Unter Spannung
November 16, 2019 in Ireland ⋅ ⛅ 4 °C
Der Tag begann für uns schon vor Morgengrauen. Da Amelia eine Trekkingtour um 8.30 Uhr hatte (und dazu noch mit fünf Pferden), standen Tons und ich bereits um 6 Uhr am Stall (um 5.15 Uhr hatte der Wecker geklingelt), um die typischen Aufgaben zu erledigen. Da Marine immer noch in Dublin war und bis morgen dort auch noch sein würde, hieß das für uns ein Drittel Arbeit mehr! Also fütterte der eine Heu und Beet Pulp und nahm den Pferden die Decke ab, während der andere mit Ausmisten begann.
Eine Viertelstunde später gesellte sich auch Amelia zu uns und bat mich Hercules auf die Weide zubringen sowie Athena zu holen. Also zog ich Herki eine Outdoordecke über und schlenderte mit ihm zur Weide neben dem Haus. Keine Minute später stand ich auch schon vor dem eigentlichen Koppelgatter und öffnete einhändig das Tor. In der anderen hielt ich mein Handy, das mir den Weg durch das Matsch- und Zaunlabyrinth scheinen sollte. Immerhin war es erst kurz nach sechs, also dunkel und es gab keinerlei Lichter in der Nähe der Weide. Also auf zu Athena! Zu allem Überfluss graste diese auf der hintersten Weide zusammen mit Bo (dem riesen Pferd). Um auf diese Weide zu kommen, musste man erst durch andere hindurch. So öffnete ich ein Drahtteil mit Plastikummandelung (wir haben beide keine Ahnung, ob es für dieses Verbindungsteil einen Fachausdruck gibt – gibt es bestimmt- und wie man das ansonsten umschreiben soll!) nach der anderen (eigentlich waren es insgesamt nur zwei, aber das klingt nur so semi-theatralisch), bis ich schließlich vor dem eigentlichen Gatter stand. Bemüht vorsichtig versuchte ich den „Zaun“ (/das Seilfadending) am Plastikverschluss zu öffnen, allerdings stellte sich das als äußert schwierig heraus und schon beinahe unmöglich mit einer Hand. Ich stand also da, im Dunkeln, um 6.30 Uhr, mit aktivierter Taschenlampenapp, vor einem Elektrozaun hinter dem mich zwei Pferde teils neugierig teils ungeduldig anstarrten, eines davon so groß wie ein Kamel (keine Ahnung, ob Kamele so groß sind, aber in meiner Vorstellung sind sie riesig!) und versuchte schnellstmöglich wieder zurück zum Stall zu kehren, um Tons mit den restlichen Pferden zu helfen, da wir noch alle bürsten mussten- insbesondere Athena vor mir würde eine geraume Zeitspanne einnehmen, da sie eine Schlammschicht über, unter und auf dem Fell trug. Und nun sollte ich an diesem blöden Durchgang zu Grunde gehen? Nein, ganz sicher nicht! Ich musste versuchen, diesen Eingang irgendwie aufzukriegen.
Und das tat ich auch, indem ich an den Draht, der in einem Verschluss am einen Holzpfosten hing und diesen mit dem nächsten Pfosten verband, langte, um ihn aus dem Verschluss zu puhlen. `Moment, hatte sie nicht oben Elektrozaun geschrieben?´ Jap, hatte sie und merkte sie auch sogleich als sie das Drahtstück berührte und jäh einen Stromschlag bekam. Wenn mein Hirn davor auf Standby gestanden hatte, so war es jetzt vollends hochgefahren! Murrend und diesmal etwas klüger steckte ich mein Handy ein und hob den Draht (am Plastikverschluss!) mit beiden Händen an, sodass der Draht aus dem Verschluss gehoben wurde. Ohne große Zwischenfälle ließ sich Athena von mir von der Koppel geleiten – anscheinend merkte sie, dass ich etwas unter Strom stand…
Sobald wir zurück im Stall waren, bürstete ich Athena und Miss Murphy, während Antonia in der Zeit fünf andere Pferde striegelte (zu meiner Verteidigung: keines war so dreckig wie Athena gewesen!). Amelia sattelte vier von ihnen und kurz nach acht verfrachteten wir diese im Pferdeanhänger, in welchem sie mit Amelia und Mike zum Strand fahren und dort ausreiten würden (also auf ihnen wurde geritten, nicht sie würden selbst reiten…aber ich schätze, das versteht sich von selbst! Wer den Teil oben verstanden hat, der wird das hier auf jeden Fall verstehen…).
Zwischenstand: bis jetzt ist erst 8.20 Uhr am Morgen. Normalerweise würden wir erst in 20 Minuten mit der Arbeit beginnen.
Calypso, Silver, Starsky, Adele und Athena (Kurz: Sasca, Acsas, Cassa, Caass oder Aacss) fuhren mit Amelia und Mike (zusammen also: Massaca) in einem riesen Truck zum Tor, um zum Strand zu tuckern. Derweil fing ich Hercules wieder ein, der sich dazu entschieden hatte, dass das Gras vor dem Gatter deliziöser ist als dahinter und führte ihn zurück in seine Box. Es war kurz vor 10 Uhr als wir unsere erste kleine Pause machten (Pipi- und Trinkpause) und Tons meinte, dass sie einen Welpen gesehen hätte, der aussah wie Bernie. Ich hielt es für eine Spiegelung im Fenster, bis Tons den kleinen (allerdings ausgewachsenen) Hund auf dem Arm hielt und Nina über den Zaun reichte, die gerade die Hündinnen ausmistete. Die Kleine war anscheinend währenddessen ausgebüchst und hatte ihre Freiheit in vollen Zügen genossen.
Danach haben wir Shauna auf die Koppel gebracht und Guinness, Hannah und Sparkles reingeholt. Diesen wuschen wir dann die Beine, was Tons recht nervenaufreibend fand. Als ich Guinness´ Beine –kurz vor unserer Pause- von dem ganzen Matsch befreite, kamen Amelia und Mike von der Trekkingtour zurück. Und mit ihnen völliges Chaos (bye bye geliebte Pause). Mit sich brachten sie nicht nur fünf dreckige Pferde, nein, auch noch eine Menge an Menschen, die wir zuvor noch nie gesehen hatten- darunter zwei Kinder, die sich später als Jack (6) und Chloe (9), Mikes Enkel, herausstellten. Somit herrschte reger Trubel. Die Ställe waren voll, sodass Athena, Adele und Silver mitten im Gang standen, Silver blutete aus irgendeinem Grund an der Schnauze und was die restlichen Leute anging, so begannen diese (laut Nina und einigen standfesten Beweisen) unsere Sachen zu durchwühlen (und das restliche Haus) sowie nach unseren Namen und Geburtsdaten zu fragen. Merkwürdig? Jap. Aber in diesem Moment unser kleinstes Problem. Wir begannen die Pferde abzusatteln, welche unruhig an ihrem Halfter zogen und auf die richtige Koppel zu bringen. Indessen verfütterte Jack seine Chips an alle möglichen Hunde.
Kurz nach 12 Uhr machten wir dann unsere erste wirkliche Pause. Die fremden Menschen hatten das Haus wieder verlassen, lediglich die Kinder waren noch da und würden die Nacht in Ninas Zimmer verbringen, weshalb diese kurzerhand in unser Zimmer ziehen musste und Marines Bett bezog.
Gegen zwei Uhr hatte Amelia einen erneuten Trek sowie eine Reitstunde, weshalb gegen halb vier kein einziges Pferd in der Scheune stand. Wir begannen mit ausmisten und Heu verteilen. Nach 20 Minuten kamen alle sieben Pferde zur gleichen Zeit zurück. Amelia half uns beim Absatteln und ich reinigte die verschiedenen Geschirre. Tons mistete indes noch aus oder half Amelia. Zum Schluss bürsteten wir jedes Pferd noch ab und zogen ihnen die Decken für die Nacht über. Abends warteten wir dann gemeinsam mit Nina im Zimmer auf das Abendessen, welches diesmal aus Fisch, Gemüse und Kartoffelstücken bestand. Später naschten wir noch ein Stück von Kates Schokotorte und dann schliefen wir erschöpft ein…Read more








