Ende des nachdenklichen Teiles. Was haben wir heute gemacht?

    Heute bewegten wir uns ausschließlich zu Fuss. Zuerst nur über die Straße. Die “Shahi-Zinda-Nekropole” befindet sich praktischerweise direkt am Hotel. Eine wirklich imposante Ansammlung von Mausoleen verschiedener Herrscher und auch eines Baumeisters (so habe ich das zumindest verstanden). Es ist schon interessant wie konseqent der Islam gegen seine eigenen Bestattungsvorschriften verstößt. Unser Reiseleiter informierte uns darüber, dass es eigentlich, dem Koran zufolge, nach einer gewissen Zeit kein sichtbares Grab mehr geben solle. Ich glaube ihm dies einmal, da wohl seine Korankenntnisse recht gut sind. Das Internet ist dazu allerdings keine echte Hilfe. Egal. Es hält sich niemand von den Herrschenden daran. Das zeigt die große Anzahl von gigantischen und reich geschmückten Mausoleen im Land.

    Danach geht es zur “Bibi-Khanum-Moschee”. Sorry, liebes Land, ich kann keine Moscheen mehr sehen.

    Kultur Overload. Error.

    Danach wird es etwas entspannter. Basar und Shopping sind angesagt. Hier gelingt es mir noch, einige Reisemitbringsel zu organisieren. Es irritiert mich aber das meinem Versuch zu Handel (ich hatte mir extra dafür in der Nacht eine Umrechnungstabelle in AndrOpen Office (Open Office für Android) erstellt) sofort nachgegeben wird. Das kann nur heißen, dass ich immer noch zu viel bezahlt habe. Und dabei war es schon wenig.

    Nachdem wir uns alle wieder mit unserem Reiseleiter in einem Cafe getroffen haben und ich einen, wirklich hervorragenden, Espresso trinken durfte geht es nun erst einmal in das Hotel zum Einkäufe deponieren und dann endlich da hin, weswegen die Meisten wahrscheinlich hierher gekommen sind: dem Registan Platz. Wir treffen dort einzeln ein. Ich muss ganz schön hetzen um die zwei Kilometer in der halben Stunde zu schaffen. Shavkat und der Rest der Truppe ist definitiv deutlich später aufgebrochen. Als ich pünktlich, 10:45 Uhr (?) in der Lobby ankam, saß er noch ganz entspannt mit seinen Söhnen dort und von den Anderen war nichts zu sehen. Er meinte nur, ich solle schon mal vorgehen, da ich sicherlich viel zu fotografieren hätte. Mit fotografieren war nichts und ich hatte Probleme mich im Geschwindschritt durch die ganzen feiernden Einheimischen (heute war Feiertag und alle waren wohl auf den Beinen um diesen zu begehen) zu drängeln. Durchgeschwitzt kam ich am Registan an. Der ist übervoll mit Menschen. Wie soll ich die Anderen hier finden? Die einzige Information welche ich gehört hatte, war: “11:15 am Registan”. Hilflos suchen meine Augen die Gesichter der Menschenmasse ab. Dann kommt mir der rettende Gedanke. Sicherlich treffen sie sich dort wo wir die Fotos gemacht haben. Und so ist es dann auch. Bisher sind zwei da. Shavkat fehlt noch, kommt aber nur wenige Minuten später mit dem Rest. Falls sie nicht eines der Elektrowagen genommen haben, welche hin und her pendeln, kennt er eine ordentliche Abkürzung, die Google nicht kennt. Ich kenne die Geschwindigkeit unserer Truppe und unter einer dreiviertel Stunde hätten sie die zwei Kilometer nicht bewältigt.

    Nun geht es aber endlich auf den Registan Platz, welcher übrigens Eintritt kostet. Auch hier gibt es wieder Gebäude zu besichtigen. Medrese? Moschee? Ich weiß es nicht mehr. Was ich weiß ist, dass wieder überall Händler zu finden sind die immer das Selbe verkaufen. Ich habe alles. Als Shavkat uns allerdings einen Kalligraphen vorstellt und er uns darüber informiert dass dieser auch auf Kundenwunsch arbeitet, kann ich nicht widerstehen. Ich lasse mir etwas Tierhaut (das Spendertier habe ich vergessen. Ziege? Schaf?) beschriften. Was da hoffentlich steht weiß nur ich und will ich hier auch nicht verraten.

    Anschließend treffen wir uns noch mal alle und Shavkat verkündet dass das offizielle Kulturprogramm nunmehr zu Ende ist. Wir treffen uns morgen früh. Abendbrot gibt es 18:30 Uhr. Wir können nun zum Hotel oder individuell die Gegend erkunden. Ich entscheide mich für individuell und beginne endlich Urlaub zu machen wie ich mir das vorstelle. Tauche in die Kultur ein. Setze mich in ein Straßencafe und genieße in Ruhe einen Tee und einen Fleischspieß. Beobachte die Leute und fühle mich pudelwohl. Hier komme ich sogar mit Russisch gut durch.

    Wenn ich es mir leisten kann, meine Russisch Kenntnisse ausreichen sind und die Gesundheit mitspielt, werde ich wahrscheinlich noch einmal hierher kommen. Dann aber ohne Gruppe, ohne Terminstress. Nur das erste Zimmer buchen und dann eintauchen. Das kann schief gehen, doch ich werde hoffentlich das Land und die Bewohner kennenlernen. Moscheen, Museen und Mausoleen stehen dann eher nicht auf dem Programm.

    Nach dem Abendbrot geht es ins Bett.

    Das war's für heute. Ich schreibe diesen Text am 22. März am frühen Morgen und muss Koffer packen.
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