Gaustabanen
July 28 in Norway ⋅ ☁️ 12 °C
Heute morgen brach ich früh auf, um das gute Wetter zu nutzen. Ich fuhr über kleine enge Bergstraßen hoch zum Gaustatoppen. Mit dem Camper kam ich nicht ganz bis auf den eigentlichen Parkplatz meines heutigen Abenteuers, daher lief ich den letzten Kilometer zu Fuß.
Hier war ich bereits gut 1000m über dem Meeresspiegel und damit weit über der Baumgrenze. Geröll, Fels, Flechten Moose und flache Büsche prägen hier die Landschaft.
Nach kurzem Fußmarsch kam ich dann an der Basisstation der Gaustabahn auf 1150 m.ü.NN an. Diese ist eine Bergbahn, die vollständig im Inneren des Gaustatoppen, des 1883 Meter hohen „Telemark-Juwels“ verläuft.
Schon Anfang der 1950er-Jahre entstand die zivile Vision, eine Bahn zu bauen, die mehr Menschen komfortabel auf diesen exponierten Aussichtsgipfel bringen sollte.
1953 wurde das Projekt als touristische Bergbahn geplant, doch mit Beginn des Kalten Krieges übernahmen Militär und Geheimdienste die Idee. Zwischen 1954 und 1959 trieb man dann Tunnel und Kavernen in den Berg, um eine hermetisch abgeschottete NATO-Radar- und Funkstation samt Versorgungsbahn auf dem Gipfel zu errichten. Die Bahn diente über Jahrzehnte fast ausschließlich militärischen Zwecken: Sie brachte Personal und Material wetterunabhängig zur Gipfelstation, geschützt im Berg und damit weitgehend bombensicher im Ernstfall.
Bis Mitte der 1990er-Jahre blieb die militärische Nutzung und der gesamte Anlagenkomplex im Berg geheim, erst danach wurde über eine zivile Umnutzung ernsthaft nachgedacht. Ab etwa 2004 wurde die Strecke umfassend saniert, mit modernen Sicherheits- und Bahnsystemen ausgestattet und auf eine touristische Nutzung vorbereitet.
2010 war es dann endlich soweit: Die einst geheime NATO-Bahn wurde offiziell für Besucher eröffnet, heute fahren jährlich über 75.000 Menschen mit ihr auf den Gipfel – besonders im Sommer und zur Skisaison.
Die Gaustabahn besteht aus zwei Abschnitten im Felsinneren: Zunächst betrete ich die Station durch eine sehr militärisch wirkende Stahltür. Dahinter stieg ich in die "Trambahn", die mich auf einer rund 850 Meter langen, horizontalen Tunnelbahn tief in den Berg brachte. Hier im Inneren ist es das ganze Jahr über konstant etwa 5-8°C kühl. Dort angekommen, stieg ich aus und wechselte in die Standseilbahn. Auf dieser Strecke verkehren zwei Waggons im Pendelverkehr. Schon die Form der Bahn ist genau auf die 39°-Steigung (das sind etwa 80%) ausgelegt... Über eine 1050m lange Strecke, überwindet die Bahn knapp 700 Höhenmeter in wenigen Minuten. Dabei schaukelte und schepperte es ganz schön...
Schließlich gelangte ich durch einen langen Tunnel wieder aus dem Berg heraus und stand plötzlich auf 1800 m.ü.NN - nur knapp unterhalb des Gipfels.
Übrigens kostete der Bau der Bahn zur damaligen Zeit rund 14 Millionen Norwegische Kronen – für eine Bahn, von der zunächst kaum jemand etwas wissen sollte. Zum Glück finanzierte die NATO diesen Bau...
Im Winter funktioniert die Gaustabane praktisch wie ein „Untergrund-Sessellift“ und erschließt spektakuläre Off-Piste-Abfahrten im Skigebiet Gausta/Gaustablikk.Read more


















