• Arendal und Grimstad

    August 8 in Norway ⋅ ☁️ 19 °C

    Mit dem kostenlosen gläsernen Panoramaaufzug fahre ich ganz entspannt von meinem Parkplatz aus runter in das Zentrum Arendals. Zunächst konnte ich auf den ersten 20m noch durch das Glas auf die Stadt schauen, die unteren 40m verliefen dann aber durch den Felsen.
    Besonders gut gefiel mir der kleine
    Stadtteil Tyholmen. Bis in die 1930er-Jahre war er noch eine eigene Insel und blieb dadurch von den großen Stadtbränden des 19. Jahrhunderts verschont – deshalb sind hier die ältesten, dicht stehenden Holzhäuser der Stadt erhalten geblieben. 1992 wurde Tyholmen für die vorbildliche Restaurierung mit der silbernen Europa-Nostra-Medaille ausgezeichnet.
    Auf einem kleinen Platz entdecke ich das, was mich nach Arendal gelockt hat: Die Fotoausstellung "Stars of Polar Night" bietet einen Einblick in das Leben und die Arbeit auf der„Ny-Ålesund Research Station“ auf Spitzbergen, einer der weltweit bedeutendsten Forschungsgemeinschaften für Klimaforschung in der Arktis. Durch eindrucksvolle Dokumentarfotografien zeigt die Fotografin und Wissenschaftskommunikatorin Esther Horvath, wie hier daran gearbeitet wird zu verstehen, wie der Klimawandel unseren Planeten beeinflusst.

    Insgesamt wirkt die Stadt etwas ausgestorben. Das kann allerdings auch an den Vorbereitungen zur "Arendalsuka" liegen, die hier ab Montag stattfinden wird. Die Arendalswoche ist Norwegens größte politische Veranstaltung und findet seit 2012 jedes Jahr im August hier in Arendal statt. Fünf Tage lang dient das Event als offene und demokratische Arena für Debatten, Vorträge und den Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

    Ich spazierte noch am schönen Hafenbecken entlang, das angeblich auch als "Arendals Antwort auf Nyhavn in Kopenhagen" bezeichnet wird - nun, wo ich den Vergleich habe, ist das wohl etwas übertrieben. Rund um das Becken reihen sich aber ebenfalls Restaurants, Cafés und Terrassen. Historisch war der Hafen enorm bedeutend – durch das Zollprivileg von 1523 lagen zeitweise so viele Schiffe vor Anker, dass man der Legende nach trockenen Fußes vom Rathaus zur vorgelagerten Insel Hisøy hätte gehen können. Um 1880 war Arendal sogar die größte Seefahrtsstadt Nordeuropas, bevor die Dampfschifffahrt den Niedergang einläutete.
    Arendal wurde ursprünglich auf sieben kleinen Inseln erbaut und trug deshalb früher den Beinamen "Venedig des Nordens" bzw. "Venedig Skandinaviens" – viele der einstigen Kanäle wurden im Laufe der Zeit zugeschüttet.

    Auf dem weiteren Weg machte ich noch einen kleinen Zwischenstopp in Grimstad. Hier war es sehr viel lebhafter als in Arendal und ich spazierte die Fußgängerzone entlang. Dabei entdeckte ich auch eine witzige Karikatur als Wandmalerei, die mit Henrik Ibsen und der norwegischen Sprache spielt. Der Satz „Ibsens ripsbusker og andre buskevekster“ („Ibsens Johannisbeersträucher und andere Strauchgewächse“) gilt als bekannter norwegischer Zungenbrecher. Ibsen selbst antwortet mit einem Zitat von Nora aus Et dukkehjem: „Ich habe so ungeheuer Lust zu sagen: Tod und Pein!“ – einer altmodisch-dramatischen Fluchformel. Selbst Norwegens großer Dramatiker scheint angesichts dieses sprachlichen Stolpersteins die Geduld zu verlieren. Zum Abschluss trank ich noch einen Kaffee am Hafenbecken und fuhr dann weiter.
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