• 2026-03-20

    March 20 in Uzbekistan ⋅ 🌙 9 °C

    2026-03-20

    Heute morgen genieße ich erst einmal den Luxus einer Badewanne. Hier ist nämlich tatsächlich ein Stöpsel vorhanden. Dann versuche ich noch etwas an den Videos zu machen. Gestern gab es Fehlermeldungen weil der Speicher voll war. Das heißt ich muss entweder keine Panorama Videos mehr drehen oder aufgenommene Panorama Videos in 2D-Videos umrechnen. Das heißt, ich suche mir aus dem Video die passende Blickrichtung heraus, passe sie sinnvoll an (das geht für jede Sekunde des Films) und berechne daraus normale Filme. Alles ganz einfach, leider aber sehr, sehr Rechenaufwendig. 5 Minuten Film brauchen selbst auf dem neuen und nicht gerade langsamen Tablet eine Stunde Rechenzeit. Ich setze also ein vorbereitetes Video vor dem Frühstück an und hoffe dass es nach dem Frühstück fertig ist. So komme ich einmal nicht als erster in den Frühstückssaal. Nach dem Frühstück geht es erst einmal mit dem Bus zum Observatorium von Ulugh Beg. Einem wirklich großen Astronomen und Herrscher (https://de.wikipedia.org/wiki/Ulugh_Beg) welcher unter anderem die Umlaufzeit der Erde um die Sonne mit nur etwa einer Minute Abweichung gemessen hat. Leider war ihm kein gutes Ende beschieden. Er, als man der Wissenschaft, regierte sein Volk wohl sehr gut. Allerdings hat er sich mit der Kirche angelegt indem er ihr die Einkommen aus der Steuer der arbeitenden Bevölkerung von etwa 90% deren Einkommen auf nur noch 50% reduzierte. Das gefiel ihnen natürlich nicht. Da sie auf politischen Wege nichts erreichen griffen sie zu einem fiesen Trick. Sie redeten mit seinem 21-Jährigen Sohn und schmeichelten ihm. Ulugh Beg war schon mit 16 auf den Thron gekommen und sie haben den Sohn wohl damit aufgestachelt, dass er mit 21 nur Kronprinz ist. Sie überredeten ihn seinen Vater dazu zu bringen die, für Moslems verpflichtende Pilgerreise nach Mekka zu machen. Er solle seinen Vater überreden ihm für die Zeit der Abwesenheit die Macht zu übergeben. Leider gelang dem Sohn dies auch. 

    Als nun der Vater zu seiner Pilgerreise aufgebrochen war, besuchten ihn die Vertreter der Geistlichkeit. Im volltrunkenen Zustand wurde er überredet seinen Vater festnehmen zu lassen und hinzurichten. Und so geschah es dann. Der große Mathematiker und Astronom wurde festgenommen und kam um sein Leben ohne Mekka gesehen zu haben. Es ist immer wieder erschütternd wie Religion, sobald sie institutalisiert wird, zum größten Feind des Glaubens, des Fortschritts und der Gesellschaft wird. 

    Nach dieser traurigen Geschichte fahren wir nun zum Geschichtsmuseum der Stadt Samarkand. Vieles hat uns Schafkat, unser Reiseleiter, erklärt. Hängen geblieben ist dabei bei mir fast nichts. 

    Was aber hängen geblieben ist, ist der Hügel mit einer wunderschönen Aussicht auf die Umgebung.

    Danach fahren wir weiter zu einer Papiermanufaktur. Dort werden wir in die Kunst des Papiermachens auf die klassische Art eingeweiht. Das ist mir zwar nicht völlig neu, doch trotzdem interessant. Angeblich soll das Papier tausende von Jahren halten, wenn es richtig gelagert wird. Ich kaufe mir für 40000 Sum, knapp drei Euro, eine kleines, etwa postkartengroßes, Bild. Ich werde seinen Verfall über die nächsten 1000 Jahre im Auge behalten 😉.

    Anschließend geht es zum Mausoleum von Amir Temur (https://de.wikipedia.org/wiki/Timur). Es ist ein wirklich beeindruckendes Bauwerk. 

    Jetzt geht es noch einmal zum Registanplatz. Auch wenn wir ihn gestern mit der Lichtshow gesehen haben möchten wir ihn natürlich auch noch einmal bei Tageslicht betrachten und fotografieren. Immerhin sind wahrscheinlich die meisten hierher gekommen wegen der Bilder dieses wunderschönen Platzes. Das hier eigentlich alles so schön ist, merkt man erst wenn man hier ist. Auch ich versuche mich an einem Selfie. Leider ist das ruhig halten der Kamera und gleichzeitig noch ein überzeugendes Lächeln nicht drin. Ich sehe aus als würde ich gerade auf eine Zitrone gebissen haben. Trotzdem reicht mir ein Versuch. So eitel bin ich dann doch nicht. 

    Anschließend haben wir die Wahl. Entweder mit dem Bus zurück zum Hotel oder zu Fuß dorthin. Da wir alles im Bus lassen sollten was wir nicht unbedingt brauchen habe ich nur eine ganz kleine Tasche mit der Kamera und dem Handy bei mir. Ohne meinen Rucksack möchte ich nicht loslaufen. Deshalb entscheide ich mich für die Fahrt mit dem Bus. Außerdem muss ich ja dringend Speicher auf der Kamera frei bekommen. Und das kostet Rechenzeit und Prozessorleistung. Und was Prozessorleistung braucht, braucht auch viel Strom. Ein Problem, das zunehmend akuter wird. Ich brauche schneller ladende Powerbanks mit “Pass-Through” Ladefunktion. Das ausschalten der Steckdosen in Hotelzimmern wenn die Karte nicht drin steckt ist ein echtes Problem. 

    17 Uhr treffen wir uns alle zu dem versprochenen Essen und Plov kochen. Groß ist unsere Überraschung als die angekündigte Familie die Familie von unserem Reiseleiter Shafkat ist. Es wird ein sehr schöner Abend von dem kein Videomaterial vorhanden ist. Erst geht mir der Speicher aus und als ich dann etwas freigegeben habe komme ich nicht mehr zum filmen. Dafür aber zum Schach spielen. Gegen den kleinen der Familie habe ich noch eine Chance. Gegen den 18-Jährigen eher nicht. Party 1 ging verloren, weil ich König und Dame verwechselt habe (die Figuren sehen sich sehr ähnlich) und Party 2 wegen absoluter Blödheit. Die Falle hätte ich sehen müssen. Ich schiebe das jetzt einmal auf den Wodka 😉.

    So langsam wird es Zeit dass der Tag zu Ende geht und ich mit diesem Text aufhören kann. Mein Akku ist tiefrot und ich weiß noch nicht so richtig wie ich ihn wieder laden kann. Irgendwie muss es gehen. Also erst einmal Tschüss für heute.
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