• Schlüssel, Regen und andere

    November 7, 2019 in Ireland ⋅ 🌧 7 °C

    ...Unannehmlichkeiten

    Der Morgen begann mit der strahlenden Herbstsonne, die uns zwar nicht weckte (Danke Vorhänge!) - was auch nicht nötig war, da wir sowieso um halb acht bereits wach waren-, die aber eine schöne Abwechslung war.
    Wir gingen also frühstücken- ganz gemächlich, da wir erst gegen 10 Uhr beginnen sollten- waren aber schon um 9 Uhr arbeitsfähig und entschlossen uns darum früher loszulegen.
    Nur war da noch eine klitzekleine Sache, die wir davor zu erledigen hatten. Da Amelia noch nicht draußen gewesen war, hatte sie Alfie (ihr erinnert euch? Der wunderschöne belgische Schäferhund von den Fotos?) noch nicht in seinen Käfig gesperrt, in welchem er den Tag verbringt. Denn Alfie ist ein Beschützer und attackiert deshalb die Pferde, wenn diese einem zu nahe kommen. Alfie attackiert aber nicht nur Pferde, er schikaniert auch Menschen bzw. deren Arme und strapaziert meine Nerven (zumindest, wenn er draußen ist). Unsere Aufgabe war es also, den großen Hund in seinen Terrassenkäfig zu bringen, ohne dabei Sherlock, seinen Mitbewohner entkommen zu lassen (der haut nämlich sonst ab) und die anderen Hunde daran zu hindern, mit in den Käfig zu laufen.
    Leichter gesagt als getan, denn im Gegensatz zu Alfie setzten wir nicht unsere Zähne ein, um sie in seine Vorder- oder Hinterbeine zu pressen (weh tat's zwar nicht, aber blaue Flecken sind vorhanden).
    Auch das einsperren stellte sich also äußert schwierig raus. Anstatt den Kerl auf die Terrasse zu schaffen, beförderte er uns geradewegs in seinen Käfig und bewachte die Tür, sodass wir zunächst festsaßen. Gefangen im Käfig des Gegners? So ähnlich auf jeden Fall.
    Letztendlich mussten wir Amelia schreiben und um Rat bitten (und das alles unter den härtesten Bedingungen: denn unsere Augen waren völlig nass, von den Lachanfällen...der Verzweiflung, inzwischen war nämlich auch Sherlock aus der Box). Sie teilte uns ihren Plan mit und so rannten Marine und ich zurück zum Eingang (ich eigentlich nur als Ablenkung), sodass Marine von innen die Tür öffnen und Alfiee mit Brot in die Box locken konnte (Box/Käfig/Terrasse). Es funktionierte! Alfie lief geradewegs auf die Terrasse und Tons und ich verriegelten schnell das Tor. Leider war auch Bernie auf die Brotfalle hereingefallen und so war sie nun statt Sherlock mit Alfie im Gehege. Also beförderten wir sie durch das Haus, um sie letztendlich wieder draußen abzusetzen (ansonsten wäre Alfie nämlich wieder entkommen). Währenddessen hatte Sherlock es sich auf der Wiese gut gehen lassen und die restlichen Hunde etwas aufgemischt. Noch völlig erschöpft von der vorherigen Aktion versuchten wir den kleinen Hund zu fangen, was mir dann auch letzten Endes gelang und brachten ihn zurück zu Alfie.
    Nun (9.30 Uhr) konnten wir endlich mit der eigentlichen Arbeit beginnen! Hätten wir den Schlüssel für die Scheune gehabt! Aber das Schicksal meinte es an diesem Tag anscheinend nicht sonderlich gut mit uns und so war diese verschlossen. Also öffneten wir erneut die Haustür und fanden auch sogleich das Schlüsselkästchen. Kennt ihr diese Kästchen, die immer ganz brav im Flur stehen und ungefähr 1000 Schlüssel beinhalten, von denen selbst der Inhaber nicht genau weiß, wofür er die braucht? Jap, genau so eins fanden wir dort vor. Allerdings waren wir noch viel zu adrenalingeladen um daraus ein großes Ding zu machen. Wir schnappten uns also vier Schlüssel und begaben uns erneut zur Scheune. Nur um kurz davor wieder kehrt zu machen, sodass wir Amelia den richtigen Schlüssel abnehmen konnten...
    An der Scheune angekommen kam dann das nächste Problem auf. Wir bekamen das Tor nicht auf. Trotz Schlüssels. Tons versuchte es, ich versuchte es, aber ohne Erfolg.
    Ohne große Erwartungen versuchte es auch Marine und blub, da war sie, unsere (Er)Lösung. Der Schlüsselmeister. Der Schlüssel zum Schlüssel. Sie öffnete ohne weiteres das Schloss, sodass wir endlich mit unserer Arbeit beginnen konnten...
    Nachdem wir alle Ställe gesäubert und allen Pferden Heu und Futter gegeben hatten, striegelten Tons und ich je ein Pferd: Snowflake und Dollar (<3 siehe Bild). Dollar ist wundervoll und war einfach zu handhaben (auch wenn er unglaublich staubig war), Tons hatte es da mit Snowflake etwas schwieriger. Ob dennoch alles gut lief oder nicht, kann ich nicht sagen, denn Amelia bat mich mit ihr die Welpen zu dem Hundeschuppen zu bringen.
    Anstatt sie aber, wie zuvor überlegt, einzeln rüberzutragen, entschied sich Amelia dazu, einfach alle auf einmal rauszulassen und mit ihnen vor zu laufen.
    Soweit so gut. Die Welpen rannten umher, der Wind preschte uns entgegen und der Regen begann stärker zu werden. Und dann waren wir auch schon bei den ehemaligen Ställen und dem eingezäunten Vorbau. Zusammen schoben wir die ersten fünf Welpen in das eingezäunte Stück und ich bemühte mich das kalte Tor geschlossen zu halten. Der Regen war inzwischen noch stärker geworden und schräg, sodass das kleine Vordach des Schuppens uns keinerlei Schutz bot. Ja uns, mir und den fünf verängstigten Welpen, die sich allesamt zwischen mich und das Gitter gequetscht hatten und mit großen Augen um sich starrten. Immerhin war das ihre erste richtige Erfahrung mit Regen und dazu noch eine komplett neue Umgebung mit fremden Gerüchen und Eindrücken.
    Amelia meinte, dass ich bei den Welpen bleiben solle.
    "Ich hole den letzten Welpen"; sagte sie. "Die letzten beiden", korrigierte ich. Sie sah mich verwirrt an und hob eine Augenbraue. "Ich habe 6 Welpen." Sie schien sich ziemlich sicher zu sein, doch ich schüttelte entschlossen den Kopf. "Du hast sieben."
    "Ohhh scheiße", meinte sie und rannte davon.

    Während sie also die anderen beiden holte, welche zurück zu Tons und Marine in den Stall gelaufen waren, schlug ich mich mit den restlichen fünf herum. Darunter Nala, welche mir am liebsten (mit zwei weiteren) auf den Arm gesprungen wäre. Inzwischen waren wir allesamt komplett durchnässt und ich begann ernsthaft in Erwägung zu ziehen, einfach zwei von den Kleinen als Wärmflasche an mich zu drücken, aber ich musste ja noch immer das Tor halten.
    Nach einer gefühlten Ewigkeit (vermutlich drei Minuten später) Schritten Amelia und Tons mit den zwei verbliebenen Welpen auf die Hütte zu und gemeinsam sperrten wie die Kleinen zu den beiden Rüden, die Amelia "ihre Babysitter" nennt (die heißen beide irgendwas mit B, da alle Jagdhunde mit B beginnen. Wirklich. Alle 20!).
    Durchnässt und durchfroren rannten wir ins Haus, um uns bei einer heißen Schokolade aufzuwärmen. In unserer Pause begannen Tons, Marine und ich einen Film zu schauen, obwohl Amelia uns anbot mit nach Wicklow zu fahren. Aber ganz ehrlich? Es war einfach sehr bescheidenes Wetter und mir immer noch kalt, also bevorzugte ich die Couch um einiges mehr!
    Gegen halb fünf mussten wir dann aber doch nochmal raus und die Ställe misten. Es regnete immer noch, aber das größere Problem war: es war bereits dunkel. Das ist ja kein Problem im Stall, wo die Lichter leuchten, außerhalb aber schon. Schon mal nen Schubkarren voller Scheiße im Dunkeln geleert? Wir schon! Genauso wie Stroh und Heu geholt. Obwohl wir recht zügig nach einer Außenbeleuchtung suchten und auch eine fanden, die dank eines Bewegungssensors sogleich Licht scheinen ließ, sofern sie einen wahrnahm.
    Mit ihr schaltete sich allerdings auch die Securitykamera an und so war der Satz "warning, you have been recorded by a security camera" (zu Deutsch: Warnung, du wirst von einer Sicherheitskamera aufgenommen) unser ständiger Begleiter- ich wusste nicht, dass ich so eine große Gefahr für die Gesellschaft darstelle, bis ich zum 300 mal von der Kamera darauf hingewiesen wurde, beim Stroh holen, überwacht zu werden...
    Um 7 Uhr rum gab es dann was zu futtern! Und zwar Irish Stew- wie am ersten Tag (leider diesmal kein Schokokuchen danach...). Gemeinsam mit Amelia saßen wir noch lange im Esszimmer und dachten uns zu viert Namen für die Welpen aus und weitere B-Namen, falls sie noch mehr Jagdhunde kriegen sollte.
    Mit Stolz kann ich euch hier die Liste der Namen der Welpen präsentieren:
    Frodo, wie wir ihn getauft hatten, würde auch weiterhin so heißen
    Fred und George heißen nun Cappuccino und (ich glaube der hat noch keinen Namen, aber ich wäre ja für Mocha, Tacco oder Burrito); die angebliche Cappuccino heißt eigentlich Milo; Nora wurde zu Pumpkin(=Kürbis); Pizza zu Pepsi (was sehr viel besser passt! Ich hab Amelia noch nie Wasser trinken sehen!) und Nala durfte bleiben (yaaaay).
    Kurz bevor wir zu Bett gingen, schauten wir noch Videos und Serien und dann wurde froh geschlafen, da wir am nächsten Tag bereits um acht Uhr auf der Matte stehen sollten...
    Trotz der vielen unerfreulicheren und etwas schwierigen Situationen (oder vielleicht auch genau deshalb) war der Tag durchgängig unterhaltsam und wir stets am Lachen (vielleicht auch aus Verzweiflung)- außer bei der Security Cam, die hat am Ende nur noch genervt...
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