• Naha/Okinawa, Japan

    January 21 in Japan ⋅ 🌬 16 °C

    Wind, Regen und Stadtleben: Ein Tag in Naha

    Schon beim Anlegen wissen wir: Heute wird wild. Der Wind zerrt am Schiff, zwei Schlepper kämpfen uns an den Anleger. Wir stehen an Deck und spüren die Power, die hier im Spiel ist – ein Vorgeschmack auf das, was uns später erwartet.

    Naha ist uns vertraut. Es gibt keinen festen Zeitplan, nur eine Richtung. Wir gehen in die Stadt und lassen uns treiben. Der Himmel kann sich nicht entscheiden: immer wieder Regen, dann kurze Pausen. Dieses Wechselspiel begleitet uns durch den Tag.

    Noch bevor wir richtig durch den Markt gehen, probieren wir Kobefleisch. Kurz gezögert, dann entschieden – frisch zubereitet, mitten im Markt. Danach schlendern wir durch die Gänge, schauen, bleiben stehen und lassen die Eindrücke wirken.

    Am Naha Hiwaga Markt herrscht Ruhe. Kein Touristentheater, nur pures Alltagsleben. Nichts will beeindrucken, alles wirkt echt. Wir nehmen uns Zeit und bekommen Naha ungefiltert serviert, mit allen kleinen Details, die einen Ort ausmachen.

    In der Tsuboya Yachimun Street verlangsamt die Zeit spürbar. Töpfer formen Keramik in kleinen Werkstätten, unsere Schritte werden leiser, die schmalen Straßen zwingen uns ins langsamere Tempo. Wir schauen den Handwerkern zu und lassen uns bewusst treiben.

    Dann zieht uns der Fischmarkt in Matsuo wieder in seinen Bann. Wir bleiben stehen, staunen über die Vielfalt: Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch, alles frisch und sauber präsentiert, vieles direkt zubereitet. Einheimische und Touristen stehen dicht nebeneinander, alle gleichermaßen fasziniert.

    Auf der Kokusai Dori bummeln wir durch die Läden, lassen uns noch einmal treiben. Zehn Kilometer haben wir inzwischen in den Beinen – die Füße melden sich lautstark, als wollten sie sagen: „Danke für die Auslastung, wir machen jetzt Pause!“ Trotzdem genießen wir die letzten Schritte durch die Stadt, die uns noch nicht losgelassen hat.

    Beim Auslaufen steigt die Spannung erneut. Die Schlepper müssen ran, das Schiff drückt gegen die Kaiwand, die Seile spannen sich gefährlich. Wir halten die Augen offen, hoffen, dass alles hält – und können uns ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen, weil wir wissen, wie schnell man auf dem Wasser in die Katastrophen-Arena katapultiert wird. Dann endlich: Wir sind frei.
    Draußen peitschen Wind und Wellen. Eine stürmische Nacht liegt vor uns.

    Nächste Etappe 238 Seemeilen (441 km) bis Ishigaki, Japan 🇯🇵

    Ahoichen 🚢
    Read more