Manchmal reist man nach Plan. Und manchmal nach Windstärke. Heute ist eindeutig Letzteres dran. Nach all den sonnigen Tagen in Japan legt das Wetter eine kleine Denkpause ein.
Kapitän Michael Schmid hatte uns gestern schon vorbereitet: mehr Wind, heikle Hafeneinfahrt, kein Lotse, keine Schlepper. Er wolle es dennoch versuchen. Vielleicht, meinte er augenzwinkernd, könnten wir ja das Amami-Kaninchen entdecken, einen goldgepunkteten Ishikawa-Frosch oder sogar die giftige Habu-Viper. Klingt spannend. Klingt aber auch nach nassem Abenteuer.
Beim Frühstück schaukelt unsere Diva bereits sanft, aber bestimmt. Statt Sonnenaufgang sehen wir ein graues Inselchen mit einer Zufahrt, die eher nach „Mutprobe“ aussieht. Tendern wäre sportlich gewesen, das Wellenreiten zur Pier die Kür. Zwei Versuche unternimmt der Kapitän, dann entscheidet er sich für Vernunft. Recht hat er. Außerdem: kein Wetter für Kaninchen.
So verschwindet Amami beim zweiten Kaffee langsam im Grau. Wir bleiben an Bord und freuen uns überraschend ehrlich über einen weiteren Seetag. Morgen soll es nach Naha gehen – das Wetter bleibt launisch, aber der Hafen ist freundlich gesinnt.
An Bord wird umdisponiert: Vorträge statt Landgang, Pokerturnier, längeres Frühstück und zehn Prozent im Shop. Der Tanzkurs fällt aus – Schrittfolgen sind heute eher Wunschdenken. Ansonsten läuft alles entspannt weiter.