• Tag 34+35: Auf den Rinjani! Teil II/II

    August 11, 2024 in Indonesia ⋅ 🌙 7 °C

    Der nächste Tag begann für uns dann schon um 1:50 Uhr. Wir zogen alle Schichten inklusive Thermosachen an, die wir dabei hatten und gingen nach einem kleinen Mitternachtsimbiss los. Die Geschichten von der Aufstiegsstrecke waren nicht übertrieben gewesen: Die Vulkanasche hatte den sehr steilen Weg zum Gipfel extrem schwer begehbar gemacht. Wenn man nicht die richtige Technik anwendete, verschwendete man extrem viel Energie, weil man genauso viel oder sogar mehr herunterrutschte wie man hochstieg! Der Spruch "1 Schritt vor und 2 zurück" ergab plötzlich einen anderen Sinn für uns. 😅 Zudem merkte man auch irgendwann die Höhe, was sich bei uns in leichtem Unwohlsein und Übelkeit äußerte. Sobald man aber tief durchatmete, den Rucksack ablegte, sowie Wasser und einen Schokoriegel von Basri zu sich nahm, ging es wieder. Der Guide war abgesehen davon nicht wirklich hilfreich, da er nur eine Stunde geschlafen hatte und ständig irgendwo am dunklen Wegesrand einschlief und uns verlor. 😂😅
    Grundsätzlich ließ sich dieser letzte Aufstieg zum Gipfel in 3 Etappen einteilen, wovon die erste und die letzte Etappe am schlimmsten waren.
    Nach 3 Stunden Kampf mit uns selbst und der Vulkanasche waren wir aber doch rechtzeitig zum Sonnenaufgang endlich oben! Diese Aussicht war wirklich der absolute Wahnsinn. Die Bilder sprechen hier mehr als 1000 Worte.
    Im Gegensatz zum Kilimanscharo war der Aufstieg terraintechnisch zwar um einiges schwieriger, aber dafür war die Temperatur am Gipfel deutlich angenehmer und man transformierte sich nicht direkt in einen Eiszapfen wenn man stehen blieb. 😂 Auch das Atmen fiel oben um einiges leichter als dort. Das führte dazu, dass wir oben recht gemütlich ein wenig verweilen und den Sonnenaufgang genießen konnten. 🥰🌄☀️

    Der Abstieg war entgegen unseren Erwartungen (und Basris Beteuerungen!) nicht wirklich angenehmer, da man sehr (!) leicht auf der Asche ausrutschen konnte. (Katja schaffte es, sich ganze 10 mal in die Horizontale zu begeben 😝🙈). Auch die Müdigkeit der Muskeln von dem unfassbar anstrengenden Aufstieg führten dazu, dass man nicht mehr so viel Kontrolle über die Beine hatte und mehr stolperte als ging. Die meisten anderen Bergsteiger fielen auch mehrmals und liefen so als hätten sie mehr als Einen im Tee gehabt, es hatte schon eine gewisse Komik. 😂😝 Aufgemuntert haben uns die überraschend sozialen Langschwanz-Makaken-Affen, die jeden Morgen ebenfalls zum Sonnenaufgang in Richtung Gipfel klettern, um ein paar Kekse von den Wanderern abzustauben (oder zu klauen) 😆.
    Nach dem Frühstück im Camp ging es erst richtig mit dem sportlichen Teil los: der steile Weg runter zum See, bei dem man große Teile klettern musste, um den steinigen Abhang zu meistern. Unser Guide verbot uns, hier Fotos zu machen, da sich hierbei schon einige Touristen die Beine oder den Rücken gebrochen hätten. Wir schafften es zum Glück ohne Verletzungen und gelangten erst zum wunderschönen Kratersee und dann nach dem Mittagessen zu den heißen Quellen. Das war die perfekte Erholung bevor es schon wieder nach oben ging!
    Auf dem Weg nach oben zum zweiten Camp mussten wir auch Einiges klettern, schafften es aber auch hier unbeschadet. Leider sind wir ein wenig langsamer geworden (und ja, wir haben auch seeehr lange im heißen Quellwasser gelegen 😂), sodass wir erst nach Sonnenuntergang im Dunkeln an unserem Camp eintrafen. Ein bisschen besorgniserregend war auch die Position unseres Zeltes, welches die Porter glücklicherweise bereits aufgebaut hatten. Wenn man den Kopf aus dem Zelt steckte, schaute man direkt in den Abgrund hinein 🤪. Es war aber leider der einzige freie Platz gewesen. Man musste eben ein wenig aufpassen. 😅🤷🏼‍♂️ Sehr glücklich hat uns das Abendessen (mit Stirnlampen direkt am Abgrund 😂) gemacht, da wir ein unfassbar leckeres Curry bekommen haben.
    Am nächsten Tag wanderten wir über eine sehr rutschige Strecke und dann durch den Dschungel zurück zum Gate. Die einzigen zu überwindenden Schwierigkeiten waren hierbei riesige Monster-Bienen, die trotz Insektenspray scheinbar in unseren (schwitzigen?) Geruch verliebt waren und uns daher verfolgten und unsere geschundenen Beine, die bei jedem Schritt bergab wegzuknicken drohten. 😅

    Obwohl es echt hart war und wir auch etwas Angst vor dem Riesenvulkan hatten, haben wir es geschafft.
    Wir haben die Tour direkt gebucht, als wir von der grandiosen Aussicht gehört haben. Vielleicht mag es für manche verrückt oder unnötig sein, etwas derartiges im Urlaub zu machen. Für uns ist es fast schon notwenig, denn bei der Herausforderung einer Bergbesteigung geht es nur nebenbei um körperliche Dinge. Vielmehr zählt für uns die Abhärtung des Geistes und das Antrainieren eines routinierten Verhaltensmusters. Nämlich sich stets aus eigener Kraft das zu holen, was man im Leben möchte, um niemals etwas zu bereuen. 🥰
    Read more