• Die Heimat nahe - aber nicht erreichbar

    17. November 2025 in Südsudan ⋅ 🌙 27 °C

    FB: Die Wege sind staubig, bei Wind legt sich der feine rote Sand auf die Haut. Vor den meisten Hütten aus getrockneten Palmzweigen brennt ein kleines Feuer, in rußgeschwärzten Töpfen und Pfannen brodelt irgendwas vor sich hin, völlig verdreckte Kleinkinder in zerrissenen T-Shirts rennen durch das Dorf. Obwohl, ein Dorf ist es nicht, was sich da im Sonnenuntergang auf dem Gelände in Ave Maria präsentiert. Eine wilde Siedlung vielmehr, ein Camp für sogenannte „IDP“ (Internally Displaced Persons), Binnenflüchtlinge, zivile Leidtragende des immer noch schwelenden Bürgerkriegs im Südsudan.

    7326 Männer, Frauen und Kinder wurden bei der letzten Registrierung in diesem und einem weiteren Camp auf dem Missionsgelände gezählt. Vermutlich sind es einige mehr. Die meisten von ihnen kamen in einem Schub Anfang des Jahres, als in Tombura und Umgebung schwere Kämpfe zwischen Anhängern der Regierung und der Opposition tobten. Anfangs schliefen sie in der Kirche und in Räumen der Pfarrgemeinde, erzählt Fr. Avelino, ernährt wurden sie mit umfangreichen Lebensmittellieferungen finanziert durch Spenden (unter anderem vom „Förderverein Neue Wege“) und durch kirchliche Gelder. Jede Familie hat mittlerweile ca. 300 m2 rund um ihre Hütte, so ist zumindest ein bisschen Privatsphäre möglich. Für Fr. Avelino ist aber etwas anderes wichtig. In Parzellen können die Familien Gemüse anbauen, um sich selbst einigermaßen zu ernähren. Allerdings sind diese etwa sechs Kilometer vom Camp entfernt. Einziges Fortbewegungsmittel sind die eigenen Beine.

    Derzeitiges Hauptproblem ist die Wasserversorgung. Für über 7000 Menschen reichen die wenigen Brunnen natürlich nicht aus, zudem hat momentan eine Pumpe den Geist aufgegeben und muss dringend repariert werden. Derzeit kommt also nur zweimal Wasser aus den Hähnen, schon geraume Zeit davor stehen gelbe Plastikkanister in einer Reihe vor den Zapfstellen.

    Beim Rundgang durch das Camp fallen sofort einige Rundhäuser aus Lehmziegeln an Stelle der Strohhütten ins Auge. Sie deuten darauf hin, dass ihre Bewohner nicht damit rechnen, demnächst in ihre angestammten Wohnorte zurückkehren zu können. Vermutlich ist die Skepsis berechtigt. Denn glaubt man mit der Situation vertrauten hiesigen Beobachtern, gibt es kaum Anzeichen für ein baldiges Ende der Gewalt im Südsudan. Vielmehr bestehe die Gefahr, der latente Bürgerkrieg könne bald wieder zu einem offenem werden und vielleicht weitere Flüchtlinge zur Folge haben.
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