• Nebel, Regen und Bekloppte

    March 5 in Italy ⋅ ☁️ 15 °C

    Weitestgehend ausgeschlafen planen wir beim Frühstück unsere Weiterreise. Gerne würden wir die südliche Zufahrt der Gorropu-Schlucht erkunden, denn hier kennt sich Timo bereits aus und wir freuen uns dort auf einen weiteren spannenden Offroad-Track und die geniale Weitsicht auf dem vorgelagerten Hochplateau. Nachdem wir uns von "Pepe" (unserer samtpfotigen Reiseabschnitts-Gesellschaft) verabschiedet haben, starten wir auf der nördlich der Schlucht gelegenen Panorama-Straße in luftigen Serpentinen gen Süden. Kurz vor der Passhöhe wird uns klar: Mit dem guten Wetter ist es hier erstmal vorbei. Die Wolken hängen tief, bzw. der Nebel und die Sicht wird immer schlechter. Schweren Herzens entscheiden wir uns den Abstecher nach Gorropu-Süd bzw. das Hochplateau auszulassen und versuchen unser Glück in Richtung Küste. Gegen Abend kommen wir schließlich an der Ostküste nahe Barisoni an. Hier fahren wir noch einen schönen kurzen Track abseits fester Wege zu unserem Lagerplatz für die Nacht. Dieser liegt malerisch schön an der felsigen Küste zwischen Kakteen und niedrigem Buschwerk. Bei einem kleinen Spaziergang erkunden wir noch ein Stück der südlichen Wegstrecke und stellen fest, dass wer hier fahren möchte wirklich "schweres" Gerät benötigt. Als wir zurück kommen, fallen die ersten Tropfen.

    Bei ergiebigem Dauerregen und mit Blick auf die schäumende Brandung wachen wir auf und haben zunächst keine Motivation aufzustehen - das Frühstück fällt aus. Gegen Mittag basteln wir uns dann eine schnelle warme Mahlzeit und brechen dann doch noch unsere nassen Zelte ab. Bei Felix, der mit Dachzelt campt, gilt dies natürlich im Wortsinn. Ein kleines Highlight für mich ist dann bei der Abfahrt die Tierwelt: Zunächst ein paar Kühe, von denen mindestens eine am Vorabend neugierig um die Busses geschlichen war, später ein triefend nasses Lämmchen (ich war kurz versucht mit einem Handtuch auszusteigen), mehrere Esel, Schafe sowie Hausschweine und zu guter Letzt ein weißer Herden-Schutzhund.

    Auf der Fahrt Richtung Cagliari bunkern wir dann an einem öffentlichen Brunnen Frischwasser - die Gelegenheit ist günstig. Bis kurz zuvor hatte es stark geregnet - immerhin wurden die Busse dadurch schön sauber. Wir kommen der Hauptstadt im Süden immer näher und hier zeigt sich wie schon in Norditalien: Verkehrsregeln und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr interessieren die Italiener bis auf wenige Ausnahmen nicht. Bei vorgeschriebenen 50 km/h fährt man hier locker 80, es wird völlig unnötigerweise gefährlich dicht bis auf wenige Zentimeter aufgefahren, gedrängelt, geschnitten und dergleichen mehr. Die Blechschäden an einigen Fahrzeugen sprechen hier eine deutliche Sprache. Wir sind genervt und erschöpft, kaufen im Lidl noch die nötigen Zutaten für unsere nächsten Mahlzeiten und sind froh, als wir die Stadt gen Nordwesten hinter uns lassen.

    Mit der untergehenden Sonne erreichen wir den Lago di Monte Prano, einen großen Süßwasserspeicher mit Staudamm. Timo hatte das schöne und ruhige Naherholungsgebiet entdeckt und so schlagen wir zwischen Bäumen unser gemütliches Lager auf. Hier ist Alles wieder so wie es sein sollte: Gute Gespräche, leckeres Selbstgekochtes und eine ruhige Nacht unter Sternen.
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