Iren bekommen ihren Willen
December 15, 2019 in Ireland ⋅ ☁️ 4 °C
Der Tag begann für mich um 8 Uhr. Zur dieser Zeit ist es inzwischen draußen noch dunkel und man quält sich eher aus dem Bett, als super gelaunt aufzustehen und wie ein Vogel zu zwitschern (obwohl die einzige Person, die ich kenne, die das macht, Cinderella ist). Der Grund, warum ich so "früh" aufstehen musste war, dass ich mit meinen Nachbarn auf eine der drei Insel vor Galway fahren würde - und zwar auf die größte der drei. Um 9.30 Uhr ging es los und Elyse, Diarmuid und ich stiegen ins Auto. Nach einem kurzen Abstecher bei Diarmuids Mutter (sehr nette Frau) nahmen wir auch schon im Bauch des Schiffes Platz, indem wir eine Dreiviertelstunde verbringen würden. Mein Ziel war eine bekannte Festung(oder was davon übrig ist) auf den Klippen der Insel. Da die anderen beiden in der Nähe das Ferienhaus von Diarmuids Familie für Weihnachten putzen wollten (Elyse Familie aus den USA würde dort unterkommen), stieg ich bereits in der Nähe der Cliffs aus. Keine 25 Minuten später war ich auch schon am Ziel (und dabei ließ ich mir wirklich Zeit!).
Das Wetter war am Vormittag genial für diesen Ausflug, dennoch war ich zunächst die einzige, die zu den Klippen hochstieg. Obwohl...alleine war ich nicht, denn auf dem Weg traf ich zwei Rotkehlchen, die mir Gesellschaft leisteten. Ich nannte sie Joshua und Fred.
Trotz der Sonne, die sich gegen Mittag hinter die Wolken verzog, war es eisig, sodass ich schon bald wieder zurück zu den kleinen Shops und dem Café lief, um mich aufzuwärmen. Allerdings war das Café geschlossen. Also holte ich mir von dem Shop daneben eine heiße Schokolade in einem wiederverwendbaren Becher, den man zwar mitnehmen konnte, aber wieder zurückbringen musste (es gab keinerlei Sitzgelegenheiten in dem Shop selbst). Und aus so einem Becher trank ich dann die beste heiße Schokolade, die ich je hatte (mit echter selbstgemachter und selbstgewärmter Schoki), dabei begutachtete ich die Insel selbst noch etwas. Anschließend verbrachte ich eine gute halbe Stunde auf einer Bank vor dem geschlossenen Café und las.
Als es dann zu regnen begann lief ich zu dem Ferienhaus, welches Elyse und Diarmuid immer noch fleißig putzten, um mich aufzuwärmen. Leider ging die Heizung nicht...
Also setzte ich mich auf die Couch und begann zu lesen, bis Diarmuid mir einen Film einlegte, der unter anderem in jenem Haus gedreht worden war (von 1934 "Man of Aran“ oder so...Er handelt von dem einfachen aber harten Leben der Einwohner dieser Insel zu jener Zeit).
Mit Jacke über den Knien, Händen am Tippen und Laptop auf dem Schoß, um den Prozessor als Wärmequelle zu missbrauchen, schaute ich also zu, wie die Männer in diesem Film mehr als zwei Tage mit einem Hai kämpften.
Bevor ich jedoch zu Ende schauen konnte, fuhren wir zurück zum Hafen, wo wir auf das Schiff warten würden. In dieser Zeit suchten wir ein Hostelpub auf, um uns etwas zu wärmen. Darum beorderte Diarmuid auch Sandwiches und Getränke. Allerdings wollte ich weder das eine noch das andere und nach mehrfachen nachfragen, ob ich sicher keinen Tee will, schien die Vernunft endlich gesiegt zu haben...Iren sind einfach zu nett!
Als Diarmuid wiederkam, hielt er drei Sandwiches für uns in der Hand...und am Ende ich auch eine Tasse Tee. Gestärkt machten wir uns Richtung Schiff auf und danach auf den Heimweg.
Schon auf den Weg zum Schiff teilte mir Diarmuid mit, dass wir noch bei seinen Eltern vorbeifahren würden und "warnte" mich, dass sie mir womöglich Essen anbieten würden. Als wir dann im Haus seiner Eltern ankamen, war seine Mutter allerdings zu sehr mit der hochschwangeren Freundin seines Bruders im Gespräch. Diarmuids Anfrage, ob ich etwas Essen wollte, lehnte ich dankbar ab. Wieso genau endete ich dann mit einem Stück Honigmelone vor mir?
Ich weiß nicht mehr, wer genau es auf dieser Reise zu Tons und mir gesagt hatte, aber irgendein Ire meinte mal "Iren bekommen immer ihren Willen. Also, wenn sie dir etwas anbieten, nimm es einfach an, denn im Endeffekt wirst du es sowieso essen oder trinken..."
Und an diesen Ratschlag hielt ich mich dann auch ab diesem Zeitpunkt, weshalb Diarmuid kurz darauf eine "kleine" Portion Fleisch mit Kartoffeln (immerhin kein Brei!) und Karotten vor mich stellte und seine Mutter danach ein Stück Apfelkuchen. Auf die Frage, ob ich auch einen Tee wolle (die ich ja schon oft genug an diesem Tag gehört hatte), konnte ich gar nicht mit Nein antworten, so schnell war die Tasse voll. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir das Lachen nicht mehr wirklich verkneifen und auch Elyse und Diarmuid fanden meine Situation anscheinend mehr als amüsant. Jedenfalls hatte ich heute mehr als genug Tee- dafür, dass ich Tee nicht mal mag.
Bald darauf verabschiedeten wir uns von Diarmuids Familie und begaben uns zurück, wo ich auf eine kranke Julie traf, die Weihnachtsgeschenke bestellte und mir Tee anbot. Ich weiß nicht, ob es an Julies Krankheit und dem damit verbunden geringen Durchsetzungsvermögen lag oder an meiner am Tag definitiv erreichten Teegrenze, aber ich lehnte dankend ab. Auch ihr Angebot noch etwas zu essen konnte ich (voll wie ich war) abschlagen. Stattdessen öffnete ich mein fünfzehntes Türchen- es war Schokimoki drin, kuschelte mich in mein Bett und schlief dann zufrieden und glücklich ein...Read more







