Joined June 2022 Message
  • Day29

    29. Tag Ligonde nach Ribadiso

    August 2 in Spain ⋅ 🌙 19 °C

    Vor ca 8 Wochen habe ich entschieden, dass ich den Jakobsweg dieses Jahr laufen möchte. Anfänglich eine Schnapsidee, setzte ich diese irgendwann in die Tat um. Ich buchte meinen Flug von Hamburg nach Paris und setzte meinen Unsicherheiten, ob ich es machen soll oder nicht damit einen Schlussstrich. Ich machte es!

    Jetzt schreibe ich diesen Text genau 42 Kilometer vor meinem großen Ziel - Santiago de Compostela. 760 Kilometer schon in den Knochen, unzählige Blasen, unglaubliche Erinnerungen, aber ich bin angekommen - an meinem voraussichtlich letzten Abend in einer Herberge auf dem Jakobsweg. Denn wenn alles gut läuft, laufe ich morgen, wenn die Tagesschau in Deutschland auf den Fernsehern der Nation anfängt, in Santiago ein. Ich habe mega Gänsehaut, wenn ich daran denke, aber ich werde es schaffen. Ich werde morgen ankommen nach insgesamt 800 Kilometern auf dem Tacho.

    Vielleicht werde ich morgen bessere Worte finden, aber heute brauch ich den Jungen erstmal um das alles sacken zu lassen und mich ein wenig seelisch auf den morgigen Tag vorzubereiten. Die heutige Etappe lasse ich mit Bildern sprechen - es war eine sehr gute!

    Habt einen guten Abend und wir sehen uns morgen aus Santiago de Compostela! 🍀

    #1DayToGo
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    Siehst richtig gut aus 🫶🏽 [Fred]

    8/3/22Reply
    Traveler

    Man bekommt richtig Gänsehaut! Genieß dieses Gefühl in vollen Zügen. PS: Kein Podologe traut sich an deine Füße in leipzig 😄😄

    8/3/22Reply

    Genieße es in vollen Zügen! [Annemarie]

    8/3/22Reply
     
  • Day28

    28. Tag Sarria nach Ligonde

    August 1 in Spain ⋅ 🌙 19 °C

    Oh wow, was ein Tag!

    Es war einer mit vielen intensiven, unglaublich tollen emotionalen Momente mit Personen, die man echt lieb gewonnen hat. Dabei fing er doch etwas frustrierend an, aber erstmal in richtiger Reihenfolge:

    Es war wohl die bisher schwierigste Nacht auf dem Jakobsweg. Claudia, Zamantha und co feierten bis in die Nacht hinein, die Alberge super hellhörig, 45 Grad warm und dann war er da: Spaniens lautester Schnarcher, den die Menschheit jemals gehört hat. Wäre mein Handy nicht am Ladekabel im anderen Raum gewesen, hätte ich gerne die Dezibel gemessen - alter Lachs eh! Bisher die Geschichte immer gut mit meinen AirPods umspielt, hat man den Mann trotz Geräuschunterdrückung und einer sehr hohen Lautstärke auf den Ohren immer noch gehört. Viel schlimmer aber, die Erstis haben angefangen dauerhaft psssst zu rufen. Ich glaube, ich wäre bei dem Schnarchen vermutlich irgendwann eingeschlafen, aber dann kam immer wieder ein genervter Aufschrei, wovon alle wach wurden, nur nicht Heiko Schnarcher.

    Gegen 2 Uhr irgendwann eingeschlafen, ging es 8:15 Uhr heute auf die Piste! Und es war leider auch hier der blanke Horror - den Jakobsweg noch niemals so voll gesehen, waren über 25 Kilometer tausende Menschen auf dem Weg. Wie ich im vorherigen Blogeintrag erwähnte, erhält man die Compostela ab 115 Kilometer Laufweg und dieser ist ab Sarria. Dazu ist wohl vom 3.-8. August ein Jugendfestival in Santiago de Compostela, was das Ganze nochmal bestärkt. Mich gefühlt durchboxen müssen bei den ganzen ohne-Rucksacktouristen, war ich sehr froh als diese nach 24 Kilometer in ihrem heutigen Ziel ankamen.

    Die Kinder in Portmarin ins Bett gebracht, war jetzt Erwachsenenzeit. Ein freier Weg, tolle genießbare Natur und wie gewohnt nur alle 15-20 Minuten eine Person. Und genau über die ersten beiden Personen habe ich mich unglaublich gefreut! Nach 10 Tagen das erste Mal wiedergesehen, holte ich Stefania und Kiara ein, die Cousinen aus Italien, mit denen ich den wilden Abend in Burgos verbrachte. Erstmal komplett umarmt und gefühlt geschrien vor Freude hat man sich erstmal ausgetauscht über die letzten Tage, wie es einem ging, aber Klaro auch bisschen Gossip immer dabei!

    Dann kam ein weiterer toller Moment heute hinzu: die 100 Kilometer Marke wurde durchbrochen. Einfach unglaublich, dass es jetzt nur noch fast wenige Kilometer im Vergleich zu den anfänglichen 800 bis zum großen Ziel sind. Stolz wie bolle ein herrliches Tourifoto gemacht, ging es weiter!

    Nach Kilometer 30 eine etwas längere Pause mit den beiden gemacht, sah ich dort auf Riley wieder. Der Amerikaner aus San Franzisco, der mit seiner Musikbox die Gassen Burgos lautstark beschallte und wir dort unsere Gesangskünste aber sowas von zum Besten gaben. Voooooooolareee ooooh, caaaaantare oooooooh! Definitiv eines der Caminolieder - ich inzwischen in perfekten italienisch mitsingen könnend, werde euch in Leipzig mal eine Gesangsprobe geben.

    Witzigerweise hatte ich gestern erst davon geschrieben, aber auch von Stefania und Kiara ist die Caminodroge schlechthin eine kühle Coladose. Ich mein, was gibts geileres als nach einer langen Etappe sich ein großen Schluck aus diesem Wunderwerk zu nehmen. Sehe mich schon eines Tages als Coca Cola Influencer! Cristiano Ronaldo gefällt das.

    Die letzten 10 Kilometer bis Ligonde mit spanischer Housemusik über die Runden gebracht, waren die 39 Kilometer für heute nach ca 10 Stunden gegen 18:30 Uhr abgehakt. Wir checkten in eine kostenlose oder wie man hier sagt ‚Donativo‘ Alberge ein, die bisher einer der wundervollsten auf dem Camino war. Nicht wegen der Bequemlichkeit - to be honest, ich liege gerade in der Garage auf einer provisorischen Matratze ohne Kissen bzw doch, mein Rucksack tut es bisher ganz okay! Viel mehr machten die Personen den Ort so besonders.

    Sie bekochten uns kostenlos mit einer Weltklasse Spaghetti Bolognese, dazu ein herrlichen Salat und super nette Gespräche. Hier sind Volunteers aus der ganzen Welt zur Hilfe zu Gast. 3 Mädels aus Hawaii, 2 Ägypter, eine Familie aus San Diego, aber auch der Inbegriff des Stempeljungens! Schaut euch gern die Fotos an, heute war mein bisher mit Abstand und vermutlich unerreichbar bester Stempelmoment auf dem Jakobsweg. Das Alter meines größten Neffens hat er uns mit einer Coolness eingecheckt und eingewiesen, dass selbst ich ein wenig aus der Rolle gebracht wurde. Sau nice eh!

    Mit einem sehr tiefen Gespräch mit einem Christen aus San Diego gehabt, der an die 70 Jahre alt war, rührte ich ihn mit meinen Erzählungen vom Camino zu Tränen. Wiede ein Gespräch mit einem völlig fremden Menschen, aber doch so vertraut! Ich gebe hier sehr viel inneres Preis, aber manche Sachen möchte man doch für sich behalten. Er meinte am Ende: Alex, man nennt den Jakobsweg auch the way. And as we know: Jesus is the way.

    3 Euro ins Phrasenschwein, zeigte der Abend noch eine weitere Überraschung auf. Meine völlig verrückten Lieblingsitalienerinnen Silvia und Kiara kreuzten gegen 21 Uhr auf. Ich hatte sie viele Tage nicht gesehen und das Geschrei hörte man wohl in Santiago, wie wir uns um die Arme gefallen sind. Gerade, weil man sich nicht per Handy hier verabreden kann oder weiß, wo der Andere ist, sind diese Begegnungen soo besonders!

    Den Abend mit einer Caña in einer Bar ausklingen lassen, freue ich mich mit der Truppe den morgigen Tag zu beschreiten. 76 Kilometer to go! Wir hatten heute die Idee, morgen 30 Kilometer zu laufen, Mittwoch nochmal 30 Kilometer, um dann Donnerstag morgen 5 Uhr loszulaufen und mit Sonnenaufgang in Santiago de Compostela anzukommen. Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich an den Moment denke - es ist einfach unglaublich greifbar inzwischen.

    Mit diesen Worten verabschiede ich mich in die Nacht! Seid lieb gegrüßt ✌🏻

    #3oder2DaysToGo
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  • Day27

    27. Tag Fanfría nach Sarria

    July 31 in Spain ⋅ 🌙 21 °C

    Tag 27 ist geschafft! Das Ziel ist in Sicht und es sind nur noch planmäßig 4 Lauftage bis nach Santiago. Bei Ankunft in Sarria zeigte das Ortsschild 115 Kilometer to go an. Wow! In einem meiner ersten Beiträge hatte ich ein Foto hochgeladen mit der Aufschrift ‚Santiago de Compostela 790 km‘. Auch mit Blick auf die Karte hier in der App ist es doch schon ein ganz schönes Stück! Okay, genug Honig ums Maul geschmiert.

    Ich weiß auch nicht warum, aber die letzten Tage liefen wirklich wie ein Schweizer Uhrwerk. Ich hatte kaum Schmerzen, bin gefühlt gesprintet und hatte Energie ohne Ende. Gegen 8:15 Uhr mit Blick auf Kuh Elsa gestartet, war ich nach ca 6 Stunden inkl Pause und bisschen trödeln im 30 Kilometer entfernten Sarria angekommen. Die Etappe hatte einen zwischenzeitlich ganz schön zum Schwitzen gebracht durch das hoch und runter gehen des Gebirges, aber die Aussicht hat es halt immer wieder komplett wett gemacht!

    Ich wurde jetzt schon öfters gefragt, ob ich denn auf dem Jakobsweg abgenommen habe. To be honest - ich weiß es nicht! Für viele die ersehnte Zigarette in einer Pause, freue ich mich doch immer wieder auf meine kühle Cola - ich glaube durch den Camino habe ich inzwischen Gesellschafteranteile erworben. In den Monaten vor dem Jakobsweg ca 12 Kilo abgenommen, bin ich nicht den Weg angetreten, um weitere Kilos zu verlieren. Wenn ich entscheiden müsste, ob ich noch mehr abnehme oder in Santiago de Compostela ankomme, würde ich definitiv Zweiteres wählen. Daher immer schön den Zucker als Motivation in die Adern pumpen - gib ihm!

    Was ich besonders auf dem Camino mag, zeigte mir nochmal eine Anregung aus dem Gespräch mit Matthias vor 2 Tagen. Es gibt hier keine Leute, die mit teuren Markenklamotten rumlaufen, ihre Rolex zeigen, mit einem teuren Autoschlüssel umherwinken oder sich damit rühmen das teuerste Haus auf Erden bzw. andere Statusobjekte zu haben. Man kann gerne die Louis Vuitton Tasche mitbringen, aber muss eben auch alles an seinem eigenen Körper schleppen. ‚Auf dem Camino ist die wichtigste Währung die Zeit, die man dem anderen schenkt‘ - das Zitat fande ich sehr einprägsam von Matthias.

    Gegen 14:30 Uhr in der Albergue Municipale eingecheckt, ging es für mich auf Stadttour. Die größte Spezialität aus der Region ist Oktopus! Ich als kompletter Kulturbanause, was das angeht und so Probierfreudig wie ein alteingesessener Rentner, der seit 60 Jahren pünktlich 12 Uhr seinen Sonntagsbraten auf den Tisch bekommt, habe ich mich hinreisen lassen, mir einen Ruck zu geben. So stand auf der heutigen Speisekarte: frischer spanischer Oktopus mit Olivenöl, Paprikapfeffer und einem knusprigen Brot dazu. Auf Tripadvisor das angesagteste Restaurant der Stadt gefunden, musste ich kurz anstehen, bis ich einen Platz bekam.

    Ich bin ehrlich: mein Fazit ist neutral. Es war schon an sich lecker, aber bekanntlich isst das Auge ja mit. Und sich da so einen Tentakeljungen in den Mund zu schieben, ist dann doch etwas ungewohnt. Aaaaaaber würde es trotzdem jedem empfehlen, der in der Region ist, es mal auszuprobieren!

    Den Abend mit Fussball schauen verbracht, freudig ein Bild aus dem Hort vom Public Viewing bekommen, war es dann doch kurzfristig kein erfolgreiches Ergebnis. Ich glaube aber speziell langfristig war es ein Riesenerfolg, da Frauenfußball immer mehr Aufmerksamkeit bekommt und die Menschen anfängt zu begeistern. Wir kamen im März/April ein wenig auf den Trichter und ich freue mich tatsächlich schon wieder auf die neue Saison! #N39

    In meinem gestrigen Blogeintrag noch von den Jugendtruppen erzählt, kann ich es jetzt zu 100% bestätigen. Heidi, Rosi, Zamantha und Claudia mit gemeinsamen T-Shirt ‚Jakobsweg 2022 - wir kommen‘. Fällt mir schon ein wenig schwer bei den ganzen Zabrinas neutral zu bleiben, gerade weil sie heute ihren ersten Tag in der Alberge haben und die ganzen Zimmer nur aus Kreischen bestehen. Freut euch auf Familie Gonzales morgen 4 Uhr - ich hoffe, dass jeweils 2 auf jedes Zimmer aufgeteilt sind! ☺️

    In meinen Abendemotionen den Gedankengang gehabt die letzten 115 Kilometer anstatt auf 4 Tage doch auf 3 zu kürzen. Ich komme aktuell Donnerstag 15 Uhr in Santiago an, um dann 18 Uhr in den Bus nach Porto zu steigen - ich mein, ich habe die letzten 4 Wochen auf einen Ort hingearbeitet, um ihn dann na h 3 Stunden hektisch wieder zu verlassen. Das schmerzt aktuell noch ein wenig!

    Ich werde den morgigen Tag abwarten, wie ich mich fühle - es würde 3x39 Kilometer auf der Taktiktafel in den nächsten 3 Tagen heißen, was völlig behindert wäre, aber ich hätte dann noch eine Nacht in Santiago. Jakobsweg in 30 Tagen, das wäre doch was!

    Mal sehen, jetzt erstmal die Augen zu. Mit dem Ergebnis meiner Hertha heute mal besser so!

    Buenas Noches! 🇪🇸

    #4oder3DaysToGo!
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  • Day26

    26. Tag Vega de Valcarce nach Fonfría

    July 30 in Spain ⋅ 🌙 17 °C

    Der inzwischen 26. Tag auf dem Jakobsweg startete wieder mit einer Geschichte, die wohl nur hier passieren kann. Vorgestern beim Start meiner Etappe in El Acebo einen pilgernden chilenischen Priester angetroffen, der komplett am humpeln war. Seine Knie sahen nicht mehr ganz gesund aus und er schleppte sich nur noch von dannen. Ich gab ihm den Tipp, dass Fred ein Australier mit einer Mitarbeiterin der Alberge in die nächste Stadt fährt, um sich neue Schuhe zu kaufen und er doch mitfahren könnte. Er sich bedankt für den Tipp und machte sich auf die Suche nach Fred.

    Heute morgen gegen 8:45 Uhr meinen Tag startend, war er das erste Gesicht, was mir begegnete. Er bewegte sich sehr gut, hatte Kniestabilisatoren dran und lächelte mich an. „Hey Alex, ganz großen Dank für den Tipp mit Fred! Du wirst es nicht glauben, aber Fred war Physiotherapeut und hat mich wieder fit gemacht - er bestand aber darauf, dass ich trotzdem mit ihm ins Tal fahre und mich nochmal durchchecken lasse - jetzt ist wieder alles gut!“. Ein schöner Zufall, dass ich ihn humpelnd angetroffen habe und vor Abfahrt mir Fred seinen Plan mitteilte, dass er heute mal pausiere. #AlexanderDerBote

    Mit nem kleinen Grinsen ging es anschließend in die heutige Königsetappe. Der Aufstieg zum mystischen O‘Cobreiro stand an! Noch nie so viele Pilgertaxis auf der Strecke gesehen, haben viele diese Etappe geskippt. Bei mir aber genau im Gegenteil, ich hatte heute so einen Lauf mit einer unglaublichen Energie, dass ich gefühlt den Berg hochgesprintet bin. Eine kurze Frühstückspause auf halber Höhe, erreichte ich nach 3 Stunden den höchsten Punkt. Man nannte ihn auch den Bergsteiger, aber den echten!

    Man kann die Etappen jetzt noch an einer Hand abzählen, ich kann es noch gar nicht so richtig glauben, dass das Ganze hier bald ein Ende hat. Heute wurde aber noch einmal ein großer Schritt Richtung Ziel gemacht, der mit einem kühlen Eistee Zitrone gegen 14:30 Uhr belohnt wurde. Wie früher auf dem Bolzplatz immer noch das perfekte Getränk, nach einer Sporteinheit in der Sonne!

    Den Nachmittag mit DFB Pokal schauen verbracht, meldete ich mich wieder zum Gemeinschaftsdinner 19 Uhr an. Auf der Strecke lernte ich schon kurz eine Gruppe Südkoreaner kennen, die super super höflich und zuvorkommend waren - jene saßen zu Abend mir gegenüber. Wir tauschten uns über die Erfahrungen auf dem Camino aus, dass sie auch in Saint-Jean angefangen haben, aber aufgrund der Hitze von Burgos nach Leon das Fahrrad genommen haben - mega gut!

    Wir lernten uns gegenseitig Deutsch und Koreanisch. So weiß ich jetzt, dass ‚hai suis o’ so viel heißt wie ‚you can make it!‘ und daraufhin schallte mit einem super witzigen Akzent ‚Komma jetzt!‘ durch den Essenssaal, als offizielle deutsche Übersetzung. Ich war schon immer ein Sprachengenie! Achso, bis 10 kann ich jetzt auch auf koreanisch zählen und das Witzige: Zwanzig, Dreißig, Vierzig ist auf koreanisch 2x10, 3x10 und 4x10. Was für Füchse!

    Auf den Konflikt mit Nordkorea die Jungs ansprechend, war ich dann doch schon echt krass schockiert. Es ist gesetzlich geregelt, dass man kein Kontakt mit einem Nordkoreaner aufnehmen darf, sei es denn ihm in die Augen zu schauen, wenn man dies doch tut, kommt man dafür ins Gefängnis. Die nordkoreanische Seite ist da nochmal ne ganz andere Welt: wer dort Kontakt mit einem Südkoreaner aufnimmt, wird der Todesstrafe ausgesetzt. So viel Harmonie und tollen Momenten auf dem Jakobsweg erlebend, hat das doch bei allen komplett Mund offen Emotionen ausgelöst, die man einfach niemals greifen kann.

    Die Jungs laufen morgen auch ca 30 Kilometer bis nach Sarria, wo der offizielle Startpunkt für ganz viele junge Menschen sein wird. Möchte man die Compostela in Santiago erhalten, was eine heilige Urkunde ist, muss man mindestens die 115 Kilometer von Sarria aus laufen. Pilger, die schon etwas weiter sind, berichteten davon, dass ganz viele Partytouristen unterwegs sind. Schauen wir uns mal an den Aal! Layla habe ich verdächtig lange nicht aus Boxen gehört ☺️

    Habt nen guten Samstagabend! ✌🏻

    #5DaysToGo
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  • Day25

    25. Tag Cacabelos nach Vega de Valcarce

    July 29 in Spain ⋅ 🌙 15 °C

    Mit Storm Boy von Xavier Rudd auf den Ohren, gehe ich super zufrieden in die Nacht. Es war ein sehr guter Tag!

    Die 25 Kilometer heute sehr gut abgespult, 2-3 kleine Pausen mit einem leckeren Tortilla-Frühstück nach 10 Kilometern, einer Trinkpause mit einer kühlen Cola und schließlich gegen 15:30 Uhr Ankunft im heutigen Zielort Vega de Valcarce. Das letzte Dorf bevor es morgen in die Königsetappe des Jakobswegs geht: über 1.000 Höhenmetern auf 7-8 Kilometern gezogen, um dann relativ schnell wieder steil bergab zu gehen. Die Magnesiumtabletten liegen bereit, Bananen sind eingekauft, Schuhe schon vorgeschnürt - ich bin bereit!

    Den Nachmittag ruhig angehen lassen, habe ich mich 19 Uhr zum gemeinsamen Albergendinner mit den anderen Pilgern eingetragen. Gemeinsam am Tisch mit einem Spanier, einer Mutter-Kind-Paarung aus Polen und mit Matthias aus Südtirol. Vorspeise Gazpacho, Hauptgang Spaghetti Bolognese und im Anschluss eine Tarte de Santiago trugen für einen super Start in den Abend bei. Achso, die 2 Gläser Rotwein nicht zu vergessen!

    Mich dann zwischenzeitlich für ein Telefonat mit Franzi und ein Geburtstagsanruf an Annemarie von der Runde verabschiedet, hatte ich eigentlich schon mit dem Tag abgeschlossen. Doch genau für solche Abende, wie er sich dann ergeben hat, fühle ich mich bestätigt, dass es sowas von die richtige Entscheidung war den Weg nach Santiago de Compostela anzutreten und sich mal eine gewisse Zeit aus seinem Alltag rauszunehmen.

    Matthias kam mit 2 Bier vor die Alberge, hatte mich telefonierend gesehen und mir dabei ein San Miguel in die Hand gedrückt. Als ich meine Geburtstagsglückwünsche fertig geäußert hatte, setzte ich mich zu ihm. Eine Bank vor der Alberge an der Straße des kleinen süßen spanischen Dorfs. Nichts besonderes, ganz einfach, aber irgendwie doch magisch - einfach der Einfachheit wegen.

    Matthias ist von seiner Haustüre in Südtirol gestartet, ist den Camino Portuges in einer kleinen Gruppe schon einmal gelaufen und entschied für sich, wenn er das nächste mal sich auf Reise begibt, dann alleine und aus der Tür hinaus. Stellt euch vor ihr lauft von Zuhause los, 20 Kilometer entfernt ins nächste euch bekannte Dorf und checkt dort in ein Hotel ein, obwohl ihr doch die Umgebung kennt und einfach mit dem Auto nach Hause fahren könntet, um dort zu schlafen. Die ersten Kilometer müssen da manchmal echt ein wenig komisch sein - aber auch witzig!

    Völlig ohne Erwartungen an das Gespräch gegangen, bin ich für die Tiefe jener hier auf dem Camino immer wieder sehr dankbar. Man vertraut sich völlig fremden Menschen nach wenigen Minuten an, macht sich angreiflich, aber irgendwie doch nicht. In Leipzig völlig unvorstellbar in eine Bar zu gehen, sich an einen fremden Tisch zu setzen und mit einer Person anzufangen über Glück im Leben zu sprechen.

    ‚Du entscheidest nicht den Camino zu gehen - der Camino ruft dich!‘ - ein Zitat, worüber ich viel nachdenken musste. Ich hatte schon oft im Kopf gehabt, es anzugehen, aber zwischen Vorhaben und wirklich Machen ist so ein großer Unterschied im Leben. Viele kleine Zahnräder haben dazu beigetragen, dass ich mich am 5. Juli auf den Weg begeben habe.

    Sein Leben an einem Wendepunkt, hat er seine Wohnung gekündigt, seine 2-3 Kartons bei Mama abgestellt und ist seine Reise angetreten - diese geht seit knapp 2 Monaten. Viele Entscheidungen vor sich, aber doch auch komplett im Hier und Jetzt lebend, habe ich sehr Respekt vor seiner Entscheidung. Von in Erinnerung bleibenden Begegnungen mit einem Mann berichtend, der nur noch 2 Jahre zu leben hat; zufällige Ereignisse, die kein Zufall sein konnten; Pilgerpaaren, die sich in Herbergen trotz 20 anderen „Schlafenden“ im Zimmer miteinander vergnügt haben oder die Frage, was Glück im Leben bedeutet - es waren viele einprägende Themen dabei, die ich vermutlich niemals sonst mit einem mir Fremden besprochen hätte.

    Ich hab ihm mein Link zum Blog geschickt, daher wirst du es bestimmt lesen - Buen Camino, Matthias und auf ganz bald!

    Mit diesen Zeilen verabschiede ich mich in die Nacht - buenas noches aus Vega da Valcarce! 🇪🇸

    #6DaysToGo
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    Nach nem tagesmarsch von fast 22 km barfuß am Strand von Norderney grüßt dich von Herzen [Mama]

    7/30/22Reply

    Danke Alex für das Gespräch!Wie ich dir auch gesagt habe,der Camino endet nicht in Santiago!"Choosing one path means giving up other paths".Hoffentlich sehen wir uns eines Tages wieder.Buen Camino!Matthias [Matthias]

    8/2/22Reply
     
  • Day24

    24. Tag El Acebo nach Cacabelos

    July 28 in Spain ⋅ 🌙 23 °C

    Mit dem heutigen Tag habe ich die 600 Kilometer Schallmauer durchbrochen. Wow! Wo ist die Zeit hin? Naja gut, to be honest - ich spüre es schon komplett in jeder Zelle meines Körpers!

    Vorhin mir den Spaß gemacht Google Maps aufzumachen, weiß ich nun:

    Ich bin 1 1/2 mal von Leipzig nach Andernach gelaufen, nach Flensburg wäre ich schon 100 Kilometer zu weit gelaufen und nach Hamburg sowie meine Kindheitsstadt Creglingen hätte ich fast 2 mal laufen können.

    Nichtsdestotrotz erstmal Füße auf den Boden behalten, es sind noch 200 Kilometer to go in den viel passieren kann. Aber inzwischen hab ich schon ein sehr gutes Gefühl, dass ich am Nachmittag des 4. Augusts in Santiago de Compostela ankommen werde. Ich visioniere manchmal während des Laufens und muss sagen, dass ich mich sehr auf das Gefühl freue!

    Der inzwischen 24. Tag hatte es wieder in sich. 32 Kilometer standen heute auf der Taktiktafel, die Temperatur war angenehm mit 33 Grad in der Spitze. Da ich gestern kaum zur Ruhe kam, nachdem ich erst 21 Uhr in der Alberge ankam und spät Abend aß, war heute morgen mal ein wenig Entspannung angesagt. 1 Uhr erst eingeschlafen, hatte die heutige Alberge eine gütige Checkout-Zeit von 11 Uhr angesetzt.

    Gegen 9:45 Uhr den Tag begonnen, habe ich es über jenen ein wenig bereut. Auch wenn man inzwischen über 40 Grad gewöhnt ist, sind auch 33 Grad Mittagshitze mit dem schweren Rucksack nicht ein Leichtes. Man lernt nie aus!

    Die ersten 10 Kilometer mit zwei Portugiesen gelaufen, ist uns etwas ganz mystisches passiert. Uns lief ein Hund entgegen, der partout nicht von unserer Seite weichen wollte und uns als vierte Person von nun an begleitete. Egal, ob wir losgerannt sind oder eine Pause einlegten, er wich uns nicht von der Stelle. Wir tauften ihn schließlich Perro, was wohl auf Portugiesisch Hund heißt.

    Bei der Hitze teilten wir natürlich auch ganz partnerschaftlich das Wasser mit ihm, da man sein Hächeln irgendwann schon im nächsten Dorf hörte. Die meiste Zeit steil bergab war es super schwer und ich muss auch sagen, ich mag bergab gehen sowas von gar nicht, aber warum auch immer zeigte er uns die besten Routen, wie man den Weg nach unten meisterte. Perro der alte Taktikfuchs!

    Irgendwann verließ ich die Gruppe, da ich noch 20 weitere Kilometer vor mir hatte - Perro blieb zurück. Ein Hund als Begleiter auf dem Camino, ganz verrückt aber auch super schön.

    Auf dem Weg wurde mir heute von einem Pilger während eines Gesprächs die Frage gestellt: „Alex, what was your favorite christmas present of all time?“ - was ne spannende Frage oder? Wurde mir noch nie gestellt und ich hab auch echt viel drüber nachgedacht, was es denn war, aber brauche da glaube ich noch den morgigen Weg für! Bei unserem nächsten Gespräch würde es mich sehr interessieren, was euer Lieblingsgeschenk seit der Kindheit war - sprecht mich gern drauf an 🙋🏼‍♂️

    Den Abend gab es eine leckere spanische Pizza, ein Glas Wein und eine Magnesiumtablette. Die 32 Kilometer stecken mir ganz schön in den Mauken! 18:30 Uhr angekommen, nach ca 9 Stunden auf der Piste, ist aber auch nicht ganz ohne. Okiii, macht’s schön gut wie Helene sagen würde ✌🏻

    #7DaysToGo
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    Traveler

    Sehr spannende Frage. Da gibst du uns auch eine Aufgabe! Il ne reste que 200 km 💪

    7/28/22Reply
     
  • Day23

    23. Tag Astorga nach El Acebo

    July 27 in Spain ⋅ ⛅ 16 °C

    Wow, was für ein Tag! Ich glaube mit diesem könnte ich allein ein ganzes Buch füllen. Liege komplett fertig, aber unglaublich stolz hier auf ca 1.200 Höhenmetern in der Koje und spüre komplett meine Beine, aber es hat sich gelohnt!

    Der Tag fing heute gegen 6:30 Uhr an. Warum auch immer schloss sich der Herbergenvater Familie Gonzales an, spielte ab jener Zeit irgendein Wolfsgeheule alias Klostergesänge, um dann 7 Uhr völlig selbstverständlich ins Zimmer zu kommen und das Licht anzumachen. Möge er das nächste Mal Salat in einer viel zu kleinen Schüssel umrühren!

    Wiederum ein was gutes hatte es: man war schon vor der Sonne auf den Beinen und begann seinen Tag. Ich hatte mir gestern Abend an der Taktiktafel ausgemalt, dass ich heute den Versuch angehen möchte, endlich mit klarem Kopf die letzten 8 Tage angehen zu können. Das schaffte ich, indem ich 2 Etappen an einem Tag lief - der Junge hat anscheinend nicht aus dem letzten Marathon gelernt, aber heute war wieder einer dran. Na gut nicht ganz - 38 Kilometer standen auf dem Tacho!

    Die ersten 9 Kilometer komplett aus dem Arm geschüttelt, machte ich meine erste Frühstückspause. Frisch gepresster Orangensaft, Tortilla, 2 Chorizobrote und ein Café Americano - herrlich! Nach einer Dreiviertel Stunde gut gestärkt weitergelaufen, bemerkte ich nach ca 1.5 Kilometern, dass ich meine Cap vergessen hatte. Ich bin ehrlich: ich hab sie auf der Straße vor 10 Tagen gefunden und in Leipzig hätte ich mir Safe gedacht ‚scheiß drauf, Ich Kauf mir einfach eine Neue‘. Aber da hier sein ganzes Hab und Gut ein Rucksack mit Sachen drin ist, baut man witzigerweise eine ganz neue Bindung zu den Sachen auf. Komplett Zähne knirschend ging es dann zurück zur Bar, eine halbe Stunde dadurch verloren, aber ich hatte sie wieder - die Cap!

    Der Weg war heute auf jeden Zentimenter einfach nur wunderschön. Wundervolle Natur, keine wüstige Meseta mehr und super süße kleine Dörfer. In einem dieser habe ich nach 5 weiteren Kilometer die nächste kleine Pause gemacht, ich war eigentlich schon vorbei, weil ich bis Kilometer 20 durchlaufen wollte, sah aber 2 Pilger, die ich mochte. So wurde ein 10 Minuten Rast für 2 Eistee Pfirsich Dosen gemacht.

    Für die folgende Geschichte sehr wichtig, bin ich nach der Bar dann Kopfhörer rein und zu meinem ersten großen Zwischenziel nach El Genso, was die Hälfte der heutigen Etappe war, gelaufen. Dort auf eine Cola einkehren wollen, merkte ich, dass mein Geldbeutel fehlte.

    Mein Geldbeutel, in dem mein Perso für den Rückflug, meine Geldkarte und ca 125 Euro sind. Ich komplett in mich gegangen, wo ich ihn verloren haben könnte, bestellte mir erstmal ein Sandwich, dazu ein kleines Bier. Mal kurz ein wenig Panik geschoben, wusste ich: auf dem Camino wird alles gut gehen. Wir haben einfach mal Glück! Einig war ich mir aber relativ schnell, die 8 Kilometer gehe ich dieses Mal nicht zurück, um zu sehen, ob er dort liegt. Am Nachbartisch die Truppe gefragt, ob jemand auf spanisch in meinem Namen bei der letzten Bar anrufen könne, um sich zu erkundigen, bin ich sehr schnell auf Hilfe gestoßen.

    4 mal angerufen, ging keiner ran. So sagte dann Giovanni, dass nur noch beten hilft haha. Kurzes Stoßgebet der Truppe gen Himmel gefeuert, kam original 30 Sekunden später ein amerikanisches Paar an der Bar langgelaufen, mit einem Foto meines Persos, ob wer diesen Mann kennt. Komplett happy gesagt, dass ich es bin, gaben sie mir eine Visitenkarte von Juan mit der richtigen Nummer der Bar, er hätte ihn gefunden. Der spanische Pilger ihn angerufen, meinte er sofort, dass er sich ins Auto setze und ihn mir bringe.

    So viel Nächstenliebe hier antreffend, war ich schon ein wenig beeindruckt und fühlte mich in der Schuld. Ca 10 Minuten stand er mit meinem Geldbeutel und alles noch drin vor mir, ich ihm 25 Euro Finderlohn angeboten, wollte er es partout nicht annehmen. Ich musste es fast in ihn reinprügeln, letztendlich hatte er es angenommen und meinte, er verwendet es für einen guten Zweck. Krass eh! Giovanni und Matthias für das Stoßgebet auf witzige Weise ein kleines Bier gefordert, gab es das auch noch als Belohnung und dann ging es wieder auf die Reise.

    15:30 Uhr kam ich auf Kilometer 25 in ein Bergdorf und hörte beim Ortseingang schon laute Musik. Den spanischen Klängen lauschend, erblickte ich eine Herberge mit vielen jungen Menschen, tanzend und schon das ein oder andere Getränk in der Hand. Ich wurde quasi dazu genötigt mit Rast zu machen, heute dann doch mehr Pausen als geplant, aber sehr schön! Mit der Info, dass sie einen Sonnenuntergangslauf planen und ebenfalls in das noch 12 Kilometer entfernte El Acabo wollen, lies ich mich darauf ein und stimme einem Mojito zu.

    18 Uhr loslaufend, kamen wir am Cruz de Ferro entlang - einer der bekanntesten Orte auf dem Jakobsweg. Viele Pilger bringen einen Stein oder ein Gegenstand aus ihrem Leben von Zuhause mit und legen ihn dann dort ab. Symbolisch dafür diesen Abschnitt, diese Seelenlast hinter sich zu lassen. Ich hatte auch einen kleinen Gegenstand dabei, welchen ich ablegte. Es war ein sehr emotionaler Ort: man fand dort viele Trauersteine, Bilder von Personen, kleine Briefe, aber auch einen Ring. Die Story dazu wüsste ich gerne!

    Giovanni den ich beim Mittagessen kennengelernt hatte, erzählte mir, dass er den Jakobsweg wegen seiner Mutter läuft. Es war immer ihr Traum diesen zu laufen, sie hat es aber nicht mehr geschafft und ist vor wenigen Jahren verstorben. Er hatte eine ganz tiefe Beziehung zu ihr und spürt sie auf jeden Meter. Ich komplett berührt von der Geschichte, dachte auch am Cruz daran. Er wolle morgen, wenn er daran vorbeikommt, dort ihr Bild ablegen und von ihr Abschied nehmen - natürlich unter Männern die Emotionen sich nicht ganz zeigen wollend, wurde gemeinsam angeprost und nach kurzen Luft holen, der nächste Witz gerissen.

    Niemals gedacht, dass 12 Kilometer so anstrengend sein können, befinden wir uns inzwischen im Gebirge. Es ging hoch und runter, viele Höhenmeter gemacht, war es mit einer der anstrengendsten Tage. Aber mit solch einem Sonnenuntergang belohnt zu werden, hat die heutigen Strapazen absolut entlohnt. Kann die Bilder schlecht in Worte fassen, aber ich glaube die Fotos zeigen es ganz gut - am höchsten Punkt des Jakobswegs mal ein wenig durchatmen.

    21 Uhr schloss der Checkin der Alberge, welche wirklich gigantisch ist. Punkt 20:59 Uhr war ich angekommen, völlig erschöpft, aber mit unglaublich tollen Erinnerungen eines ereignisreichen Tages bepackt. Der Pool eigentlich schon geschlossen, durfte ich nach kurzer rhetorischen Höchstleistung noch einmal reinspringen - ein Infiniftypool, Helge wäre neidisch!

    Das Frauenhalbfinale noch bei einem Rotwein geschaut, freue ich mich sehr auf ein wenig Ruhe. Mit der aufgehenden Sonne in Astorga losgelaufen, mit der Untergehenden in El Acebo angekommen - was ein Tag! 🙏🏻

    #8DaysToGo
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    Traveler

    Der Roman zu Tag 23 wäre ein Bestseller ;) bleib dran ☀️☺️

    7/28/22Reply
     
  • Day22

    22. Tag San Martín nach Astorga

    July 26 in Spain ⋅ ☀️ 23 °C

    Wie ein Bär die Nacht geschlafen, hörte ich Familie Gonzales heute mal nicht und schlief bis 7 Uhr durch - was ein Luxus für eine Herberge! Normalerweise steht Hektor in den letzten Tagen immer gegen 5 Uhr auf, aber ein was gutes hat es gerade: es wird kälter!

    Eine sehr große Erleichterung birgt der Blick auf die Wetterapp. Die nächsten 4 Tage wird es nur 30 Grad, sodass man ein wenig durchschnaufen kann. Dazu muss ich auch sagen, war heute der erste Tag, an dem ich keine Ibu nehmen musste. Die Schmerzen gehen weg, das Wetter wird besser - wat will man denn mehr?

    Die heutige Etappe war die ersten 7 Kilometer wieder fortführend an der Straße, aber danach eine sowas von wunderschöne! Daher auch ganz viele Landschaftsbilder dieses Mal in der Bildercaption. Die wüstige Meseta neigt sich dem Ende und man sagt, nach León wird es zwar bergig, aber dafür wunderschöne Natur. Einen kleinen Hauch davon durfte ich heute das erste Mal spüren. Super schöne kleine Pausenspots unter Bäumen, Olivenbäume en masse, Sonnenblumenfelder, dazu die perfekte Brise Wind und die Geschichte war ne Runde!

    Auf dem Weg heute habe ich in 3 Podcasts von Poschi reingehört. Ihn beim Bingo mit Max und Sempi kennengelernt, wusste ich gar nicht so sehr um seine große Pilgerleidenschaft. Umso schöner war es mit der Landschaft im Blick in die Storys von Managern, Priestern und Krankenschwestern auf dem Camino reinzulauschen! Wer seine Nummer hat, sagt ihm gern mal ein Gruß - ich glaube, wir sollten unbedingt nach meinem Camino mal etwas gemeinsam planen. Elsterartig oder so!

    Kurz vor Ende des heutigen Trips begegnete mir am Wegrand eine wundervolle kleine Pausenoase. Stellt euch das Gefühl vor, ihr könnt euch nach einem langen Arbeitstag in der Sonne an einen gedeckten Tisch voller Obst und Leckereien setzen, euch bedienen wie ihr wollt und legt dann das Geld hin, was es euch wert war. Ich bediente mich einer Banane und 4 Cherrytomaten und habe für dieses Erlebnis deutlich mehr bezahlt als ich gegessen habe, aber manchmal möchte man diese Dinge doch auch mit einer Wertschätzung versehen, wenn sie einem einen magischen Moment beschert haben.

    Gut gestärkt ging es in die letzten 4 Kilometer. Mit Blick auf die schöne Altstadt Astorgas lief es sich noch um ein Vielfaches einfacher - gegen 15 Uhr, nach ca 6 1/2 Stunden bin ich letztendlich angekommen.

    Die Hospitalera komplett in meinen Bann gezogen, nachdem sie beeindruckt war, wie gut ich doch spanisch verstehe, war sie dann final aus dem
    Häuschen als ich dann noch auf spanisch meinen Satz raushaue, den ich immer sage: „He aprendido espagnol por dos años en la escuela, pero quiero mejordar mi idioma!“. Inzwischen sage ich ihn so selbstbewusst, man könnte meinen, ich wäre Spanier. Der Satz danach, wenn der Gegenüber dann mit seinem normalen Spanisch anfängt, birgt dann aber meist Ernüchterung ☺️

    Nüchtern meine Spanischkünste aktuell ganz okay, unter Alkoholeinfluss natürlich Muttersprachler. Da kommen Dinge raus, die wusste ich nicht mal, dass ich sie sagen kann haha. Nein, Spaß! Ich glaube die bisherigen 21 Tage Spanien haben mir viel Lust darauf gemacht, noch mehr an meinen Spanischkünsten zu feilen. Nach Englisch, Französisch die dritte Sprache - Italienisch folgt dann irgendwann, wenn Silvia und Kiara es mir weiterhin so gut erklären. Hören sich doch eh alle gleich an!

    Den Nachmittag und Abend mit einer Stadtbesichtigung ausklingen lassen, kann ich Astorga auch sehr empfehlen. Hier steht ein Gaudi-Palast, ich pack ihn euch in die Bilder - mag es sehr!

    Na gut, ich widme mich mal der zweiten Hälfte des Films von gestern - bleibt so wie ihr seid, nur ein bisschen anders ✌🏻

    #9DaysToGo
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  • Day21

    21. Tag León nach San Martín del Camino

    July 25 in Spain ⋅ ☀️ 29 °C

    Tag 21 stand an und ich hab mir zum Start mal wirklich gar kein Stress gemacht - das Hotelzimmer musste ausgenutzt werden! Nachdem ich gegen 3 Uhr im Bett war, wurde ich gegen 7:50 Uhr das erste Mal wach. Kurz aus dem Fenster geschaut, war es schon hell - eigentlich ein Zeichen, dass ich mich unbedingt auf die Socken machen sollte, aber die beiden Kissen waren sowas von bequem, dass das Ganze mal nach hinten vertagt wurde - quasi eine Art Restday alias spätem Aufstehen.

    Es war irgendwann 11 Uhr und ich dachte mir, dass es langsam mal clever wäre, meine heutigen 25 Kilometer anzugehen. Zum Glück waren heute nur ca 34 Grad angesagt, dass einen die Mittagshitze nur so Dreiviertel komplett umhaute. Gegen 11:20 Uhr begann ich meine Tour durch das wunderschöne León. Wenn ich euch einen Tipp für einen schönen Städtetrip geben darf, dann ist es dieser - super schöne kleine Gassen, zu jedem kleinen Bier gibt es ein Tapa nach Wahl, die Stadt mit sehenswerten Sehenswürdigkeiten versehen (haha) und die Menschen super positiv mit großer Hilfsbereitschaft!

    Gestern Abend wurde es dann doch ein wenig emotional - Lawkin, Kevin und Andres legten einen Restday in Leon am Montag zusätzlich ein, sodass sich unsere Wege zwangsläufig trennten, da ich weiter musste Richtung San Martín und jetzt immer genau eine Etappe vor ihn laufen werde. Ich hätte nicht gedacht, dass mir jemand so ans Herz wachsen kann auf dem Camino, aber ich bin mir sicher: Lawkin werdet ihr bald in Leipzig kennenlernen! Ihm versprochen, dass wir uns in Santiago ganz sicher sehen werden, weiß ich noch nicht genau wie ich dieses umsetzen soll. Er kommt am 8. August an, ich am 4. planmäßig - wir werden sehen!

    Wenn man eine Etappe hätte skippen sollen, dann definitiv die Heutige! Sie war tatsächlich eine der Kategorie: absolut für die Tonne. Die Innenstadt Leóns ist wunderschön, aber stellt euch auch nur mal vor, ihr müsstet aus Berlin rauslaufen. Da siehst du halt wirklich alles - die Straßen waren nicht ganz super und die Industriegebiete nicht ganz schön anzuschauen. Was aber am ekligsten war, ab Kilometer 5 bis zum Ende 20 Kilometer an einer Hauptverkehrsstraße entlangzulaufen, auf der dir alle 2 Minuten ein LKW dir die Mütze gefühlt wegpustet.

    Nicht ganz clever gewesen die Route von 11-17:30 Uhr anzugehen, der prallen Sonne ausgeliefert, pushte ich mich mit Motivationsmusik und der Aussicht auf ein leckeres Essen am Abend. Ursprünglich geplant in die Albergue Municipale zu gehen, sah ich am Anfang des Ortes in San Martín eine mit Pool. Na gut, da wurde die Entscheidung direkt geändert - nach so einer scheiß Etappe dich schließlich mit einem Sprung in jenen zu belohnen, machte das Ganze für mich schon wieder zum Happy End!

    Nachdem mir Helene als großer Lady Gaga Fan schon oft empfohlen hatte, mir den Film ‚A Star is born‘ anzuschauen, bin ich der Empfehlung gestern Abend gefolgt. Sehr sehr schöner Film! Aber typisches Merkmal eines Alex Langners: gefühlt bei jedem Film abends, egal ob Kino oder Zuhause ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass es nicht irgendwann in einen sehr tiefen Atem übergeht und die Augen schließlich zufallen. Gerade nach 21 Tagen Laufen in den Knochen ein Unmögliches, bei so einem Film bis Ende wachzubleiben haha. Aber umso schöner: dann kann man die zweite Hälfte am nächsten Tag anschauen!

    Mit einem Ensalata Mista, Sparribs und einem Magnum Mandel Eis ging es zufrieden in die Nacht - für mich noch nicht ganz greifbar, aber 10 Tage to go bis Santiago de Compostela! 🍀🏁

    Packen wa’s - Tschüssle, Tschau, machets gut! ✌🏻
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  • Day20

    20. Tag Mansilla nach León

    July 24 in Spain ⋅ 🌙 16 °C

    Vor ein paar Jahren hatte ich während eines Praktikums in meinem Lehramtsstudium am Sportgymnasium in der 12. Klasse mal eine Stunde über ‚Wundergeschichten der Bibel‘ gehalten. Witzigerweise saß Sempi damals als Schüler mit drin - habe ich, nachdem wir uns kennengelernt hatten, rausbekommen - Sau witzig! „Alex, ich hab mal ne Frage“ - „Sempi, Herr Langner bitte!“ würde wohl heute eine Konversation aussehen, wenn wir uns damals schon gekannt hätten ☺️

    Während der Unterrichtsstunde ging es unter anderem über Wunderheilungen von Blinden, Stummen, Aussätzigen und Gelähmten (fragt gern Sempi, wird er sicherlich noch wissen) - die Stunde damit abgeschlossen, dass es viele Wunder auf Erden gibt, man nur genau hinschauen und daran glauben soll.

    Ich bin ehrlich, ich weiß nicht was Kamerade koreanischer Schnürschuh da mit meinen Knollen gezaubert hat, aber seitdem er sie angefasst und ein Gebet gesprochen hat, habe ich keine Schmerzen mehr und auch keine neue Blasen bekommen. Mit den Worten von Lawkin bestärkt, dass nichts aus Zufall auf dem Camino geschieht, war es bisher wohl mein persönliches Wunder!

    Mit Pablo‘s Machtwort im Zusammenspiel, dass ich mein Rucksack erstmal für 1-2 Tage jeweils senden soll, um für eine gute zusätzliche Erholung sorgen zu können, war das ein Weltklasse geschnürter Doppelpack!

    Der Tag war wieder ein sehr heißer, 37 Grad auf dem Tacho standen heute ca 23 Kilometer zu Buche. Nachdem die Füße vorerst standhaft wie ne deutsche Eiche waren, ging es jetzt auf die Knie - wäre ja auch Quatsch, wenn ich wirklich mal ohne Beschwerden laufen könnte. Daher wurde ne ganze ruhige Kugel gelaufen und gegen ca. 13:15 Uhr hieß es dann: Touchdown León! Kurz beim Stempeljungen die nächste Erinnerung geholt, hab ich für 8 Euro in der ortsansässigen Albergue Municipale eingecheckt.

    Über wunderschöne kleine Gassen mich dann mit Kevin, Andres und anderen Pilgernden zum Mittagessen getroffen, war ich ganz neidisch: alle haben sich heute in ein Hotel eingebucht. Nachdem wir letzte Woche in Burgos gelernt haben, sind Albergen in Großstädten nicht das cleverste, wenn dann mal wieder der Schnabel zu nass war und die Schließzeiten kollidierten. Ich mich nur mal provisorisch online informiert, was ein Hotel die Nacht kosten würde, stolperte ich dann leider Gottes über das Spa Hotel direkt an der Kathedrale. Mich als Riesen Saunaliebhaber damit ködernd, den Nachmittag im Swimmingpool und dem ein oder anderen Gang bei 90 Grad zu verbringen, war das schon fast frech. Na guuuut, den Lachs musste man natürlich direkt einbuchen.

    Schnell in der Alberge meinen Rucksack abgeholt, fühlte ich mich gegen 19 Uhr dann wie ein neuer Mensch. Komplett erholt in einem eigenen Bett mit normaler Bettdecke, super bequemen Kissen und nicht mit 15 anderen Personen, sich mit Schlafsack und Geschnarche im Hintergrund das Zimmer teilen zu müssen, ist wohl ein neu erreichter Luxus, den ich so nicht gedacht hätte, mal in meinem Leben auf so eine Art und Weise definieren bzw. genießen zu können.

    Gegen 20 Uhr trafen wir uns dann mit anderen Pilgernden in einer Bar. Dort erfuhr ich von einer Französin, die schon den Vorabend, wie ich ursprünglich eigentlich auch geplant hatte, da war und einen Restday machte, dass gestern alias Samstagabend ne Riesenparty hier ging und ich schmerzlichst von allen vermisst wurde. Alex Langner hat eine Party abgesagt, weil ein zusätzlicher Tagesfußmarsch leider nicht mehr möglich war - ich glaub der Junge muss in den Lebenslauf, blöde Füße! Wiederum im Nachhinein auch schön zu hören, dass es in Burgos doch besser war! ☺️

    Ich wurde am Telefon gefragt, ob zur Selbstfindung auch Party gehöre. Und ich bin ehrlich: für mich eine Riesenerkenntnis, dass es einfach zu meinem Wesen gehört, Menschen zusammenzuführen, eine gute Zeit zu haben, ihnen eine Plattform zu geben wo sie sich sehen können und mit meiner positiv-euphorischen Art unter anderem für einen super Abend beizutragen. Aber natürlich auch in einem gesunden, organischen Rahmen!

    Okay, back to business. Mit 2 Cañas mehr im Magen ging es dann gegen 21:30 Uhr zu Quentin, dem Koreaner in Paris wohnend, ins Hostel - er hatte uns eingeladen auf einen chinesischen Abend. Ich, gebratenen Reis mit Hühnchen erwartend, war völlig überrascht, was der gute Mann da aufs Parkett für uns zauberte. Bei 45 Grad in der Küche, Essen für 3 Fußballmannschaften ausreichend, gekocht, 4 Stunden komplett gekämpft, 2 Liter Wasser verloren, muss man den Mann echt dafür loben - Prädikat Weltklasse!

    Mich mit diesem Beitrag in einen Rausch schreibend, gab es eine wunderschöne Begegnung an diesem Abend. Ich komme mit den anderen aus der Bar ins Hostel hinein, sehe in der Küche mit dem Rücken zu mir sitzend, eine Silouette, die zu einer Person passen könnte. Ich kam ihr näher und irgendwann war es klar: Meeeggie! Die Amerikanerin von Tag 1 in Roncesvalles im Kloster, als ich mit Lawkin und Florian dem Forscher zu Abend aß und dort alles seinen Lauf nahm. Wir uns komplett gefreut uns zu sehen, gründlich umarmt, trifft der Satz doch immer wieder zu, dass man sich auf dem Camino immer zweimal sehe.

    Wir uns an Tag 3 oder 4 verloren, hatte sie den Bus für 3 Etappen genommen und war daher früher als geplant in León angekommen. Riesen Respekt davor, dass sie es bisher soweit geschafft hat. Ich meine, ich bin auch ein paar Kilos von meinem Ideal entfernt, aber wie sie selbst über sich zugibt, hat sie paar mehr Kilos auf den Rippen und da ist es noch eine größere Leistung bei der Hitzewelle in den letzten Wochen es ans Zwischenziel geschafft zu haben!

    Mit super positiven Emotionen und einem perfekten Grundkader ging es in den Abend, welcher klassisch 3 Uhr mit einem Polnischen meinerseits in der inzwischen fünften Bar endete - dieses Mal nicht die geschlossenen Albergentür als Kopfkissen, war es eine gute Nacht!

    Muchos saludos aus León!🍷🇪🇸
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