• Ende: Kriegstunnel, ๐ŸŒ & Dafalgan-Sour

    November 13, 2025 in Vietnam โ‹… โ˜๏ธ 27 ยฐC

    Xin Cao, ein letztes Mal für diese Reise Jan hier ๐Ÿ™‹๐Ÿผ‍โ™‚๏ธ. Nach einer weiteren Busfahrt kamen wir in
    Ho Chi Minh City (HCMC) an.
    Wir waren am Abend nur noch dazu imstande etwas futtern zu gehen, also nahmen wir uns noch eine lokale Spezialität vor: Das Banh Xeo.
    Dies ist eine Art absurd großer Pancake, den man zusammen mit Shrimps, Schweinefleisch und einigen anderen Zutaten in ein Reispapier packt, rollt und isst. Natürlich haben wir das nicht selbst gewusst, sondern mussten uns das zeigen lassen. ๐Ÿ˜ Es war ziemlich lecker!

    Im Hotel hatten wir wieder ein super Frühstücksbuffet und eine Rooftop Bar mit Pool. Leider konnten wir diese anfangs kaum nutzen, denn nun war ich so erkältet, dass ich durchgehend hustete und mich vor Erschöpfung und Schmerzen kaum bewegen konnte. Außerdem hatte ich so starke Übelkeit, dass Essen auch nicht mehr so gut ging.
    Ich hatte auch nachts einen langen Fiebertraum von einem Kellner, der mir unendlich Shrimps mit Knoblauch unter die Nase hielt und mein ganzes Zimmer damit zustellte. Also war ich die ganze Nacht kurz vor dem Erbrechen und hatte morgens kaum Lust auf irgendetwas.
    Da hätte ich noch nicht für möglich gehalten, dass ich abends mit einer AK-47 schießen würde... ๐Ÿ˜‚. Aber eins nach dem anderen.

    Das Hotel hatte leider Kommunikationsprobleme, weshalb wir nach einer Nacht für die zweite Übernachtung dort den Raum wechseln mussten. Also alles wieder zusammenpacken und umziehen in diesem Zustand. Aber wir haben es geschafft. Ich nahm ordentlich Medikamente aus unserer Reiseapotheke ein: Antibiotika, Ibuprofen, Novalgin, Dafalgan, Dimenhydrinat und Omeprazol. Außerdem besorgte ich mir mit meinem Arztausweis in einer hiesigen Apotheke Codein gegen den Husten und betäubende Halsbonbons gegen die Schmerzen. Außerdem machte mir die nette Hotelldame Jade einen Ingwertee mit Honig. Mit meinem grösstenteils chemischen Zaubercocktail fühlte ich mich nun bereit, unseren Tagestrip zu den Cu Chi Tunneln anzutreten.
    Das ist das Must-See in der Nähe von HCMC.
    Dort kann man die Tunnel der Vietkong sehen und einiges über sie und den Vietnamkrieg lernen. Deswegen hier eine kleine Geschichtsstunde ๐Ÿค“:
    Der Krieg ging 20 Jahre (1955-1975) und hat insgesamt bis zu 3 Millionen Vietnamesen das Leben gekostet. Die Hauptkontrahenten waren Südvietnam mit Unterstützung der USA gegen Nordvietnam mit Unterstützung der Sowjetunion und Chinas. Ca. 55 Tausend US-Soldaten starben ebenfalls im Kampf. In der Geschichte wird der Konflikt als Kampf Vietnam vs. USA dargestellt, was aber so nicht korrekt ist. Es war eigentlich ein Stellvertreterkampf im kalten Krieg. Allerdings befürchtete die USA die Zuwendung ganz Südostasiens zum Kommunismus, sollte Nordvietnam gewinnen (sog. Dominotheorie). Deswegen haben sich die vereinigten Staaten so "engagiert". Die Vietkong haben mit vielen unorthodoxen, einfallsreichen Mitteln und Behaarlichkeit gewonnen, was gegen die Weltmacht USA sehr beeindruckend ist. Und das obwohl die USA chemische Waffen wie "Agent Orange" (Entlaubungsmittel zur Enttarnung der Vietkong im Dschungel, extrem toxisch für Menschen) und Napalm (Brandstoff) eingesetzt hat.
    Die Vietkongguerrilla haben sich ein komplexes Tunnelsystem gebaut und jahrelang in diesen Tunneln gelebt! So konnten sie sich verstecken und auch aus dem Hinterhalt angreifen. Die Tunnel waren so klein, dass Amerikaner nicht reingepasst haben (heutzutage wurden sie für Tourusten deutlich vergrößert, trotzdem bekommt man dort drin Platzangst). Außerdem hatten die Vietkong einen Haufen kreativer, fieser Fallen, die sie aus den Bombentrümmern der Amerikaner gebaut haben. Der Einfallsreichtum ist schon beeindruckend. Sie hatten nicht einmal Elektrizität... Aber sie hatten zum Beispiel Schuhe, wo die Sohle falsch herum geformt war, damit die Amerikaner bei der Fährtenlese in die falsche Richtung gingen ๐Ÿ‘€.
    So, nun aber genug des Unterrichts. Wir waren also dort und die Atmosphäre in Cu Chi war schon etwas besonderes. Es gab sogar einen Schießstand in diesem Dschungel. Deshalb hörte man überall Schüsse. Man konnte dann auch selbst schießen. Ich habe 10 Schüsse mit der AK-47 geschossen (wenn man schon mal da ist ๐Ÿ˜ƒ). Nach einem gemeinsamen Tapioka-Essen ging es wieder zurück in die City. Nach einem Gute-Nacht-Banh-Mi gingen wir zwecks Genesung dann schnell schlafen.

    Hier nochmal Katja ๐Ÿ™‹‍โ™€๏ธ
    An unserem letzten Tag in Vietnam wollten wir auch noch etwas unternehmen, was uns Chris (der sympathische Brite von der Wanderung in Sapa) empfohlen hatte: Eine Foodtour durch die City!
    Wahrscheinlich wäre so eine Aktion zu Anfang der Reise besonders geeignet gewesen, um einen guten Einstieg in die Kultur und das lokale Essen zu finden.
    Aber durch unseren Kochkurs in Hanoi, den Besuch des Frucht- und Kräutergartens am Mekong sowie das Verköstigen vieler lokaler Gerichte im Norden und Süden Vietnams konnten wir schon Einiges lernen und probieren.

    Natürlich haben uns noch viele, viele typische Gerichte gefehlt und wir hatten auch einfach Lust zum Schluss noch etwas Neues zu erfahren und kennenzulernen.
    Unsere beiden Foodtourguides waren 2 lustige und etwas freche vietnamesische Mädels namens Anna und Hilary. ๐Ÿ˜„
    Wider Erwarten bestand unsere kleine Gruppe nicht aus Deutschen (es hätte uns nicht überrascht), sondern nur aus einem jungen britischen Pärchen und 3 älteren Amerikanern.
    Es ging in einem kleinen Laden los, wo es eine köstliche Kokossuppe mit Reisnudeln und Fisch und dazu grünen Eistee gab. Dann liefen wir über einen riesigen 24h-offenen Blumenmarkt, wo uns ein Faktenquiz zu verschiedensten Blumenarten erwartete. Anschliessend gab es herzhafte und süße Süßkartoffelbällchen mit Shrimpsalz, ein Rindfleischgericht als Streetfood, Reiscräcker mit Sesam, Ingwer oder Banane, eine vietnamesische "Pizza" (quasi belegtes und überbackenes Reispapier mit speziellen Saucen) und..... und..... ๐Ÿฅ
    Riesige Schnecken! Dabei wurde ein richtiges Unboxing durchgeführt. ๐Ÿ˜‚

    Und es kam noch schlimmer: eine vietnamesische Delikatesse namens "Balut". Dabei handelt es sich um ein angebrütetes und gekochtes Entenei inklusive Entenembryo im Alter von 19 Tagen. Hierbei wird die "Brühe" direkt aus dem Ei geschlürft und der Embryo anschliessend gelöffelt..... Mir wird schon wieder ganz schlecht, wenn ich beim Schreiben daran denke. ๐Ÿ˜ต‍๐Ÿ’ซ๐Ÿคฎ
    Die Vietnamesen finden das aber ganz toll und je nachdem von welcher Seite man das Ei ist, bringt es Glück oder Unglück über einen. (Man kann sogar die ganze Familie verfluchen, wenn man zu viele dieser Eier von der falschen Seite her ist.) Irgendwie kann ich das mit dem Fluch und dem Unglück aber nachvollziehen... ๐Ÿ˜…
    Von unserer überaus mutigen Gruppe hat sich tatsächlich etwa die Hälfte aller Leute getraut sowohl die Schnecken als auch die Enteneier (!) zu probieren.
    Bevor ihr ehrfürchtig vor uns euren Hut lüpft: Wir gehörten hierbei der weniger mutigen Hälfte an. ๐Ÿ˜…
    Uns hat das Zuschauen der anderen beim Essen bereits mehr als genügt....
    (Allerdings müssen wir an dieser Stelle zugeben, dass alle sagten, es sei nicht so übel.)
    Auch wenn wir teilweise ein wenig gegen die Übelkeit und den Schock beim Anblick dieser Spezialitäten ankämpfen mussten, war die Tour einfach total unterhaltsam: Anna und Hilary erzählten uns alle möglichen Geschichten und Hintergründe zu dem Essen, der Region, den Menschen und besonders interessant: zum Aberglauben. Fast jedes Gericht hatte irgendwelche Hintergrundgeschichten und Mythen.

    Als kleine Verschnaufpause liefen wir über einen lokalen Markt, welcher uns sehr an die thailändischen Nachtmärkte erinnerte. Komplette Reizüberflutung und verrücktes Essen an jeder Ecke.
    Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus.
    Anschliessend gab es unser geliebtes Banh Mi und sowohl süße als auch herzhafte Banh Bao. Das sind kleine Taschen aus Reismehl mit verschiedenen Füllungen, die ähnlich wie Knödel gekocht oder frittiert werden können.
    Auch hierbei wurden uns lustige Geschichten erzählt und einige Besonderheiten der vietnamesischen Wohnkultur erläutert.

    Schon bereits gut gefüllt ging es weiter zu einem Restaurant wo es wieder das Banh Xeo gab. Eine Variante davon hatten Jan und ich bereits vorgestern das erste Mal probiert (der XXL-Pancake ๐Ÿ˜…), diesmal haben wir das Gericht aber buchstäblich Blatt für Blatt auseinandergenommen.
    Neben normalen Salatblättern belegt man sich das Reispapier mit Koriander, Wasabi-Blättern, Zitronenminze, ja auch mit Fischminze ๐Ÿ˜‚, und noch einigen anderen Blättern die ich aber leider vergessen habe. Dazu kommt dünn geschnittene, unreife Banane (dörrt den Mund beim draufbeißen vollständig aus, sehr interessantes Gefühl! ๐Ÿ˜‚), Gurke und Sternfrucht. Dann packt man den vietnamesischen Reispancake drauf und noch eine Füllung aus meistens Shrimp und Schweinefleisch. Jan und ich hatten die vegetarische Variante, die auch einfach super war!
    Zu guter Letzt gab es noch eine Auswahl verschiedener Dessert-Puddings aus Bohnen mit Erdnüssen oder Kaffeesoße. ๐Ÿ˜ Auch sehr cool war der Kokos-Wackelpudding, einfach toll!

    Dadurch, dass sich alle Speisen in der Gruppe geteilt wurden (und man z.B. keinen ganzen Banh Mi essen musste) konnte man alles sehr gut probieren und war am Ende perfekt gesättigt ohne völlig überfressen zu sein. ๐Ÿ˜‚ Ein paar der (geeigneten) Essensreste wurden auch für eine Schweinefarm in der Nähe eingepackt, sodass möglichst wenig übrig blieb.
    Wir fanden die Foodtour einfach super, es hat richtig Spaß gemacht, auch wenn es sich wirklich verrückt anfühlt so viel verschiedenes Essen auf einmal zu probieren. ๐Ÿ˜…

    Fazit der Reise:
    Es war eine sehr interessante und aufregende Reise. Und das, obwohl sie durch eine Vielzahl stressiger Situationen in der Schweiz (Umzug, Jobwechsel, u.a.) und Krankheit beeinträchtigt war.
    Durch Naturkatastrophen (Flut und Taifun) in Zentralvietnam und schlechtes Wetter auf der Insel Phu Quoc konnten wir diese beiden Ziele nicht bereisen. Deshalb hatte der Urlaub zwar einiges an Abenteuer, Natur und Kultur zu bieten, Entspannung und Urlaubsfeeling kamen aber eher kurz. Und trotz alldem, war es die Reise definitiv wert. ๐Ÿฅฐ
    Das Land Vietnam bietet eine vielfältige Natur, gutes Essen und eine sehr interessante Bevölkerung. Wir wissen noch wenig über die Vietnamesen und deren Mentalität, haben sie aber als freundliche, humorvolle und super liebe Menschen erlebt. Auch die Historie und das politische System sind spannend und wir freuen uns darauf, dies mit vietnamesischen Bekannten in Deutschland & Schweiz demnächst mal bei einem Rotwein zu bequatschen ๐Ÿ˜€๐Ÿท.
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