• Wieder auf den Bergen...

    May 10 in Greece ⋅ ☀️ 16 °C

    Heute nacht waren wir wieder auf 800 m hoch. Zum Frühstück gabs endlich mal Sonne.
    Habe einen Spaziergang gemacht zu einem kleinen Wasserfall und dann in das Bergdorf Ano Skotina. Ano Skotina ist eines dieser stillen Bergdörfer am Südosthang des Mount Olympus, die heute fast wie ein Übergang zwischen Mythos, verlassener Vergangenheit und sanftem Wiederaufleben wirken. Das Dorf liegt auf etwa 600–750 m Höhe oberhalb der Küste zwischen Litochoro und Platamonas und blickt gleichzeitig auf den Olymp und den Thermaischen Golf.

    Besonders interessant ist, dass „Skotina“ eigentlich aus mehreren Siedlungen besteht:
    das heutige untere Dorf Skotina,
    die Küstensiedlung Paralia Skotinas,
    und das alte Bergdorf Ano bzw. Palia Skotina.
    Viele Bewohner verließen das Bergdorf im 20. Jahrhundert Richtung Küste, weil das Leben oben hart war und unten Tourismus, Landwirtschaft und Verkehr einfacher wurden. Dadurch bekam Ano Skotina etwas Halbverlassenes – ähnlich wie manche Dörfer in Epirus oder im Taygetos. Seit einigen Jahrzehnten restaurieren jedoch einzelne Familien wieder die alten Steinhäuser.
    Architektonisch ist das Dorf typisch makedonisch:
    enge Gassen,
    Schiefer- und Ziegeldächer,
    massive Steinhäuser,
    große Platanen am Dorfplatz,
    und kleine Kirchen mit byzantinischen Fresken.
    Hier sind wir immer noch tief in Orpheus Mythos verhaftet. Er steht gewissermaßen zwischen Mythologie, Religion und möglicherweise reale Erinnerung an sehr alte ekstatische Kulttraditionen. In der klassischen Sage war Orpheus ein Sänger aus Thrakien. Die meisten Historiker gehen davon aus, dass der mythologische Orpheus keine eindeutige historische Einzelperson war.
    Schon die antiken Griechen diskutierten nicht über Orpheus als Mythos, sondern auch über "orphische Schriften", religiöse Rituale, Reinigungspraktiken und geheime Einweihungen. Ursprung vielleicht 1200-700 v.Chr. Die Griechen selbst verorten Orpheus sogar vor Homer, vielleicht sogar in die Zeit des Argonautenzug mit Jason.
    Die ersten schriftlichen Hinweise erscheinen erst im 6. - 7. Jahrhundrt v. Chr. Auch sein Tod ist sehr mystisch - er soll hier um die Ecke in Leibethra begraben liegen.
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