• Geisterdörfer

    April 26 in Spain ⋅ ⛅ 16 °C

    Viele der Dörfer, durch die wir radeln, wirken verlassen. Die Rolläden unten, überall Schilder mit „Zu verkaufen“. Besonders krass war es in den letzten Tagen auf den Hochebenen. Früher scheinen die Menschen hier von Schafen gelebt zu haben. Es gibt immer ein verschachteltes Dorf für Menschen und daneben das Dorf für Schafe, eine größere Ansammlung pultartiger Ställe aus Feldsteinen. Wahrscheinlich hatte jeder Dorfbewohner mal einen Stall. Jetzt ist alles leer. Die Ställe zerfallen und in den Dörfern sieht man kaum einen Menschen. Keine Investitionen, kein Neubauviertel, nichts. Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Die Menschen zogen vor langer Zeit weg und alles blieb wie es ist. So viel ich weiß, ist in keinem anderen Land die Landflucht so verheerend wie in Spanien. Einzig ein paar Traktoren fahren herum. Und ein paar Alte bis sehr Alte sitzen auf einer Bank. An einer Bushaltestelle studieren wir den Fahrplan: der Bus fährt einmal im Monat, wenn wir es richtig verstanden haben. Im wöchentlichen Wechsel kommt eine Krankenschwester und ein Arzt. Die Alten, denen wir einen guten Tag wünschen, wirken trotzdem nicht deprimiert, sondern stahlen richtig. Wir fragen uns, wie es hier wohl früher war, mit all den Menschen in den Dörfern. Und wie es in fünf bis 10 Jahren wohl aussehen wird, wenn die letzten Alten verstorben sind.Read more