Zufall oder Schicksal
29. juni, Tyrkiet ⋅ ☀️ 31 °C
Gut ausgeruht und nach einem exzellenten Frühstücksbuffet starteten wir heute Morgen in den Tag. Vom Raum Sakarya aus führte uns der Offroad-Track zunächst über Akyazı hinein in die bewaldeten Berge südlich von Düzce – er ließ sich gut fahren, und wir kamen zügig voran. Doch im weiteren Verlauf wurde die Strecke – wie schon einige Male zuvor – immer anspruchsvoller. An einer Stelle mussten wir sogar absteigen und erst einmal in Ruhe überlegen, wie wir dieses Stück überhaupt bewältigen könnten.
Mittlerweile kletterten die Temperaturen deutlich über 30 °C, und mit seinen schmalen Singletrails und teils steilen Abhängen forderte uns der TET hier einiges ab. Deshalb beschlossen wir bereits am frühen Nachmittag, eine günstige Gelegenheit zu nutzen und den TET – der uns über Mudurnu bis in die Gegend um Nallıhan gebracht hatte – zu verlassen. Trotzdem ging es noch eine ganze Weile offroad weiter – allerdings deutlich entspannter zu fahren.
Bei einer kurzen Trinkpause stellte Dimi dann fest, dass die rechte Hauptstrebe seines Navi-Towers gebrochen war. Wir brauchten also dringend eine Werkstatt, die Aluminium schweißen kann. Die besten Chancen auf eine schnelle Reparatur rechneten wir uns in Ankara aus – rund drei Stunden entfernt. Nach einer kurzen Stärkung mit sehr leckerem Pide, Ayran und Salat machten wir uns also zügig auf den Weg dorthin. Vorbei am türkisblauen Sarıyar-Stausee und durch Çayırhan faszinierte uns die fast schon surreal anmutende Landschaft einmal mehr. Das Thermometer zeigte inzwischen 35 °C, was selbst mit Fahrtwind richtig anstrengend wurde.
Noch etwa eine Stunde von Ankara entfernt beschlossen wir, eine kurze Pause für ein Eis einzulegen und unsere Wasservorräte aufzufüllen. Und genau hier nahm der Tag eine wunderbare Wendung: Wir wurden zufällig von Ömer angesprochen – in fließendem Englisch. Ömer war gerade mit seiner Familie zum Einkaufen unterwegs, und wir kamen sehr nett ins Gespräch. Als wir ihm zeigten, weshalb wir heute noch unbedingt nach Ankara wollten, bot er kurzerhand an, uns zu einem Freund zu bringen, der als Mechaniker arbeitet. Dieser konnte den Schaden zwar nicht selbst beheben, kannte aber einen Schweißer in derselben Straße, der auch Aluminium schweißen kann.
Während die Reparatur lief, bot Ömer uns an, uns noch etwas von Beypazarı zu zeigen – jener Stadt, in der wir ganz zufällig gelandet waren. Er fuhr uns mit seinem Auto durch eine wunderschöne, in der Gegend sehr bekannte Schlucht, die eher wie ein Canyon wirkte, zeigte uns eine große Wasserfabrik, deren Besitzer er gut kennt, und nahm uns anschließend mit in die historische Innenstadt. Gemeinsam besichtigten wir eine 800 Jahre alte Moschee und schlenderten durch die Gassen der Altstadt, die rechts und links von unzähligen Verkaufsständen gesäumt sind. Schließlich half uns Ömer sogar noch dabei, ein gutes Hotelzimmer zu finden, bevor er uns wieder zu unseren Motorrädern zurückbrachte.
Das Schönste an dieser Begegnung waren jedoch die guten Gespräche – über seine sehr liberale Weltanschauung und über die historische Bedeutung Beypazarıs. Die Stadt war einst ein kulturelles Zentrum an der Seidenstraße und ist bis heute für ihr Silberhandwerk, ihre schöne Natur und ihre vielen Freizeitmöglichkeiten bekannt. Viele türkische Touristen kommen sowohl aus Ankara als auch aus Istanbul hierher. Mit seiner herzlichen, offenen Art erzählte uns Ömer auch viel Persönliches: von seiner Frau, die als Lehrerin arbeitet, von seinen Kindern, die Informatik und Schiffbau studieren, und von seinem früheren Beruf bei der Polizei mit Auslandseinsätzen in Dänemark und Georgien.
Zusammengefasst verbrachten wir einen wunderschönen Nachmittag und Abend in ausgesprochen angenehmer Gesellschaft – eine jener Begegnungen, die eine Reise für immer unvergesslich machen.Læs mere












RejsendeSehr spannend 👍