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  • Day118

    Alexandria Troas

    January 21 in Turkey ⋅ ⛅ 1 °C

    Wir erwachen gegen 5 Uhr nachts, weil in dem Nirgendwo um uns, zudem eine Sackgasse, ein Auto fährt. Wir spickeln raus und sehen, dass es schon wieder wegfährt. Es scheint keine Polizei oder Grenzschutz zu sein, den wir am ehesten erwartet hätten, weil gleich die nächsten Inseln, die man sehen kann, zu Griechenland gehören. Was das Auto hier gemacht, wissen wir nicht, aber die Lichter werden immer kleiner und verschwinden dann ganz. Der Rest der Nacht verläuft ruhig und am Morgen ist es leider sehr windig und ungemütlich, so dass wir nach einem kleinen Früshtück wieder mal Richtung Troja aufbrechen. An der nächsten Post wollen wir unser Maut-Guthaben aufladen, da wir eine SMS bekommen hatten, dass wir beim letzten Stück unser Guthaben überzogen haben. Damit das nicht länger als 15 Tage her ist und wir Strafe zahlen müssen, steht das heute auf der Liste ganz oben. In dem Ferienörtchen neben unserem Kleopatra-Strand parken wir vor der Post (in keiner anderen Stadt jemals denkbar), drinnen nur zwei Leute vor uns, die Freude ist groß, die Sache mit der Maut mal unkompliziert erledigen zu können. Mit Google-Übersetzer ausgerüstet, die Sätze zurecht gelegt, unsere Mautnummer auf Papier dabei. Die junge Dame spricht leider kein Englisch, kein Problem für uns. Sie versteht unser übersetztes und sagt dann "Ayvalık, Ayvalık". Nein, nicht schon wieder in die größere Stadt wegen dieser Maut!! Es hilft nichts, wir räumen das Feld und fahren zum Postamt nach Ayvalık. Kathi nimmt alle Unterlagen und springt raus, weil man nirgends in der Nähe halten kann und Maurice mit dem Auto immer wieder Patroullie fährt, ob nicht irgendwo ein Platz frei wird. Die enge Straße ist sehr belebt, überall Leute, Gegenverkehr, trotzdem halten manchmal Leute und blockieren alles und werden sofort von plötzlich auftauchenden Polizisten weggepfiffen. Gut 30 Minuten Hin- und Herfahren, dann wird ein Platz am Ende der Straße frei, wo Maurice mit Louie steht und auf ein Zeichen von Kathi wartet. Das kommt nicht, aber ein Parkzettelaussteller (hier gibt es Personal für alles mögliche; Nummer eins unserer Liste ist der Fahnenschwenker vor einer Baustelle), aus dem Maurice sich gerade noch rausreden kann und nun wieder das Pendeln anfängt. Einfach nirgends wird man in Ruhe gelassen.
    Währenddessen kriegt auch Kathi die Krise im Postamt. Sie hat, wie wir schon gelernt hatten, gleich eine Nummer gezogen und zum Glück das Mautsystem richtig erkannt. Beim Warten beobachtet sie, welche Schalter für die Maut zuständig sind. Und sie beobachtet, dass sich Leute einfach reindrängeln, mit falscher oder ganz ohne Nummer, sie komme einfach zur Tür rein, gehen an allen wartenden vorbei an die Schalter und werden auch noch drangenommen! Kathi wartet brav, bis ihre Nummer drankommt, während schon die Eingangstür für die Mittagspause abgeschlossen wird. Die Dame kann wieder mal kein Englisch, bemüht aber ihren eigenen Google-Übersetzer. Schließlich versteht sie das Anliegen, dass wir einfach das Guthaben aufladen wollen und sagt, wir sollen die Maut beim Zoll bei der Ausreise zahlen. Kathi entgegnet, dass dann eine Strafe fällig wird, weil die 15 Tage verstreichen. " Ach, das ist wirklich so mit den 15 Tagen?" fragt die Postbeamtin und die Touristin Kathi erklärt der Türkin von der Poststelle für Maut, dass das durchaus der Fall ist in der Türkei. Trozdem ziert sie sich weiter, sagt, sie könne den aktuellen Stand nicht nachsehen und auch so nichts machen. Nur die Security-Frau (wie beim ersten Mal) versucht wirklich zu helfen. Alle Kollegen gehen in Mittagspause und auch Kathis Beamtin macht Anstalten, unverrichteter Dinge gehen zu wollen, da platzt Kathi der Kragen und sie besteht drauf, dass die Frau endlich das Bargeld vor ihrer Nase auf das Mautkonto bucht. Vermutlich aus Angst, dass die Pause sonst noch kürzer werden würde, macht sie es endlich widerwillig, gibt Kathi die Bestätigung und die Sache ist endlich erledigt. Wie man nur so ein System führen kann, auf das Touristen angewiesen sind (die andere Mautvariante ist noch wesentlich komplizierter!!), ist uns einfach absolut unverständlich. Selbst als Einheimische wäre uns die Umsetzung des eigentlich einfachen Systems viel zu blöd.
    Irgendwann steht dann Kathi am Straßenrand als Maurice mal wieder vorbeifährt und beide sind fertig mit den Nerven und nur froh, einfach aus dieser Stadt raus zu fahren.
    Etwas außerhalb halten wir an einer Tankstelle und füllen unsere leeren Energieresevoirs mit etwas Ruhe und Mittagessen.
    Als wir später an einer Tankstelle besonders günstig Eurodiesel sehen, lassen wir dort volltanken. Vielleicht macht die Tankstelle eine Art Happy Hour und muss möglichst viele Kunden abfertigen, wir wissen es nicht, aber die Tankwarte rennen umher, verteilen die Zapfpistolen in den Autos, rennen weiter, kassieren ab. Unser Tankwart ist besonders eifrig und wirkt wir ein Eichhörnchen auf Speed, rennt hinter das Gebäude, holt etwas hier, tankt dort, kassiert und rennt weiter. Belustigt geht es für uns weiter und wir müssen schon wieder Einkaufen, was wir bei unserem Lieblingsladen der Türkei Migros machen. Dabei springt auch ein leckeres Pistazien-Magnum für Maurice bei heraus.
    Da es schon wieder spät ist (die Post hat uns so viel Zeit gekostet) beschließen wir, wenigstens noch zum heute erreichbaren Alexandria Troas zu fahren, um diese noch zu besichtigen, um irgendwas anderes noch zu machen, als Sachen zu erledigen. Das Gelände ist kostenlos zugänglich und viel sieht man nicht, aber bekommt immerhin einen Eindruck. Die Stadt sollte man Hauptstadt sein, aber es wurde dann Konstantinopel..
    Wir versuchen noch zum Theater zu laufen, welches auf unserer Karten-App MapsMe verzeichnet ist, wir finden aber nicht hin, weil es keinen Weg mehr gibt, nur noch Felder und Olivenhaine.
    Stattdessen finden wir ein altes Gewölbe, welches gut 90 Prozent verschüttet ist, der Zugang ist aber frei und wir wissen zwar nicht, wie alt das hier ist, aber die Atmosphäre beim erkunden ist spannend.
    Zurück am Parkplatz fahren wir ein kurzes Stück zu weiteren Ausgrabungspunkten und schauen uns diese noch an. Schön, dass Alexandria Troas kostenlos zu besichtigen ist, was aber bei der Konkurrenz in der Nähe aber auch sonst schwer zu akzeptieren wäre.
    Kathi hat schon vorher einen Platz für die Nacht in der Nähe herausgesucht und wir suchen erstmal die richtige Zufahrt, die mit unserem Louie zu schaffen ist, ohne dass wir uns im Sand eingraben.
    Bis auf einen großen Hundekadaver auf dem Weg ist es dann sehr schön in den Dünen und wir wollen die Natur und die letzte Sonne genießen, aber der Wind ist einfach zu garstig kalt und nach kurzem Versuch verziehen wir uns wieder in den Bus und verbringen einen ruhigen Abend.
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