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Usbekistan 2026

Nach vielen Jahren des Wartens geht es nun endlich nach Usbekistan. Der letzte Versuch war 2020 ... und dann kam CoVid! Read more
  • Trip start
    March 12, 2026

    2026-03-12 und 13

    March 14 in Uzbekistan ⋅ ☀️ 3 °C

    Donnerstag,der 12 und Freitag der 13. März 2026

    Die große Reise nach Usbekistan beginnt. Ich habe etwas Panik vor dem Hinkommen. Das Flugzeug hatte ich eigentlich, aus Gründen des Klimaschutz, als Transportmittel abgewählt. Zu hoch ist der CO2 Fußabdruck. Da die Menschheit aber ihren eigenen Untergang gewählt hat, der Verbrauch von fossiler Energie nach wie vor steigt und viele Menschen den Klimawandel komplett leugnen bin ich zu dem Schluss gekommen dass es in wenigen hundert Jahren ohnehin zu heiß sein wird auf der Erdoberfläche zu leben. Selbst wenn wir heute aufhörten mehr CO2 zu emittieren. Die ersten Wirkungen würden sich in frühestens 50 Jahren bemerkbar machen. Bis da hin sind die ersten Kipppunkte sicherlich schon Geschichte und der Prozess ist unumkehrbar.

    Und nach Vernunft sieht was auf diesem Planeten gerade nicht aus. Ich werde uns Alle nicht mehr retten. Dann kann ich auch Reisen.

    Ines und ich starten kurz nach 8 Uhr vom Bahnhof Alsbach in Richtung Frankfurt am Main. Dort verabschieden wir uns für die nächsten zwei Wochen voneinander. Ich muss zum Flughafen, sie zum nächsten Zug.

    Bis zum Flughafen befinde ich mich auf bekanntem Territorium. Züge. Dann wird es schwierig. Allein das Suchen nach dem Weg zum Terminal 2, was zwar ausgeschrieben, aber für mich irgendwie nicht zu finden ist, gestaltet sich für mich sehr schwierig. Es soll da eine Bahn geben … ich finde sie nicht. Aber wenigstens einen Shuttlebus.

    Am richtigen Terminal gelingt es mir auch, mittels eines Mitarbeiters am Selbst-Check In an mein Ticket zu kommen. Der Koffer wird auch gleich gelabelt und anschließend von mir abgegeben. Auch werden mir weitere Instruktionen gegeben. So mag ich das. Es erleichtert mir den weiteren Fortgang erheblich und glücklicherweise gelingt es mir auch Wasser zu organisieren ohne ca. 4 Euro für eine Miniflasche auszugeben.

    Nachdem das Problem und auch die Getränkerückgabe erledigt ist kann ich das Handgepäck durch die Sicherheitskontrolle schleusen. Bis ich den Gürtel wieder eingefädelt und alles wieder korrekt in den Rucksack zurück gestapelt habe ist bestimmt eine halbe Stunde vergangen. Dann geht es aber zum Gate und, welch Überraschung, man kann sich in dem Bereich setzen. Hinter der Absperrung an der „Bordkarten Kontrolle“ (oder so) steht. Warum das so ist begreife ich erst als wir alle wieder hinauskomplimentiert werden um dann wirklich eine Kontrolle durchzuführen. Nachdem das erledigt ist dürfen wir nun auch, gestaffelt nach Platznummern, einsteigen. Es wäre clever den Leuten zu sagen wie die Reihennummern im Flugzeug von den Sitznummern abhängig sind. So wäre es logischer dass z.B. 17F in Reihe 17 liegt und man sich damit bei irgendwas dazwischen anstellen muss. Nicht jeder begreift das und auch ich war mir nicht sicher. Reihen stehen nicht auf dem Ticket.

    Mit einer halben Stunde Verspätung heben wir ab und nach unendlichen 6 Stunden mit viel zu viel Essen und viel zu wenig Platz landen wir endlich in Tashkent. Die Route führte uns über feindliches (Russland) Gebiet. Wir wurden nicht beschossen. Zumindest habe ich nichts bemerkt.

    Gleich hinter der Passkontrolle kaufe ich eine lokale Sim Karte für 6 Euro. 25 GB sollen drauf sein.

    Der Koffer kommt schneller als gedacht vom Band und so kann ich die Sicherheitszone verlassen und nach dem Reiseleiter fahnden. Dies gestaltet sich schwieriger als gedacht, da wir zu früh gelandet ist und er noch gar nicht mit uns gerechnet hat. Vorher werde ich allerdings von mindestens einer handvoll Taxifahrern (oder welche welche es von sich behaupten) angesprochen ob ich denn nicht ein Taxi möchte.

    Nun geht es mit dem Bus in das Shamsan Hotel. Weit weg vom Zentrum. Im Moment ist uns das alles vollkommen egal. Wir müssen schlafen. Die Zeit hier liegt 4 Stunden von der Mitteleuropäischen entfernt. Hier ist es vier Stunden später als in Deutschland. Wir sind putzmunter, die Einheimischen kämpfen mit dem Schlaf. Das wird sich in wenigen Stunden ändern. Wir haben vielleicht vier Stunden bis zum Frühstück.

    Nun haben wir also:

    Freitag den 13. März

    und es gelang mir doch tatsächlich gegen halb 8 Ortszeit, also nach 4,5 Stunden Schlaf, zum Essen aufzutauchen. Außer unserem Reiseleiter ist um die Zeit noch niemand da. Ich bin schon fast fertig als die ersten der Mitreisenden auftauchen. Gegen 11 Uhr geht es los.

    Mit dem Bus fahren wir in das, etwa 11 km entfernte, Zentrum der Stadt. Zuerst brauchen wir Geld. Alle. Darum fährt man uns zu einem Hotel welches eine Wechselstube beherbergt. Ich schaffe es als Erstes an den Schalter und tausche erst einmal 40 Euro in Usbekische Sum. Für meine zwei Scheine bekomme ich ein großes Bündel bedrucktes Papier welches an Inflationsgeld erinnert. Der Kurs ist 1:14109 – etwa.

    Man nimmt übrigens nur perfekte Scheine. Selbst der aller kleinste Riss führt zu Ablehnung.

    Anschließend geht es zum „Museum für angewandte Kunst“ welches sich in einem, wirklich sehr schön verziertem Haus befindet. Dieses wurde von einem sehr reichen Mann erbaut … oder wenigstens finanziert.

    Er war kein Moslem, konnte sich den örtlichen Gewohnheiten aber nicht entziehen. Aus versehen wurde so die Gebetsnische in die falsche Richtung gebaut. Das Museum zeigt einheimische Handwerkskunst welche durchaus ansehnlich ist. Interessanter sind allerdings sie Ausführungen unseres Reiseleiters.

    Nach dem Kulturteil laufen wir zum Unabhängigkeitsplatz, dem ehemaligen Leninplatz. Wie so ein Platz zu Ehren des „großen Arbeiterführers“ in der Sowjetunion auszusehen hatte ist auch dieser: groß und eindrucksvoll. Leider sind die Springbrunnen noch nicht in Betrieb. Das sieht sicherlich sehr schön aus.

    Der nächste Schritt ist eine Fahrt mit der Metro. In Zeiten der Sowjetunion, so erklärt uns unser Reiseleiter, durften nur Städte mit über einer Million Einwohnern eine Metro besitzen. Die Stadt stellte die Anträge quasi am Tag der Geburt des Bürgers 1.000.000. Kurze Zeit später begann der Bau und nach wenigen Jahren war die erste Linie fertiggestellt. Ob man in Deutschland schon den Antrag vom Stapel genommen hätte als die ersten Bürger eingestiegen sind? Ich wage es zu bezweifeln.

    Die Metro-Stationen sind, wie das für sowjetische Metros üblich ist, sehr schön. Mosaiken an den Wänden fehlen mir allerdings schon ein wenig.

    Das Ticket gilt für unendlich viele Fahrten am Tag. Sofern man nicht zwischendurch zum Tageslicht aufsteigt. Kontrolliert wird am Eingang der Bahn. Das ist im Einzugsbereich der ehemaligen Sowjetunion so üblich. Dass es hier (wie übrigens fast überall) peinlich sauber ist brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Graffiti, Obdachlose und ähnliche Sachen sieht man hier nicht. Wie auch immer das Problem gelöst wird. Es ist sehr effektiv. Ob es hier überhaupt Obdachlose gibt? Ich bezweifle das.

    Übrigens: Auch wenn die U-Bahn extrem belastet ist und man sich kaum hineinquetschen kann. Hier sind alle diszipliniert und koordiniert. Kein größeres Gedrängel, kein Fluchen, Verhalten von Menschen wie man es sich auch in Deutschland wünschen würde. Selbst die Jungen sollen ihren Platz für die Alten frei machen. Gibt es das in Deutschland noch?

    Am Ende der Metrofahrt, welche wir an der Station „Chorsu“ verlassen geht es auf einen eindrucksvollen Basar mir tausenden von Waren. Ehe wir uns da komplett hineinstürzen geht es aber erst einmal etwas essen. Das Essen schmeckt allen und das Brot wird seinem Ruf gerecht, auch wenn es nicht direkt aus dem Ofen kommt.

    Nachdem wir den riesigen, in einem kreisrunden, kuppelförmigen Gebäude residierenden, Markt besucht haben und erfolgreich alle „Safran“ (Safflor) Verkäufer abgewiesen haben (den Datteln konnten dann doch nicht alle widerstehen) geht es nun zum „Zentrum für Islamische Zivilisation“, einem eindrucksvollen, aber in großen Teilen neu errichteten, Komplex von Moscheen und Medresen (Koranschulen). Da Freitag ist und das Asr-Gebet (Nachmittag) ansteht ist unser Aufenthalt zeitlich begrenzt. Mich persönlich stört das nicht. Ob es Allah gefallen würde? Ich weiß nicht, ob er zu seinen Ehren eine solche Geldverschwendung gutheißen würde. Das Problem haben aber alle Religionen.

    Jetzt sind wir aber so richtig durch und der Abend droht. Es geht zurück zum Hotel und zum Abendbrot essen. Morgen geht es extrem früh raus.
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  • 2026-03-14

    March 15 in Uzbekistan ⋅ ☁️ 11 °C

    Samstag der 14.03.2026

    Viel mit Schlaf ist wieder nicht. Der Zug fährt schon 08:00 Uhr und damit müssen wir schon um 7 Uhr vom Hotel mit dem Bus losfahren. Das heißt: sehr früh aufstehen und das mit dem gesamten Gepäck. Den Koffer können wir zwar im Hotel (in einem Gepäckraum) stehen lassen, das Handgepäck muß aber mit. Und da bei mir fast alles Technik ist ist auch fast alles Handgepäck. Der Rucksack ist also voll und der Koffer leer. Aber erst muss er noch gepackt werden und das passiert um 3 Uhr. Erst als ich fertig bin habe ich wieder Ruhe. Ich lege mich also noch einmal hin und werde dann vom offiziellen Weckruf des Hotels um 04:30 Uhr geweckt. Auf geht es und ich bin tatsächlich als Erster unten. Koffer zur Aufbewahrung gegeben, Schlüssel abgegeben und dann auf die Anderen gewartet. Der Speisesaal hat ohnehin noch nicht auf.

    Nach dem Frühstück begeben wir uns schnell zum Bus welcher uns zu Bahnhof bringt. Nach der Sicherheitskontrolle haben wir noch etwas Zeit. Ich sehe einen Stand von Ucell und gemeinsam mit unserem Reiseleiter bekommen wir heraus warum meine Sim-Karte keine Daten liefert. Die Mädels am Flughafen hatten wohl gar kein Guthaben aufgebucht. Ich will keine Absicht unterstellen. Wahrscheinlich waren sie nur komplett übermüdet. War ja gegen 1 Uhr.

    Mit Unterstützung unseres Reiseleiters gelingt es mir (oder eigentlich ihm) mir eine neue Karte freischalten zu lassen. Diese kostet auch nur 6 € und hat ein Datenvolumen von 140 Gigabyte! Das sollte reichen.

    Der Zug fährt uns in etwa sechs Stunden nach Marg'ilon im Fergana-Tal. dies ist das dicht besiedelste Gebiet Zentralasiens und erstreckt sich außerdem noch in den Ländern Kirgisistan und Tadschikistan.

    Laut Wikipedia ist es etwa 300 km lang und bis zu 110 km breit. Hier wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Auch wenn dies um diese Jahreszeit nicht so aussieht.

    Die Errungenschaften dieser Bodenbearbeitung werden wir auch im Laufe des Tages oft genug genießen können. Zuerst einmal werden wir zur einer Seidenweberei gebracht und können dort die mühsame Arbeit der Textilbearbeitung sehen. Die maschinelle Unterstützung wird uns eher nicht gezeigt sondern harte Handarbeit. Die Ergebnisse dieser schweißtreibenden Arbeit lassen sich sehen und natürlich auch kaufen. Meine Schränke zu Hause sind mehr als voll und die von Ines auch.

    Mehr Erfolg hatte der Samsa Stand vor der Tür, bei welchem fast alle mindestens eine der leckeren, mit Fleisch gefüllten, Teigtaschen erstehen ... und uns anschließend fast den Mund verbrennen.

    Anschließend geht es wieder auf einen Bauernmarkt und ich frage mich wie viele Menschen es braucht um diese ganzen Nahrungsmittel zu verspeisen. Alles ist frisch und sieht verlockend aus. Ich nehme mir einmal eine kleine Menge von frischen Dill und koste ihn. Jetzt weiß ich wie das schmecken kann. außerdem lernen wir wie man Weintrauben auch nach Monaten noch frisch erhält. man schneidet sie einfach mit einem größeren Teil von Ast ab und steckt diesen dann in immer frisches Wasser. Schmeckt wie gerade geerntet obwohl es schon vor Monaten vom Strauch entnommen wurde.

    An dem hervorragenden Brot, welches nicht einmal 50 Cent pro Stück kostet, können wir natürlich auch nicht vorbeigehen. verhungern tut man hier in diesem Land sicherlich nicht. es gibt die besten Nahrungsmittel frisch und nicht konserviert. Die Menschen sind nett, auch wenn wir uns nicht sehr gut verstehen. Englisch funktioniert ganz gut, Russisch nicht nicht immer. Ich kann mir nicht vorstellen dass dies an mangelnden Sprachkenntnissen (die gibt es aber auf meiner Seite) liegt sondern eher an der Freude über die Unabhängigkeit von Russland.

    Als nächstes werden wir in einer Keramikwerkstatt gebracht um dort die, natürlich manuellen, Herstellungsprozesse von Haushaltsgegenständen aus Ton (?) zu bewundern. natürlich können auch hier die Produkte erworben werden und sie sind wirklich wunder, wunderschön. Ich weiß aber genau dass ich zu Hause nicht auf Gegenliebe stoßen würde ihre einer dieser wunderschönen Teller oder eine Schale in meinem Handgepäck. Trotzdem kann ich nicht komplett widerstehen und kaufe einen Eierbecher für 5 €. Die Preise sind für usbekische Verhältnisse sicherlich sehr teuer. Für deutsche Verhältnisse angemessen. Immerhin handelt es sich hier tatsächlich um Handarbeit und auch um Handbemalung.

    So langsam sind unsere, ohnehin nicht recht vollen, Akkus am Ende. Der letzte Stopp in einem kirgisischen Dorf, bei eine kirgisischen Familie, hätte für die Meisten sicherlich nicht mehr sein müssen und wurde doch zu einem der Höhepunkte des Tages. Die Kinder auf den Straßen (wir mussten hin laufen) waren sehr süß mit ihren kirgisischen Gesichtszügen, die Familie war sehr, sehr sehr gastfreundlich und zeigt uns die Herstellung von Filz. Außerdem durften wir eine echte Jurte (wenn auch eine kleine) betreten und konnten die sehr mühsame Erstellung eines breiten, farbenfrohen, Bandes beobachten welche von der Hausfrau auf einem sehr einfachen manuellen Webrahmen erstellt wurde. Webrahmen ist vielleicht für die Konstruktion zu hoch gegriffen. das Band wird später um die Jurte gespannt. Ich vergesse bestimmt einiges. Es ist viel zu viel Information welche auf einen einwirkt.

    Dass es auch noch einen kleinen Imbiss gab möchte ich auch noch erwähnen. Dabei wurde sogar Musik auf der Maultrommel gespielt. Irgendwie bekommt man immer etwas zu Essen angeboten und es ist schwierig die Gastfreundschaft nicht zu verletzen. Alle sehr, sehr nett hier.

    nach dieser Station ist der offizielle Tag beendet und es geht zum Abendessen. dieses findet aber nicht im Hotel statt sondern einige 100 m weiter entfernt. Wir werden in ein separates Zimmer gebeten in welchem ein runder Tisch festlich gedeckt ist und nehmen Platz. Plötzlich hören wir laute Musik vom Gang und neugierig schauen wir was da los ist. Es dauert nicht lange und wir befinden uns auch in dem Raum und klatschen im Rhythmus der Musik. Wir sind plötzlich direkt in die Geburtstagsfeier einer jungen Frau geraten. Wer die Sitten kennt weiß: hier kommt man nicht so schnell wieder weg.

    Ich stand Gott sei Dank an der Tür und nahm die erste Gelegenheit zum Verlassen des Raums war. Die anderen schaffen es vielleicht nach einer viertel bis halben Stunde. Erst dann können wir zu Abend essen. Auch nach unserem Essen bleiben zwei noch ein Weilchen dort. Wie lange? Ich weiß es nicht. am nächsten Morgen standen sie auf jeden Fall „Gewehr bei Fuß“.
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  • 2026-03-15 - Sonntag - Fotos fehlen noch

    March 16 in Uzbekistan ⋅ ☀️ 16 °C

    2026-03-15 – Sonntag

    Heute ist Sonntag und zu Hause, in Deutschland wird gewählt. Meine Stimme ist schon lange per Post abgegeben worden. So kann ich gemütlich ausschlafen und muss nicht, wie ich das sonst tue, gleich zu Öffnung des Wahllokals dort sein. Irgendwie versuche ich noch immer an die Demokratie zu glauben.

    Nach dem Aufstehstress gestern hat man uns heute eine kleine Atempause zugestanden. Wir müssen erst gegen 9 Uhr losfahren. Daher wollte ich mich etwa um 4 Uhr wecken lassen damit ich Tagesberichte schreiben und Fotos ausschneiden und sortieren. Der Wecker hat nicht geklingelt. Um 8 Uhr werde ich von selbst munter. Das reicht gerade so um den Rucksack wieder zusammenzupacken und zum Frühstück zu gehen. das Frühstück fällt also entsprechend kurz aus. Allerdings habe ich ohnehin nicht den geringsten Hunger.

    Zuerst ist heute der „Friedhof der Khane“ dran. Also so etwas wie der Friedhof der Fürsten. Ich erwarte mir davon nichts Spannendes und werde daher auch nicht enttäuscht. Allerdings erfahren wir durch unseren Reiseleiter einige interessante Informationen zum Islam und den erlaubten Beerdigungsitten. dabei stellt sich heraus dass auch im Islam die Regeln andauernd wieder gebrochen werden. so sehen wir zum Beispiel viele Stellen wo später Angehörige beerdigt werden sollen. dies ist noch islamischen Recht wohl nicht zulässig. Außerdem sollen alle Gräber nach einer gewissen Zeit komplett eingeebnet werden. Daran hält sich wohl der Islam schon seit Mohammeds Zeiten nicht mehr. für mich ist die (vermeintliche Grabstätte) einer Schriftstellerin interessant welche sich für die Rechte der Frauen im Islam einsetzte. mit frauenrechten ist es nämlich im Islam sehr schlecht gestellt Punkt man könnte auch sagen: sie existieren nicht. Diese Frau wurde von ihren Gegnern grausam umgebracht indem man sie tagelang in einem Dampfbad kochen ließ. Als sie ihren Tod vor Augen hatte hat sie sich wohl die Adern aufgeschnitten und mit ihrem Blut ihre Gedichte an die Wände des Hamam geschrieben. Ein letzter Kampfesgruß an die Männer da draußen. Ihre Bücher scheinen wohl nicht in das Deutsche übersetzt zu sein. Ich konnte sie bei Amazon nicht finden. Ihr Name war wohl Nordira Begin. Sicherlich habe ich den Namen wohl falsch in das lateinischer Alphabet übertragen denn selbst im, ach so klugen, Internet findet die KI diesen Namen nicht. Ich habe unseren Reiseleiter dem genauen Namen gefragt. So muss er etwa gewesen sein.

    Am Ausgang des Friedhofs überrascht uns eine Stelle, an der Schamanen ihr Werk vollbringen. Unter gebeten und abklopfen des Körpers mit einem, mit Sand gefülltem, Säckchen vertreiben sie die bösen Geister aus dem Körper. Der böse Geist soll in den Sand übergehen welcher sich auch verfärbt. Sagt uns zumindest der Reiseleiter. Gesehen habe ich es nicht. Nachdem einer Touristin sich dieser Prozedur unterzogen hat, konnte auch ich nicht widerstehen und musste natürlich die Unmöglichkeit einer solchen Wunderheilung beweisen. Ich bin ja Agnostiker und Glaube an solche Sachen nicht.

    Erstaunlicherweise waren meine Rückenschmerzen nach der Klopfmassage tatsächlich verschwunden und sind bis jetzt auch noch nicht wirklich wieder aufgetaucht. Allerdings hatte ich mir die Heilung von meiner Diabetes gewünscht. So groß waren die Wunder leider nicht. Meine Werte sind immer noch im tiefroten Bereich. Kein Wunder bei dem viel zu reichlichen Essen und der Art der Nahrung hier. Außerdem ist geregelter Schlaf Luxus.
    Schade. Wird wohl doch die Insulinspritze mein Schicksal werden.

    Von dieser Behandlung, wo es auch eine Videoaufnahme gibt, geht es nun zu dem „Xodarai Khan Palast“. Von der Entstehung des Palastes und den, für mich als aufgeklärten Mitteleuropäer kaum zu tolerierenden, Umgang mit Frauen, wird uns hier berichtet. Außerdem erfahren wir viel über die Seidenstraße und ich musste feststellen dass die Reisezeit doch nicht so lange war wie ich annahm. Etwas über ein Jahr hat eine Strecke vielleicht gebraucht. Schaffkat, unser Reiseleiter, hat im Rahmen eines Experimentes im letzten Jahrhundert die Reise selbst gemacht und 14 Monate dafür gebraucht. Leider gibt es von dem Versuch keinen zugreifbaren Film. Einzelne Teile des mehrteiligen Dokumentationsfilms sollen wohl noch vorhanden sein. Ein Zugriff ist aber unmöglich da wohl verschiedene Länder die Rechte nicht mehr verkaufen. Da will wohl ein Land wieder besser aussehen als das Andere. Zusammenarbeit ist nicht sehr gefragt, so scheint es mir.

    Nach dem Palast geht es nun mit dem Auto (wir fahren heute mit drei Vans) hinauf in Richtung Gebirge. auf einem Parkplatz wo es natürlich wieder viel zu essen gibt, kaufe ich einen neuen Kopfhörer. Meiner hat auf der rechten Seite wohl den Geist aufgegeben. Der neue Kopfhörer ist zwar qualitativ im 2-euro-Bereich einzustufen, funktioniert aber wenigstens. Klingt eben wie ein Mittelwellenradio.

    wir fahren immer höher in die Berge und bald sieht es aus wie in den Alpen. auch Schnee liegt auf den Gipfeln. Es ist nicht sehr kalt. Die Jacke braucht man trotzdem.

    Von dort geht es schnurstracks zurück nach Taschkent. Am Ende machen wir noch einmal einen, nicht im Programm stehenden, Stopp bei einer russisch-orthodoxen Kirche. Dann ist aber wirklich Hotel und essen (schon wieder) angesagt.

    Unser Flieger fliegt morgen früh um Sieben. Zwei Stunden früher müssen wir da sein. Das heißt: 4 Uhr ausstehen. 4:30 Uhr Frühstück. Jetzt gerade (ich bin seit 2 Uhr, also nach drei Stunden Schlaf) wach. Klingelt der Wecker. Auf geht es.
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  • 2026-03-16 – Montag

    March 16 in Uzbekistan ⋅ ⛅ 15 °C

    2026-03-16 – Montag

    Mann oh Mann. So langsam wird es wirklich schwer die Tage zu rekapitulieren. Zu viel passiert in viel zu wenig Zeit. Für manche Urlaube sollte man lieber viel mehr Zeit einplanen und sie vielleicht individuell und mit guten Sprachkenntnissen machen. Dieses Land scheint dazu gehören.

    Der Wecker klingelte sehr, sehr früh. So weit ich mich erinnere habe ich mich nach drei Stunden um zwei Uhr wecken lassen um noch an den Tagesberichten zu arbeiten. Doch erst wurde der Koffer gepackt und dann getippt. Um vier stoppte mich dann der Weckruf des Hotels. Also Tablet eingepackt und runter zum Essen. Wer hat um die Zeit Hunger? Ich nicht.

    Nach der Tasse Milch (die Kaffeemaschine hat gesponnen und warf mir die Milch aus, welche meine Vorgängerin vermisste) und etwas Obst, Wurst und Nüssen (Kohlehydrate verweigerte ich absichtlich) ging es dann auch schon zum Bus und mit dem zum Flughafen. Dort wieder die üblichen Abfertigungsprozeduren und Sicherheitschecks welche mich so unendlich nerven. Fast zwei Stunden Sicherheitschecks und Gepäckbearbeitung für etwas mehr als eine Stunde Flug. 07:09 Uhr startete die Maschine ab Tashkent und um 08:25 berührte sie in Urgench wieder den Boden. Dazwischen lagen, laut Oruxmaps um die 700 km. Wenn man den ganzen Vorbereitungs- und Sicherheitskram einberechnet wäre ein Schnellzug nur minimal langsamer. So in Superzug, welcher um die 500 km/h schafft, wäre wohl sogar überlegen.

    Übrigens: Warum muss man auf so einen Flug-Hopser auch noch was zu Essen servieren? Auch wenn es nur ein Brötchen und Getränk war. Die Crew kann den Service, also austeilen und abräumen in der knappen Zeit kaum bewältigen.

    Nachdem wir wieder am Boden waren, über das Vorfeld zum Terminal gelaufen (wirklich gelaufen) sind und unsere Koffer vom, wahrscheinlich kürzesten Kofferband der Welt, nehmen konnten geht es nun mit dem Bus noch ein ganzes Weilchen weiter bis wir die imposante Kulisse der Stadt Xiva (auf manchen Karten auch Chiva) erblicken. Als wir sie durch das Südtor betreten sind wir plötzlich Jahrhunderte zurück gereist. Wären da nicht die Benzinkutschen könnte man denken die Torwachen kämen einem auf der Straße entgegen. Ein Freiluftmuseum.

    Unser Hotel bricht mit dem Stil nicht im geringsten. Alles super schön. Leider sind die Zimmer noch nicht fertig und irgendwie werden wir dann doch verteilt. Bei der Lotterie habe ich wohl nicht gewonnen. Mein Zimmer ist nicht viel größer als eine Abstellkammer. Ist ja nur für eine Nacht. Kein Problem.

    Anschließend geht es gleich los auf Expedition durch die Stadt. Ich kann mich gar nicht stoppen. Ein Foto nach dem Anderen schießt die Panoramakamera. Eine Ecke ist schöner und interessanter als die Andere. Scheint einem zumindest so.

    Souvenirverkäufer. Einer neben den Anderem. Ich will ja nichts kaufen aber als unsere Reiseführer uns diesen genialen arabischen Buchständer (auf dem gerade mein Tablet steht) und seine vielen Möglichkeiten zeigen lässt sind alle guten Vorsätze dahin. 20 Euro hin, 20 Euro her. Das Teil will ich haben! So etwas fehlt mir tatsächlich noch und die Lösungen welche ich bisher nutze sind nicht einmal ansatzweise so elegant. Ab Abend versuche ich das Teil aufzubauen und scheitere an dem was der Verkäufer so spielend leicht machte. Wir hatten zwar alle ein Video gemacht. Helfen tut es nur bedingt. Erst ein YouTube Video (https://youtu.be/X0aOZtwwBs4?si=KgIESwRFsV0-dXNo) hilft mir weiter und zeigt mir dass 20 Euro eigentlich viel zu billig sind. Das Wunderwerk der Handwerkskunst wird tatsächlich aus einem Stück gefertigt!

    Aber ab zum Stadtrundgang. Ich kann nicht sagen wie viele Paläste und ihre Höfe wir besucht haben. Türen betreten wir. Aus Türen treten wir hinaus. Höfe, Gänge, Tore, Mädressen (Koranschulen), Wand und Deckenbemalungen, Minarette (das berühmte, unfertig Aussehende, ist wohl wirklich unfertig geblieben. Der Baumeister ist wohl verschwunden, dann der auftraggebende Khan gestorben und der Nachfolger hatte verständlicherweise kein Interesse ein Bauwerk vollenden zu lassen welches den Namen seines Vorgängers trug) Information, Information, Schönheit, Schönheit. Mein Gehirn schaltet ab. Selbst den Harem kann ich nicht mehr wirklich fassen. Aber das sind ja heute ohnehin nur noch leere Mauern deren Wände verziert sind.

    Ach so. Die wunderschönen Mosaike sind eigentlich oft gar keine sondern eine Art Fliesen, welche man angenagelt hat.

    Nachdem der offizielle Teil nun mit einem Imbiss in einem sehr schönen Restaurant (eigentlich hat keiner Hunger und doch erliegen alle dem Gruppenzwang und kommen mit rein. Eine Kleinigkeit gegessen und getrunken wird natürlich auch.) beendet ist will ich eigentlich zu Hotel zurück. Die Beine brennen. Der Rücken auch. Trotzdem schließe ich mich irgendwie doch einer Gruppe von uns an und die Geschichte wird es schön. Statt durch die Stadt zu schlendern folgen wir einem Gedanken von mir. Ich hatte beim Warten Touristen (hier gibt es ja fast keine Einwohner mehr) auf der Stadtmauer laufen sehen. Wie kommt man da rauf? Wir Fragen und erfahren dass bei unserem Hotel der Aufstieg im Südtor ist. Also hin und den, wirklich exorbitanten, Preis gezahlt. Dann dürfen wir auf eine Treppe die eher einem Bergaufstieg ähnelt. Die Stufen sind bestimmt 50 cm (oder mehr?) hoch. Das geht nur auf allen Vieren. Ich glaube, jeder von uns hat heimlich die Entscheidung verflucht. Hoch schaffen wir es aber alle. Und das obwohl einige von uns jenseits der 50 sind. Teilweise sehr weit.

    Oben erwartet uns auch nicht gerade ein ungefährlicher Weg. Tiefe Löcher. Kaum passierbare Höhenunterschiede. Teilweise recht schmal. Man bedenke: Bis runter auf das Straßenniveau sind bestimmt 20 Meter.

    Wir meistern das und werden dafür mit spektakulären Blicken über die Stadt belohnt. Die Kamera macht Überstunden. Erst als wir die Stadtmauer in beide Richtungen bis zum absolut letztem begehbaren Meter erkundet haben steigen wir wieder die „Treppe“ hinab. Das geht selbst rückwärts schwer. Die Kamera habe ich lieber im Rucksack eines anderen Expeditionsmitgliedes verstaut. Ich brauche meine Hände. Als wir wieder runter nicht ist für mich Schluss. Ich kann nicht mehr. Der Rücken schmerzt wieder wie verrückt. Ich will mich hinlegen.

    Aus diesem Schlaf wache ich fast nicht mehr auf. Als mich der brüllende Alarm vom Handy kurz von knapp aus dem Schlaf reist weis ich nicht wo ich bin. Schlaftrunken torkele ich nach unten.

    Das Abendessen findet nicht im Hotel sondern in einer benachbarten Gaststätte statt. Wir wollten nur essen und befinden uns plötzlich in eine Vorstellung einer Tanzgruppe. Das ist ja alles super schön und toll... So lange ich nur filmen kann und wir nicht in die Vorführung mit einbezogen werden. Ich soll tanzen? Das können Tanzbären viel besser! Ich sage nur „Friedrich Merz tanzt“. Einfach mal bei YouTube eingeben.

    Ich sah bestimmt noch schlimmer aus.

    Wenigstens eine von uns hat die ganzen unsportlichen Reisenden gerettet.

    Der Abend war spektakulär und ich habe eine Menge VideoBits „belichtet“.

    Fotos? Gibt es wohl auch heute leider kaum. Einige aus dem Handy. Die Panoramas müssen erst ausgeschnitten werden.
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  • 2026-03-17

    March 17 in Uzbekistan ⋅ ⛅ 17 °C

    17.03.2026 

    Ich habe sehr gut und auch sehr lang geschlafen. Das ging natürlich auf die Arbeitszeit an den Bildern. Es ist also mal wieder nichts bearbeitet. Dafür bin ich ausgeschlafen, als ich um 7:30 Uhr mit vollem Marschgepäck im Speisesaal erscheine. Wir können in Ruhe frühstücken. Dann laufen wir zum Bus.

    Über viele Kilometer und schlechte Straßen geht es Richtung der Grenze zur autonomen Republik Karakal Pakistan. Sie befindet sich gleich hinter der Lebensader der Länder. Dem Fluss Amiwdary. 

    Vorher gibt es aber noch einen Stopp zur Getränkerückgabe. Also eine Pinkelpause.

    Unser Reiseleiter erklärt uns Einiges über das Land in dem der Islam sehr mächtig ist.  Über das Schulsystem, was anscheinend recht schlecht ist. Er hat den Blick eines Weltbürgers und Demokraten und kann daher einiges nicht gutheißen.

    Bald erreichen wir eine Autobahn. Die A380. Ab hier geht es vorwärts. Durch die rote Sandwüste. Kizilkum (https://de.wikipedia.org/wiki/Kysylkum).

    Bei ///erholungsgebiete.unternahmen.anderswo

    Gibt es noch einmal eine Pause. Der Fahrer muss die gesetzliche Pause einhalten. Sonst gibt es Ärger mit dem fahrtenschreiber. Für uns ist dies die Gelegenheit auf Toilette zu gehen. Das ist allerdings nicht die angenehmste Variante. Die üblichen Stehtoiletten sind nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass es kein Wasser gibt. Überhaupt kein fließendes Wasser. Nur Wasser aus Flaschen. So muss man sich auch die Hände waschen. Außerdem gibt es keine Möglichkeiten sich bequem zu setzen außer in das Restaurant zu gehen. Nun habe ich weder Hunger noch Durst und tappe deswegen ein Weilchen draußen herum. Dann entscheide ich mich doch hineinzugehen und sich zu einem Teil unserer Leute zu setzen. Sie hatten Suppe bestellt und einen riesigen Teller mit vegetarischen Produkten vorgesetzt bekommen. Das macht mich stutzig und ich frage mich, was das kosten soll. Deswegen entscheide ich nur einen Tee zu bestellen. Dazu kommt es aber gar nicht. Ich bekomme den Resttee und auch sonst kümmert sich kein Kellner um mich. Der hat mit der großen Gruppe zu tun, die gerade das Restaurant betreten hat. Für die war übrigens auch der große Teller. Er wird von unserem Tisch weggetragen.

    Mit dieser what3words-Adresse findest du punktgenau ans Ziel. Einfach hier tippen, um den präzisen Ort zu sehen:

    ///autorinnen.treuhänder.beiderseitige

    Einige Minuten weiter gibt es wieder einen Stopp. Und zwar hier: ///autorinnen.treuhänder.beiderseitige.

    Der Grund ist ein Ausflug zu Fuß in die Wüste. Und so stopft die Gattung Homo sapiens ein paar Meter hinein und wird vom Reiseleiter mit einigen Pflanzen vertraut gemacht. Viel mehr als Homo sapien befinden sich Lebewesen der Gattungen: Bierbüchsus Blechus und Bottles Plastus hier. Leider.

    Nach diesem kurzen Ausflug geht es wieder zurück in den Bus und wir können die Wüste wieder aus diesem betrachten. Dabei ist auch die Lage der Gasleitung besser zu erkennen. Ihr Verlauf wird durch gelbe Pfähle und geordnet angepflanzte kleinwüchsige Pflanzen markiert.

    Auch wenn es draußen in der Wüste noch relativ kühl ist, merkt man die Macht der Sonne, wenn sie sich einmal durch die Wolken kämpft, deutlich. In zwei Wochen soll die Wüste grün werden. Wir werden es also nicht mehr sehen. 

    Unser Ziel, Buchara, erreichen wir gegen 17 Uhr. Bei Buchara handelt es sich um eine der 7 heiligen Stätten des Islam.

    Bevor es zum Hotel geht besuchen wir noch kurz die “Chor Minor Moschee”. Die Katzen, welche sich vor der Moschee tummeln, stehlen ihr aber, bei vielen Touristen, die Aufmerksamkeit. Sie werden sicherlich mehr fotografiert als die Moschee.

    Anschließend geht es nun zum Hotel. Zu Fuß, denn die Innenstadt darf nicht befahren werden. Nach einer kurzen Pause wird 18 Uhr zum Sammeln geblasen. Abendbrot ist angesagt.

    Wir fahren mit dem Bus zum Abendbrot. Das Restaurant, in welchem wir es einnehmen, ist doch ein gutes Stück vom Hotel entfernt.

    Dadurch haben wir die Gelegenheit die Stadt aus den Fenstern des Bus zu betrachten. Dabei fällt deutlich auf Bukhara deutlich westlicher erscheint die anderen Städte dieser Reise. Taschkent erschienen eher wie eine Kleinstadt (auch wenn sie es natürlich nicht war), Chiva wie ein Freilichtmuseum. Das hier eher wie London oder Paris. Nur im Zentrum merkt man dass man sich in Zentralasien befindet.

    Das Restaurant ist sehr nobel und das Essen sehr schmackhaft. Am Tisch nehmen über bricht eine große Gruppe von Muslimas das alltägliche Fasten. Wir befinden uns im Ramadan und deshalb dürfen die gläubigen Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen und nicht trinken. Sonnenuntergang etwa eine Viertelstunde nachdem wir ankommen.

    Nach dem Essen werden wir wieder mit dem Bus in die Nähe des Hotels gefahren. Den restlichen Weg müssen wir zu Fuß zurücklegen. Im Dunkeln, mit den vielen vielen Leuchtreklamen und der lauten Musik hat die Stadt einen völlig anderen Ausdruck. Ohne die Anderen und meinen Aufzeichnungen im Telefon hätte ich mich sicherlich verlaufen. Trotzdem muss ich jetzt noch einmal hinaus. Entgegen den Ratschlägen auf der Internetseite: https://usbekistan.de/reiseinformationen/waehru… ist ja das Tauschen von Bargeld fast unmöglich und man muss, ganz im Gegensatz zu den Ratschlägen der Seite, mit der VISA Karte Geld besorgen. Das ist für mich sehr ärgerlich. Wenigstens funktioniert es. Aber nur mit PIN. Und den habe ich nicht im Kopf. Ich muss ihn jedes Mal aus einem verschlüsselten Dokument extrahieren und berechnen.

    Die Beschaffung des Geldes ging Recht problemlos von statten. Leider bemerkte ich beim Abheben eine Bewegung hinter mir und das machte mich so nervös das ich einfach bei 100000 Sum tippte. Klingt ja wahnsinnig viel, ist aber fast gar nichts. Genauer gesagt: etwa 7,17 € (abhängig vom Tageskurs). Damit komme ich nicht weit. Jetzt habe ich also 276000 Sum in der Tasche. Also etwa 20 €. Das reicht auf jeden Fall bis morgen Abend. Die Zahlen hier auf dem Geldschein sind für einen Dyskalkulie Typen wie mich eine echter Herausforderung. Ich bekomme nämlich die Addition dieser riesigen Zahlen nicht sauber hin. Vielleicht sollte ich versuchen alles durch 1000 zu teilen bevor ich Geld zusammenzähle. Ich hasse meine Unfähigkeit mit Zahlen. Selten so sehr wie hier. Mich könnte jeder über Ohr ziehen und ich würde es nicht mal merken. Glücklicherweise sind die Usbeken grundehrlich.
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  • 2026-03-18

    March 18 in Uzbekistan ⋅ ☁️ 17 °C

    18. März 2026 

    Ich habe hervorragend geschlafen. Erst gegen 6 Uhr stehe ich auf. Natürlich hätte man durchaus eher aufstehen können um die Bilder zu bearbeiten. Doch nehmt es mir nicht übel, ich bin dankbar für jede Stunde Schlaf. Die Fotos werde ich später nachreichen und in einem eigenen Footprint (damit ihr die Nachricht bekommt) den Zeitpunkt der Nachreichung ankündigen. So zumindest der Plan.

    Frühstück gibt es um 7 Uhr. Die andere deutsche reisegruppe, welches sich im Hotel befindet, ist auch gerade heruntergekommen und so ist die Schlange lang. Das Frühstück ist sehr kohlenhydrathaltig und süß. Da kann ich mir nicht so viel leisten. Aber verhungern tue ich sicherlich nicht. Dafür bekomme ich selbst im schlimmsten Fall zu viel zu Essen für die wenige Bewegung. Mal sehen wie es heute wird. Es ist ein straffes Programm angesagt. Daher habe ich die Kamera fest am Rucksack verankert und mit der Solarzelle verbunden So sollte es, so der Plan, keine Probleme mit dem Strom geben. 

    Es ist 8:45 Uhr. Um 9 Uhr ist Treffen angesagt. Auf geht es. 

    Und jetzt habe ich ein Problem. Ich habe nach dem Frühstück nichts mehr aufgeschrieben und der Tag hatte viele, viele Besuche von allen möglichen Plätzen und Basaren zum Inhalt. Das zu rekonstruieren fällt mir jetzt schwer. Wir waren auf jeden Fall an einer Synagoge, am Denkmal von Hodscha Nasreddin, einer Kalligraphieschule, bei der wir lernen, dass die Basis dieser Kunst im Islam liegt, welcher sie dazu brachte in Bildern Texte auszudrücken. Die wunderschönen Bilder, die man teilweise auf Postkarten oder Bildern sieht, sind teilweise aus Wörtern zusammengesetzt. Der Nichtkundige kann dies nicht entdecken. Im arabischen machen die Punkte sehr viel aus. Abhängig davon, wo sie sich über oder unter dem Wort befinden, drücken sie einen anderen Buchstaben aus. Kurze Vokale gibt wohl nicht. So richtig habe ich das nicht verstanden und deswegen verweise ich hier ganz einfach auf das Internet: https://www.grammatiken.de/arabische-grammatik/….

    Auch haben wir eine Teppichknüpferei besucht und konnten die anstrengende Arbeit der, ausschließlich weiblichen, Knüpferinnen beobachten. Es ist für den, mit dieser Arbeit nicht vertrauten, Europäer vollständig unbegreiflich wie man so schnell Knoten setzen kann. Dabei auch noch das Handy laufen lässt und Videos schaut. Zumindest ab und zu einmal schauen sie auf den Bildschirm. Ich würde schon sterben, wenn ich einen dieser Knoten machen sollte. Mehrere Zehntausend, natürlich mit exaktem Muster, wären völlig undenkbar.

    Man kann diese Teppiche natürlich auch kaufen. Es liegen viele, viele Teppiche im Verkaufsraum. Bei Preisen zwischen einigen hundert Euro und einem mittleren fünfstelligen Betrag ist meine finanzielle Belastbarkeit deutlich überschritten. Ganz davon abgesehen, dass ich nicht wüsste wohin damit. So viel Wandplatz ist beim besten Willen nicht vorhanden und auf den Fußboden würde ich solche Kunstwerke sicherlich nicht legen.

    Gemessen an der Arbeit, welche in einem solchen kunstwerk steckt sind die Preise angemessen. Sie definieren sich hauptsächlich durch die Anzahl der Knoten pro Längeneinheit und natürlich das Material, welches verwendet wird. 

    Unser abendbrot war auch sehr ungewöhnlich da wir dabei von einem Quartett mit klassischer Musik unterhalten worden der erste Teil bestand aus europäischen Komponisten, der zweite Teil aus Musik von usbekischen Komponisten. Es hat mich überrascht, wie ähnlich die klassische Musik des Abendlandes und des Morgenlandes sich ähneln. Vielleicht wurden aber die Musikstücke auch für europäische Ohren ausgewählt.

    Hatte ich eigentlich schon meinen Versuch beschrieben in einem alten jüdischen Haus (heute eine Gaststätte) durch viel zu niedrige Gänge mit einer komplett ausgezogenen DJI Osmo 360 Kamera zu tauchen? Unter Anweisung einer anderen Mitreisenden. Das Video ist sehr witzig und die Kamera filmt die gesamte Zeit. Um es hier anzuhängen ist es zu lang. Aber ich warte natürlich auch von Anderen kurz gefilmt. Das sollte ich hier hinten anhängen können.

    Es war auf jeden Fall sehr schön und natürlich hat fast niemand während des Konzertes etwas gegessen. Das komplette Konzert habe ich aufgezeichnet. Eine halbe Stunde lang. 

    Damit endete der Tag und wir gingen zu Bett. Ich wieder ohne einen vernünftigen Text zu verfassen. Das mache ich am Morgen des nächsten Tages und, wie ein Wunder , ist mir einiges wieder eingefallen. Ach so. Ich habe mir, wahrscheinlich für einen komplett überteuerten Preis, eine echte Öllampe gekauft. Bisher ist aber, egal wie sehr ich sie putze, noch kein Gin daraus erschienen. Das wird dann wohl doch nichts mit den Wünschen.
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  • 2026-03-19

    March 19 in Uzbekistan ⋅ ☁️ 12 °C

    19.03.2026

    Heute verlassen wir nun Buchacha. Wir sollen uns erst um 11:30 Uhr in der Lobby treffen. Um 11 Uhr sollen die Koffer vor der Tür stehen. Das gibt mir viel Zeit zu packen. Anschließend laufe ich noch einmal durch die Stadt. Die Händler beginnen gerade aufzubauen. Es ist also recht ruhig. Was wir alle nicht erwartet hatten: nachdem wir uns getroffen haben und unsere Koffer im Bus sind, haben wir noch einmal eine Stunde Freizeit. Was soll ich mir noch anschauen? Vor allen Dingen da ich dank Johannas Hilfe endlich die gewünschte Flagge für meinen Betriebsratsvorsitzenden kaufen konnte. Das war mir bisher, trotz Fragen in Russisch absolut unmöglich. So etwas hat keiner. Alle möglichen Tand: ja. Fast jeder Stand das Selbe. Sicherlich ‘made in China”.

    Nachdem wir uns getroffen haben, alle viel zu zeitig am Treffpunkt, geht es nun mit dem Bus zu dem Haus eines Politikers der Republik welcher kurz nach der Revolution hier eingesetzt wurde, zu fortschrittlich für Moskau war, nach Moskau versetzt wurde, dann nach Sibirien geschickt und dort ermordet. Also eine typisch russische Karriere.
    Das schöne an dem Haus war die Tatsache dass dort Menschen welche sich in Kürze verheiraten wollen Fotos vor der Hochzeit machten. Da gab es schöne Kleider zu sehen. Die Kleider welche man unseren Mitreisenden anzog war nicht so schön. Sie standen aus vergangenen Jahrhunderten und machten es unmöglich zu erkennen ob das eine Frau oder ein Sack war. Keine schöne Zeit. Besonders für Frauen. Aber als Mann kauft man auch die Katze im Sack.
    Anschließend ging es mit dem Bus zum Bahnhof.
    Viel zu früh passieren wir die Sicherheitsschranke. Hier ist es etwas so wie am Flughafen. Das Gepäck wird gescannt bevor man den Bahnhof betreten kann. Raus kommt man witzigerweise, wenn auch ohne Gepäck, problemlos. Einige von uns, auch ich, gehen erst einmal Geld tanken. Das Trinkgeld für den Busfahrer schlägt ordentlich in die Kasse. Etwa 7 Euro werden fällig. “Freiwillig” natürlich.

    Der Zug sieht sehr schnell aus. Deshalb logge ich seine Geschwindigkeit mit. Immer wieder schaue ich, während ich einen Film sehe, auf das Handy. Die Strecke lässt anscheinend nicht zu dass er seine Leistung abruft. Mehr als 160, vielleicht 165 km/h fährt er nie. Schade. Der hätte bestimmt auch 250 drauf gehabt.

    In Samarkand ist es draußen schon kühl. Da merke ich dass ich meine Jacke entweder verloren oder vergessen habe.
    Eigentlich habe ich ja noch nie etwas vergessen (es sei denn ich habe es vergessen 😉) doch ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern die Jacke den Koffer gesteckt zu haben. Ich frage also unseren Reiseleiter ob er noch Kontakt zu dem Bus aus Buchara aufnehmen kann. Das ist die einzigste Stelle welche ich mir vorstellen kann. Und so ist es dann auch. Meine Jacke liegt in dem Bus. Blöd gelaufen. Vor allen Dingen da es draußen mittlerweile wirklich kalt wird. Natürlich habe ich noch dicke Strickjacken im Koffer aber wenn es regnet könnte es unangenehm werden. Irgendwo habe ich allerdings noch ein Regencape. Für das erste leiht mir ein Mitreisender eine nicht gebrauchte Jacke.

    Vom Bahnhof fahren wir direkt zum Restaurant. In dem Restaurant sitzt ein großer Ara (oder eine andere Papageienart) auf einer Stange. Alle versuchen ihn zu fotografieren oder ihn nahezukommen und er versucht sie zu beißen. Darum nähere ich mich ihm langsam mit meinem Kopf und das Wunder geschieht: er greift mich nicht an. Im Gegenteil. Er kommt langsam auf mich zu und fängt an mir an herumzuknabbern. So entsteht plötzlich eine Freundschaft zwischen ihm und mir. Wir sind nach einiger Zeit so vertraut dass er von seiner Stange kommt (ich hatte eigentlich gedacht er ist dort angebunden) und auf meinen Arm klettert. Da ich noch die geliehene Jacke an hatte, biete ich ihm wieder an zurück zu klettern. Nach einer Weile tut er das auch. Als ich mich von ihm verabschiede um zu essen schaut er mir hinterher und wir schauen uns immer wieder an. Essen finde ich gerade nicht so interessant. Ohne die Jacke gehe ich noch einmal hin und jetzt klettert er mir gleich auf den Arm. Das ist einfach zu toll. Er lässt sich von mir sogar langsam an unseren Tisch tragen und ich stelle ihm die Reisegruppe vor. Jetzt scheint es aber der Belegschaft zu unheimlich zu werden und sie komplementiert uns ohne Worte (die hätte ich ohnehin nicht verstanden) wieder zurück zu seiner Stange. Ich lasse ihn wieder auf sie steigen. Am Ende des Abendessen gehe ich noch einmal zu ihm und er kommt mir gleich entgegen. Es nützt nichts: wir müssen uns verabschieden. Später erfahre ich, dass er “Kärcher” oder so ähnlich heißt. Ich hoffe mal nicht, dass er nach der Marke benannt ist.
    Das war wohl das schönste Erlebnis der ganzen Reise.
    Anschließend nimmt uns unser Reiseleiter zum Registanplatz mit. Der Ort, wegen dem sicherlich viele hierher geflogen sind. Auch für mich war dies der erste Kontakt.
    Einige beschweren sich, dass sie jetzt keine Kamera bei sich haben. Uns wurde gesagt, dass wir alles im Bus lassen sollen was wir nicht brauchen. Was braucht man für ein Abendbrot? Bestimmt keine Kamera. Am Platz gibt es eine der großartigsten Lichtshows, welche man sich vorstellen kann. Die beiden Mädressen werden mit unterschiedlich farbigen Licht, im Takt der Musik, angestrahlt. Ein unvergleichliches Ereignis. Die meisten dürften es bedauern, dass wir zum Bus müssen und zum Hotel.

    Meine Jacke ist übrigens wirklich im Bus liegen geblieben. Ich bekomme sie gegen eine Flasche Medizin (Wodka) hinterher gebracht. Schauen wir mal, ob das klappt. Etwas wertvolles dürfte sich nicht darin befunden haben. Außer vielleicht eine FFP2 Maske.
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  • 2026-03-20

    March 20 in Uzbekistan ⋅ 🌙 9 °C

    2026-03-20

    Heute morgen genieße ich erst einmal den Luxus einer Badewanne. Hier ist nämlich tatsächlich ein Stöpsel vorhanden. Dann versuche ich noch etwas an den Videos zu machen. Gestern gab es Fehlermeldungen weil der Speicher voll war. Das heißt ich muss entweder keine Panorama Videos mehr drehen oder aufgenommene Panorama Videos in 2D-Videos umrechnen. Das heißt, ich suche mir aus dem Video die passende Blickrichtung heraus, passe sie sinnvoll an (das geht für jede Sekunde des Films) und berechne daraus normale Filme. Alles ganz einfach, leider aber sehr, sehr Rechenaufwendig. 5 Minuten Film brauchen selbst auf dem neuen und nicht gerade langsamen Tablet eine Stunde Rechenzeit. Ich setze also ein vorbereitetes Video vor dem Frühstück an und hoffe dass es nach dem Frühstück fertig ist. So komme ich einmal nicht als erster in den Frühstückssaal. Nach dem Frühstück geht es erst einmal mit dem Bus zum Observatorium von Ulugh Beg. Einem wirklich großen Astronomen und Herrscher (https://de.wikipedia.org/wiki/Ulugh_Beg) welcher unter anderem die Umlaufzeit der Erde um die Sonne mit nur etwa einer Minute Abweichung gemessen hat. Leider war ihm kein gutes Ende beschieden. Er, als man der Wissenschaft, regierte sein Volk wohl sehr gut. Allerdings hat er sich mit der Kirche angelegt indem er ihr die Einkommen aus der Steuer der arbeitenden Bevölkerung von etwa 90% deren Einkommen auf nur noch 50% reduzierte. Das gefiel ihnen natürlich nicht. Da sie auf politischen Wege nichts erreichen griffen sie zu einem fiesen Trick. Sie redeten mit seinem 21-Jährigen Sohn und schmeichelten ihm. Ulugh Beg war schon mit 16 auf den Thron gekommen und sie haben den Sohn wohl damit aufgestachelt, dass er mit 21 nur Kronprinz ist. Sie überredeten ihn seinen Vater dazu zu bringen die, für Moslems verpflichtende Pilgerreise nach Mekka zu machen. Er solle seinen Vater überreden ihm für die Zeit der Abwesenheit die Macht zu übergeben. Leider gelang dem Sohn dies auch. 

    Als nun der Vater zu seiner Pilgerreise aufgebrochen war, besuchten ihn die Vertreter der Geistlichkeit. Im volltrunkenen Zustand wurde er überredet seinen Vater festnehmen zu lassen und hinzurichten. Und so geschah es dann. Der große Mathematiker und Astronom wurde festgenommen und kam um sein Leben ohne Mekka gesehen zu haben. Es ist immer wieder erschütternd wie Religion, sobald sie institutalisiert wird, zum größten Feind des Glaubens, des Fortschritts und der Gesellschaft wird. 

    Nach dieser traurigen Geschichte fahren wir nun zum Geschichtsmuseum der Stadt Samarkand. Vieles hat uns Schafkat, unser Reiseleiter, erklärt. Hängen geblieben ist dabei bei mir fast nichts. 

    Was aber hängen geblieben ist, ist der Hügel mit einer wunderschönen Aussicht auf die Umgebung.

    Danach fahren wir weiter zu einer Papiermanufaktur. Dort werden wir in die Kunst des Papiermachens auf die klassische Art eingeweiht. Das ist mir zwar nicht völlig neu, doch trotzdem interessant. Angeblich soll das Papier tausende von Jahren halten, wenn es richtig gelagert wird. Ich kaufe mir für 40000 Sum, knapp drei Euro, eine kleines, etwa postkartengroßes, Bild. Ich werde seinen Verfall über die nächsten 1000 Jahre im Auge behalten 😉.

    Anschließend geht es zum Mausoleum von Amir Temur (https://de.wikipedia.org/wiki/Timur). Es ist ein wirklich beeindruckendes Bauwerk. 

    Jetzt geht es noch einmal zum Registanplatz. Auch wenn wir ihn gestern mit der Lichtshow gesehen haben möchten wir ihn natürlich auch noch einmal bei Tageslicht betrachten und fotografieren. Immerhin sind wahrscheinlich die meisten hierher gekommen wegen der Bilder dieses wunderschönen Platzes. Das hier eigentlich alles so schön ist, merkt man erst wenn man hier ist. Auch ich versuche mich an einem Selfie. Leider ist das ruhig halten der Kamera und gleichzeitig noch ein überzeugendes Lächeln nicht drin. Ich sehe aus als würde ich gerade auf eine Zitrone gebissen haben. Trotzdem reicht mir ein Versuch. So eitel bin ich dann doch nicht. 

    Anschließend haben wir die Wahl. Entweder mit dem Bus zurück zum Hotel oder zu Fuß dorthin. Da wir alles im Bus lassen sollten was wir nicht unbedingt brauchen habe ich nur eine ganz kleine Tasche mit der Kamera und dem Handy bei mir. Ohne meinen Rucksack möchte ich nicht loslaufen. Deshalb entscheide ich mich für die Fahrt mit dem Bus. Außerdem muss ich ja dringend Speicher auf der Kamera frei bekommen. Und das kostet Rechenzeit und Prozessorleistung. Und was Prozessorleistung braucht, braucht auch viel Strom. Ein Problem, das zunehmend akuter wird. Ich brauche schneller ladende Powerbanks mit “Pass-Through” Ladefunktion. Das ausschalten der Steckdosen in Hotelzimmern wenn die Karte nicht drin steckt ist ein echtes Problem. 

    17 Uhr treffen wir uns alle zu dem versprochenen Essen und Plov kochen. Groß ist unsere Überraschung als die angekündigte Familie die Familie von unserem Reiseleiter Shafkat ist. Es wird ein sehr schöner Abend von dem kein Videomaterial vorhanden ist. Erst geht mir der Speicher aus und als ich dann etwas freigegeben habe komme ich nicht mehr zum filmen. Dafür aber zum Schach spielen. Gegen den kleinen der Familie habe ich noch eine Chance. Gegen den 18-Jährigen eher nicht. Party 1 ging verloren, weil ich König und Dame verwechselt habe (die Figuren sehen sich sehr ähnlich) und Party 2 wegen absoluter Blödheit. Die Falle hätte ich sehen müssen. Ich schiebe das jetzt einmal auf den Wodka 😉.

    So langsam wird es Zeit dass der Tag zu Ende geht und ich mit diesem Text aufhören kann. Mein Akku ist tiefrot und ich weiß noch nicht so richtig wie ich ihn wieder laden kann. Irgendwie muss es gehen. Also erst einmal Tschüss für heute.
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  • 2026-03-21

    March 21 in Uzbekistan ⋅ ☁️ 7 °C

    2026-03-21

    Der Urlaub nähert sich seinem Ende. Leider. Ich habe viel gesehen, viele Informationen prasselten auf mich ein. Ich habe wahrscheinlich tausende von (Panorama) Fotos gemacht. Stundenlang Megabytes belichtet und doch … habe ich das Land wirklich gesehen? Ich glaube nicht. Man ist in so einer Reise in einer Bubble. Die spricht Deutsch. Denkt Deutsch. Kontakt zu der Bevölkerung? Nahezu Fehlanzeige. Die Kontakte beschränken sich auf das bedient werden oder sind zu Verkäufern. Ganz selten kommt es in der Freizeit, von der man fast keine hat, zu kurzen, echten Kontakten. Wie gestern zu dem kleinen Jungen welcher mir plötzlich die Hand hirnstreckte und ich sie ihm schüttelte. Dazu braucht man keine Worte. Körpersprache ist international. Doch Worte braucht man doch, wenn man wirklich Sachen ausdrücken will. Und da beginnt ein Problem. Auch wenn ich vor dieser Reise versucht habe Russisch zu lernen und mir auch während der Reise wieder genug einfiel um einiges zu verstehen, so musste ich doch feststellen, dass 35 Jahre (Unabhängigkeittag Usbekistans von der Sowjetunion: 31. August 1991) nach dem Zerfall der Sowjetunion die russische Sprache bei weitem nicht mehr so stark verbreitet ist wie ich das annahm. Zwar wird die Sprache noch hier und da, besonders unter Reiseleitern, gesprochen und einige Leute verstehen sie auch, aber von einem flächendeckenden Durchdringung kann nicht die Rede sein. Und das obwohl sie nach wie vor intensiv gelehrt wird. So sagte es mir zumindest Shavkat (So wird er geschrieben. Habe seit gestern seine Visitenkarte), unser Reiseleiter. Die Usbekische Sprache (von der ich keine Ahnung habe. Nur Danke: “Rachmat” kann man sich als ehemaliger Schachspieler gut merken.) dominiert und auch Englisch geht ganz gut. Wenn ich aber nach meiner Nationalität gefragt werde und mit “ Я немец” (Ich bin Deutscher) antworte, erwartete mich regelmäßig ein fragendes Gesicht. “German” soll wohl helfen. Doch das erfuhr ich erst heute.
    Auch die Frage nach der Fahne für meinen Kollegen (heute, an Newroz (Persisches Neujahrs und Frühlingsfest), habe ich tatsächlich auf dem Markt welche gesehen), die ich mir (da ich an mir selbst zweifelte) vom Handy übersetzen ließ, stieß regelmäßig auf Unverständnis. Also entweder ist meine russische Aussprache so schlecht wie die Aussprache der meisten Inder in Englisch (da versteht man oft kein Wort :-) ) oder hier ist die Sprache wirklich auf den absteigenden Ast. Ich persönlich finde das Schade. Auch wenn Russland, spätestens seit dem Beginn der Krieges gegen die Ukraine, nicht gerade mehr die größte Fanbase hat, so ist daran ja nun die Sprache völlig unschuldig und das russische, einfache Volk erst recht. Die Russen sind, so wie ich sie kenne, ein recht nettes Volk. Genaueres gibt es, wenn der Krieg vorbei ist, die Beziehungen sich normalisiert haben und ich hoffentlich mal hinreisen kann.
    Die russische Sprache deckte, als Zweitsprache, einen riesigen Raum der Welt ab und wir sollten sie als Weltsprache erhalten. Die unterschiedlichen Sprachen der Welt sind ohnehin wahrscheinlich einer der Hauptgründe für die Spannungen und Kriege. Denn, sind wir ehrlich, welches Volk will schon Krieg? Nur weil wir uns nicht verstehen können haben die Herrschenden die Chance uns gegeneinander aufzuhetzen.

    So. Ende des nachdenklichen Teiles. Was haben wir heute gemacht?

    Heute bewegten wir uns ausschließlich zu Fuss. Zuerst nur über die Straße. Die “Shahi-Zinda-Nekropole” befindet sich praktischerweise direkt am Hotel. Eine wirklich imposante Ansammlung von Mausoleen verschiedener Herrscher und auch eines Baumeisters (so habe ich das zumindest verstanden). Es ist schon interessant wie konseqent der Islam gegen seine eigenen Bestattungsvorschriften verstößt. Unser Reiseleiter informierte uns darüber, dass es eigentlich, dem Koran zufolge, nach einer gewissen Zeit kein sichtbares Grab mehr geben solle. Ich glaube ihm dies einmal, da wohl seine Korankenntnisse recht gut sind. Das Internet ist dazu allerdings keine echte Hilfe. Egal. Es hält sich niemand von den Herrschenden daran. Das zeigt die große Anzahl von gigantischen und reich geschmückten Mausoleen im Land.

    Danach geht es zur “Bibi-Khanum-Moschee”. Sorry, liebes Land, ich kann keine Moscheen mehr sehen.

    Kultur Overload. Error.

    Danach wird es etwas entspannter. Basar und Shopping sind angesagt. Hier gelingt es mir noch, einige Reisemitbringsel zu organisieren. Es irritiert mich aber das meinem Versuch zu Handel (ich hatte mir extra dafür in der Nacht eine Umrechnungstabelle in AndrOpen Office (Open Office für Android) erstellt) sofort nachgegeben wird. Das kann nur heißen, dass ich immer noch zu viel bezahlt habe. Und dabei war es schon wenig.

    Nachdem wir uns alle wieder mit unserem Reiseleiter in einem Cafe getroffen haben und ich einen, wirklich hervorragenden, Espresso trinken durfte geht es nun erst einmal in das Hotel zum Einkäufe deponieren und dann endlich da hin, weswegen die Meisten wahrscheinlich hierher gekommen sind: dem Registan Platz. Wir treffen dort einzeln ein. Ich muss ganz schön hetzen um die zwei Kilometer in der halben Stunde zu schaffen. Shavkat und der Rest der Truppe ist definitiv deutlich später aufgebrochen. Als ich pünktlich, 10:45 Uhr (?) in der Lobby ankam, saß er noch ganz entspannt mit seinen Söhnen dort und von den Anderen war nichts zu sehen. Er meinte nur, ich solle schon mal vorgehen, da ich sicherlich viel zu fotografieren hätte. Mit fotografieren war nichts und ich hatte Probleme mich im Geschwindschritt durch die ganzen feiernden Einheimischen (heute war Feiertag und alle waren wohl auf den Beinen um diesen zu begehen) zu drängeln. Durchgeschwitzt kam ich am Registan an. Der ist übervoll mit Menschen. Wie soll ich die Anderen hier finden? Die einzige Information welche ich gehört hatte, war: “11:15 am Registan”. Hilflos suchen meine Augen die Gesichter der Menschenmasse ab. Dann kommt mir der rettende Gedanke. Sicherlich treffen sie sich dort wo wir die Fotos gemacht haben. Und so ist es dann auch. Bisher sind zwei da. Shavkat fehlt noch, kommt aber nur wenige Minuten später mit dem Rest. Falls sie nicht eines der Elektrowagen genommen haben, welche hin und her pendeln, kennt er eine ordentliche Abkürzung, die Google nicht kennt. Ich kenne die Geschwindigkeit unserer Truppe und unter einer dreiviertel Stunde hätten sie die zwei Kilometer nicht bewältigt.

    Nun geht es aber endlich auf den Registan Platz, welcher übrigens Eintritt kostet. Auch hier gibt es wieder Gebäude zu besichtigen. Medrese? Moschee? Ich weiß es nicht mehr. Was ich weiß ist, dass wieder überall Händler zu finden sind die immer das Selbe verkaufen. Ich habe alles. Als Shavkat uns allerdings einen Kalligraphen vorstellt und er uns darüber informiert dass dieser auch auf Kundenwunsch arbeitet, kann ich nicht widerstehen. Ich lasse mir etwas Tierhaut (das Spendertier habe ich vergessen. Ziege? Schaf?) beschriften. Was da hoffentlich steht weiß nur ich und will ich hier auch nicht verraten.

    Anschließend treffen wir uns noch mal alle und Shavkat verkündet dass das offizielle Kulturprogramm nunmehr zu Ende ist. Wir treffen uns morgen früh. Abendbrot gibt es 18:30 Uhr. Wir können nun zum Hotel oder individuell die Gegend erkunden. Ich entscheide mich für individuell und beginne endlich Urlaub zu machen wie ich mir das vorstelle. Tauche in die Kultur ein. Setze mich in ein Straßencafe und genieße in Ruhe einen Tee und einen Fleischspieß. Beobachte die Leute und fühle mich pudelwohl. Hier komme ich sogar mit Russisch gut durch.

    Wenn ich es mir leisten kann, meine Russisch Kenntnisse ausreichen sind und die Gesundheit mitspielt, werde ich wahrscheinlich noch einmal hierher kommen. Dann aber ohne Gruppe, ohne Terminstress. Nur das erste Zimmer buchen und dann eintauchen. Das kann schief gehen, doch ich werde hoffentlich das Land und die Bewohner kennenlernen. Moscheen, Museen und Mausoleen stehen dann eher nicht auf dem Programm.

    Nach dem Abendbrot geht es ins Bett.

    Das war's für heute. Ich schreibe diesen Text am 22. März am frühen Morgen und muss Koffer packen.
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  • 2026-03-22

    March 22 in Uzbekistan ⋅ ☁️ 22 °C

    2026-03-22

    Heute ist nun unser letzter Tag bevor es wieder nach Deutschland geht. Wir müssen also zurück nach Taschkent und stehen deshalb recht früh auf. Noch einmal frühstücken und dann setzen wir uns alle in den Bus. 7 Uhr fährt er los. Was folgt ist eine über 300 km lange Fahrt über qualitativ schlechte Straßen. Wirklich vorwärts kommt man da nicht und so dauert die Reise auch etwa sechs Stunden. Dann sind wir in Taschkent. Zuerst einmal brechen wir noch zu einem kurzen Stadtbummel auf, bei dem wir auch das “Hotel Usbekistan” sehen (https://hotel-uz.com/de-de/). Ein Protzbau des Brutalismus im Sowjetischen Stil. Nicht schön aber durch seine pure Größe beeindruckend. Gleich nebenan befindet sich die Kongresshalle welche von außen eher an Museum erinnert. Von vielen internationalen Firmen errichtet warten wohl einige davon immer noch auf ihr Geld. Die Finanzierung lief wohl illegal über Gelder des Volkes und die Tochter des damaligen Präsidenten war dafür maßgebend. Mittlerweile sitzt sie wohl in der Schweiz im Gefängnis. So habe ich das zumindest verstanden.

    Dann noch schnell zum “Amur Timur” auf dem, wie sollte es anders sein, “Amur Timur Platz” gleich über die Straße. Dann geht es zu Fußgängerzone, ebenfalls nur weniger Meter entfernt, und wir können die Straßenkünstler und unzählige Imbissbuden und Händler mit sowjetischen Tand betrachten. Am Anfang der Straße animiert mich noch schnell ein Besitzer eines Bogenschießstandes zum schießen. Der erste Pfeil ist kostenlos. Mehr brauche ich auch nicht. Auf etwa 10 m kann man kaum vorbeischießen. Voll ins Schwarze.

    Wir haben eine dreiviertelstunde Zeit uns dort umzusehen und kaum jemand benötigt diese. Dann geht es in ein sehr schönes Restaurant und wir nehmen unser letztes, gemeinsames, Abendbrot ein. Ihr übergeben wir auch das gesammelte Geld an unseren Reiseleiter. Es war eine wirklich schöne Reise und die Informationen, welche er uns gab, waren mehr als nur erschöpfend.

    Anschließend geht es zum Hotel. Unsere Pässe bekommen wir diesmal gleich zurück. Auf geht es auf das Zimmer. Morgen geht es sehr früh los. 7 Uhr fährt der Bus zum Flughafen.
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