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  • Day77

    Tramper im Kaukasus

    December 11, 2019 in Georgia ⋅ ☀️ -1 °C

    Heute fahren wir noch mal raus aus Tbilisi. Bevor es am Montag dann nach Aserbaidschan geht wollen wir noch etwas Natur und raus aus dem Stadttrubel. Wir verabschieden uns von Sarah und Grant und machen Witze darüber, dass sie in einer Woche immer noch da sind. Die zwei haben schon seit zwei Wochen ihr Visum für den Iran, aber die Gemütlichkeit in Tiflis im Hostel ist einfach zu gross ;).
    Wir fahren also durch den dichten Verkehr Richtung Norden und passieren dabei die ehemalige Hauptstadt Georgiens. Die wollen wir allerdings erst später anschauen. Maurice ist am kränkeln und hält die Fahrt trotzdem durch.
    Auf halber Strecke nach Stepantzminda, eines der nördlichsten Dörfer Georgiens vor der russischen Grenze, sehen wir einen Tramper am Strassenrand stehen. Mit seinem Backpack und seinem blonden Haar sieht er eindeutig nicht georgisch aus. So oder so haben wir Lust auf Gesellschaft und nehmen Michael gerne mit. Und siehe da, ein Europäer. Mit österreichischen und belgischen Eltern und aufgewachsen in der Schweiz, lebt und arbeitet aber in London. Studiert hat er in Freiburg, wodurch wir gleich einen gemeinsamen Nenner haben. Wie man so schön sagt, funkt es sofort zwischen uns und so ist es kein Wunder, dass wir auch die nächsten zwei Tage zusammen verbringen.

    Michael hatte eigentlich vor, in Gudauri zu bleiben. Gudauri ist ein beliebtes Skiresort in Georgien und wo vorher nichts war, stehen jetzt Hotels und Luxusspas. Die Skissaison beginnt allerdings erst am Samstag und gerade werden noch letzte Verschönerungsarbeiten vorgenommen. Für uns drei auf jedenfall kein schöner Ort, man sieht einfach, dass alles erst künstlich hingebaut wurde und auch nicht so stimmig, wie es sein könnte. Nicht weit von Gudauri, kurz bevor die Serpentinen des Kreuzpasses beginnen, tümmelt sich eine grosse Masse an Touristen und ungefähr 50 verschiedene Leute wollen mit dir einen Paragliding-Tandem-Sprung machen. Michael weiss, dass dies hier ein altes Denkmal zur Erinnerung an die Swojetzeiten ist und zugegeben, der Ausblick und die Umgebung sind der Hammer. Die ganzen Massen an Tourismus scheinen trotzdem extrem für solch einen Ort. Trotzdem steigen wir aus, machen Fotos und füttern Strassenhunde (Unseren 15 kg Sack haben wir ja immer zur Stelle).

    Mit vielen LKWs zusammen erklimmen wir den Pass und die Natur wird nur umso schöner. Oben angelangt geht es wieder etwas hinab, hinter in ein Tal bis wir Stepantzminda erreichen. Wir parken erstmal auf dem Hauptplatz, wo Taxifahrer und sonstiges natürlich nicht lange auf sich warten lässt. Wir lehnen alles ab und gehen in das Touristenzentrum, um eine Wanderkarte der Gegend zu bekommen. Gibt es leider nicht, aber zumindest eine normale und die nette Frau zeichnet uns noch ein paar Orte zum besichtigen ein.
    Wir haben uns für die Nacht schon einen schönen Platz herausgesucht und nehmen Michael noch mit den Hang hinauf, wo er sich ein Guesthouse suchen will. Für den nächsten Tag verabreden wir uns zum wandern zur Dreifaltigkeitskirche hinauf. Aber zunächst beziehen wir unseren wunderschönen Platz mit gigantischer Aussicht auf die Berge und das Tal. Neuer Lieblingsplatz :).
    Nach Spinatrisotto geht es müde ins Bett. Kältestand -10 Grad.

    Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer-8 Grad, aber dank unserer super Heizung ist es im Bus warm genug. Nur bis der Motor mal warm wird dauert es etwas. Zusätzlich zum Aufwärmen gibt's Haferschleim und wir verabreden uns mit Michael auf dem Hauptplatz. Hier angekommen stolpern uns plötzlich vier Welpen entgegen. Süüüüsss! Die vier sind ziemlich wild und kauen gerne auf Fingern herum und es macht einen Heidenspass mit ihnen zu spielen. Kathi kann sich nur schwer losreissen, aber verspricht wiederzukommen und die Kleinen zu knuddeln. Wir beginnen unseren Anstieg vom Dorf aus den gegenüberliegenden Berg hinauf. Zunächst passieren wir ein weiteres Dorf und im Zuge dessen, haben wir schnell drei Hunde, die uns den Weg über folgen. Die zwei Grossen sind ausgelassen am Rumtollen, wohingegen die kleine Hundedame schön bei uns bleibt. Wir freuen uns so oder so über die Gesellschaft und sehen dabei über den Sabber der einen Hündin auf unseren Klamotten hinweg.
    Der Weg wird nun steiler und auch der Schnee tiefer. Teilweise rutschen wir auch weg, da vor allem im Schatten alles eisig ist. Nach gut 2h erreichen wir die Kirche und treffen hier auch wieder auf Touristen, die allerdings alle mit Taxis hochgefahren sind. Hier muss man wirklich aufpassen, sie lügen die Touristen teilweise an, um weitere Mitfahrer zu bekommen, von wegen der Weg wäre unmöglich zu belaufen. Es ging super!
    Der Aufstieg lohnt sich so oder so total allein wegen der Aussicht von der Kirche aus. Aber seht selber die Fotos. Wir trinken oben dann auch noch eine kleine Flasche georgischem Wein, die Michael am Flughafen bekommen hat und machen uns dann mit unseren Hunden auf den Weg hinab. Im Dorf stellen sich dann die Kühe als Problem heraus. Die Hunde bellen sie wie verrückt an, wodurch die Kühe wild werden und wir ihren Hörnern ausweichen müssen. Die Einheimischen Hirten werfen einfach Steine nach den Hunden :(. Wir schaffen es heil nach unten und suchen mit einem Bärenhunger ein Restaurant auf. Vorher werden natürlich wieder die Welpen am Dorfplatz geknuddelt. Wir bestellen vieles und teilen dann alles und der Wein darf natürlich auch nicht fehlen. So geht ein schöner Tag zu Ende und alle drei sind wir müde genug gleich ins Bett zu fallen. Für der nächsten Tag haben wir uns auch wieder verabredet, diesmal um zur russischen Grenze zu fahren.
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