Kartoffelbrei für Team MFK
November 15, 2019 in Ireland ⋅ ⛅ 7 °C
Als wir heute Morgen aufstanden, tippte Mick/Mike Tons an und führte sie zum Fenster. Ich versuchte anhand ihres Blicks zu erkennen, ob es etwas Gutes oder Schlechtes ist. Doch das einzige, was ich daran sehen konnte, war Überraschung, was ich durch die Kinnlade die herunterklappte ausmachen konnte. Ich musste mir wohl selbst ein Bild machen. Mein Blick glitt also aus dem Fenster und ich setzte eine teils entsetzte teils sorgenvolle Miene auf. Ca. 10 Pferde standen frei neben Scheune und Koppel und grasten die Fläche rund um das offene Tor ab.
Mick lachte nur und meinte, dass man es ihnen nicht verübeln kann, immerhin würde er an ihrer Stelle auch das frische Gras der triefnassen Erde vorziehen. Aber unsere Mienen hatten sich verfinstert, bei den Gedanken an diesen, ohnehin schon stressigen Arbeitstag (Amelia hatte bereits um 9.30 Uhr einen Trek ausgemacht, was bedeutete, dass bis 9 Uhr die Ställe gemacht und die Pferde versorgt sein müssten), noch zehn entlaufene Fluchttiere einzufangen. Ganz zu schweigen von dem Fakt, dass inmitten dieser kleinen Herde, Alfie versuchte, das Heu zu verteidigen.
In unseren Köpfen schrie alles nach einer Bestandsaufnahme:
Wir haben hier also mehrere freie Pferde, ein womöglich kaputtes Tor, einen vollen Terminkalender und einen belgischen Schäferhund, der absolut keine Pferde ausstehen kann, sie als eine Gefahr ansieht und sie angreift, sobald er das Gefühl hat einen Menschen vor ihnen schützen zu müssen. Zudem beißt er einen in den Arm, sollte man ihn versuchen einzufangen.
Und um 9.30 Uhr sollten Starsky und Hercules bereit für den Ausritt sein. Alles klar, ist ja gar nicht so viel...
Wir machten uns also auf den Weg. Amelia war noch nicht unten und Mick hatte sich wieder nach oben verzogen, das hieß also Marine, Tons und ich waren auf uns gestellt.
Zunächst würden wir Sherlock zu Watson und Heidi ins Bad sperren, sodass wir Alfie in sein Gehege lotsen könnten, ohne Sherlock dabei zu verlieren. Klang nach nem Plan!
Tons und ich, bewaffnet mit Stock und Toast, liefen zur Scheune, wo Snowflake und Hannah die Köpfe gen Boden/Heu streckten und jäh von Alfie zusammengebellt und fortgejagt wurden. Wir begannen also das Spiel, das ich "Alfie wins" nenne. Alfie rufen, Alfie mit Toast locken, komische Bewegungen machen, um Alfie zum Aufstehen und Folgen zu bringen, anstatt weiterhin auf seinem Platz liegen zu bleiben. Alfie anschreien, das Toast weiter von ihm weg schmeißen, um ihn zum Gehen zu bewegen (was er auch machte, allerdings legte er sich daraufhin wieder auf die Ausgangsstelle zurück), mit dem Stock auf den Boden hauen, in der Hoffnung, dass er plötzlich seine Berufung als Schäferhund einnimmt und einen selbst als Hirte ansieht; und dann letztendlich frustriert zurück zur Terrasse laufen und seine Niederlage mitteilen. Alfie gewinnt (=Alfie wins).
Wir gaben uns geschlagen und so schrieben wir kurzerhand Amelia, die sogleich runterkam, um ebenfalls an "Alfie wins" teilzunehmen. In ihrem Fall lief das auf lautes, strenges Rufen hinaus, egal ob von der Terrasse oder vom Badezimmerfenster aus. Auf ihre Anweisung hin sollte Marine das Scheunentor öffnen und eine Leine für Alfie holen. Ich ging mit ihr mit und während Marine suchte, lenkte ich Alfie vom Tor und den umherlaufenden Pferden ab - versuchte es zumindest. Etwas umständlich band ich ihm das Halsband um den Kopf und führte ihn dann zur Terrasse/zu seinem Gehege. Marine neben mir. Zwar versuchte er sich zu wehren und mir in den Arm zu beißen, doch am Ende musste er es zugeben: "Helena won" bzw. Team MFK.
Doch das Chaos war noch lange nicht vorbei, immerhin standen, liefen und grasten noch 10 Pferde frei auf der Farm.
Amelia gab uns die Anweisung sie einzukreisen, sodass die Hälfte wohl oder übel zurück auf die Koppel trottete. Die restlichen fingen Tons, Amelia und Marine ein und dann begaben wir uns mit Zeitdruck an die Arbeit.
Eine Stunde später waren wir mit dem Groben durch und begannen mit Striegeln. Kurz darauf war Pause und da Marine für zwei Nächte nach Dublin fahren würde, hieß das für uns, dass es danach ohne sie weiterging. Zusammen mit Nina wärmten wir uns an unserer Heizung und unterhielten uns über den vermutlichen Kartoffelbrei heute Abend. Antonia wünschte sich "Kürbissoup", wer konnte es ihr verdenken? Immerhin aßen wir fast täglich Kartoffelbrei mit irgendeinem Gemüse und Fleisch. Zudem kann Nina auch sehr gut Deutsch, was die Konversation erleichterte und zur selben Zeit erschwerte (das hin und her Wechseln ist manchmal einfach echt kompliziert, da kann es schon passieren, dass aus Kürbissuppe "Soup" wird).
Kurz vor halb vier machten Tons und ich uns dann bereit für ein erneutes MFK (Misten, Füttern, Kehren) und schlossen dann den Stall ab.
Abends gab es wie erwartet Kartoffelbrei mit Fleisch und Spinat und später schlappten wir zusammen mit Nina nochmals in die Küche, um Schokolade zu essen oder (in meinem Fall) heiße Schoki zu trinken. Kurz darauf ging es dann auch schon schlafen, immerhin würden wir morgen um 6 Uhr schon arbeiten...Read more






