Abflug in den Frühling
January 12 in Morocco ⋅ ☀️ 20 °C
Unsere Reise beginnt früh morgens, viel zu früh. Mit ganz kleinen Augen packen wir die letzten Details zusammen, bringen Fibi nach Hilzingen und düsen nach Stuttgart. >2h später, dank Stau, verpassen wir haarscharf unseren Bus, weswegen uns Uschi zum Flughafen fahren muss. Nur damit wir dort nochmal 2,5h warten - unser Flieger hat leider Verspätung.
Am Gate treffen wir auf Romans Tante Gabi, die den gleichen Flug nach Marrakesch nimmt. Was für ein Zufall! Und nach ereignislosen, weiteren 4 Stunden senkt sich unser Flieger und wir betreten Afrika. (Jans erstes Mal) Sofort begrüßen uns sonnengetränkte, warme Luft, blauer Himmel und riesige Palmen und Kakteen.
Ein Taxi bringt uns in die quirlige, unübersichtliche Medina von Marrakesh. Unser Riad liegt in einer heruntergekommenen Seitenstraße, von außen wirklich alles andere als einladend. Aber hinter einer schlichten, breiten Holztür verbirgt sich ein kleines Paradies. Riad = Licht, ist ein typisches, marokkanisches Haus, gebaut um einen Innenhof mit kleinem Garten und typischerweise Brunnen, in unserem Fall ein kleiner Pool. Die Zimmer und alle Fenster sind gen Innenhof gerichtet, auf dem Dach unseres Riads thront eine romantische Dachterrasse mit Blick über die Stadt. Einfach schön!
Wir halten uns nicht lang auf, denn wir wollen die letzten Sonnenstunden des Tages für ein paar Besorgungen nutzen. Wir brauchen Geld - klar - eine Sim-Karte, Wasser und Abendessen. Dabei bemerken wir, dass wir tatsächlich mitten im Zentrum von Marrakesh gelandet sind. Um unser Riad herum herrscht lautes, aufgeregtes Treiben. Unser Weg führt uns auf den riesigen Platz namens Jemaa el-Fnaa - ein Overload für die Sinne: Neben bunten Markt- und Essensständen werden Haare geflochten, Dienstleistungen in alle Richtungen geboten, Schlangen beschworen und Affen, Pfauen, ja sogar Meerschweinchen für Fotos gequält. Kaum auszuhalten, wie die Tiere hier ausgebeutet und behandelt werden. Schnell weiter!
Wir sind mit allem erfolgreich, essen unsere erste Tajine, Schmorgericht, und Gemüse mit Couscous und lassen uns weiter in die Souks, Marktviertel, der Altstadt ziehen. Mittlerweile ist es stockdunkel aber trotzdem ist einfach so viel los. Irgendwann ist es uns genug und wir ziehen uns ins Riad zurück. Gute Nacht Marrakesh, wir sind gespannt dich morgen bei Tag weiter zu erkunden.
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1. Tag in Marrakesch
January 13 in Morocco ⋅ ⛅ 9 °C
Ok wow – aufzuwachen fällt uns extrem schwer. Trotz langem, eigentlich erholsamem Schlaf sind wir immer noch ziemlich platt. Der gestrige Reisetag sitzt uns offensichtlich noch in den Knochen. „Zum Glück“, sagt uns unsere frühe Stadtführung ab, weshalb wir plötzlich ausreichend Zeit für ein ausgedehntes Frühstück auf der Dachterrasse und eine gemütliche Lesesession in der Sonne haben, bevor die nächste Tour um 12 Uhr beginnt. Treffpunkt: Jemaa el-Fnaa.
Unser Tourguide Maaffa spricht exzellentes Englisch, ist sympathisch und zieht uns ab Sekunde null in seinen Bann. Es macht unglaublich viel Spaß ihm zuzuhören und ihm durch das enge Labyrinth Marrakeschs zu folgen. Wir versuchen, immer ganz vorne zu bleiben – aus Angst, auch nur ein Detail zu verpassen:
Marokko ist die Brücke zwischen Orient, Afrika und Europa – und gleichzeitig all das auf einmal. Man hört Arabisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Tamazight, Englisch und einen ganz eigenen marokkanischen Dialekt: eine Mischung aus allen zuvor genannten Sprachen. Früher lebten hier Muslime und Juden nahezu 50/50. Seit der Gründung des Staates Israel ist die jüdische Bevölkerung zwar stark geschrumpft, ihr Einfluss jedoch weiterhin deutlich spürbar.
Unabhängig davon, ob man in muslimischen, jüdischen oder gemischten Viertel lebt, sind die Strukturen immer ähnlich: Es gibt einen Eingang – maximal noch einen Ausgang –, einen „Vorsteher“, einen Gemeinschaftsbackofen und eine Synagoge oder Moschee.
Wie verwinkelt die Viertel sind, merken wir schnell, denn fast alle Straßen enden irgendwann einfach an einer Haustür. Dead ends, wie sie genannt werden. Super unpraktisch – und auch gefährlich, wenn man sich hier nicht auskennt und möglichen Tunichtguten ausgeliefert ist. Gleichzeitig aber extrem praktisch, wenn die Stadt angegriffen wird. Und das wurde Marrakesch dutzende Male: mal von Spaniern, mal von Portugiesen, Franzosen oder Deutschen, dann wieder von arabischen Dynastien, Berberstämmen oder durch interne Machtkämpfe.
Da von der Straße aus alles relativ heruntergekommen wirkt (im Inneren herrscht die Pracht), wussten Angreifer auch nie, wo die Reichen der Stadt wohnten. Unser Guide Maaffa kann es uns trotzdem zeigen. Denn ein geschultes Auge erkennt Stellung und Reichtum einer Familie an der Haustür – angefangen bei den Türklopfern.
Es gibt einen links der Tür: Wer diesen klopft, hat viel Gepäck. Also wird die ganze Tür geöffnet. Wer den mittigen Klopfer betätigt, will nur „schnell“ etwas – deshalb öffnet sich nur ein kleiner Teil der Tür. Und hinter Türen mit einem dritten Klopfer rechts leben nur Frauen. Wer diesen benutzt, muss warten, bis sie sich vollständig verhüllt haben, bevor sie öffnen können.
Auch die Verzierung der Tür ist aufschlussreich: Runde Eisenknöpfe. Dicke, große Knöpfe lassen auf Reichtum schließen. Mehrreihige Knopfreihen zeigen an, wie viele Zimmer das Haus besitzt. Spannend.
Genug aber von Reichtum und Angriffen – heute wirkt alles sehr harmonisch, geradezu idyllisch. Außerdem fällt uns auf, wie sauber die Nachbarschaften und Straßen gehalten werden. Das Treiben ist lebhaft, die Menschen wollen Geschäfte machen, keinen Ärger. Alle sind sehr freundlich und wollen uns zeigen, was sie können.
Maaffa führt uns durch die Welt des Handwerks: Schweißer, Elektroniker, Schuhmacher, Lederer, Färber, Bäcker, Schneider, Köche und viele, viele mehr. Es wird geklopft, gebrannt, geschuftet, gehandelt und verkauft. Die Waren sind traumhaft schön – wir nehmen uns vor, morgen hier in aller Ruhe shoppen zu gehen.
Zwischen all den tausenden Marktständen drängen sich Kunden, Touristen, Rollerfahrer, unzählige Katzen – und wir. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Nach vier langen, informationsreichen und anstrengenden Stunden endet die Tour dann leider – aber auch endlich. Wir sind völlig erledigt. Mein Fuß pocht wie verrückt. Erst essen wir noch ein frühes Abendessen, dann geht es zurück ins Riad. Diese vielen Eindrücke müssen erstmal verarbeitet werden. Außerdem habe ich meine Erkältung noch nicht ganz auskuriert, das spüre ich allzu deutlich.
Jan geht abends noch einmal los, während ich diesen Roman tippe. Dabei wird mir klar, wie viele Infos ich vergessen habe aufzuschreiben. Aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.Read more
2. Tag Marrakesch
January 14 in Morocco ⋅ ⛅ 14 °C
Und wieder fällt das Aufstehen schwer. Diesmal liegt es an der Nacht. Meine kleine „Erkältung“ ist über Nacht ausgewachsen: Nase, Stirn- und Nebenhöhlen komplett zu – da geht nichts mehr. Mist.
Also lassen wir es ruhig angehen. Erst nach einem späten Frühstück schlendern wir los. Diesmal wollen wir Marrakesch auf eigene Faust erkunden, genauer gesagt ein ganz bestimmtes Viertel: El Mellah, das älteste jüdische Viertel der Stadt.
Wir passieren den prunkvollen Bahia-Palast und landen im offensichtlichen Gegensatz: heruntergekommene Häuser und Straßen, gebückte, zahnlose Menschen, Müll, Elend, Dreck. Puh. So hatten wir uns das nicht vorgestellt.
El Mellah entstand nach der spanischen Inquisition, als rund 30.000 jüdische Flüchtlinge in Marrakesch Schutz suchten – und bleiben durften. Damals gab es allein in diesem Viertel 35 intakte Synagogen, zahlreiche Schulen und florierenden Handel. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs lebten in Marokko rund 400.000 Jüdinnen und Juden, die größte Gemeinde in Marrakesch, weitere im Atlasgebirge. Nach der Gründung des Staates Israel leben heute nur noch etwa 200 von ihnen in Marrakesch. Und das in El Mellah. Wobei man das kaum Leben nennen kann.
Anscheinend bemüht sich Marokkos König um das Viertel und die verbliebene Bevölkerung. Wir sehen davon nichts. Zuerst besuchen wir eine der zwei noch intakten Synagogen samt Museum – sehr hübsch – danach den jüdischen Friedhof. Die stark verblichenen weißen Grabmäler sollen dem Aufbau der Stadt Marrakesch nachempfunden sein. Männer, Frauen, Kinder, Geistliche, Politiker und andere „Würdenträger“ – alle voneinander getrennt begraben. Ein düsterer Ort, passend zu den noch Lebenden. Schnell weiter.
Wir laufen die Hauptstraße entlang. Super stressig, super viel los. Dann endlich ein üppig bepflanzter Stadtpark. Von dort gelangen wir schließlich zum berühmten Hotel La Mamounia, angeblich eines der besten Hotels der Welt. Ehemalige Gäste: Roosevelt, de Gaulle, Mandela, Churchill, Reagan, Kohl. Die „Öffentlichkeit“, also westliche Touristen wie wir, darf hinein und das prunkvolle Innere sowie die paradiesische Parkanlage bestaunen. Kaffee: 7,50 €. Verrückt. Und auch hier fühlen wir uns dezent deplatziert. Vor allem ich mit meiner Schniefnase. Also zurück.
Wir gehen lecker essen, danach muss ich ins Riad. Der Kopf dröhnt inzwischen, ich muss ins Bett. Während ich mich etwas erhole und nebenher arbeite (selbstständig, klar), geht Jan ins Hammam – ein türkisches Bad. Mit anderen Männern in Unterhosen sitzt er auf warmen Fliesen und begießt sich mehrfach mit heißem Wasser, bis er ganz sauber ist. Als Anfänger wusste er nicht, dass man sein eigenes Peeling-Equipment mitbringen sollte, also muss das Duschgel reichen.
Nach zwei Stunden Erholung holt er mich ab, wir gehen Abendessen. Leckere Tajine, und ich probiere das Schmorhühnchen Tanjia – beides gut. Währenddessen läuft das Halbfinale des Africa Cup: Nigeria gegen Gastgeber Marokko. Alle sind aus dem Häuschen. Sweet. Wir drücken die Daumen.Read more
3. Tag Marrakesch
January 15 in Morocco ⋅ ⛅ 15 °C
Früh aufstehen war der Plan. Fotos bei Sonnenaufgang schießen hatten wir vor. Der 7-Uhr-Wecker kam – und ging. Wie immer beginnt unser Tag erst um halb elf auf der Dachterrasse, bei Kaffee und Sonnenschein. Immerhin sind wir ja im Urlaub. Und mir geht es endlich auch etwas besser – juhu!
Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer gemütlichen Lesesession zieht es uns in die City. Shopping steht an, die Einkaufsliste ist lang. Schnell merken wir allerdings: Handeln liegt uns nicht. Ungünstig in Marokko, wo man gut und gerne 60 % runterhandeln sollte. Trotzdem werden wir fündig und lassen uns immer tiefer in die Souks ziehen. So faszinierend!
Mitten zwischen den Marktständen stoßen wir auf eine alte Jungenschule aus dem 15. Jahrhundert – ein wahres Juwel. Frisch saniert und traumhaft schön. Sie zeugt vom Einfluss, Reichtum und der Macht des Marokkos jener Zeit: fein geschnitzte Holzdecken, Mosaikfliesen, kunstvolle Steinverzierungen. Jan darf endlich ausgiebig fotografieren.
Zurück im Markt essen wir zu Mittag: Brokkolisuppe und vegetarische Tajine. Und dann der Schreck – unser Rucksack fehlt. Jan rennt los und kehrt zum Glück fündig zurück: Beim letzten Marktstand wurde er für uns aufbewahrt, alles noch drin. Sweet!
Danach ziehen wir uns auf die Dachterrasse unseres Riads zurück: Sonne tanken, lesen, chillen – herrlich. Am Abend geht es gemeinsam ins Hammam, diesmal darf ich mit.
Am Eingang trennen sich unsere Wege, denn Männer und Frauen sind strikt getrennt. Während Jan im Dunkeln auf dem heißen Boden liegend entspannen darf, lande ich im kompletten Gegensatz: hell, laut, voll. Ich sitze – mangels Platz – auf dem Boden. Alle kennen sich, alle reden durcheinander. Es wird geschrubbt, rasiert, gewaschen, gekämmt. Puh. Die Flut an Haaren schwemmt mir regelmäßig an den Körper, man sitzt ja nun mal auf dem Boden. Ja, man seift sich mit Olivenpaste ein, wird ganz weich und theoretisch sauber. Aber nein, sauber fühle ich mich ganz und gar nicht. Immerhin tut die hohe, heiße Luftfeuchtigkeit gut.
Wieder draußen gehen wir noch einmal lecker vegetarische Tajine essen und schlendern durch das nächtliche Marrakesch. Morgen geht es ins Atlasgebirge und in die Wüste. Wir freuen uns schon sehr!Read more
Aït-Ben-Haddou
January 16 in Morocco ⋅ ☀️ 14 °C
Der Wecker klingelt, es ist noch stockdunkel draußen. Noch nicht einmal der Mullah/Muezzin hat zum Gebet gerufen, als wir unseren Koffer durch die ungewohnt leeren Gassen von Marrakesh ziehen. Am Treffpunkt wartet ein kleiner Bus auf uns, der zuerst uns und dann nach und nach weitere müde Gäste einsammelt, bis alle Plätze voll sind und wir gen Atlas-Gebirge tuckern. Da es noch so dunkel ist, fallen die Augen schnell zu und wir schlafen ein.
Wir wachen wieder auf, als der Bus zum Stehen kommt. Erster Klo-Stopp – und wir sind direkt in den Bergen. Die Morgensonne strahlt uns ins Gesicht, aber da wir schon relativ hoch sind, ist es sehr kalt. Jan kauft sich direkt einen weiteren Schal. Eine Serpentine nach der anderen erklimmen wir das Gebirge. Auf ca. 2000 Metern dann die nächste Rast, diesmal fürs Fotoshooting. Traumhaft schön ist es, aber auch eisig kalt. Diesen Winter hat es wohl mehr geschneit als üblich, deshalb sind die Gipfel dick in Schnee eingepackt. Darunter faltet sich das Schiefergebirge in erdigen Tönen. Hier und da ein kleiner Gebirgsfluss oder ein Dorf der Berber, der einheimischen Bevölkerung Marokkos und des Atlas-Gebirges. Wir düsen weiter zu einer Argan-Öl-Fabrik à la Kaffefahrt-Style: kurze Beschreibung, viel Verkauf. Und weiter geht's!
Der nächste Stopp dann endlich: Aït-Ben-Haddou – die Lehmstadt aus festgetrampeltem Lehm und Holz. UNESCO-Weltkulturerbe seit 1987, erbaut irgendwann im 11. Jahrhundert als Stadt an der Handelsroute zwischen Marrakesh und Timbuktu. Es sieht auch aus wie aus einer anderen Zeit. Kaum vorstellbar, dass hier noch bis vor zehn Jahren jedes Haus bewohnt war. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser, mit der ständigen Angst bei jedem Regen, dass eine Wand nachgibt und einfach weggeschwemmt wird. (Zum Glück regnet es in der Wüste nicht allzu oft.) Direkt gegenüber liegt das „neue“ Dorf mit all den modernen Annehmlichkeiten, die heute eben üblich sind. Aït-Ben-Haddou ist inzwischen vor allem Touristenort und Schauplatz zahlreicher Filme, wie etwa Gladiator, Prince of Persia, James Bond, Die Bibel – der Film – und Game of Thrones. Wegen Letzterem erkennen wir vor allem die Kulisse von vorn.
Über ein fast ausgetrocknetes Flussbett gelangen wir zur Lehmstadt und erklimmen die schmalen Treppen, bis wir hoch oben über der Stadt stehen. Die Aussicht ist atemberaubend schön: das Atlas-Gebirge mit seinen weißen Kuppeln, das Flussbett als Lebensader durch die Steinwüste mit angrenzender Oase. Und die Lehmstadt, Ton in Ton mit ihrer Umgebung. Toll! Aber jetzt sind wir wirklich sehr, sehr hungrig. Da unser Nachtwächter anscheinend eingeschlafen ist – lächerlich – wurde uns kein Frühstückspaket to go von unserem Riad gerichtet. Sehr schade. Und das Lunch ist auch nur so lala. Aber Hauptsache essen!Read more
Weiter durch die Agafay-Wüste
January 16 in Morocco ⋅ ☀️ 13 °C
Nach kurzer Lunchbreak geht es weiter. Ein paar Stunden Fahrt noch, dann sollten wir es geschafft haben. Auf unserem Weg tauchen wir immer tiefer in die Steinwüste Agafay von Marokko ein. Es wird immer karger, landschaftlich bleibt es dennoch ein Hingucker. Diese Weite, eingerahmt in den dramatischen Background des Atlas-Gebirges, lockt nicht nur Touristen an. Wir passieren ein riesen Filmstudio: Atlas-Studios, das "Hollywood von Afrika", wie es heißt. Hier machen wir kurz Halt, um auf die erbauten Filmkulissen von Filmen wie dem Gladiator, Asterix und Obelix: Mission Kleopatra, die Päpstin, die Mumie, James Bond und Hercules zu schauen.
Dabei glitzert uns in der Ferne die Noor Power Station entgegen. Kennen wir aus einer Doku, hier wird Energie aus reflektierenden Spiegeln gewonnen, die Wasser in einem riesen Schornstein erhitzen. Marokkos Energiewende hat damit begonnen. Aber weiter geht's!
Wir fahren noch in den Abend rein und erreichen dann unser einfaches, aber passables Hotel für die Nacht. Nach einem kurzen Spaziergang, auf dem uns der Nachbarshund "Nala 2" auf Schritt und Tritt begleiten durfte, gibt es lecker Abendessen und wir dürfen endlich ins Bett.Read more
Weiter gehts Richtung Wüste
January 17 in Morocco ⋅ ☀️ 4 °C
Verrückt, wie kalt die Nacht in der Wüste sein kann. Und was das für eine fiese Kälte ist, herrje. Während ich dank Wärmflasche tief und fest schlafe, liegt diesmal Jan wach und lauscht Nala 2 und ihrer Gang, die die halbe Nacht durchbellen. Aber auch diese Nacht geht vorüber.
Noch im Dunkeln rollt unser Bus weiter Richtung Osten. Next stop – mal wieder ganz typisch Kaffefahrt – eine Teppichweberei. Außerdem halten wir an einem Souvenirshop, wo sich ein paar aus unserer Gruppe à la Berber verkleiden dürfen. Jan sieht dabei tatsächlich erstaunlich authentisch aus, vor allem wegen des Bartes. :D Wir lassen auch unseren „Kamelwert“ berechnen: Jan = 64 Kamele, Damiana = 72. Na toll …
Dann geht es weiter. Vorbei an Tinghir, mit einem Panoramablick auf die Palmenoase und die alte Lehmstadt, hinein in die beeindruckende Todra-Schlucht – ein echtes Kletterparadies. Allerdings zieht es hier wie Hechtsuppe, es ist affenkalt. Also schnell weiter.
Langsam nähern wir uns der Sahara. Am Horizont lassen sich bereits die ersten Sanddünen erahnen …Read more
In der Sahara-Wüste
January 17 in Morocco ⋅ 🌙 6 °C
Finally – nach ewiger Fahrerei haben wir es geschafft. Wir dürfen aussteigen, das Gepäck wird in einen Jeep umgeladen, und der Rest der Gruppe besteigt die Kamele. Jan und ich haben uns aus bekannten Gründen gegen den Kamelritt entschieden und fahren stattdessen mit dem Fahrer direkt ins Berber-Camp.
Dort angekommen beziehen wir unser Zelt und machen eine kleine Wanderung mit Shooting durch die Wüste. Was für ein geiles Gefühl, in der Sahara zu stehen. In der Ferne sehen wir die anderen auf ihren Kamelen – sieht richtig cool aus.
Im Anschluss schnappt sich Jan sein Board, wir wollen Sandboarden gehen. Gar nicht so einfach: Der Sand ist an vielen Stellen nicht rutschig und auch das Board hat seine besten Tage schon hinter sich. Aber wir finden einen steilen Hang und gleiten ein paar Mal den Berg hinunter. Jan im Stehen, ich im Sitzen.
Die anderen vom Kameltrip stoßen zu uns und gemeinsam schauen wir den Sonnenuntergang an. Es liegt eine atemberaubende Stimmung in der Luft.
Dann geht es zurück ins Camp, denn es gibt Dinner. Leider nichts Vegetarisches. :( Aber wir werden satt! Danach folgt eine kleine Showeinlage am Lagerfeuer: Die Berber trommeln für uns – und es artet ein bisschen aus. Nach längerer Trommelei sind wir dran: erst trommeln, dann singen und tanzen. Es macht total Spaß!
Das Highlight kommt zum Schluss, als unser Guide uns einlädt, Sterne beobachten zu gehen. Wir verlassen das hell erleuchtete Camp und erklimmen die erste Düne. Und sofort breitet sich vor uns eine Welt aus, die wir in dieser Fülle noch nie gesehen haben: sooooo viele Sterne. Und sogar Sternschnuppen. Wir sind baff.
Fasziniert bleiben wir stehen und starren in den Himmel. Es ist mucksmäuschenstill. Man kann kaum wegschauen. Irgendwann sind wir dann doch komplett durchgefroren – also zurück ins Camp und ab ins Zelt.
Wie schön, dass wir hier sein dürfen.Read more
Ein Tag zum Vergessen
January 18 in Morocco ⋅ 🌙 12 °C
Wie im Leben selbst ist auch das Reisen von Höhen und Tiefen geprägt. Während der gestrige Tag traumhaft schön endete, entpuppt sich der heutige als eine einzige Qual.
Wir erwachen frühmorgens in unserem Berberzelt. Es ist eisig kalt, eigentlich wollen wir gar nicht aufstehen. Doch der Zeitplan ruft. Nach einem trockenen Frühstück – weiße Kohlenhydrate und Zucker – wandern wir die Dünen hinauf, um den Sonnenaufgang zu sehen. Für einen kurzen Moment ist es wunderschön. Dann ziehen dichte, graue Wolken auf und versperren die Sicht. Regenwolken in der Wüste? Wir sind irritiert.
Heute steht die Rückfahrt an, geplante Ankunftszeit in Marrakesch: 20 Uhr. Zwölf Stunden Busfahrt liegen vor uns, auf schmalen, engen Sitzen. Krass. Aber das wussten wir vorher und versuchen, die Stimmung hochzuhalten. Was niemand eingeplant hat, ist der Regen. Und aus Regen werden plötzlich dicke, weiße Flocken. Es schneit in der Wüste! Selbst unser Guide kann es kaum glauben. Die Sicht wird immer schlechter. Und dann passiert, was passieren musste: Der Gebirgspass Tizi n'Tichka nach Marrakesch wird gesperrt. Scheiße.
Wir sollen hier über Nacht bleiben. Sich aufzuregen bringt nichts. Also buchen wir ein Hotel in Ouarzazate und kämpfen uns weiter durch den Schnee. Auf der kargen Steinwüste liegt inzwischen eine geschlossene Schneedecke. Palmen und Olivenbäume sind zugedeckt, Menschen versuchen sich mit Teppichen und Handtüchern vor dem Schnee zu schützen. Surreal. Klimawandel live.
Irgendwann kommt die Nachricht, dass die Route nach Marrakesch über Agadir wieder freigegeben ist. Der Vorteil: Alle mit Rückflug am nächsten Tag können ihren Flug erreichen. Der Nachteil: Fünf zusätzliche Stunden Busfahrt. Die Mehrheit entscheidet sich für den Umweg. Also gut. Wir stornieren das Hotel und fahren weiter.
War die Schwangerschaft auf Reisen bislang kein Hindernis, spüre ich nun jeden Kilometer, jede Bodenwelle, jede Kurve. Die Situation wird zunehmend unerträglich. Schlafen ist wegen der Übelkeit unmöglich. Es hilft nichts – ich muss da durch. Währenddessen verfolgen die anderen im Bus das Finale des Africa Cups: Marokko gegen Senegal. Marokko verliert in der Verlängerung. Ein schlechter Tag – für mich, für den ganzen Bus und für alle marokkanischen Fans.
Doch auch diese Qual hat irgendwann ein Ende. Um ein Uhr nachts erreichen wir Marrakesch. Wir steigen aus. Mein ganzer Körper schmerzt, ich zittere, obwohl mir gar nicht kalt ist. Nach einer langen, heißen Dusche fallen wir völlig erschöpft ins Bett.
Mein Learning: Nie wieder 17 Stunden Busfahrt auf engstem Raum während der Schwangerschaft.Read more
Am Meer
January 19 in Morocco ⋅ 🌬 14 °C
Um 11 ist Check-out, um kurz vor 11 geht unser Wecker. Der gestrige Tag bremst uns nämlich noch ziemlich aus. Aber wir schaffen es rechtzeitig aus der Wohnung, zum gegenüberliegenden Busbahnhof. Denn es steht (juhu) schon wieder Bus fahren an. Diesmal aber wesentlich kürzer und komfortabler, mit mehr Beinfreiheit und der Aussicht, in 3 Stunden am Meer zu sein. Die Landschaft um uns wird zunehmend grüner, die Hügel sanfter und nach einer letzten Kurve glitzert uns der Atlantik entgegen.
Wir sind in Essaouira, eine Hafenstadt direkt am Meer. Bereits während unserem kurzen Fußmarsch durch die Medina zum Riad, stellen wir fest, dass es uns hier besonders gut gefällt: viel weniger Stress, kein Verkehr in der Innenstadt, alle Menschen freundlich, gut drauf und gechillt. Im Riad angekommen, muss ich aber leider erstmal ins Bett. So wie es aussieht, hab ich Fieber bekommen. Das gestern war einfach wirklich hart für mich. Währenddessen erkundet Jan die Nachbarschaft, bucht sich einen Massagetermin für den nächsten Tag und erledigt ein paar Besorgungen.
Abends schäl ich mich dann aber doch noch aus den Laken, wir wollen den Sunset am Hafen anschauen gehen. Dabei legt sich meine Müdigkeit im Nu, denn es ist total faszinierend hier. Der Vibe ist enorm gechillt, überall Musik und die Menschen sind, anders als in Marrakesch, einfach gelassen. Nice! Am Hafen angekommen strahlen uns die letzten Sonnenstrahlen entgegen. Über uns kreisen die Möwen. Wir hören den all-time-favorite-sunset-song time von Alan Parson und genießen die herrliche Aussicht. Toll! Im Anschluss gibt es dann auch noch lecker Seafood zum Abendessen.
Die letzten Tage in Marrokko wollen wir einfach nur chillen, mich auskurieren und die frühlingshaften Temperaturen genießen. Dafür sind wir offensichtlich am richtigen Ort!Read more
Letzte Tage in Marokko
January 21 in Morocco ⋅ ☁️ 17 °C
Essaouria ist einfach toll! Gechillte Menschen, Möwengeschrei, Meeresrauschen – hier können wir richtig entspannen. Doch genauso wechselhaft wie das Wetter – mal bombenheiß in der Sonne, mal kalt im Schatten der engen Gassen oder im Wind am Strand, mal regnerisch – so wechselhaft ist auch mein Gesundheitszustand: Mal hab ich Fieber, dann ist mir tot schlecht, dann wieder alles gut und ich bin voller Energie, am Abend wieder Einbruch... Seltsam. Zum Glück haben wir nichts weiter vor und lassen alle Umstände einfach auf uns zukommen.
Wir füllen die Tage mit Lesen und durch die Gassen schlendern. Wir gehen shoppen, lassen uns massieren, ich geh nochmal ins Hamam und Jan geht sogar baden im Meer.
Aber wir freuen uns wirklich auf Zuhause, auf endlich wieder frische Lebensmittel (ich versuch in Marokko auf alles, was nicht tot gekocht ist, zu verzichten) und auf unsere kleine Fibi..Read more
Ab zurück nach Hause
January 22 in Morocco ⋅ ☁️ 15 °C
Der letzte Tag bricht an, unser Rückreisetag. Nach einer durchwachsenen Nacht (ich kann mittlerweile wirklich nichts mehr in mir behalten) packen wir unsere Sachen und machen uns auf zum Bus. Erstmal müssen wir zurück nach Marrakesch. Die Fahrt läuft problemfrei, da wir ganz vorn sitzen können und ich die ultimative Sicht auf die Straße haben darf! Während ich mich an einen Punkt in der Ferne klammer, damit mir ja nicht übel wird, lässt sich Jan auf ein längeres Gespräch mit unserem Sitznachbar ein. Ein ehemaliger Ami aus Oregon, der mittlerweile im Ausland wohnt. Er berichtet von den Zuständen in den Vereinigten Staaten und ist sichtlich frustriert. Allgemein, alle Amis die wir in Marokko treffen, sind kleinlaut und beschämt. Ist ja auch unmöglich was aktuell passiert..
In Marrakesch angekommen suchen wir uns ein Plätzchen in der Lobby eines nahegelegenen Hotels, damit ich arbeiten "darf". In Essaouira war das Internet einfach zu schlecht. :( Und gegen Nachmittag düsen wir via Taxi auch schon gen Flughafen. Alles läuft wie am Schnürchen. Wir chillen erst etwas und schlendern dann durch die hundert Sicherheitskontrollen. Am Gate angekommen setzen wir uns gemütlich auf unsere Sessel. Bis ich auf die Uhr schaue. Moment. In 3min schließt das Boarding. Wir haben vertrödelt! Wir rennen zum Schalter. Die Mädels dort schütteln den Kopf: too late, gate is closed. Sofort beginne ich zu betteln, zu schreien, zu weinen. Doch ganz so hart, sind sie dann doch nicht. Nach gehörigem Einlauf, warum wir so spät sind, dürfen wir passieren und rennen die Gangway entlang. Als Letzte im Flugzeug schließen sich hinter uns die Türen und wir fallen erleichtert in unsere Sitze. Das ist ja gerade nochmal gut gegangen.
3:15h später senkt sich der Flieger und wir sind wieder in Deutschland. (Btw hab ich seit mittags alles in mir behalten können, juhu) Wir werden von Ulli direkt am Flughafen abgeholt und zu unserem Auto kutschiert – was für ein Luxus! :D Jetzt müssen wir nur noch 2 Stunden die A81 runterbrettern, dann sind wir endlich Zuhause.Read more









































































































































































































