Vilnius I
20 de setembro de 2025, Lituânia ⋅ ☁️ 16 °C
Für die nächsten zwei Tage steht Vilnius zu Fuß auf dem Programm – per pedes durch eine Stadt, die mit rund 600.000 Einwohnern oft noch als „verstecktes Juwel“ Europas bezeichnet wird. Ganz unentdeckt ist sie zwar nicht mehr (Touristen gibt es durchaus genug 😉), aber im Gegensatz zu vielen anderen Hauptstädten leben hier noch erstaunlich viele Einheimische in der Innenstadt – und genau das macht Vilnius so sympathisch und lebendig.
Am Vormittag nahmen wir an einer zweieinhalbstündigen Führung durch das „alte“ Vilnius teil und tauchten dabei tief in die Geschichte dieser außergewöhnlichen Stadt ein. Vilnius ist nicht nur Sitz des römisch-katholischen Erzbistums und Heimat einer der ältesten Universitäten Europas – gegründet bereits 1579 –, sondern blickt auch auf eine bemerkenswert vielfältige Vergangenheit zurück.
Anders als Riga oder Tallinn stand Vilnius nie unter Kontrolle des Deutschen Ordens. Stattdessen entwickelte sich die Stadt zum Zentrum des Großfürstentums Litauen und später des mächtigen Polen-Litauen, das sich zeitweise von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erstreckte.
Besonders beeindruckend ist die kulturelle Vielfalt, die Vilnius über Jahrhunderte geprägt hat. Als „Jerusalem des Nordens“ wurde die Stadt zu einem Zentrum jüdischen Lebens, der Kultur und Aufklärung. Noch um 1900 stellten Litauer selbst nur einen kleinen Teil der Bevölkerung – Juden, Polen und Russen prägten das Stadtbild deutlich stärker. Die Verwerfungen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit veränderten diese Struktur jedoch dramatisch und dauerhaft.
Gleichzeitig trägt Vilnius den Beinamen „Rom des Ostens“ – und spätestens beim Blick auf die mehr als 50 Kirchen versteht man warum. Italienische Baumeister hinterließen seit dem 16. Jahrhundert zahlreiche barocke Bauwerke, und die Altstadt zählt heute zu den größten erhaltenen Altstädten Osteuropas. Seit 1994 gehört sie zum UNESCO-Welterbe.
Nach der Führung zogen wir noch viele Stunden auf eigene Faust weiter durch die Stadt – bis die Fußsohlen endgültig protestierten.
Ein besonderes Highlight war für uns die „Republik Užupis“, ein kleines Viertel hinter dem Fluss Vilnia. Was ursprünglich eher als Kunstaktion gedacht war, entwickelte sich 1997 zur augenzwinkernden „Unabhängigkeitserklärung“ des Viertels. Das Parlament tagt in einem Café, die Verfassung steht auf Bronzetafeln, und jedes Jahr am 1. April feiert Užupis seinen Nationalfeiertag – inklusive Grenzkontrollen, eigener Währung, Wahlen und der Möglichkeit, sich symbolisch einbürgern zu lassen.
Ganz ernst gemeint ist das alles natürlich nicht – aber genau diese Mischung aus Kreativität, Humor und Selbstironie macht Užupis so besonders.Leia mais

Das hatte ich tatsächlich fast vergessen.. [Pamela]



















