• Aït-Ben-Haddou

    January 16 in Morocco ⋅ ☀️ 14 °C

    Der Wecker klingelt, es ist noch stockdunkel draußen. Noch nicht einmal der Mullah/Muezzin hat zum Gebet gerufen, als wir unseren Koffer durch die ungewohnt leeren Gassen von Marrakesh ziehen. Am Treffpunkt wartet ein kleiner Bus auf uns, der zuerst uns und dann nach und nach weitere müde Gäste einsammelt, bis alle Plätze voll sind und wir gen Atlas-Gebirge tuckern. Da es noch so dunkel ist, fallen die Augen schnell zu und wir schlafen ein.

    Wir wachen wieder auf, als der Bus zum Stehen kommt. Erster Klo-Stopp – und wir sind direkt in den Bergen. Die Morgensonne strahlt uns ins Gesicht, aber da wir schon relativ hoch sind, ist es sehr kalt. Jan kauft sich direkt einen weiteren Schal. Eine Serpentine nach der anderen erklimmen wir das Gebirge. Auf ca. 2000 Metern dann die nächste Rast, diesmal fürs Fotoshooting. Traumhaft schön ist es, aber auch eisig kalt. Diesen Winter hat es wohl mehr geschneit als üblich, deshalb sind die Gipfel dick in Schnee eingepackt. Darunter faltet sich das Schiefergebirge in erdigen Tönen. Hier und da ein kleiner Gebirgsfluss oder ein Dorf der Berber, der einheimischen Bevölkerung Marokkos und des Atlas-Gebirges. Wir düsen weiter zu einer Argan-Öl-Fabrik à la Kaffefahrt-Style: kurze Beschreibung, viel Verkauf. Und weiter geht's!

    Der nächste Stopp dann endlich: Aït-Ben-Haddou – die Lehmstadt aus festgetrampeltem Lehm und Holz. UNESCO-Weltkulturerbe seit 1987, erbaut irgendwann im 11. Jahrhundert als Stadt an der Handelsroute zwischen Marrakesh und Timbuktu. Es sieht auch aus wie aus einer anderen Zeit. Kaum vorstellbar, dass hier noch bis vor zehn Jahren jedes Haus bewohnt war. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser, mit der ständigen Angst bei jedem Regen, dass eine Wand nachgibt und einfach weggeschwemmt wird. (Zum Glück regnet es in der Wüste nicht allzu oft.) Direkt gegenüber liegt das „neue“ Dorf mit all den modernen Annehmlichkeiten, die heute eben üblich sind. Aït-Ben-Haddou ist inzwischen vor allem Touristenort und Schauplatz zahlreicher Filme, wie etwa Gladiator, Prince of Persia, James Bond, Die Bibel – der Film – und Game of Thrones. Wegen Letzterem erkennen wir vor allem die Kulisse von vorn.

    Über ein fast ausgetrocknetes Flussbett gelangen wir zur Lehmstadt und erklimmen die schmalen Treppen, bis wir hoch oben über der Stadt stehen. Die Aussicht ist atemberaubend schön: das Atlas-Gebirge mit seinen weißen Kuppeln, das Flussbett als Lebensader durch die Steinwüste mit angrenzender Oase. Und die Lehmstadt, Ton in Ton mit ihrer Umgebung. Toll! Aber jetzt sind wir wirklich sehr, sehr hungrig. Da unser Nachtwächter anscheinend eingeschlafen ist – lächerlich – wurde uns kein Frühstückspaket to go von unserem Riad gerichtet. Sehr schade. Und das Lunch ist auch nur so lala. Aber Hauptsache essen!
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